| ev. Predigttext | kath. 1. Lesung | kath. 2. Lesung | kath. Evangelium |
| Joh 20,19-23 | Apg 10, 34-35.42-48a od. Ez 36, 16-17a.18-28 |
Eph 4, 1b-6 | Joh 15, 26 - 16, 3.12-15 |
Einführung
„Großes beginnt immer im Kleinen.“ Mit diesem Slogan startete das Saarland als eines der kleinsten Bundesländer 2014 eine Charmeoffensive für das Saarland. Es sollte den Saarländern vermitteln, dass es auch in einem so kleinen Bundesland vieles gibt, worauf man stolz sein kann. Und nach außen sollte es Werbung für das Saarland sein. Der Spruch wirkt einerseits banal, weshalb manch ein Saarländer sich auch darüber lustig machte. Doch andererseits spricht er auch eine Wahrheit aus, die man leicht allzu gerne vergessen mag. Erst recht im Blick auf die vielen globalen Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht: den Klimawandel, das Artensterben, die Krisenherde der Welt, den drohenden Zerfall demokratischer Strukturen, die Herausforderungen, die sich aus dem Anthropozän ergeben. Nicht wenige fragen sich: Wie soll das alles noch gut werden? Woher die Zuversicht nehmen, dass das alles irgendwie gut ausgehen wird?
Die biblischen Texte vom Pfingstmontag sind Texte, die darauf eine Antwort geben können. Vielleicht ganz im Sinne des Slogans: Großes beginnt immer im Kleinen. Denn ist das nicht auch ein zentrales Motiv in der Heilsgeschichte? Gottes Erlösungsweg an der Menschheit beginnt immer im Kleinen. Von der Schöpfung, die aus dem Nichts hervorgegangen ist, über die Berufung von schwachen, kleinen, mit Fehlern behafteten Menschen zu Propheten, Priestern und Königen, Jüngern, bis hin zur Geburt des Erlösers im Stall von Betlehem. „Großes beginnt immer im Kleinen“ scheint ein heilsgeschichtliches Grundprinzip zu sein. Und deshalb gilt auch: Der Friede im Großen fängt im Kleinen an. Das findet sich auch in den Schriftlesungen dieses Tages wieder. Sich darauf einzulassen bedeutet, in der Zuversicht des Glaubens das Mögliche zu tun, damit aus Kleinem Großes wird.
Predigtgedanken zu den biblischen Texten
„Friede sei mit euch!“ - Joh 20, 19-23
Zu Beginn der Begegnung mit dem Auferstandenen sagt dieser den Jüngern zweimal den Satz zu: „Friede sei mit euch!“ Schließlich sendet er seine Jünger aus, sein Evangelium zu verkünden, und er lässt seine Jünger nicht allein, er sagt ihnen den Beistand, den Heiligen Geist, zu. Verbunden mit der Vollmacht Gottes, die sich in der Vergebung der Sünden ausdrückt, womit er sich mit den Theologen seiner Zeit oft anlegte. Hier beginnt die Jesusbewegung im Kleinen. Kein mächtiges Auf-den-Tisch-Schlagen. Kein „So isses jetzt“, der umfassende Weltfriede ist endlich da und basta! Nein, Friede als Sendung und Auftrag beginnt bei jedem Einzelnen Menschen. Was es dafür braucht, hat Jesus uns gezeigt. Großes entsteht im Kleinen.
„…dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.“ - Apg 10, 34-35.42-48a
Großes entsteht im Kleinen, auch in der Erzählung aus der Apostelgeschichte, wenn Petrus die Universalität des Heilsgeschehens aufgeht, weil er begreift, dass Gott nicht auf die Person sieht, ihre Herkunft oder das, was sie möglicherweise alles schon geleistet hat, sondern „dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.“ Man mag sich erinnert fühlen an Papst Franziskus, der seine bahnbrechende Enzyklika „Laudato Si“ an alle Menschen guten Willens adressierte. Man mag sich an Karl Rahner erinnert fühlen, der mit seinem Modell des anonymen Christentums theologisch dem Universalitätsanspruch des Heils Christi auf die Spur ging. Letztlich führt es zurück auf jeden Einzelnen, der Gott fürchtet und tut, was recht ist. Nun ist „Gottesfurcht“ nicht gleichzusetzen mit Missionierung zu einem christlichen Bekenntnis. Tun, was recht ist, ist jedoch die Aufgabe, die sich an jeden Menschen richtet, an dem Ort, an dem er steht. Großes beginnt im Kleinen.
„Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe…“ - Eph 4, 1b-6
Die Verse aus dem Epheserbrief richten sich zwar an die Gemeinde, jedoch sind sie als Handlungsanweisungen so konkret und eingängig, dass jedem Leser der Weg zu einem umfassenden Frieden unmittelbar aufleuchtet, der eben bei jedem selbst beginnt. Großes entsteht im Kleinen. Man möchte es all jenen zurufen, die für Unfrieden in der Welt sorgen und die Ursachen für den Unfrieden stets bei anderen finden, statt die eigene Haltung zu hinterfragen.
„Und auch ihr legt Zeugnis ab“ - Joh 15, 26 - 16, 3.12-15
Wieder geht es um das Zeugnis jedes Einzelnen. Wieder geht es um den Beistand, den Heiligen Geist. Wieder geht es um das Engagement jedes Einzelnen. Der Geist der Wahrheit ist es, der die Menschen bestärkt, das Evangelium zu verkünden und auf dem rechten Weg zu sein. Großes entsteht im Kleinen.
Steffen Glombitza, Bistum Speyer