ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Sach 9,9-10 Jes 63, 16b-17.19b; 64, 3-7 1 Kor 1, 3-9 Mk 13, 33-37 oder
Mk 13, 24-37

Markus 13, 33-37 – Bleibt wach in schwierigen Zeiten!

33 Haltet Ausschau und bleibt wach! Denn ihr kennt den Zeitpunkt nicht. 34 Es ist, wie wenn Leute verreisen, das eigene Haus verlassen und die °Sklavinnen und Sklaven mit Vollmacht ausstatten. Jeder Person übertragen sie eine Arbeit und befehlen dem Torwächter aufzupassen. 35 Also seid wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der °Hausbesitzer oder die Hausbesitzerin zurückkommen – ob am Abend, ob um Mitternacht oder früh, wenn der Hahn kräht, oder am Morgen. 36 Nicht dass sie überraschend kommen und euch schlafend finden. 37 Was ich euch sage, sage ich allen: Seid wachsam!« (Bibel in gerechter Sprache)

In Krisenzeiten möchten wir uns lieber zurückziehen, einschließen und abwarten. Wenn die Klimakatastrophe ignoriert wird, neue Kriege anfangen und die Gesellschaft immer feindseliger wird, fällt es schwer, optimistisch zu bleiben. Schon in den Anfangsjahren der ersten Gemeinden wurden Krisen interpretiert als ein Zeichen des Endes der Welt und der Rückkehr Jesu. Die ersten Christinnen und Christen hätten sich angesichts des Endes vielleicht auch gerne zurückgelehnt. Sie hätten vielleicht gedacht, dass es sich nicht mehr lohnt, aktiv zu sein, da das Ende bald komme. Gegen diese fatalistische Sichtweise wendet sich dieser Bibeltext sehr deutlich. Gleich dreimal hintereinander sagt Jesus „Bleibt wach!“. Gegen das Abkapseln und Abwarten stellt Jesus das Bild der Hausbesitzer, von denen keiner weiß, wann sie zurückkehren. Mit dem Haus (Oikos) war nicht das Gebäude, sondern die ganze Familie und soziale Gemeinschaft gemeint. Das Haus Gottes können wir als die weltweite Gemeinschaft von Christinnen und Christen verstehen.  Wir sind nicht die Besitzer dieser ökumenischen Hausgemeinschaft, sondern nur die Diener, denen sie anvertraut ist. Uns wurde eine Vollmacht verliehen, die Welt im Sinne Gottes zu verwalten. Für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung sollen wir sorgen, das ist unsere Aufgabe. Wie die Torwächter bleiben wir wach und sind aktiv. Da wir nicht wissen, wann Jesus zurückkehrt, setzen wir uns für Gerechtigkeit ein, wir engagieren uns für ein friedliches Miteinander vor Ort und in der weltweiten Ökumene und gemeinsam schützen wir das Klima. Die Ankunft Gottes im Haus ist kein Schreckensbild, im Gegenteil. Wir können uns freuen, dass Gott diese Welt nicht vergisst, sondern sie liebt und auf dem Weg zu uns ist. Wann genau Jesus wieder kommt, wissen wir nicht. Und bis dahin engagieren wir uns für eine bessere Welt, lassen uns nicht entmutigen, sondern sind wach, liebevoll und aktiv.

Sacharja 9, 9-10 – Der König kommt: für Frieden, Gerechtigkeit und eine Zukunft, die bleibt

Viele Menschen verbinden die Adventszeit mit Licht, Hoffnung und Freude. Gleichzeitig erleben wir eine Welt voller Unruhe. Kriege dauern an, viele Menschen leiden unter Armut, und die Sorge um die Zukunft wächst. Auch die Folgen des Klimawandels werden immer sichtbarer. Viele fragen sich, wie in einer solchen Zeit Frieden gefunden werden kann und ob es noch Hoffnung für die Welt gibt.

In eine ähnliche Situation hinein spricht der Prophet Sacharja. Auch die Menschen seiner Zeit kannten Angst, Unsicherheit und Ungerechtigkeit. Sie sehnten sich nach Frieden und nach einer Zukunft, die wieder Halt gibt. Deshalb verheißt Gott ihnen: „Siehe, dein König kommt zu dir.“ Doch dieser König kommt nicht mit Macht, Waffen oder Gewalt. Er kommt auf einem Esel. Er kommt in Demut. Er kommt mit einer anderen Kraft: der Kraft des Friedens, der Gerechtigkeit und der Liebe.

Der von Sacharja angekündigte König macht deutlich, dass echter Frieden nicht durch Gewalt entsteht. Frieden beginnt im Herzen des Menschen. Wer inneren Frieden findet, kann auch Frieden mit anderen suchen. Gerade heute braucht es Menschen, die Brücken bauen statt Mauern, die zuhören statt verurteilen und die Versöhnung suchen statt Streit.

Sacharja nennt diesen König auch gerecht. Gerechtigkeit bedeutet, dass jeder Mensch Würde hat und fair behandelt wird. Sie fragt nicht nur: „Was nützt mir?“, sondern auch: „Was ist gut für andere?“ Eine solche Haltung wird zwischen Menschen, zwischen Völkern und auch gegenüber den Schwächsten der Gesellschaft gebraucht.

Gott schenkt die Erde als Lebensgrundlage für alle Menschen. Deshalb tragen Menschen Verantwortung für die Schöpfung. Frieden und Gerechtigkeit gehören zusammen. Wo nur an den schnellen Gewinn gedacht wird, entstehen oft Ungerechtigkeit und Zerstörung. Wo verantwortungsvoll gehandelt wird, entsteht Zukunft für heutige und kommende Generationen.

Der Advent erinnert daran, dass Gottes Königreich nicht nur Trost für den Augenblick verheißt. Es eröffnet einen Weg zu einem guten und gerechten Leben. Ein Leben, das Frieden sucht, Gerechtigkeit lebt und die Zukunft der Schöpfung bewahrt. Die Ankunft des Königs lädt dazu ein, sich von seinem Frieden prägen zu lassen, Verantwortung für Mitmenschen und die Welt zu übernehmen und hoffnungsvoll in die Zukunft zu gehen.

Claudio Gnypek und Elizabeth Silayo, Vereinte Evangelische Mission (VEM)