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| Lk 18,9-14 | Jes 56, 1.6-7 | Röm 11, 13-15.29-32 | Mt 15, 21-28 |
Lk 18,9-14
Analogie heute?
Wer sich für Nachhaltigkeit einsetzt, umweltbewusst lebt, wird in manchen Bevölkerungskreisen nicht nur belächelt, sondern abgestempelt als Ökofundis, Spinner, ja ihre Aktionen als Angriff auf das Gemeingut gesehen: Klimakleber, „letzte Generation“,… Gott sei dank sind ja nicht alle so wie diese Spinner, besonders ich selbst weiß ja besser, dass Natur keine Hilfe braucht. (= Pharisäer)
Aber auch: Manche/r von denen, die sich um die Zukunft der Erde sorgen, verurteilen Menschen, die „noch nichts begriffen haben“ oder „Klimaleugner“ sind. Zum Glück wissen sie selbst es besser und leben anders/besser, nicht wie diese da… (=Pharisäer)
Gott will nicht, dass wir andere verurteilen aufgrund deren Verhalten und uns selbst in einem besseren Licht sehen und stellen. Es geht einfach darum, nach bestem Wissen und Gewissen das zu leben, was Gottes Willen entspricht, der Leben für ALLE Lebewesen will. Da wir letztlich immer dahinter zurückbleiben, gibt es keinen Grund uns über andere zu erheben, sondern bescheiden zu versuchen, mit den anderen Geschöpfen – egal ob Mensch oder Tier zu leben, in der begründeten Hoffnung, dass Gott unser Bemühen sieht und unterstützt.
Jes 56,1
Wahrt Recht und übt Gerechtigkeit…
Auch die Schöpfung hat Rechte, selbst wenn wir das nicht so sehen sollten. Es ist nicht gerecht, dass wir in der westlichen Industriewelt Ressourcen über die Maße (miß)brauchen, um den eigenen Lebensstil zu steigern oder am Leben zu erhalten, auf Kosten von Menschen in anderen Teilen der Erde und der Natur selbst.
Alle, die versuchen den Klimawandel zu minimieren, nachhaltig zu leben, Schöpfung zu bewahren,… handeln im Sinne Gottes. Manche motiviert aus ihrem Glauben heraus, viele einfach, weil ihnen die Schöpfung wichtig ist oder sie die Folgen ahnen und vermeiden wollen, auch an die Zukunft künftiger Generationen denken.
Diese vielen sind wie die Fremden, die sich dem HERRN anschließen, um ihm zu dienen. Es ist nicht entscheidend, ob sie es bewusst tun. Gott ist an ihrer Seite und er führt sie zu seinem „heiligen Berg“. Ein Ort seiner Gegenwart, ohne Gefahr überschwemmt zu werden von allem, was Leben nimmt.
Hier ist eine große Offenheit Gottes sichtbar für alle, die seine Wege gehen egal ob bewusst oder unbewusst.
Deshalb ist es gut, wenn Christen und Christinnen Seite an Seite mit allen, die für den Erhalt der Erde handeln, am Missbrauch der Schöpfung leiden, sich bemühen und nachhaltig leben, weiter dieses Thema in die Gesellschaft zu tragen.
Röm 11,13-15.29-32
Nicht alle Schriftstellen sind im Blick auf Nachhaltigkeit hilfreich, zumal wenn sie völlig anderes im Blick haben.
Es sollte dann nicht einfach für den eigenen Zweck ge- oder gar missbraucht werden.
Da es Paulus in diesem Abschnitt um das Verhältnis zwischen Menschen jüdischen und christlichen Glaubens geht, gibt es kaum etwas, das hier nützlich wäre außer vielleicht:
Gottes Liebe gilt allen, egal ob sie sich für Klimaschutz und Nachhaltigkeit engagieren oder nicht. Sein „Ja“ zum einzelnen Menschen bleibt bestehen.
Mt 15,21-28
Analogie zu Jes 56:
Auch hier ist letztlich nicht entscheidend, ob der Mensch den „richtigen“ Glauben oder überhaupt einen hat, sondern wie er/sie handelt.
Die Frau handelt im Vertrauen, dass sie Gehör findet und Jesus (Gott) positiv reagiert. Und sie lässt nicht nach, selbst als Schwierigkeiten auftauchen. Sie tut es aus Liebe zu ihrer Tochter.
Die Liebe ist ihre Motivation, so wie für viele die Liebe zur Erde, den Lebewesen auf ihr, insgesamt der Schöpfung – ob belebt oder unbelebt - der Motor ihres Handelns ist. Sie ist stärker als Misserfolge, Anfeindungen, Widerstände (die Jünger in diesem Abschnitt des Evangeliums, die scheinbar ablehnende Haltung Jesu).
Die Frau kennt auch ihre Grenzen, weiß, dass sie nicht alles allein schafft, auch nicht mit Unterstützung von Menschen. Auch gemeinschaftliches Tun hat Grenzen. Ihre Haltung, sich an Gott zu wenden, kann Christinnen und Christen erinnern, dass Gott, der Ursprung und tragende Grund der Schöpfung, auch seinen Teil zu unseren Bemühungen gibt, die Schöpfung zu erhalten und zu bewahren.
Deshalb kein Grund zu resignieren, wenn gesellschaftlich andere Themen wichtiger erscheinen als die klimatischen Veränderungen, sondern vielmehr weitermachen und mit Blick auf die leidende Schöpfung beharrlich bleiben.
Und bei der Frage, mit welchen Gruppen Christen und Christinnen für den Erhalt der Schöpfung arbeiten können, ist die Antwort: mit allen, die Lebewesen achten und respektieren und deren Motivation die Liebe zur Natur ist, mit allen die Leben bewahren und versuchen mehr an Lebensmöglichkeiten entstehen zu lassen.
Sie sind auf dem Weg Gottes und tun seinen Willen, auch wenn sie das gar nicht sehen (wollen).
Birgit Haas, Bistum Speyer