10.01.2027 – 1. Sonntag nach Epiphanias / Taufe des Herrn

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Röm 12,1-8 Jes 42, 5a.1-4.6-7
oder Jes 55, 1-11
Apg 10, 34-38
oder 1 Joh 5, 1-9
Mk 1, 7-11

Neuanfang als Erneuerung des Sinnes (Röm 12,1-8)

Der 1. Sonntag nach Epiphanias steht im Zeichen der Taufe Jesu – und damit auch im Zeichen eines neuen Anfangs. Viele Menschen beginnen das neue Jahr mit guten Vorsätzen. Vielleicht haben manche davon auch ein nachhaltigeres Leben im Blick?

In Röm 12 spricht Paulus von einer tiefgreifenden Veränderung im Leben der Christen, ja er mahnt sie regelrecht an. Diese Veränderung bedeutet zunächst mal keine Liste von guten Vorsätzen, sondern Paulus geht es grundsätzlich um eine „Erneuerung des Sinnes“. Für diese Neuausrichtung gibt er uns zwei Maßstäbe:

Erstens: „Stellt euch nicht dieser Welt gleich!“ – Diese Forderung hat es in sich. Obwohl die Folgen des Klimawandels jedem und jeder sichtbar sind, der die Augen nicht davor verschließt, kostet es oft Mut und Standhaftigkeit, bestimmte Handlungsweisen nicht nur theoretisch infrage zu stellen, sondern sie tatsächlich auch konsequent zu ändern. Man eckt damit an, in der Familie, im Freundeskreis, auf der Arbeit.

Zweitens: Wer mit dem erneuerten Sinn lebt, prüft sein Handeln am Willen Gottes. In den meisten Fällen ist der leichter zu erkennen als man gemeinhin denkt. Der Prophet Micha hat es einmal auf den Punkt gebracht: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ (Mi 6,8)

Diesen großen Anspruch an uns verbindet Paulus mit der frohen Botschaft, dass jeder und jedem von uns Gnadengaben geschenkt sind. Diese Gnadengaben ermöglichen es uns, mutig und beherzt den Willen Gottes zu befolgen.

Das geknickte Rohr nicht zerbrechen (Jes 42,5a.1-4.6-7)

Unsere Gegenwart ist geprägt von Krisen und Erschöpfung – ökologisch, gesellschaftlich und persönlich. Vieles wirkt fragil: Klimasysteme geraten aus dem Gleichgewicht, Arten verschwinden, Menschen verlieren Hoffnung und Vertrauen. Angesichts dieser katastrophalen Zustände fällt der Glaube daran schwer, dass da ein Gott ist, der seine Schöpfung bewahrt. Müsste ein gerechter und allmächtiger Gott nicht längst einmal „durchgreifen“? Das Leiden seiner ächzenden Schöpfung beenden?

„Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ Mit diesem Bild beschreibt Jesaja die Haltung Gottes gegenüber der Welt: behutsam, bewahrend und dem Leben zugewandt. In Jesajas Vorstellung eines Gottesknechts kommt diese Haltung zum Ausdruck. Gottes Knecht bringt Recht, ohne zu zerstören. Ohne viel Getöse, dafür aber auch ohne müde zu werden: Leise bleibt Gott seiner Schöpfung treu.

Der Text ermutigt dazu, sich diese Haltung selbst zu eigen zu machen. Nachhaltigkeit beginnt mit einer liebevollen Haltung zu den Geschöpfen: verletzliches Leben wahrnehmen und schützen.

Durch gelebte Liebe die Welt verwandeln (1 Joh 5,1-9)

Der 1. Johannesbrief verbindet Glauben, Liebe und Handeln auf eindrückliche Weise. Wer aus Gott geboren ist, lebt anders in dieser Welt. Die Liebe zu Gott wirkt sich unmittelbar auf unser Leben im Alltag aus: auf unseren Umgang mit anderen Menschen, mit Ressourcen und mit der gesamten Schöpfung.

In Zeiten der Klimakrise stellt sich die Frage, wie ein gutes Leben für alle möglich bleibt. Unser Lebensstil, gerade in den reichen Ländern, verbraucht mehr Energie und Rohstoffe, als die Erde dauerhaft tragen kann. Der „Welterschöpfungstag“ rückt jedes Jahr weiter nach vorne. Die Folgen tragen häufig andere: Menschen im globalen Süden, kommende Generationen oder Tiere und Pflanzen, deren Lebensräume zerstört werden.

Der Johannesbrief erinnert daran, dass Gottes Gebote aus der Liebe wachsen: aus der Liebe zu Gott erwächst die Liebe zum anderen Menschen und die Liebe zu allen Mitgeschöpfen. Wem der Nächste nicht gleichgültig ist, wer den Mitmenschen als Bruder oder Schwester sieht, der wird bewusster konsumieren und achtsamer mit Lebensmitteln, Wasser und Energie umgehen. Ökologisch bewusst lebenden Menschen wird oft Gesetzlichkeit vorgeworfen und ein Hang dazu, anderen etwas verbieten zu wollen. Im Johannesbrief werden wir dazu ermutigt, davon zu erzählen, warum für uns Christinnen und Christen nachhaltiges Leben ein Herzensanliegen ist: weil es unserer Liebe zu Gott, zum Nächsten und zur Schöpfung entspricht.

Getauft im Wasser – verbunden mit der Schöpfung (Mk 1,7-11)

Die Taufe Jesu hat elementar mit der Schöpfung zu tun: mit Wasser, Himmel und Geist. Jesus steigt in den Jordan, der Himmel öffnet sich, der Geist kommt wie eine Taube herab. Ich fühle mich unweigerlich an den ersten Schöpfungsbericht erinnert: „Der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.“ (1. Mose 1,2) Gottes Nähe zeigt sich mitten in der Schöpfung: Es ist sein Ja zu den Menschen, das er uns in Jesus Christus neu zusagt. Sein Ja, das in der Taufe jedem Menschenkind zugesprochen wird: Gott belässt es nicht bei den Chaoswassern und beim Tohuwabohu. Er legt seinen Geist auf alles, was lebt. Er ermöglicht neues Leben, weil er daran Wohlgefallen hat.

Chaoswasser gibt es bis auf den heutigen Tag. Flüsse trocknen aus, die Meeresspiegel steigen, Starkregen zerstört Lebensräume. Zugleich ist Wasser eine existenzielle Lebensgrundlage. Wir Menschen sind diesen Wassern zwar nicht mehr völlig ausgeliefert; wir haben Dämme und Schiffe gebaut. Auch sind wir nicht unschuldig an so manchem Chaoswasser. Nach wie vor weist uns das Wasser darauf hin, dass wir verletzlich und abhängig sind. Es weist uns auf die Ambivalenzen unseres Lebens hin.

Jesu Taufe im Jordan: eine Erinnerung daran, dass Gottes Ja zu uns in eine gefährdete Welt hineingesprochen wird. Die Stimme vom Himmel spricht Jesus Würde und Anerkennung zu: „Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.“

Dr. Raphael Zager, Marburg