25.12.2026 – Weihnachten / Christfest I / Tag der Geburt

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Jes 52,7-10 am Morgen: Jes 62, 11-12
am Tag: Jes 52, 7-10
am Morgen: Tit 3, 4-7
am Tag: Hebr 1, 1-6
am Mo.: Lk 2, 15-20
am Tag: Joh 1, 1-18

Einführung

1. Weihnachtstag – der Trubel ist vorbei, die Gottesdienstgemeinde ist wieder „unter sich“. Erwartungen können sein: Weihnachten nachklingen lassen, vertiefen, Abendmahl feiern, sich noch einmal in der göttlichen Gegenwart zusammenfinden.

Eine setzt der persönlichen Einsamkeit der Feiertage etwas entgegen und sucht heute bewusst Gemeinschaft. Einer kommt auch lieber nicht an Heiligabend, sondern feiert am 4. Advent vor oder wartet eben auf den Morgen nach dem Heiligen Abend.

Nach dem gesellschaftlichen Höhepunkt und den Jahresabschlüssen kann Müdigkeit ein Thema sein, jedenfalls ein Übergang in ruhigere Tage. Die Evangelische Kirche Hessen-Nassau stellt für ein geistliches Begehen der „Rauhnächte“ Impulse für jeden Tag zur Verfügung.[1]

Jesaja 52,7-10: Nicht die Katastrophe, sondern Rettung kommt auf uns zu

Der Bibeltext aus Deuterojesaja Jesaja 52,7–10 malt nach der bereits eingetretenen Katastrophe des babylonischen Exils ein Bild von der Wiederherstellung Jerusalems und des Volkes Israel und nimmt den Buchanfang Kap. 40,1ff auf. Die Verkündigung des Heils ist verbunden mit einer Erwartung des Exodus aus Babylon (V. 11+12). Direkt danach folgt die Passage vom leidenden Gottesknecht (52,13ff). Jesaja 52 ist eine Verheißung an das jüdische Volk, als Christ:innen sind wir mit hineingenommen und deuten es auf das Heilshandeln Gottes in Jesus Christus hin. Eine kurze bibelkundliche Einführung hat auch in der Predigt ihren Platz, um so die Mündigkeit der Gemeinde in der Auslegung biblischer Texte und ihre Resilienz gegenüber biblizistischen Herangehensweisen zu stärken.

V. 7 skizziert Momente, die für die Predigt leitend sein können: Die Situation der Müdigkeit/Hoffnungslosigkeit angesichts der nicht enden wollenden Krise steht im Hintergrund für die nahende Freude. Die gute Nachricht ist die nahende Königsherrschaft Gottes, die umfassenden Frieden (šālôm) und Rettung/Heil (yəšûʿāh) im Gepäck hat.

  1. Woher höre ich die gute Nachricht der Freudenboten, was kündigt sich bereits an, auch wenn es erst mal nur schwach zu hörendes Fußgetrappel ist?
  2. Das Heil kommt von Gott her. Die Gottes-Perspektive entlastet und gibt Hoffnung, ohne den eigenen Beitrag zum Frieden unbedeutend zu machen.
  3. Umfassender Friede und Rettung ist das, was auf uns zukommt, nicht die Katastrophe ist das Endgültige.

Der Religionswissenschaftler und Antisemitismus-Beauftragte des Landes Baden-Württembergs, Dr. Michael Blume, weist anhand des Noah-Mythos immer wieder darauf hin, wie wichtig das Festhalten daran ist, dass die Welt etwas Gutem entgegen geht, dass man trotz allem Vertrauen haben soll, anstatt verschwörungstheoretischen Dystopien das Wort zu reden. Dieser Gedanke verbindet die abrahamitischen Religionen. Wichtig sei die „damit verbundene Zusage, dass trotz allem Bösen doch gute Mächte die Welt regieren und es daher sinnvoll ist, für die Zukunft zu arbeiten, zu forschen, zu leben und zu lieben.“[2]

Johannes 1,1-18: Gott lässt sich auch im Erleben der Schöpfung finden

Im Sommer scheint die Trockenheit mit Waldbränden und niedrigem Wasserpegel im Bewusstsein der Menschen und in der Breite der Medien angekommen zu sein. Aber wie lange hält das Bewusstsein, wenn es kühler wird und Regen gibt, was ist an Weihnachten noch übrig davon? Das Gedächtnis ist hier oft sehr kurz.

Dagegen steht die Ewigkeitsperspektive, in die wir mit dem Johannesprolog eingebunden werden: Gottes umfassender Heilsplan, in den wir hineingenommen sind, der von Anfang an schon da war – und bei dem wir im Sinn der missio Dei mitmachen dürfen, wie klein unser Beitrag auch sein mag. Ob unser Tun zum Ziel kommt oder nicht: Es ist eine Antwort auf die Liebe Gottes zu uns und hat damit seinen Wert schon an sich. Die großen Linien des Weltgeschehens können wir der Weisheit Gottes überlassen, die von Anfang bis Ende den Überblick hat.

Der Abschnitt ist ein Kronzeuge des Inkarnationsgedankens. Dieser wiederum bedeutet auch die radikale Annahme der Welt durch Gott selbst. Eine Aufforderung, dem Logos – der schon bei der Erschaffung der Welt da war – in der Erforschung der Erde und im Staunen über das „wunderbar gemacht“ der Erde nachzugehen. Dass Gott in der Betrachtung und im Erfahren der Schöpfung zu finden ist, hat hier eine theologische Grundlage. Das wiederum zu tun – etwa durch christliches Waldbaden – weckt den Wunsch, die Natur gut zu behandeln, um nicht Wunder Gottes zu zerstören. Ob wohl auch die Feier einer Waldweihnacht implizit oder bewusst diese Grundhaltung zum Ausdruck bringen kann?

Hebr. 1,1-6: Nachhaltig handeln als Übung in Ehrfurcht

Auch der Anfang des Hebräerbriefes macht die Perspektive weit und verweist auf die jüdische Propheten-Tradition, die Gottes Reden schon vielfältig weitergegeben hat. Seine hohe Christologie bedeutet nicht nur geistliches Heil, sondern bindet die Welt im Sinn einer sowohl einer ursprünglichen Schöpfung (Erschaffung der Welten) als auch einer fortdauernden Erhaltung (fortwährend tragen / Partizip) ein. Damit hat die Schöpfung auch abgesehen vom Menschen eine eigene Würde. Sie als von Gott dazu Beauftragte gut zu behandeln, ist mehr als Eigennutz: Es ist eine Übung in Ehrfurcht.

Miriam Hechler, Stuttgart

[1] Die Rauhnächte: Zwölf heilige Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönig – christliche Exerzitien neu entdecken - EKHN

[2] Ist Antisemitismus gleich Judenfeindlichkeit? - SciLogs - Wissenschaftsblogs, zuletzt abgerufen am 21.8.2026.