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| 1 Kor 3,9-17 | Jes 22, 19-23 | Röm 11, 33-36 | Mt 16, 13-20 |
Verantwortung übernehmen für den Bau Gottes (1 Kor 3,9-17)
Paulus beschreibt die Gemeinde als Gottes Bau und Gottes Ackerfeld. Gottes Ackerland will gepflegt, sein Bau sorgfältig errichtet werden. Paulus versteht sich und die seinen als Mitarbeiter, die mit der Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus den Grund gelegt haben. Wie nun darauf weitergebaut wird, liegt in den Händen anderer.
Der Grund ist also eindeutig: Jesus Christus. Offen bleibt jedoch, wie darauf gebaut wird. Paulus nennt unterschiedliche Materialien – kostbare und vergängliche. Entscheidend ist nicht der äußere Eindruck, sondern die Qualität und die Beständigkeit. Das Feuer des Gerichts macht sichtbar, woraus ein Werk besteht. Es vernichtet nicht pauschal, sondern legt offen. Das verweist auf gegenwärtige Erfahrungen: Klimakrise, soziale Spaltungen und globale Ungerechtigkeiten wirken wie eine Feuerprobe unseres Handelns und zeigen, was trägt und was verbrennt.
Nicht zuletzt unter dem Label Nachhaltigkeit geschieht vieles, was nicht nachhaltig ist. Kurzfristige Lösungen, nur scheinbar umweltfreundliche Materialien und Greenwashing mögen Erfolg versprechen, erweisen sich aber bald als Mogelpackung. Paulus ruft dazu auf, Verantwortung für die langfristigen Folgen des eigenen Tuns zu übernehmen – das gilt nicht zuletzt in ökologischer, sozialer und ökonomischer Hinsicht. Die Zuspitzung des Textes ist überraschend: Die Gemeinde selbst ist der Tempel Gottes, Wohnort seines Geistes. Wer diesen Tempel zerstört, greift Heiliges an. Zerstörung geschieht nicht nur durch aggressive Gewalt, sondern auch durch unbedachte und hedonistische Lebensweisen, die den Menschen und der Schöpfung schaden. Bewahrung der Schöpfung heißt: So zu bauen, dass Leben Bestand hat – heute und für kommende Generationen.
Jes 22,19-23
Aus meiner Sicht lassen sich hier keine Bezüge zum Thema Nachhaltigkeit herstellen.
Grenzen der menschlichen Weisheit (Röm 11,33-36)
Der paulinische Lobpreis am Ende von Römer 11 hinterfragt unsere Denkgewohnheiten von Verfügbarkeit und Kontrolle. Zugleich verweist er auf den elementaren Gedanken, dass uns alles auf der Welt von Gott geschenkt ist. Es wurde uns ohne Vorleistung von dem gegeben, von dem und durch den und zu dem hin alle Dinge sind.
Gottes Weisheit und Erkenntnis entziehen sich menschlicher Berechnung. Wer meint, alles zu durchschauen, steht in Gefahr, sich selbst an Gottes Stelle setzen zu wollen. Paulus erinnert daran: Menschliches Handeln steht innerhalb größerer Zusammenhänge, die nicht vollständig plan- oder beherrschbar sind.
Menschen und Gruppen, die sich auf unterschiedlichen Ebenen für Nachhaltigkeit einsetzen, handeln häufig aus großer Überzeugung und mit ehrlichem Engagement. Zugleich zeigt sich, dass die Art und Weise des Auftretens entscheidend dafür ist, ob dieses Engagement andere erreicht oder eher Abwehr erzeugt. Wo moralische Gewissheit in Belehrung oder Konfrontation umschlägt, kann das Gespräch abbrechen – selbst dann, wenn das Anliegen berechtigt ist.
Paulus erinnert mit seinem Lobpreis daran, dass menschliches Erkennen immer begrenzt bleibt. Wer sich dieser Begrenztheit bewusst ist, wird vorsichtig im Urteil über andere und offen für unterschiedliche Perspektiven. Nachhaltige Veränderung braucht nicht nur Entschlossenheit, sondern auch Geduld, Lernbereitschaft und die Fähigkeit, Spannungen auszuhalten. Eine Haltung des Zuhörens, des Dialogs und der gemeinsamen Suche nach tragfähigen Lösungen erweist sich langfristig als wirksamer als Polarisierung. Wo Menschen einbezogen werden, wo sie sich ernst genommen fühlen und eigene Schritte mitgehen können, wächst die Bereitschaft zum Umdenken. So lassen sich ökologische und soziale Ziele eher realisieren – nicht durch Überforderung, sondern durch gemeinsame Verantwortung.
Paulus ermutigt zu einer demütigen Haltung, darum wissend, dass wir hier auf Erden zu keinem Zeitpunkt die „Tiefe des Reichtums“, die Weisheit und die Erkenntnis Gottes haben werden. Die „Grenzen des Wachstums“ gilt es genauso ernst zu nehmen wie die Grenzen unserer menschlichen Weisheit.
An einer resilienten Gemeinde bauen (Mt 16,13-20)
Am Anfang des Textes steht die offene Frage Jesu: „Wer sagen die Leute, dass ich sei?“ Jesu Jünger zählen verschiedene Meinungen der Öffentlichkeit über Jesu Person auf, die aber allesamt nicht der Wahrheit entsprechen. Entscheidend wird die persönliche Antwort des Petrus, der in Jesus den Christus, „des lebendigen Gottes Sohn“, erkennt. Diese Einsicht wurde ihm, so erkennt Jesus an, nicht von Menschen, sondern von Gott selbst offenbart. Deswegen überträgt er ihm große Verantwortung. Das berühmte und wirkungsgeschichtlich bedeutende „Felsenwort“ ist matthäisches Sondergut.
Petrus’ Bekenntnis zu Jesus Christus ist keine menschliche Leistung, sondern Geschenk. Daraus erwächst Verantwortung. Petrus spricht das aus, wovon er selbst in seinem Innersten überzeugt ist. Daher will Jesus auf diesen „Felsen“ seine Gemeinde bauen – nicht als Machtsystem, sondern als einen verlässlichen Ort, der Bestand hat. Ein Bau, der selbst den „Pforten der Hölle“ standhält. Die mythologische Sprache von den „Pforten der Hölle“ und vom „Schlüssel des Himmelreichs“ bietet sich für eine symbolische Interpretation an.
Gemeinden sollen Orte der Widerstandskraft gegen zerstörerische Kräfte sein. In heutigen Krisen stellt sich die Frage, ob unsere Kirchengemeinden, ob auch unsere Bürgergemeinden belastbar genug sind, um gefährdetes Leben zu schützen. Die Schlüssel des Himmelreichs stehen dabei für die Macht über Bindung und Lösung. Diese Macht betrifft konkrete Lebenswirklichkeiten. Wer Zugang eröffnet oder verschließt, wer Menschen Raum gibt oder ihnen Raum verwehrt, übt Macht aus und hat eine hohe Verantwortung für das Leben und die Zukunft einer Gemeinde. Wer entscheidet in einer Gemeinde über Teilhabe, Ressourcen, Partizipation, Sichtbarkeit und Lebensmöglichkeiten?
Christsein beschränkt sich nicht auf das Bekenntnis zu Jesus Christus, es mündet in verantwortliches Handeln. Der Text lädt dazu ein, das Christus-Bekenntnis in eine gelebte Gemeindepraxis zu übersetzen, die trägt, schützt und auf Dauer angelegt ist.
Dr. Raphael Zager, Marburg