18.10.2026 – 20. Sonntag nach Trinitatis / 29. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Mk 2,23-28 Jes 45, 1.4-6 1 Thess 1, 1-5b Mt 22, 15-21

I) Mk 2,23-28 (EKD Reihe II)

  • Jesus greift auf den Ursinn des Sabbat zurück: er solle eine Wohltat für Menschen und Tiere sein (s. Ex 20,10; Dtn 5,12-14); Jesus verschiebt damit den Blick weg von Regelgehorsam hin zum eigentlichen Sinn von Regeln, dem Leben zu dienen.
  • Die Jünger pflücken Ähren, weil sie hungrig sind; Jesus verweist auf David, der in einer Notsituation mit seinen Begleitern von den heiligen Broten aß, die den Priestern vorbehalten waren. Was bedeutet das heute für die christliche Ethik angesichts himmelschreiender Armut und rund 673 Millionen hungernder Menschen? Wie sieht eine gerechte Versorgung aus, wenn genug da ist, aber nicht für alle zugänglich?
  • Der Sabbat als Gegenmodell zur Ausbeutung. Als Schutz und Ruhezeit für das Land / die Erde sowie die schwachen, an den Rand gedrängten und benachteiligten Menschen. Wo braucht es heute mehr „Sabbat“ als Grenze gegen Übernutzung von Menschen und Natur?

II) Jes 45,1.4-6 (kath. 1. Lesung)

  • Gott wirkt auch außerhalb der eigenen Blase: Kyrus wird als „Gesalbter“ und als von Gott bei seinem Namen Gerufener beschrieben, obwohl er Gott nicht kennt. Er ist Perser, kein Israelit. Gott ist viel größer als wir denken. Gottes gute Absicht ist nicht an Herkunft, Religion oder Machtzentrum gebunden, sondern kann auch durch Menschen von „außerhalb“ in Politik, Wirtschaft oder Zivilgesellschaft sichtbar werden. Welch Unterschied zur aktuell sehr präsenten nationalistischen Sicht!
  • Kyrus ist Macht gegeben, damit „Türen geöffnet“ und „Könige entwaffnet“ werden. Eine solche Machtausübung dient dem Leben. Förderung des Lebens auf allen Ebenen anstatt Kampf gegen Andere.
  • Die Erde ist ein gemeinsamer Lebensraum. In ihm ist Platz für alle. So geschieht in Jes 45,4 Gottes Handeln „um Jakobs willen“ und zugleich wird Kyrus in eine größere Heilgeschichte hinein genommen. Kooperation anstatt Konkurrenz.

III) 1 Thess 1,1-5b (kath. 2. Lesung)

  • Paulus drückt den Thessalonichern gegenüber große Dankbarkeit aus, er lobt ihre standhafte Hoffnung und Liebe.
  • Hoffnung ist aktuell – auch aufgrund all der vielen Schreckensnachrichten weltweit – ein großes Thema. Hoffnung ist nicht zu verwechseln mit Optimismus. Nach Vaclav Havel ist Hoffnung nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn macht, egal wie es ausgeht.
  • Die Thessalonicher haben ihre Hoffnung laut Paulus ganz auf Jesus Christus gesetzt: weil sie gespürt haben wie konsequent er sich für das Reich Gottes, eine gerechte und lebensfreundliche Welt, eingesetzt hat? Was würde das für uns heute heißen?

IV) Mt 22,15-21 (kath. Evangelium)

  • der Text fragt nach zwei Ebenen: was fordert die politische Ordnung (Staat, Gesetz) – und was verlangt Gott von uns?
  • „Was dem Kaiser gehört“ - ökonomische Realität und globale Gerechtigkeit
    Jesus hebt die Steuerpflicht nicht auf, sondern bestätigt, dass weltliche Ordnungen bestimmte Verpflichtungen haben – etwa Steuern, Gesetze und soziale Verantwortung. In heutiger Sprache lässt sich das weiterdenken: Unsere Steuern, Abgaben, Konsum‑ und Investitionsentscheidungen wirken global – etwa auf Arbeitsbedingungen, Steueroasen, Klimawandel und Armut. Wieviel unseres „Geldes an den Kaiser“ (Steuern, Produkte, Bankgeschäfte) dient der Gerechtigkeit (z.B. Bildung, Gesundheit, Klimaschutz) anstatt Ausbeutung/Krieg/Naturzerstörung?
  • „Was Gott gehört“ – Schöpfungsverantwortung und Nachhaltigkeit
    Gott gehört die ganze Schöpfung, damit u.a. auch der Mensch; ein sorgsamer Umgang mit der Natur und allen Lebewesen ist somit Ausdruck der Liebe zu Gott; dazu gehört auch der Einsatz von Zeit, Denken, Geld und politischer Stimme für zukunftsfähige und gerechte Strukturen.
  • Trennung der Ebenen – aber Einheit des Verantwortungsbereichs
    Jesus unterscheidet klug zwischen „Kaiser“ und „Gott“, verknüpft die beiden Ebenen aber praktisch: Wer dem Kaiser gibt, was der Kaiser verlangt, darf Gott nicht vergessen; wer umgekehrt Gott „wahrt“, darf die politische und ökonomische Verantwortung nicht verlassen. Übertragen auf heute:
    Sind der Einsatz für eine gerechte und Zukunft ermöglichende Steuerpolitik, Klimaschutz, Handelsabkommen und globale Armutsbekämpfung das, was wir als Menschen „Gott geben (sollen), weil  es Gott gehört“?

Erste Schritte dazu könnten sein:

    • bewusster Konsum (fairer Handel, kleiner ökologischer Fußabdruck im Sinne der „zufriedenen Genügsamkeit“, die Papst Franziskus in „Laudato si“ vorschlägt) sowie
    • politische Mitwirkung (z.B. Wahl, Petitionen, Initiativen zu „Gerecht‑handeln“ und Nachhaltigkeit inner- und außerhalb der Kirchen)

Christoph Fuhrbach, Speyer