ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Lk 1,67-79 Jes 61, 1-2a.10-11 1 Thess 5, 16-24 Joh 1, 6-8.19-28

Lk 1,67-79: Der Lobgesang des Zacharias – ein Freiheitslied

1. Exegetische Hinweise und theologische Impulse

Das vor uns liegende Benedictus des Zacharias ist ein Hymnus, ein Lobgesang wie das Magnificat der Maria wenige Verse davor. Beide Gesänge hat Lukas wohl vorgefunden und bewusst an diesen Ort seines Evangeliums gestellt. Möglicherweise hat er sie redigiert und seiner Verkündigung angepasst. Beide Dichtungen sind geprägt von Bildern und Zitaten der Hebräischen Bibel, sie atmen den Geist jüdischen Glaubens. Sie sind Zeugnis von der Einheit beider Testamente.

Wie das Magnificat ist das Benedictus eine Prophetie. Zacharias ist vom „Heiligen Geist erfüllt“ und „weissagt“, er deutet theologisch die Ereignisse der Gegenwart auf Zukunft hin. Im Mittelpunkt steht die Heilsinitiative Gottes, seine „Heimsuchung“ zu Gnade und Gericht, in Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Gott sucht sein Volk heim, um ihm in umfassender Weise Erlösung zu bringen. Ein starker Retter – „Horn des Heiles“ – wird kommen, der sein Volk retten wird „von unseren Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen“. Er bringt Befreiung aus Sklaverei und Gefangenschaft, er ist das „aufgehende Licht aus der Höhe, auf dass es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.“ Der Retter ist der Messias, der Spross aus dem Stamm Davids, der für Recht und Gerechtigkeit sorgen wird (Jes 60,1f; Jer 23,5; 33,15).

Der Dank des Zacharias gilt einem Gott, der will, dass es den Menschen seines Volkes gut geht, dass ihr Leben gelingt. „Gloria Dei homo vivens – Gottes Glorie ist der gelingende Mensch“ (Irenäus von Lyon). Dafür bedarf es eines Raumes der Freiheit, in dem der Mensch sich entfalten und wachsen kann „in Würde“, denn „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau“ (Gen 1,27). Gott handelt, wie es Luther schreibt, „aus herzlicher Barmherzigkeit“. Gott lässt sich von der Not der Menschen berühren. Er ist ein Gott der Beziehung, der seinen Menschen – und seine von Leben strotzende Schöpfung, den Lebensraum des Menschen – liebt. Mit der „Vergebung ihrer Sünden“ gewährt Gott neuen Zugang zu seinem Innersten, zu seinem Herzen, er zertrümmert alle Blockaden der Gottesferne in den Menschen. Er wendet sich ihnen zu und sie wenden sich ihm zu.

Das Benedictus ist wie das Magnificat ein Freiheitslied. Diese Freiheit ist erfüllt vom Heiligen Geist, sie ist geschenkt aus der Mitte und Fülle Gottes, der seinen Bund mit Israel nicht vergessen hat: „Ich bin dein Gott, der dich befreit hat“ (Ex 20,2; Dtn 5,6).

2. Nachhaltigkeitsaspekte

Das Benedictus ist ein politisches Lied. Es ist durchzogen von Bildern der Erlösung und Befreiung, die alle Aspekte eines befreiten und befriedeten „Menschseins des Menschen“ (Alfons Deissler) bezeichnen können: Erlösung, Licht für die, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, Rettung, Heil / Heilung, Befreiung aus Hass und Gefangenschaft, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, Frieden. Von daher ergeben sich eine Fülle von Bezügen für eine nachhaltige zeitgemäße Schriftauslegung und Verkündigung.

Papst Leo XIV. hat in seiner Enzyklika MAGNIFICA HUMANITAS die Würde des Menschen in das Zentrum seiner Überlegungen gestellt. Er sieht Chancen und Gefahren für die „von Gott geschaffene großartige Menschheit“ (MH 1). Das ganze Lehrschreiben ist eine Verteidigung der Menschenrechte. Es geht ihm, wie es im Titel heißt, um die „Bewahrung des Menschen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz“. Er schreibt: “Eine gerechte soziale Ordnung im digitalen Zeitalter ist eine, die allen einen gleichberechtigten Zugang zu Chancen garantiert, die Jüngsten und die Fragilsten schützt, Hass und Desinformation bekämpft und die Nutzung von Daten und Technologien einer öffentlichen Kontrolle unterwirft, damit nicht der bloße Profit zum Maßstab wird, sondern die Würde eines jeden Menschen und das Wohl der Völker.” (MH 80)

Der Papst spricht von „ganzheitlicher Entwicklung“. Damit umfasst er auch alle Aspekten der Nachhaltigkeit. Schutz der Menschenrechte, Schaffung von Frieden und sozialer Gerechtigkeit, Überwindung von Hass, Ausbeutung und Rassismus und die Wertschätzung der Freiheit sind nicht ohne Achtung und Bewahrung der Schöpfung, des Wunders des Lebens auf diesem Planeten denkbar.

Friedensforscher sehen unsere Welt noch nie so bedroht seit 1945 wie heute. Hunderte von Milliarden Dollar fließen – jährlich! – in neue Aufrüstung. Der Imperialismus ist zurück und Krieg wieder Mittel der Politik. Hunderttausende Menschenopfer allein auf dem Gebiet der Ukraine in einem modernen Drohnenkrieg, KI-gesteuert. Die Diktaturen bedrohen die liberalen westlichen Staaten von Europa, seine Freiheitsidee und die verfassten Menschenrechte. Demokratiefeindliche populistische Bewegungen und Rassismus bedrohen die Demokratie von innen. Auch unser Staat bricht täglich die Menschenrechte im Umgang mit Menschen, die niemand haben will. Der Klimawandel wird geleugnet. Was bleibt noch übrig für eine vernünftige, effiziente Klimapolitik? Der Klimawandel ist doch schon da! Politik handelt mit Rezepten von gestern auf die Bedrohungen von heute und morgen. Viele Menschen sitzen schon „in Finsternis und Schatten des Todes“. Wir morgen vielleicht auch? Gehen wir mit unseren Füßen „auf den Weg des Friedens“? Oder doch in den Abgrund der Apokalypse. Wie kann eine Hoffnungsbotschaft auf der Kanzel lauten? Beginnen wir doch mit der – Wahrheit.

Jes 61,1-2a.10-11: Den Armen eine Frohe Botschaft

1. Exegetische Hinweise und theologische Impulse

Dieses Lied / Gedicht ist in komplexer Weise mit dem Buch Jesaja verknüpft, insbesondere mit den Überlieferungen in den Kapiteln 40 bis 66. Dabei ist auch an die vier Gottesknechtslieder (Jes 42,1–4; 49,1–6; 50,4–9; 52,13 – 53,12) zu denken, Züge des Gottesknechts sind im „Propheten“ eingezeichnet: seine Geistbegabung und seine Aufgabe, für die Durchsetzung des Rechts zu sorgen (Jes 42,1-3). Wer in den Versen 1-4 spricht, ist nicht eindeutig: der Prophet Tritojesaja, eine andere unbekannte Prophetengestalt oder – wie manche Exegeten annehmen – Zion, das von Jahweh zu einer Sendung gesalbt ist. In den Versen 10 und 11 spricht jedenfalls Zion selbst, es singt ein Danklied an Jahweh, „Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils, er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit, wie ein Bräutigam sich festlich schmückt und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt“. Zion ist die Braut des Bräutigams Jahweh.

Es spricht einiges dafür, dass es sich um eine Einzelgestalt handelt, die hier zum Propheten berufen und von Gott für seine Aufgabe gesalbt, zum Messias gemacht wird. Er wird gesandt, „um den Armen frohe Botschaft zu bringen, um die zu heilen, die gebrochenen Herzens sind, um den Gefangenen Freilassung auszurufen und den Gefesselten Befreiung, um ein Gnadenjahr des HERRN auszurufen, einen Tag der Vergeltung für unseren Gott, um alle Trauernden zu trösten, den Trauernden Zions Schmuck zu geben anstelle von Asche, Freudenöl statt Trauer, ein Gewand des Ruhms statt eines verzagten Geistes.“  Hauptziel ist es, den Trauernden Trost zu bringen. Das knüpft an Jes 40,1ff an: „Tröstet, tröstet, mein Volk, spricht euer Gott.“ Gott will sein Volk trösten, der Prophet wird für diese Aufgabe berufen und mit Vollmacht ausgestattet. Im Hintergrund sehen wir die Rückkehr Israels aus der Babylonischen Gefangenschaft, aber wohl auch schon die großen sozialen Probleme nach der Rückkehr, die Menschen in Schuldknechtschaft oder andere Not und Elend gebracht haben. Jahweh wendet sich in seinem Propheten gerade den sozial Ausgegrenzten, den Geschundenen, Verworfenen und Verlorenen zu, die von den „gut Situierten“ verachtet werden. Gott steht für Ihre Würde – Menschenwürde ist Gotteswürde – ein. So wie er zu seinem Gottesknecht steht: „Doch der HERR hat Gefallen an dem von Krankheit Zermalmten. Wenn du, Gott, sein Leben als Schuldopfer einsetzt, wird er Nachkommen sehen und lange leben. Was dem HERRN gefällt, wird durch seine Hand gelingen. Nachdem er vieles ertrug, erblickt er das Licht. Er sättigt sich an Erkenntnis. Mein Knecht, der gerechte, macht die Vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich. Deshalb gebe ich ihm Anteil unter den Großen und mit Mächtigen teilt er die Beute, weil er sein Leben dem Tod preisgab und sich unter die Abtrünnigen rechnen ließ. Er hob die Sünden der Vielen auf und trat für die Abtrünnigen ein“ (Jes 53,10-12).

Im Lukas-Evangelium zitiert Jesus in der Synagoge von Nazareth die Verse 1-4 und bezieht sie auf sich: Ich bin dieser Prophet, ich bin dieser Gesalbte, der Messias, der Christus. „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt“ (Lk 4,21). Dieser Christus sieht sich zu den Armen, den innerlich Zerbrochenen und Geschundenen, den Hungernden und Leidenden gesandt, zu denen, die in der Gesellschaft nichts gelten, die man nicht sieht und die man nicht will. Seine Botschaft: Gott sieht euch an! „Denn ich, der HERR, liebe das Recht, ich hasse Raub und Unrecht. Ich zahle ihnen den Lohn in Treue aus und schließe einen ewigen Bund mit ihnen“ (V 9).

Die Verse 5 bis 9 wirken befremdlich mit ihren Aussagen: Fremde / „Ausländer“ leisten die landwirtschaftliche Arbeit, weiden das Vieh auf den Feldern, kümmern sich um den Weinanbau. Dann heißt es: „Den Reichtum der Nationen werdet ihr genießen und euch mit ihrer Herrlichkeit brüsten“ (V 6). Schmach und Schande werde dem Volk vergolten durch doppelten Besitz. Ist das die Wiederherstellung Israels durch den Gott Jahweh? Die ehemaligen Unterdrücker werden jetzt selbst zu Sklaven, ihr Besitz wird geplündert? Die Ausleger sehen das anders: Hier gehe es um den Aufbau eines priesterlichen Volkes, das, entlastet von der Alltagsarbeit, sich ganz in den Dienst Gottes gestellt sieht, eines Gottes, der das Recht liebt und einen ewigen Bund mit Israel schließt.

2. Nachhaltigkeitsaspekte

Auch in dieser Perikope gibt es eine Fülle von Stichworten, die eine nachhaltige Auslegung ermöglichen, ja verlangen: eine Frohe Botschaft den Armen, Heilung, Herstellung des Leibes / Schönheit des Leibes / Selbstfürsorge, Befreiung / Freiheit in der Sphäre Gottes, die Idee des Gnadenjahres (noch heute eine theologische und politische  Herausforderung!), (soziale) Gerechtigkeit, Trost den Trauernden. Der Text ist geprägt von einem lebensbejahenden Geist und einer tiefen Lebensfreude. Jesaja ermuntert zum Lebensmut! Hier ist im Angesicht Gottes die Freude am Leben, das Gott uns schenkt, gerade angesichts vielfältigen Leids zu spüren. Gott ist ein Freund des Lebens. Vielleicht muss man dies in unserer verrückten Welt besonders sichtbar und hörbar machen, damit Menschen wieder Hoffnung gewinnen.

Die Verse 5-9 könnten Anlass sein über das Thema Fremde in unserer Gesellschaft, Zuwanderung, Migration zu predigen. Die Menschenrechte gelten auch den illegal Eingewanderten. Sie werden aber durch den deutschen Staat und durch die EU vielfältig gebrochen. Menschenrechte sind unteilbar. Werden sie Menschen verweigert, sind auch meine Ansprüche aus den Grundrechten unserer Verfassung bedroht. Noch funktionieren bei uns Gewaltenteilung und Rechtssystem. Gefordert von uns sind: Aufmerksamkeit und Zivilcourage.

Am Schluss unseres Textes kommt der Garten ins Spiel. Ich sehe hier sofort den Garten Eden auf Seite 1 der Genesis vor mir. Natur und Fruchtbarkeit als Bild für das Wachstum der Gerechtigkeit, die Gott „sprießen“ lässt. Dahin gehört auch das Bild von der ehelichen Beziehung Gottes zu seinem Volk, zu uns Menschen. Hier ist durchaus an die Kraft der Erotik zu denken. Fruchtbarkeit soll sich entfalten: Mehrung des Lebens, nicht Minderung des Lebens. Hier könnte ein Ansatz für die Predigt sein, unsere verwundete Welt, das bedrohte Leben in seiner Vielfalt und Schönheit (!) in den Blick zu nehmen. Die Natur hat teil am Heil Gottes, hat Teil am Glück der Hochzeit zwischen Gott und Mensch, sie ist Entfaltungsraum der Liebe zwischen Gott, Mensch und allem Leben.

1 Thess 5,16-24: Löscht den Geist nicht aus

1. Exegetische Hinweise und theologische Impulse

Der 1. Thessalonicherbrief ist die älteste Schrift im Neuen Testament. Hier spricht Paulus im O-Ton. Unsere Perikope beinhaltet Mahnungen an die Gemeinde und den beschließenden Segenswunsch des Apostels. Die Schwestern und Brüder in Thessalonich sollen sich bemühen, dass sie ohne Tadel seien „bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.“ Die christliche Existenz ist noch ganz endzeitlich geprägt, d.h. Denken und Fühlen, Arbeiten und Handeln ist auf die Wiederkunft, die Parusie Christi ausgerichtet. Dem dient das Leben in der Gemeinde, ihre communio. Wichtig ist die innere, geistliche Einheit, die sich im gemeinsamen Gebet und in der Bruderliebe zeigt. Paulus betont die Freude: „Freut euch zu jeder Zeit!“ Freude, Gebet und Dank sollen die Gemeinde erfüllen.

Spannend der Segenswunsch des Paulus, dass „der Gott des Friedens“ die Schwestern und Brüder in Geist, Seele und Leib unversehrt bewahren möge. Die Dreiteilung des Menschen finden wir bei Paulus nur hier: Der Mensch in Einheit von Leib, Geist und Seele. Er wird als Person gesehen. Und er ist zu kritischem Geist fähig: „Prüft alles und behaltet das Gute! Meidet das Böse in jeder Gestalt!“ In der Mitte steht der Gedanke: „Löscht den Geist nicht aus!“

2. Nachhaltigkeitsaspekte

Als Ausgangspunkt einer nachhaltigen Predigt sehe ich das Menschenbild des Paulus, nämlich dass der Mensch zu kritischem Denken, zur Unterscheidung von Gut und Böse und zur Wahl des Guten fähig ist. Dazu bedarf es des Geistes, aber auch eines unversehrten Leibes, also innere und äußere Gesundheit, um die ich mich, nicht der liebe Gott (Er möge meine Bemühungen segnen), kümmern muss. Der Mensch ist zur Eigenverantwortung und Selbstfürsorge fähig und aufgerufen. Wer zu individueller Verantwortung fähig ist, muss diese ausüben. Er darf sich nicht aus Faulheit oder Feigheit davor drücken: Ich kann ja doch nichts tun. Ich kann nichts bewirken. Die Politik ist hier gefragt. Die Konzerne sind schuld! Oder auch: Die Kirche ist schuld! – Schuldig wird, wer seiner, ihm möglichen Verantwortung nicht gerecht wird!

Deshalb: „Löscht den Geist nicht aus!“ Das ist ganz aktuell heute, im Zeitalter der elektronischen Kommunikationsmedien, der sog. social media und der KI, von der viele meinen, sie sei intelligent und könne mir die Arbeit des Denkens und Erkennens abnehmen. Ein Trugschluss! Ich kann meiner Verantwortung als Mensch nicht entkommen. Wenn ich den Geist bewahre, dann lebe ich die Bruderliebe, und sie endet nicht bei Familie und Freundeskreis, sondern ist herausgefordert von jedem Menschen in Not, der meine Hilfe und Unterstützung braucht. Ich habe Verantwortung für „meine“ Welt und die Eine Welt. Ich trage Verantwortung für das Leben auf diesem Planeten, für die Schöpfung Gottes, und für den Frieden, damit sich dieses Leben in seiner grandiosen Vielfalt entfalten kann und nicht durch Gewalt und Krieg und Naturzerstörung oder einfach gedankenlose Unachtsamkeit vernichtet wird. Für das, was ich dazu beitragen kann, vielleicht auch nur in meiner kleinen Welt, bin ich verantwortlich. Nachhaltig leben – das geht und das kann ich.

Joh 1,6-8.19-28: Johannes – Zeuge für „das Licht“

1. Exegetische Hinweise und theologische Impulse

Das Johannesevangelium bettet das Auftreten des Täufers ein in den großen Logos-Hymnus des Johannes-Prologs. Dieses Gedicht identifiziert das schöpferische Wort Gottes mit dem inkarnierten Wort Gottes, Jesus Christus. Er ist „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, …“ (Joh 1,9). Die Aufgabe des Johannes ist es, „Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen“ (Joh 1,8). Auf die Frage: Wer bist du? antwortet er den Schriftgelehrten und Pharisäern: Ich bin nicht der Messias, nicht Elijah, nicht der Prophet. „Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste: Ebnet den Weg für den Herrn!, wie der Prophet Jesaja gesagt hat“ (Vers 23). Er sieht sich als Vorläufer und Wegbereiter für den, der nach ihm kommt. Seine Taufe ist eine Umkehrtaufe: „Kehrt um!“ (vgl. Mk 1,15). Kehrt um von euren verlorenen Wegen, wendet euch zu dem „Licht“! Wer dem Propheten folgt, ist bereit für das „Licht“, bereit es zu empfangen, bereit für die Frohe Botschaft, die in Jesus Christus kommt: „Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht“. Johannes legt zu Beginn seines Evangeliums ein Bekenntnis zur Gottheit Jesu Christi ab und begründet damit Fundament und Perspektive seines ganzen Evangeliums.

2. Nachhaltigkeitsaspekte

Das Zeugnis des Johannes für das „Licht“ schließt an das Lied des Zacharias an: Denn „durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes“ wird uns besuchen „das aufgehende Licht aus der Höhe, auf dass es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“ (Lk 1,78f). Vers 23 mit dem Selbstbekenntnis des Johannes als „Stimme eines Rufers in der Wüste“ verweist auf den Propheten Jesaja, auf Kapitel 40,1ff: „Tröstet, tröstet, mein Volk, spricht euer Gott.“

Hier kann auf die Ausführungen zu Lukas 1,67-78 und Jesaja 61,1-11 verwiesen werden.

Thomas Bettinger, Kaiserslautern

Quellen:

  • Texte der Lutherbibel 2017: https://www.bibleserver.com/
  • Stuttgarter Altes und Neues Testament, Kommentierte Studienausgabe der Einheitsübersetzung 2016, Kath. Bibelwerk, Stuttgart 2017
  • Neuer Stuttgarter Kommentar Altes Testament: Peter Höffken, Das Buch Jesaja Kapitel 40-66, Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1998
  • Neue Jerusalemer Bibel. Neu bearbeitete und erweiterte Ausgabe, hrsg. von Alfons Deissler und Anton Vögtle in Verbindung mit Johannes Nützel, Freiburg 1985
  • Papst Leo XIV.: Enzyklika MAGNIFICA HUMANITAS - über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz, Vatikanstadt, 15. Mai 2026