| ev. Predigttext | kath. 1. Lesung | kath. 2. Lesung | kath. Evangelium |
| Lk 2,(22-24)25-38(39-40) | Sir 3, 2-6.12-14 (3-7.14-17a) oder Gen 15, 1-6; 21, 1-3 |
Kol 3, 12-21oder Hebr 11, 8.11-12.17-19 |
Lk 2, 22-40 |
Fest der Heiligen Familie: Hintergrund und Bedeutung
Das Fest der Heiligen Familie ist ein liturgisches Fest der röm.-kath. Kirche, das Jesus, Maria und Josef besonders als Familie würdigt. Das Fest wurde im 19. Jh. zur Zeit der Industrialisierung eingeführt, als viele Familien familiär mit ihren Grenzen konfrontiert wurden oder aufgrund vielfacher Belastung sogar zerbrachen. Das Fest der Heiligen Familie sollte diese oft hoffnungslosen Familien mit seinem schöpfungsgerechten Gegenpol stärken. Es wird am Sonntag der Weihnachtsoktav gefeiert.
Predigtanregungen
zum Evangelischen Predigttext: Lk 2,(22-24) 25-38 (39-40) und zum kath. Evangeliumstext: Lk 2,22-40:
Simeon wartet schon lange auf den Messias. Vielleicht hat er so manches Mal an der Offenbarung des Heiligen Geistes gezweifelt. Und dennoch folgt der gerechte Simeon seiner spontanen Eingebung, den Tempel aufzusuchen. Er tut dies mit der Weitsicht eines tiefgläubigen Menschen. Als der blinde Simeon Jesus gegenübertritt, öffnet sich sein Herzensauge und er erkennt in Jesus „das Heil der Welt“. Ein Heil, dass darin besteht, dass Gott zu uns Menschen sagt: Fürchte dich nicht! Ich bin bei dir genau dort, wo du bist. Auch und gerade in deinem persönlichen Leid bin ich bei dir!
Dort im Tempel werden Simeon und die Prophetin Hanna zu Zeugen der Zeitenwende. Beide erleben im Tempel die Erfüllung von Gottes Bundestreue und seiner Zuwendung zu den Menschen. Beide werden Zeugen eines Neubeginns. Ein Neubeginn, der mit der Menschwerdung Gottes in Jesus das Heil der Welt erahnen lässt. Das Jesaja-Wort aus Jes 61,1 findet hier seine Erfüllung. Aus dieser Erfahrung heraus eröffnet sich Simeon und Hanna eine Hoffnung auf Zukunft über das eigene Leben hinaus. Hanna sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.
Schimmert dabei nicht schon eine Generationen-übergreifende Verantwortung von Gabe und Aufgabe hindurch und eröffnet einen Hoffnungshorizont auch für uns? Welche Verantwortung kann und muss jeder Einzelne von uns heute wahrnehmen? Wunderbare Wegweiser hierzu sind in der Enzyklika Laudato Si [LS] - (2015) von P. Franziskus über die Sorge für das gemeinsame Haus [unsere Erde] zu finden. So schreibt er in [LS 13]: „Der Schöpfer verlässt uns nicht, niemals macht er in seinem Plan der Liebe einen Rückzieher, noch reut es ihn, uns erschaffen zu haben.“ Ja er geht sogar noch weiter und betont in [LS 52], dass wir eine einzige Menschheitsfamilie seien, die der Globalisierung der Gleichgültigkeit keinen Raum bieten dürfe. Familie sieht P. Franziskus in dieser Entwicklung nach dem Prinzip der Subsidiarität als Grundzelle der Gesellschaft. Sie kann beitragen, das Gemeinwohl über den sozialen Frieden zu gewährleisten [LS 157] und helfen, die von Gott uns anvertraute Erde zu schützen. Durch die Zusage an den blinden Simeon und dessen Erfahrung, dass was zerbrochen ist heilen kann, können auch wir hoffnungsvoll in unsere Zukunft blicken. Unsere Zukunft muss „enkeltauglich“ sein.
Aus dieser Hoffnung heraus können auch wir unser Leben unter dieses Vertrauen stellen und Brücken zu gelingendem Leben schlagen.
zur 1. kath. Lesung: Gen 15,1-6; 21,1-3
Die Weg- und Glaubensgeschichte Abrams (ab Gen 17 Abraham) lässt sich kaum auf die vorliegenden Textstellen von Gottes Bund mit Abraham und Isaaks Geburt isoliert betrachten. Von Gen 12, dem Segen Abrams, bis hin zur Erprobung Abrahams in Gen 22 hören wir von einem großen Erzählbogen. Er ist von dem prozesshaft wachsenden Glaubensgeschehen Abrams, jedoch auch von seinen wiederkehrenden Zweifeln getragen. Auch der Ursprung des Beschneidungsritus, der uns in Gen 17, 10-13 begegnet und eine Verknüpfung zu LK 2 darstellt, bliebe verborgen.
Abraham kann als Paradigma des Gottvertrauens auf dem Weg vom Polytheismus zum Monotheismus gelten. Sein Weg ist mit der Erfahrung von Gottesnähe, aber auch der Erfahrung von Krisen gesäumt, einer „Heimat“ entgegen, wie auch Simeon in LK 2 es erfuhr.
Abraham lebte als „Friedensquelle“ am gemeinsamen Ursprung der drei abrahamitischen Religionen, als Vorfahre von Moses, Jesus und Muhammad, als Stammvater von Juden, Christen und Muslimen. Die Herkunft aus einer gemeinsamen Wurzel ermöglicht es uns weltweit Gemeinschaftserfahrungen zu machen und den Geist der Solidarität untereinander zu leben. Eine Erfahrung, die alle Menschen zu gleichberechtigten Söhnen und Töchtern des EINEN Gottes macht. Letztendlich geht es ja um die Erkenntnis, dass Gottes Bundeszusage und sein JA zum Guten stärker sind als menschliches Versagen und Gewalt, denn der Friede Gottes ist höher als alle Vernunft (Vgl. Phil 4,7).
So wie die Bibel die Theologie der Hinwendung Abrahams zu JHWH als ein prozesshaft wachsendes Glaubensgeschehen entfaltet, so können auch wir uns von diesem Glaubenszeugnis be*geist*ern lassen. Wir können mit unserem Glaubenszeugnis dafür eintreten, dass Gottes Heilsbotschaft Kreise zieht, wenn wir uns vom Geheimnis des Herzens berühren lassen und offen für Gott und füreinander werden.
zur 2. kath. Lesung: Hebr 11,8.11-12.17-19
Abraham findet zu einem Glauben, der eine Grundentscheidung seiner gesamten Person verlangt und ihn als ganzen Menschen verwandelt. So kann er wegziehen, ohne zu wissen, wohin er kommen würde. Abraham stirbt alt und lebenssatt. JHWH hatte ihn mit allem gesegnet.
Am Vorbild Abrahams lernt auch Sara der Treue JHWHs glaubend zu vertrauen und erhielt die Kraft, trotz ihres Alters noch Mutter zu werden.
Das in Hebr 12,19 angesprochene Sinnbild betont den Paradigmenwechsel zwischen dem Alten Bund und der Gottesbegegnung mit Donnerschall und Posaunenklang am Berg Sinai (Ex 19,16-25) und dem Neuen Bund mit Jesus als dem Heil der Völker, wie es auch in Lk 2 vorgestellt wird.
Das Glaubenszeugnis der vergangenen Generationen kann auch heute einladen, den Willen Gottes und das Licht seines Heils in dieser Welt zu erspüren und schöpfungsgerecht weiterzutragen. Eine Brücke über die sich im Glauben neue Hoffnung für ein gelingendes Leben schöpfen lässt.
Monika Migge, Hildesheim