ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Jak 5,7-8(9-11) Jes 40, 1-5.9-11 2 Petr 3, 8-14 Mk 1, 1-8

Jakobus 5* (ev. Predigttext)

Noch 18 Tage bis Heiligabend, noch 18-mal Schlafen bis zur Heiligen Nacht, bis das Christkind kommt, bis die Geburt des Heilands gefeiert wird.

Der eine wird einen Schreck bekommen, denn so viel ist noch zu tun und die Zeit verfliegt schnell. Der anderen fällt es schwer, geduldig zu sein. Adventskalender und Adventskranz, die extra dafür erfunden wurden, helfen ein wenig in dieser Zeit des Wartens und Geduldens. Und damit sind wir beim Predigttext. In ihm geht es um das Warten und die Geduld. Christus kommt. Bis dahin: Übt euch in Geduld.

Es gibt eine große Skepsis gegenüber der Mahnung zur Geduld. Aktive bei Fridays for Future und bei der Gruppe „Die letzte Generation“ hatten keine Geduld und keine Zeit. Denn jetzt muss sich etwas ändern, damit das Leben auf dem Planeten weiter möglich sein wird. Die Analyse der Gegenwart als Polykrise fordert zu sofortigen Veränderungen und Taten auf, nicht zu Abwarten und Geduld.

Doch mahnt der Predigttext zu Geduld.

Ist Geduld vielleicht anders zu verstehen, weniger als passives Ausharren und Abwarten, mehr als etwas Aktives, sich bereithalten. Im Jakobusbrief wird hierzu vom Bauern erzählt, der eng mit der Schöpfung verbunden lebt.

Der wartet auf die Zeit der Ernte. Es ist ein sehr aktives Warten, denn jedes Feld braucht Pflege, damit die Saat wachsen kann.

Dieses Bild lässt sich in der Predig gut nachzeichnen und schöpfungstheologisch ausmalen.

Die Schöpfung braucht unsere Geduld. Handeln und geduldig abwarten gehören zusammen. Ein Beispiel dafür: Die Älteren erinnern sich an die Diskussionen um das Ozonloch. FCKW wurde 1989 verboten. Langsam wird das Ozonloch keiner. (Quelle: https://www.weltderphysik.de/gebiet/erde/nachrichten/2025/atmosphaere-warum-sich-das-ozonloch-schliesst/ ) Es braucht jahrzehntelange Geduld bis die Schäden überwunden sind.

Handeln und Geduld gehören also zusammen, damit sich die Erde langfristig erholen kann.

Wie lässt sich Geduld üben: Im Gebet bin ich aufmerksam und wach, und er-warten von Gott alles. Das Gebet stärkt mein Herz.

Ein Gebet zu Warten und Hoffen findet sich hier: https://www.velkd.de/schwerpunkte/liturgie/wochengebet/gebet/gebet-zum-2-advent-2023/

Mk 1, 1-8 (kath. Evangelium)

„Anfang des Evangeliums“ – mit diesen Worten beginnt das Evangelium des Markus, beginnt die heutige Lesung. Nüchterner geht es nicht. Die ganze Geschichte von Geburt und Kindheit Jesu – sie ist Markus nicht wichtig. Bethlehem, Krippe, Jungfräulichkeit – all das spielt am im Markus-Evangelium keine Rolle.

Und es sind vermutlich die ältesten aufgeschriebenen Worte über Jesus, die existieren. Sie werden überall auf der Welt gelesen. Auch in dieser Adventszeit.

Für den 2. Adventssonntag möchte ich diese globale Perspektive aufnehmen: Überall auf der Welt, in allen Ländern leben Menschen, die sich Menschen auf Weihnachten vorbereiten. Überall auf der Welt haben sie Hoffnungen, die sich mit dem Kommen des Heilands verbinden.

Die einen leben dies sehr nüchtern, die anderen mit Kitsch und Lametta. Die einen verbinden der Hoffnung Weihnachten ihre Sehnsucht nach einer heilen Familie – andere ihre Hoffnung auf Gerechtigkeit für die Armen und Unbehausten, für sich selbst als Arme und Unbehauste.

Wenn ich es in der Predigt narrativ und anschaulich machen will, kann ich erzählen, wie ein Vater in Indien seinen Kindern zum ersten Mal die Advents- und Weihnachtsgeschichte erzählt oder eine Mutter aus Tansania. Wie wird eine Großmutter aus Kuba ihrer Enkelin erzählen? Sie ist es, die das Kind erzieht, denn die Eltern sind in die USA gegangen. Die Familie wollten sie bald nachholen. Das ist schon zwei Jahre her. Das traditionelle Schweinefleisch wird es dieses Jahr nicht an Weihnachten geben – es ist unerschwinglich teuer. Und wenn sie welches bekäme – wie sollte sie es kühl halten, wenn ständig der Strom ausfällt? So eine Großmutter erzählt von Zärtlichkeit und Solidarität, die in der Adventsgeschichte spürbar sind.

Vielleicht gibt es in der Gemeinde eine Partnergemeinde, eine Gemeinde in der Welt, mit der sie sich verbunden fühlt oder ein Partnerschaftsprojekt. Wie wird dort jemand das erste Mal seinem Kind oder Enkel von Weihnachten erzählen? Mit welcher Hoffnung? Mit welcher Gerechtigkeit?

In jedem Land der Welt gibt es Menschen, die in diesen Tagen vom Beginn der Advents- und Weihnachtsgeschichte erzählen und von den Hoffnungen, die sie mit der Geburt Jesu verbinden.

Diese unterschiedlichen Traditionen und Hoffnungen lassen sich wie in einem Kaleidoskop verbinden. Sie verbinden sich zu der großen Hoffnung, dass Christus kommt, weil Gott es gut mit uns Menschen meint.

Barbara Neubert, Berlin