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| Hebr 13,1-3 | Weish 12, 13.16-19 | Röm 8, 26-27 | Mt 13, 24-43 |
Abstand
Ev. Predigttext: Hebräer 13,1-3
Die Predigt konzentriert sich auf das Thema des Gefangenen. Leitfragen der Predigt:
- Wer wird im Zeitalter der Klimakrise Gefangen genommen?
- Welche Denkmuster halten uns und andere gefangen?
- Welche Ausmaße wird die Klimakrise in Zukunft haben?
- Wo ist unser Platz in der internationalen Menschheitsfamilie?
Aktivist*innen im Gefängnis
Es ist schon etwas her, da brachten sie viele Menschen in Aufruhr: Die Klima-Aktivist*innen der „Letzten Generation“, wie sie sich damals bezeichneten. Sitzblockaden auf Straßen und weitere Aktionen, welche die öffentliche Aufmerksamkeit erregten und viel diskutiert wurden. Ist das, was dort geschieht ein angemessener Protest, wenn es um die Zukunft des Planeten geht? In Deutschland wurde zu harten Maßnahmen gegriffen, Prozesse wurden abgehalten, Gerichtsurteile gefällt und Aktivist*innen für ihre Proteste inhaftiert. Sind es solche Inhaftierten, die für eine bessere Zukunft eintreten wollten und dafür vieles geopfert haben, an die wir als die Gefangenen denken sollen? Denn so steht es im Hebräerbrief: „Denkt an die Gefangenen…“.
Gefangen in Denkmustern
Oder ist dieser Satz symbolisch zu verstehen, eher im Sinne von denen, die noch gefangen sind in unguten Gewohnheiten oder gefährlichen Denkmustern? Gern würde ich sagen, es gäbe ja noch immer Menschen, die meinen, die Klimakrise sei eine Lüge. Leider muss ich aber sagen, es werden wieder mehr Menschen, die menschengemachte Veränderungen in der Erdatmosphäre und damit veränderte klimatische Zustände verleugnen. Die Politik in den USA, die Klimaforschungen bewusst ausbremst, tut dazu ihren Teil. Denken wir nun an Menschen, die in solchen gefährlichen Denkmustern verhaftet sind, weil sie Fakten nicht mehr glauben, wozu hilft es uns? „Denkt an sie, als seid ihr Mitgefangene“, heißt es im Predigttext. Vielleicht haben auch wir noch nicht völlig verstanden, welche Ausmaße die Klimakrise in Zukunft annehmen wird? Vielleicht zählen auch wir noch zu denjenigen, die vor Veränderungen zurückschrecken? Vielleicht haben auch wir noch nicht begriffen, wie sehr die Folgen der Erderwärmung unser eigenes Leben betreffen, aber umso mehr die Existenz von so vielen Menschen im Globalen Süden im Griff halten? An die Misshandelten sollen wir denken, so der Hebräerbrief weiter. An die Misshandelten durch Ernteausfälle und Überflutungen? Oder an die Misshandelten in den Gefängnissen, an die Familien von Umweltaktivist*innen in zahlreichen diktatorischen Ländern, die für ihren Einsatz für den Schutz der Erde ermordet werden?
Planetare Solidarität als Geschwisterliebe
In geschwisterlicher Liebe leben und gastfrei sein, so ermahnt der Hebräerbrief. In einer Zeit, in der die Klimakrise das drängendste Problem des Planeten darstellt, bedeutet das: Erkennen, dass unsere Geschwister auf dem ganzen Planeten verteilt leben. Dass wir Menschen in Zukunft nur dann leben können, wenn wir uns in internationaler Solidarität vereinen und die Zukunft so umgestalten, dass die gesamte Menschheitsfamilie gut auf der Erde leben kann. Und es heißt auch: Menschen bei uns aufnehmen, die schon jetzt auf der Flucht sind vor Überschwemmungen und Ernteausfällen. Wenn wir ihren Geschichten und Erzählungen glauben, dann wissen wir, dass die Klimakrise keine Lüge ist, sondern bittere Realität. Und weil wir noch „im Leibe leben“ und irdische Wesen sind, deren Körper von den Begebenheiten unserer irdischen Heimat abhängen, können wir nicht so tun, als würde uns das Klima nichts angehen.
Dr. Alwine Schulze, Lohra