31.12.2026 – Altjahrsabend / Silvester

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. Evangelium
2 Mose 13,20-22 1 Joh 2, 18-21
Hl. Silvester I: Ez 34, 11-16
Joh 1, 1-18
Hl. Silv.: Mt 16, 13-19

Ev. Predigttext

Elementare Präsenz Gottes

Mich hat der Text (zunächst unerwartet) an meine Erfahrungen in rauer, unbeherrschbarer Natur (Regen, Kälte, Gewitter) erinnert. Ist Gott gerade da erfahrbar?

Zwei geradezu archaische Bilder werden für Gottes Begleitung durch die Wüste benutzt: Wolkensäule und Feuersäule. Feuer und Luft – oder Feuer und Wasser (H.D. Preuß: erinnert an Vulkanausbruch). Drei der vier Grundelemente also. Wenn hier Elemente als Wegweiser dienen, heißt das auch: Schöpfung selbst in Gestalt der Elemente ist Wegweiser und Zeichen der Gegenwart Gottes.

Dabei sind diese Zeichen weniger Auftrag („Folgt mir“) sondern vielmehr Zusage („Ich gehe vor euch her“/“ich bin bei euch“). Als Leitbild der Predigt zum Jahreswechsel kann die Frage stehen, welche der vier Elemente die Zuhörenden schon einmal als Erfahrung mit Gott gedeutet haben. Wo werden Zeichen der Schöpfung (z.B. der Jahreskreislauf) zur Erinnerung der Präsenz Gottes? Selbst Tag und Nacht, Frost und Hitze (Gen 8,22) werden zur permanenten Erinnerung  dieser Gegenwart.

Das Volk Gottes konnte so aufbrechen in unbekanntes Land, in einen Raum, von den sie keine Bilder, keine Vorstellung hatten. Es war der Weg über die Grenze der Wüste hinaus. Gemeinde und Gesellschaft stehen derzeit an Wegmarken, an denen es über vorstellbare Grenzen hinaus geht (sich zuspitzender Klimawandel, Verlust eines friedlichen Europa, aber auch faszinierende neue Technik…). Nicht Sicherheit „im Kopf“ trägt also, sondern „elementares“ Spüren der Erde, die uns trägt. Sie kann mit allen Elementen zur Erinnerung an die Präsenz Gottes werden. Dafür lohnt es, sich Auszeiten „in Kontakt zur Erde“ – also draußen in der Natur zu gönnen. Es lohnt, die eigenen Fragen im Blick auf das neue Jahr der rauen Natur des Winters auszusetzen – im Vertrauen, dass Gott eben auch in „Wolken und Feuer“, in „Frost und Hitze“ erfahrbar wird.

Die Israeliten konnten weitergehen – und die Erfahrung von Wolken- und Feuersäule wurde zur Erfahrung des „erleuchteten Weges“ (Neh 9,12).

Ein „Nebeneffekt“: Mit dieser Sicht auf die Erde wird sie zu heiligem Land. Und damit zu etwas, mit dem wir sorgsam umgehen. Es entsteht Beziehung zwischen der Erde und uns. Und in dieser Beziehung entsteht Glaube und Vertrauen neu und anders.

Liedvorschlag: EG 65: Von guten Mächten treu und still umgeben (Dietrich Bonhoeffer)

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Kath. Texte - Johannes 1, 1-18

Gott in Dunkel und Licht

Das alte Jahr endet im Dunkel der Silvesternacht. Dies kann Sinnbild des Unbekannten im Blick auf das Neue sein. Ein neues Jahr ist immer völlig unbekanntes Land (siehe auch Text zu Exodus 13,20-22). Und gerade, wenn wir uns dieser Finsternis bewusst aussetzen (vielleicht in einem Moment abseits der hellen Städte), begreifen wir neu die Wirkkraft von Licht.

Der Evangelist Johannes gebraucht das Bild von Finsternis und Licht für die Gegenwart des Christus in dieser Welt. Christus als „Licht der Welt“ ist zum einen ein tröstliches Bild zum Jahreswechsel. Die Gegenwart Gottes beginnt allerdings nicht erst mit dem Licht. Gott wohnt auch im Dunkel (Jochen Klepper EG16: Gott will im Dunkel wohnen).

Darüber hinaus ist dieses Licht im Johannesprolog eine Erinnerung an die Schöpfung (V10) und damit an die Verantwortung für diese. Schöpfung ist Ausdruck der Gottesgegenwart mitten in der Zeit. Jeder Anbruch eines neuen Tages (Jahres) wird damit zur Erinnerung an das erste Licht und an unsere Abhängigkeit von Licht und Sonne.

Matthäus 16, 13-1

Im Vertrauen

Hinweis des Autors: Keine direkten schöpfungstheologischen Bezüge wahrgenommen. Daher: Ein Versuch.

Petrus wird an seine Verantwortung in dieser Zeit und Welt erinnert. Hier soll er „binden“ und „lösen“. Hier soll er Kirche für diese Welt bauen. Christliche Verantwortung bedeutet immer auch, Menschen zu befreien von Dunkelheit, Angst, Misstrauen. Und damit wird ihnen Freiheit zum Handeln füreinander und für diese Schöpfung geschenkt.

Dieses befreiende Handeln braucht nicht nur Öffentlichkeit sondern oft das vertrauliche Gespräch unter vier Augen. Hier begegne ich Christus im Nächsten. Hier lerne ich den anderen verstehen. Die Botschaft von Christus besteht mindestens so sehr im Handeln wie im Reden.

Das Jahresende bietet Raum zum Loslassen des Alten, um befreit zum Handeln in das neue Jahr zu gehen.

1 Johannes 2, 18-21

Was trägt mich in herausfordernden Zeiten?

Der „Antichrist aus den eigenen Reihen“ bot immer schon viel Raum für Spekulationen und Verurteilungen. Von daher ist Vorsicht geboten. Am Jahresende könnte eher rückblickend die Frage stehen, welchen Mächten und Mächtigen man vertraute und wo umgekehrt Begegnungen entstanden sind, die nachhaltig veränderten.

Die Frage nach der „letzten Stunde“ kann in Zeiten des immer deutlicher werdenden Klimawandels eine Warnung sein. Wo sind die zerstörerischen Kräfte unserer Zeit – und wo entstehen umgekehrt neue Kräfte, die Gemeinde und Gesellschaft stärken?

Die Erinnerung an Christus als den Gesalbten ist wie heilsames Öl. Es braucht Momente des Segens in Gesten, in Momenten draußen in der Schöpfung oder in der Gemeinde. Gerade „spürbare“ Erinnerungen schaffen Vertrauen für den Weg in das neue Jahr.

Ezechiel 34, 11-16

Wie Vertrauen entsteht

Schon mal ein Schaf „im Arm“ gehabt? Da entsteht Beziehung zwischen Mensch und Tier. Das braucht aber auch Vertrauen. Sonst geht das Schaf auf Distanz.

Das Bild von Gott als dem eigentlichen Guten Hirten zieht sich durch AT und NT und lädt ein, Gott zu vertrauen. Das Vertrauen entsteht aber nur ohne Angst. Angst vor Gott zerstört Glauben.

Gleichzeitig steckt in Ez 34 eine Warnung an die, die in Gemeinde und Gesellschaft Verantwortung tragen. Eigennutz und Kurzsichtigkeit führen zu Hunger und Leid. Und eben auch zu Distanz. Nur, wo wir uns auf Augenhöhe begegnen, finden wir gemeinsame Lösungen für die Nöte dieser Welt.

Zum Jahreswechsel: Was brauche ich, um vertrauensvoll in das neue Jahr zu gehen? Und welches Bild von Gott trägt mich dabei? Fühle ich mich mit meinen Fragen und Sorgen „umarmt“?

Matthias Brust, Springe