| ev. Predigttext | kath. 1. Lesung | kath. 2. Lesung | kath. Evangelium |
| Röm 12,17-21 | 2 Kön 4, 8-11.14-16a | Röm 6, 3-4.8-11 | Mt 10, 37-42 |
Röm 12,17-21
Paulus, der Apostel, richtete in diesem Briefabschnitt an die Christen in Rom praktische Anweisungen für das christliche Leben – insbesondere zum Umgang mit Feinden und zum Verzicht auf Vergeltung. Darin mahnt er, niemals Böses mit Bösem zu vergelten. Außerdem rät er, auf das zu achten, was in den Augen aller Menschen gut ist, und Frieden mit allen Menschen so weit wie möglich zu halten. Schließlich fordert er, das Böse nicht mit Widerstand, sondern durch das Gute zu überwinden.
2 Kön 4, 8-11.14-16a
Propheten galten als Vermittler zwischen Gott und den Menschen. Kinderlosigkeit war damals eine große Belastung und wurde oft als Zeichen von Unglück oder Gottesferne verstanden. Die Verheißung eines Sohnes ist ein Zeichen von Gottes Gnade und Neuanfang. Die Frau empfängt ein neues Leben in Form eines Sohnes, obwohl sie keine Hoffnung mehr hatte. Das ist ein Bild für Gottes Eingreifen und die Möglichkeit eines Neuanfangs.
Röm 6, 3-4.8-11
Paulus erläutert, dass Christen durch die Taufe mit Christus gestorben und zu einem neuen Leben auferstanden sind. Der Glaube an Jesus bewirkt eine grundlegende Veränderung. Das Böse im Menschen hat nicht die letzte Macht. Paulus benutzt das Bild der Taufe, um zu zeigen, dass Christen nicht mehr nach den alten, sündigen Mustern leben sollen, sondern sich durch Gottes Kraft verändern können. Die Taufe steht als Symbol für diese Veränderung, für eine neue Lebensweise und für die Zugehörigkeit zu einer neuen Gemeinschaft.
Mt 10, 37-42
Dieser Abschnitt gehört zur sogenannten »Missionsrede« Jesu (Matthäus 10). Jesus sendet seine Jünger aus und bereitet sie auf ihre Aufgaben und die damit verbundenen Herausforderungen vor. Er spricht offen über die Herausforderung der Nachfolge und macht deutlich, dass die Entscheidung für ihn Konsequenzen für das ganze Leben hat. Zugleich wird aber auch der Lohn in Aussicht dafür gestellt.
Zusammenhang zwischen 2. Könige, Römer 6 und Matthäus 10
Wie Gott der Frau aus Schunem in ihrer Ausweglosigkeit neues Leben durch die Geburt eines Sohnes schenkt (2 Kön), so schenkt er den Gläubigen durch Christus in der Taufe neues Leben (Röm 6). In beiden Fällen erfüllt Gott seine Verheißungen: Im Alten Testament durch die Geburt eines Kindes, im Neuen Testament durch das neue Leben nach der Taufe. Zentral ist das Ablassen vom Schlechten und die Hinwendung zum Guten: Die Frau und ihr Mann vertrauen auf den Propheten, sie legen die Hoffnungslosigkeit ab und empfangen neues Leben. Christen verlassen durch die Taufe bewusst das alte Leben der Sünde und empfangen neues Leben in Christus. Wer sich für Gottes Wirken öffnet und seine Boten hört, empfängt Gnade und Segen. Das verdichtet Jesus in Mt 10,39: Wer sein Leben um seinetwillen verliert, wird es finden – neues Leben entsteht durch Hingabe und Nachfolge.
Alle drei Texte zeigen: Wer sich Gott, seinen Boten und seinem Wort anvertraut, erfährt echtes neues Leben und Segen, die aus Hingabe, Nachfolge und Gastfreundschaft erwachsen. Kurz: Die Verbindung liegt in der Bereitschaft, das eigene Leben Gott zu widmen – daraus entsteht neues Leben und göttlicher Segen für das gute Handeln.
Verantwortung übernehmen und Beziehungen heilen
Die biblische Aufforderung, das Böse durch das Gute zu überwinden, lässt sich auch auf die globalen Herausforderungen übertragen. Glaubende Menschen können das Gute wählen, indem sie Verantwortung übernehmen für die Welt, in der wir leben.
Wir leben in einer Gemeinschaft, in der jeder Mensch und jedes Lebewesen eine Rolle spielt. Der Mensch ist mit der Natur verbunden. Zehn Jahre ist es her, dass Papst Franziskus die Enzyklika Laudato Si': »Über die Sorge für das gemeinsame Haus« (vgl. Franziskus, Laudato si', 2015) veröffentlichte. Seine Gedanken trafen wie eine Pfeilspitze in das Herz eines Systems, das auf ausbeuterische Weise und für einen enthemmten Konsum die natürlichen Ressourcen dieser Welt zerstört und immer mehr Ungleichheit und Elend erschafft.
Wie kann ein Verhältnis zwischen Mensch und Natur aussehen, das unsere Umwelt schont, Artenvielfalt schafft und soziale Ungleichheit minimiert?
Die Schöpfung ist ein Geschenk Gottes, und Franziskus sieht den Menschen als Hüter der Natur, der eingeladen ist, den Garten der Welt zu bebauen. In Anlehnung an den Heiligen Franziskus von Assisi ruft er dazu auf, auch die kleinsten Geschöpfe als Bruder und Schwester zu sehen. Die Umwelt ist ein kollektives Gut, ein Erbe der gesamten Menschheit und eine Verantwortung für alle.
Im Angesicht von Krisen, Hunger und Krieg ist es nicht einfach, diese Verantwortung anzunehmen.
Die Belastungsgrenzen unseres Planeten sind an vielen Stellen überschritten. Unumkehrbare Kipp-Punkte wie das Abschmelzen von Gletschern, das Aussterben von Arten und die Abholzung von Regenwäldern sind bereits erreicht, und auch die sozialen Folgen dieser Ereignisse sind noch nicht abzuschätzen.
Umso wichtiger ist es, dass wir uns unserer Verantwortung stellen und unsere Umwelt wieder als Schöpfung wahrnehmen und nicht als bloße Ressource oder Gegebenheit. In Franziskus Worten müssen wir uns der Natur mit einer Offenheit für das Staunen und das Wunder nähern, denn wenn wir in unserer Welt nicht mehr die Sprache der Brüderlichkeit und der Schönheit sprechen, wird unser Verhalten das des Herrschers, des Konsumenten oder des bloßen Ausbeuters der Ressourcen sein, der unfähig ist, seinen unmittelbaren Interessen eine Grenze zu setzen.
In einer schnelllebigen Welt, die uns zahlreiche Alternativen bietet, ist die Frage danach, was das Schöne ist, was das Wunder ist und damit die Frage nach dem Wesentlichen – eine Frage, die wir uns viel öfter stellen sollten.
Der deutsche Dramaturg und Schriftsteller John von Düffel hat sich – konfrontiert mit den globalen Krisen und Entwicklungen dieser Zeit – mit dieser Frage auseinandergesetzt und seine Antwort in der Beschreibung einer modernen Askese gefunden. In seinem Buch »Das Wenige und das Wesentliche« beschreibt er den modernen Asketen als einen der Welt zugewandten Menschen, mit dem Blick für das Wesentliche. »Der Asket der Zukunft verzichtet nicht. Er löst sich vom Unwichtigen. Sein ›Verzicht‹ ist eine Befreiung.« Weiter geht es darum, »sich ins richtige Verhältnis zu setzen. In ein menschliches Maß.« Die moderne Askese und damit die Besinnung auf das Wesentliche ist für ihn, »die einzige Antwort auf das Zuviel des Konsums. Das bekanntlich nicht nur nicht glücklich macht. Sondern vieles zerstört. Auch die Konsumierenden.«
Wie können wir gewohnte Konsummuster durchbrechen? Feststellen, was das Wesentliche ist und dafür Verantwortung übernehmen?
Für Franziskus steht fest, »wenn die ökologische Krise ein Aufbrechen oder ein Sichtbarwerden der ethischen, kulturellen und spirituellen Krise der Moderne bedeutet, können wir nicht beanspruchen, unsere Beziehung zur Natur und zur Umwelt zu heilen, ohne alle grundlegenden Beziehungen des Menschen zu heilen.«
Die Bereitschaft, uns auf alle Geschöpfe und Beziehungen einzulassen, Gutes zu tun und gerecht zu sein, wird uns allen zu Gute kommen.
Dr. Jonas Pavelka & Johanna Rist, Ludwigshafen