| ev. Predigttext | kath. 1. Lesung | kath. 2. Lesung | kath. Evangelium |
| Joh 9,1-7 | 1 Kön 3, 5.7-12 | Röm 8, 28-30 | Mt 13, 44-52 |
Stellung im Kirchenjahr:
Das Wochenende liegt für die meisten Bundesländer in den Sommerferien und wird liturgisch von den Gedenktagen des hl. Jakobus des Älteren am Samstag sowie der Großeltern Jesu, Anna und Joachim, am Sonntag geprägt. Passend zu Gefahren, die sich leider mit Ferien und Urlaub verbinden, fallen auf den 25. der 2021 von UNO und WHO eingeführte World Drowning Prevention Day sowie auf den 26. der Tag der Seenotrettung, der seit 1996, also genau seit 30 Jahren, am letzten Sonntag im Juli begangen wird. Auf den nachfolgenden Dienstag fällt der 2008 ins Leben gerufene Welt-Hepatitis-Tag, den die World Hepatitis Alliance auf den 28. Juli, dem Geburtstag des US-amerikanischen Mediziners und Biochemikers Baruch Samuel Blumberg (1925-2011) gelegt hat. Blumberg entdeckte 1965 das Hepatitis-B-Virus und erhielt dafür vor exakt 50 Jahren 1976 den Nobelpreis.
Exegetische Anmerkungen
Joh 9,1-7: Der Text bietet den Beginn der Erzählung von der Heilung des Blindgeborenen, die das ganze Kapitel umfasst, und setzt mit den Schlagworten Licht, Dunkel, Tag und Nacht die entscheidenden Akzente, die in den nachfolgenden Diskussionen Jesu wiederkehren. Die Wiederherstellung der Sehkraft wird gezeichnet als Teil des Wirken, der Arbeit Gottes, dem es um Korrektur falscher Sichtweisen und die Befähigung zu richtigem sowie tragfähigem Handeln geht, was Joh auf den Einzelnen, seine Familie, im Grund aber auf die ganze Gesellschaft, ja die Welt bezieht.
1 Kön 3,5.7-12: Als sehr junger Mann zum König gesalbt, erfüllt sich für Salomo der Traum, dass Gott ihm einen Wunsch frei gibt. Im Wissen, dass er als König viel Verantwortung trägt, bittet er um ein hörendes Herz, damit er gut und gerecht regieren kann. Ein Herz, um das Gute/die Guten vom/von den Bösen unterscheiden zu können, auch als Voraussetzung, ein gerechtes Urteil auch über sich selbst treffen zu können, über die eigene Zeit und über eigene Entscheidungen, damit der Mensch in Ruhe und Einklang auch mit sich selbst leben kann.
Mt 13,44-52: Die Gleichnisse, aus denen sich die Perikope zusammensetzt, zielen darauf ab, unser Leben unter der Perspektive Gottes als der eigentlichen Realität zu sehen, und daraus die Fähigkeit zu hilfreicher Differenzierung zu erlangen, hinsichtlich in Krisenzeiten notwendigen Entscheidungen, alles hinter sich zu lassen und sich dem neuen und einzig Wertvollen zuzuwenden. Es geht aber nicht immer nur um eine Schwarz-Weiß-Wende, sondern auch die bewusste Auslese von dem, was sich bewährt hat und trägt, und dem, was jetzt als Neues dran ist und notwendig für ein gutes Weiterleben ist.
Anm. zur Predigtskizze
Die Predigt könnte ihren Ausgang nehmen an einem passenden Phänomen, wie es die verschiedenen Gedenk- und Aktionstage oder auch die Ferien- und Urlaubszeit bietet, an dem sich die Geister scheiden, weil es nicht hinreichend durchdrungen wird, die Sichtweise ungenügend, vielleicht von zu vielen, unnötigen oder falschen Vorurteilen belastet ist. Notwendig ist da eine überlegte Neu- oder Feineinstellung, die ermöglicht wird durch ein hörendes Herz, und andererseits zu einem angemessenen, geschärften Blick befähigt, weil er sich korrigieren, sich bereichern lässt durch eine Perspektive, die nicht im Klein-Klein verbleibt, sondern das Phänomen in einen Gesamtzusammenhang rückt. Diese Erkenntnis soll dann aber nicht bei mir bleiben, wie ein Schatz, auf dem man hockt, sondern geteilt, mit-geteilt werden, damit die Gesellschaft davon profitiert, Leben gelingt, Gottes Heilswirken allen und bleibend zu Gute kommt.
Bezüge zur Nachhaltigkeit, Beispiele zur Umsetzung und weitere Kontexte
1. Gemeinschaft, die am Leben bleiben will, braucht das hörende Herz, die Sensibilität füreinander (Joh, 1 Kön)
Ein Mann, der sich in der Wüste verirrt hat, packt seine Geige aus und spielt zarte Musik. Ein Löwe umschleicht ihn, legt sich zu seinen Füßen und lauscht, ganz entspannt und friedlich, der Musik. Ein zweiter Löwe kommt und hört dem Geigenspiel ebenfalls gebannt zu. Ein dritter Löwe huscht lautlos heran – und frisst den Mann samt seiner Geige. Da sagt der erste zum zweiten Löwen: Habe ich dir nicht gesagt: Sobald der Taube kommt, ist es vorbei mit dem Mann und der Musik.
Albert Damblon, Priester und Homiletiker, Beitrag in „Die Botschaft heute“ 2017
Wenn Menschen so sehr auf ihr eigenes Wohl schauen, schwinden soziale Empfindlichkeiten für andere, die vielleicht weniger glücklich sind als sie. Sie wenden die Augen ab von den Problemen der Gesellschaft. Man möchte sich nicht runterziehen, sich nicht in seinem persönlichen Wohlergehen beeinträchtigen lassen. Und das sorgt für die Kälte in der Gesellschaft. (…) Es gibt zweierlei Asoziale in der Gesellschaft, und die Gefahr wächst von beiden Seiten, von ganz unten und von ganz oben. Ganz unten sagen die Menschen: Mir ist die Gesellschaft egal, die lässt sich eh sitzen. Und die ganz oben: Ich habe genug, aber die Gesellschaft will mir per Steuern alles wieder wegnehmen, deshalb ist mir die Gesellschaft auch egal.
Wilhelm Schmid, Philosoph, 2012 im Interview mit der Bundeszentrale für politische Bildung
2. Gesellschaft, gerade wenn sie auseinander driftet, braucht Menschen, die Probleme sehen und benennen und sich solidarisch engagieren (Mt)
Kolping Togo hilft Frauen dabei, landwirtschaftlich erfolgreich zu werden. Sie lernen, eigenes Einkommen zu generieren und somit unabhängiger sowie selbstbewusster zu werden. „Früher hatte ich kaum den Mut, vor anderen zu sprechen“, erzählt Afi Dossou. Zusammen mit anderen Frauen hat sie Workshops gelernt, innerhalb des Verbands und der Gemeinde aktiv aufzutreten und Verantwortung zu übernehmen. „Ich habe gelernt, Konflikte anders zu lösen. Das hat mein Leben verändert, in der Familie und im Dorf“, berichtet sie.
Mehr unter www.kolping.net – Projekt VA-0902
Wolken ziehen auf, der Himmel verdunkelt sich, die Blätter kräuseln sich nach oben, und wir wissen, dass es regnen wird. Wir wissen, auch dass der Niederschlag nach dem Unwetter viele Meilen entfernt ins Grundwasser fließt und dass der Himmel morgen wieder aufklaren wird. All diese Ereignisse sind räumlich und zeitlich voneinander getrennt, und doch gehören sie alle zu demselben Muster. Die Ereignisse beeinflussen sich gegenseitig, auch wenn wir dieses Wechselspiel normalerweise nicht wahrnehmen. Man kann das System eines heftigen Regens nur verstehen, wenn man über die Einzelteile hinausblickt und das Ganze betrachtet. Die Geschäftswelt und andere menschliche Unternehmen sind ebenfalls Systeme. Auch sie sind durch ein unsichtbares Gewebe von zusammenhängenden Handlungen verbunden, die oft erst nach Jahren ihre volle Wirkung aufeinander entfalten. Da wir selbst ein Teil dieses filigranen Musters sind, fällt es uns doppelt schwer das volle Bild der Veränderung zu erfassen. Stattdessen neigen wir dazu, uns auf „Schnappschüsse“ von isolierten Systemteilen zu konzentrieren, und wundern uns, warum unsere größten Probleme scheinbar unlösbar sind.
Aus: Peter M. Senge, Die fünfte Disziplin. Kunst und Praxis der lernenden Organisation, 1996.
3. Voraussetzung zu nachhaltigem Leben und Wirtschaften bedarf einer bewussten und überlegten Differenzierung von dem, das sich bewährt hat und bleiben soll, und dem, das überwunden werden muss (Mt)
Wenn Sie sich anklammern, ist das Leben zerstört; wenn Sie sich an etwas festhalten, hören sie auf zu leben. (…) Eine weitere Illusion besteht darin, dass jemand anderer für Sie herausfinden kann, dass irgendein Erlöser, Guru oder Lehrer es für Sie tun kann. Nicht einmal der größte Guru der Welt kann auch nur einen Schritt für Sie tun – den müssen Sie schon selbst tun. Der heilige Augustinus sagt in diesem Zusammenhang sehr einsichtig: „Jesus selbst konnte für viele, die ihn hörten, nichts tun.“ Sie selbst sind es, die das Ihrige erledigen müssen.
Aus: Anthony de Mello, Der springende Punkt, 2000.
Das Milchviehprojekt von Kolping Indien unterstützt Mütter, die ihren Mann durch Tod oder Trennung verloren haben. Milchvieh gilt als wertvolles Familienvermögen, das bei Bedarf leicht in Bargeld umgewandelt werden kann. Seit dem Unfalltod muss die 42-jährige Viji ihre beiden Töchter allein durchbringen, aber ihr Verdienst als Tagelöhnerin reicht dazu nicht. Dank ihrer Kuh kann sie nun täglich neun Liter Milch verkaufen, den Rest nutzt sie für ihre Kinder. Das Familieneinkommen hat sich deutlich verbessert, niemand muss mehr hungern.
Mehr unter www.kolping.net – Projekt LE-6103
Joachim Feldes, Dannstadt-Schauernheim