24.01.2027 – 3. Sonntag nach Epiphanias / 3. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Rut 1,1-19a Jona 3, 1-5.10 1 Kor 7, 29-31 Mk 1, 14-20

Nach einer kurzen Zusammenfassung der Texte des Sonntags wird ihr innerer Zusammenhang betrachtet. Zum Abschluss folgt der Predigtimpuls.

Rut 1,1-19a

Wegen einer Hungersnot zieht Noomi mit ihrer Familie von Betlehem nach Moab. Dort sterben ihr Mann und ihre beiden Söhne, sodass Noomi völlig unversorgt zurückbleibt. Als die Not in Israel endet, macht sie sich auf den Heimweg. Während Schwiegertochter Orpa in Moab bleibt, schwört Rut Noomi und ihrem Gott bedingungslose Treue („Dein Volk ist mein Volk…“) und begleitet sie nach Betlehem. Der Text regt an darüber nachzudenken, ob man sich ansprechen lässt von Ruts Treue oder von Noomis Bitterkeit.

Jona 3, 1 - 5.10

Trotz Jonas anfänglichem Versagen gibt Gott ihm eine zweite Chance, um sein Wort unverfälscht in Ninive zu predigen. Das dort angekündigte Gericht lässt durch die 40-Tage-Frist bewusst Raum zur Gnade. Als die Menschen aufrichtig Buße tun, reagiert Gott mit Barmherzigkeit und wendet das Unheil ab – denn er freut sich über echte Umkehr mehr als über Strafe. Diese Erzählung regt an darüber nachzudenken, wie meine eigene Vorstellung ist von Gottes Gericht und seiner Barmherzigkeit in meinem Leben?

1 Kor 7, 29-31

Paulus unterstreicht in 1. Korinther 7,29-31 aufgrund der Kürze der Zeit die Vorläufigkeit aller irdischen Verhältnisse. Christen sollen zwar Ehe, Besitz und Alltagspflichten weiterhin erfüllen, sich jedoch nicht daran festklammern, da die Gestalt dieser Welt vergeht. Praktisch bedeutet dies eine innere Freiheit: Nutze irdische Möglichkeiten, lasse dich aber nicht davon beherrschen, sondern stelle Christus als höchste Priorität dar, um jederzeit auf die Ewigkeit vorbereitet zu sein. Der Text regt an darüber nachzudenken, woran ich merke, dass mich etwas aus dieser vergänglichen Welt zu stark bindet.

Mk 1, 14-20

Jesus beginnt sein öffentliches Auftreten in Galiläa mit der zentralen Botschaft, dass das Reich Gottes angebrochen ist und er ruft auf zu Umkehr und Glauben. Diesen Ruf richtet er an einfache Fischer, die sofort ihren gewohnten Alltag zurücklassen, um ihm zu folgen und „Menschenfischer“ zu werden. Das zeigt: Die Nachfolge Jesu richtet sich an Menschen jeden Standes und wer sich darauf einlässt; d.h. den Ruf hört und aufnimmt, der schenkt dem Leben eine völlig neue Ausrichtung im Dienst für eine Welt nach Gottes Vorstellungen, die dem Menschen dient. Der Text regt an darüber nachzudenken, wo in meinem Leben ich gerade solch einen Ruf Jesu zu mehr Vertrauen, Umkehr oder einem nächsten Schritt der Nachfolge vernehme.

Zusammenhang zwischen den Texten

Ein tiefer innerer Zusammenhang der drei Texte liegt in der Dringlichkeit und der daraus folgenden radikalen Neuausrichtung des Lebens. Ob durch Jonas 40-Tage-Frist, Paulus’ Hinweis auf die vergehende Gestalt der Welt oder Jesu Botschaft, dass das Reich Gottes jetzt angebrochen ist – das bloße „Weiter-so“ hat ein Ende. Das Irdische (eine bedrohte Stadt, gesellschaftliche Strukturen oder der eigene Beruf) verliert seine absolute, fesselnde Macht und wird relativiert. Stattdessen rufen alle drei Texte zur Umkehr und inneren Freiheit auf: die Bewohner Ninives ändern ihr Verhalten, Paulus mahnt zur Distanz gegenüber weltlichen Bindungen und die Fischer lassen buchstäblich ihre Netze liegen.

Das verbindende Hauptmotiv ist die Einladung, das eigene Leben nicht an das Vergängliche zu klammern, sondern es im Licht von Gottes Ewigkeit neu zu ordnen – bereit, jederzeit loszulassen und Gott zu folgen.

Predigtimpuls:

Im April 2026 umkreiste die vierköpfige Crew der Mission Artemis II zehn Tage lang den Mond. Fasziniert von dem, die Erde umfliegenden Himmelskörper, starteten bereits 1968 die ersten amerikanischen Astronauten ins All, um einen genaueren Anblick des Monds zu erlangen. Was Ihnen bei ihrer Umrundung letztendlich den Atem raubte, war nicht etwa die Oberfläche des Mondes, sondern das Aufgehen der Erde „Earthrise“.

Das Bild, das sich ihnen bot, war unser Planet in leuchtend blauen und grünen Farben, umzogen von Wolken in einem schwarzen Nichts. Mit all seiner Schönheit, Verletzlichkeit und Begrenztheit. Der damalige Astronaut William Anders, der das Ereignis auch fotographisch festhielt, brachte es mit folgenden Worten auf den Punkt: „Sie seien gekommen, um den Mond zu erforschen, hätten aber eigentlich die Erde entdeckt.“

Auch wenn der Blick aus dem Weltall einen Wechsel der Perspektive ermöglichte und von ersten Umweltschutzakteuren als Aufhänger genutzt wurde, folgten darauf Jahrzehnte, in denen fossile Brennstoffe verbrannt, Wasservorräte verschwendet und das Sterben tierischer und pflanzlicher Arten mit wenig Widerspruch hingenommen wurde. Gleichzeitig verschärften sich soziale Unterschiede. Die Kluft zwischen Menschen, die in ständiger Armut leben müssen und solchen, die für große Teile der klimatischen Veränderungen verantwortlich sind, wird immer größer.

Der Anblick, der sich dem deutschen Astronauten Alexander Gerst im Jahr 2018 bot, war ein anderer. In nur 50 Jahren, hat sich das Klima so stark verändert, dass Polkappen schmelzen, Inseln verschwinden und sich die Weltbevölkerung fast verdoppelt hat.

In einer Videoansprache, richtete sich der Astronaut aus der Raumstation ISS an die Weltbevölkerung mit den Worten „wir sind gerade dabei, das Klima zu kippen, Wälder zu roden, Meere zu verschmutzen, die limitierten Ressourcen viel zu schnell zu verbrauchen und sinnlose Kriege zu führen und jeder von uns (…), muss sich überlegen wohin das gerade führt.

Insofern hat die prophetische Funktion, die Jona in der Stadt Ninive übernimmt nichts an ihrer Aktualität verloren. Manchmal braucht es Menschen, die zu einer neuen Perspektive einladen oder auch den Spiegel vorhalten. Sind nicht auch wir aufgerufen unseren Lebensstil mit Blick auf die nachfolgenden Generationen kritisch zu hinterfragen?

Es ist aber nicht nur ein rein moralischer Appell, denn mit dem Blick von oben auf die Erde relativieren sich Streitigkeiten und Neid. Dieser Perspektivwechsel bietet zudem eine Chance sich innerlich frei zu machen von übermäßigen materiellen Abhängigkeiten und eingefahrenen Denkweisen. Ganz grundsätzlich wird die menschliche Fähigkeit gestärkt, durch freies Handeln völlig Neues beginnen zu können. Der Mensch ist innerlich frei. Diese innere Freiheit ist sowohl ein Geschenk als auch eine Verantwortung. Sie gibt uns einen Möglichkeitsraum. Wir können uns von dem bisherigen abkehren, einen neuen Weg einschlagen und es besser und anders machen. Und dadurch wieder näher, zu uns selbst, zueinander und zu Gott zu finden.

Wir können selbst Verantwortung übernehmen und bei anderen anerkennen, so wie Ruth, die bei denjenigen bleibt und sich kümmert, die auf Hilfe angewiesen sind, auch wenn es für sie nicht der leichtere Weg ist. Wir können, wie Jona zweite Chancen nutzen, Freiheit aktiv gestalten und engagiert das Gute tun.

Wir können die Augen öffnen und die Erde in ihrer Ganzheit sehen, sie schützen und bewahren.

Dr. Jonas Pavelka / Johanna Rist, Ludwigshafen