31.01.2027 – Letzter Sonntag nach Epiphanias / 4. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
2 Petr 1,16-19(20-21) Dtn 18, 15-20 1 Kor 7, 32-35 Mk 1, 21-28

2 Petr 1,16-21

Mit Macht und Größe Gottes beginnt dieser Briefauszug und endet mit einem Bezug auf den Heiligen Geist und Auftrag Gottes. Dazwischen wird auf die Verklärung Jesu auf dem heiligen Berg Bezug genommen, um sich gegen Irrlehrer abzugrenzen, die die Schrift eigenmächtig für ihre Zwecke zu nutzen trachten. Wo laufen wir heute Gefahr, Gott zu klein zu denken und für unsere eigenen Zwecke zu missbrauchen?

Berge werden in vielen Kulturen dieser Welt und vor unserer Zeit als heilig angesehen – sie dienen als Wohnsitz der Götter. Auch in Judentum und Christentum gelten sie als heilige Orte der Gottesbegegnung und Gottesoffenbarung wie im Alten Testament mehrfach berichtet wird, z.B. für Abraham, Moses oder Elija. Auch im neuen Testament werden sie zum Ort der Bergpredigt, der Verklärung oder der Himmelfahrt.

Berge als Orte fern des Alltags helfen in der Stille zu sich und zu Gott zu kommen. Hier erfährt sich der Mensch in seiner ganzen Größe und Kleinheit als ausgesetzt den Mächten und Gewalten, als Teil der Natur und geliebtes Gegenüber des väterlich-mütterlichen Schöpfers, als herausgehoben aus den Niederungen und vielfältigen Anforderungen und Geschäften des Alltags. Wo ist dafür Raum in unserem Denken, Wirtschaften und Politik treiben? Wir bauen vielfach ganze Berge ab für Rohstoffe oder Verkehrswege ohne darüber nachzudenken, was dadurch kaputt geht. Wir bringen sie in der Klimaerhitzung zum Zerbröckeln, wenn der Permafrost abschmilzt.

Wo bleibt die Offenheit für das Licht, den Morgenstern im Herzen? Wo bleibt die Demut, die davor bewahrt, sich für Gott zu halten? Wo bleibt die Demut, die uns trotz aller Technik und allem Wohlstand die Kehrseite sozialer und ökologischer Gestalt sehen lässt und unsere vielfältigen spirituellen Wüsten? Gottesbeziehung ohne Naturbeziehung oder Beziehung zu den nahen und fernen Nächsten sowie uns selbst ist nicht möglich. Deshalb mahnt die prophetische Tradition, sich nicht als ausbeutende Beherrscher, sondern als sorgende Verwalter der Schöpfung zu verstehen und immer wieder die Unterscheidung der Geister vorzunehmen: Was dient der Freude, der Lebendigkeit? Was führt in die Absonderung, den Tod?

Freude im Herzen und das Jubeln und Preisen von Gottes Schöpfung oder eine achtsame Bergwanderung können uns hier vielleicht positiv bestärken und wieder erden.

Dtn 18,15-20

Gott verheißt uns zu allen Zeiten prophetischen Beistand. Welche Prophetinnen und Propheten erweckt Gott in unseren Tagen, damit wir Worte des Lebens hören? Hören wir auf sie? Tun wir, was ihre Worte uns lehren? Vielleicht sind sie Klimaforscher, die Politik und Wirtschaft zu einem maßvolleren Lebensstil mahnen. Vielleicht Biologinnen, die sich für Biodiversität und Schutz der Ozeane einsetzen. Vielleicht Kleinbauern und -bäuerinnen, die ihr Saatgut gentechnikfrei halten wollen. Vielleicht Menschenrechtler und Friedensaktivisten… Welche vermeintlichen Prophetinnen und Propheten beschwichtigen Ungerechtigkeiten? Welche versuchen, ihre eigenen Wahrheiten oder Interessen im Namen Gottes zu verkünden und führen ins Unheil?

1 Kor 7,32-35

Im Vers: „Ich wünschte aber, ihr wärt ohne Sorgen“ greift der Apostel auf, was Jesus bei Matthäus in der Bergpredigt anspricht: Dass himmlische Schätze andere sind als irdische. Nichts soll die Jüngerinnen und Jünger davon abhalten, dem Herrn und dem Reich Gottes zu dienen, das heißt weder die Sorge um die täglichen Grundbedürfnisse noch um die Zukunft, oder nur noch Augen für einen Partner oder eine Partnerin zu haben, um ihr oder ihm zu gefallen. Nichts soll davon abhalten, mit sich, mit der Mitwelt und mit Gott verbunden zu sein und zugleich frei, den Willen Gottes zu tun, der Leben in Fülle für alle will und echte Liebe, die nicht zu gefallen sucht, sondern den oder die andere annimmt und sein lässt, wie er oder sie ist und die Umwelt und das Gemeinwesen einschließt. Keine leichte Aufgabe. Zugleich sensibilisieren diese Verse dafür, dass Sorge für Familie und Partner Kräfte bindet, die für Engagement im sozialen und ökologischen Bereich oder konsequente Berufswahl, die alles ausschließt, was Leben zerstört statt es aufzubauen, dann fehlen.

Mk 1,21-28

Sabbat – der Tag der Vollendung der Schöpfung. Er steht für Ruhe und ist durch strenge Sabbatgebote geschützt. Wem dienen diese? Dazu, dass wir nicht vergessen, Maß zu halten und uns auf das Wesentliche zu besinnen: das Leben, seine Unverfügbarkeit, unsere Lebendigkeit. Zugleich heißt es unsere Grundlagen erinnern, wem wir alles verdanken und dass die Vollendung eines Projekts, einer Arbeit im Feiern und in der Muße passiert und daraus die Kraft für das nächste erwächst. Doch darum geht es gar nicht so sehr in diesen Versen aus dem Markusevanglium. Die Menschen sind betroffen von seiner Lehre – wo lassen wir uns heute treffen? Vielleicht von der Schönheit der großen und kleinen Naturwunder im Schöpfungsstaunen? Von Nr. 8 der Enzyklika Laudato si „eine Sünde gegen die Natur, ist eine Sünde gegen Gott“? Viele Menschen finden in der Natur Zugang zu und Ausdrucksformen ihrer Spiritualität. Pilgern und Bergexerzitien geben dem Raum.

Ebenso interessant ist: „der Heilige Gottes“ lehrt „mit Vollmacht“ und „eine ganz neue Lehre“. Da ist einer eins – ganz gottverbunden und heilig. Was ist uns heute heilig? Wann und wem fühlen wir uns heute verbunden? Was ist uns heute unverfügbar? Natur kann uns helfen, in unsere Gottverbundenheit und in die Verbundenheit zu allem Lebendigen im Sinne Franz von Assisis oder der Enzyklika LS „alles ist mit allem verbunden“ zurückzufinden.

Zugleich ist Natur vielfach nur noch Gegenstand der Ausbeutung (Stichwort Kapital oder Humankapital) inklusive unserer eigenen Person (Stichwort Selbstausbeutung und Selbstoptimierung). Wir scheinen Besessene zu sein: von „bösen Geistern“ wie Machbarkeitswahn, Optimierungs- und Leistungszwang, Technokratischem Paradigma, Profitmaximierung, Gier nach immer mehr, höher, schneller. Spüren wir – vielleicht auch gerade angesichts der wachsenden Einflüsse von KI – Sehnsucht, dass einer kommt und uns befreit? Für die Menschen damals war es ein Schock. Vielleicht ist es für uns eine lockende Hoffnung? Wir müssen nur lernen, Gott, der Lebendigen, zu trauen.

Barbara J. Th. Schmidt, Niederalteich