14.06.2026 – 2. Sonntag nach Trinitatis / 11. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Mt 11,25-30 Ex 19, 2-6a Röm 5, 6-11 Mt 9, 36 - 10, 8

Auf den ersten Blick scheinen die Texte wenig Stoff für eine Predigt zum Thema Nachhaltigkeit zu bieten. Wer genau hinschaut entdeckt wichtige Bezüge für unseren Umgang mit Gottes Schöpfung und uns selbst als Geschöpfen Gottes:

Mt 11,25-30

Gott wird als Herr des Himmels und der Erde angerufen – wo sehen wir bewusst Himmel und Erde in unserem Alltag?  Wo nehmen wir uns in diesem Sinn als geerdet und gehimmelt wahr? Aufrechtstehend zwischen Himmel und Erde. Menschen - nicht mehr und nicht weniger. Geschöpfe, die ihre Existenz nicht sich selbst verdanken und zugleich eine unvergängliche Würde daraus haben. Beim Blick in die Welt der Tech-Giganten könnte man meinen, wir hätten uns selbst zu Herren über Gott und die Welt, Leben und Tod, sogar den Weltraum gemacht. Der Glaube des Jesus von Nazareth ist anders. Er prahlt nicht, er spielt sich nicht auf, er macht andere nicht klein, sondern groß. Dieser Mensch gewordene Gott, der in jeder und jedem von uns Mensch werden möchte, ist sanftmütig, gütig und von Herzen demütig. Ein heilsamer Kontrapunkt zu allem Machtgebaren, das Energie und Rohstoffe verprasst, Lebensgrundlagen zerstört und vermeint, weniger reich oder privilegiert geborene Menschen ausbeuten zu dürfen. Jesus lädt uns ein, Ruhe für die Seele zu suchen und zu finden. Ein Weg ist der in die Natur.

Ex 19,2-6a

Aufbrechen, unterwegs sein, ankommen. Das sind die Urbewegungen des Glaubens, des Pilgerns. In verschiedenen Landschaften und Umwelten leben und Gotteserfahrungen machen: Wüste und Berg als Orte der Gottesbegegnung. Moses bewegt sich, das Volk lagert sich, wartet. Sie werden zu Wahrnehmenden. Sie erfahren in den Grenzen, die ihnen die Natur setzt, in der Weite, in der Stille, in der Extremität von Trockenheit und Kargheit, die das Überleben täglich neu herausfordert, dass die ganze Erde Gott gehört, dass der Einzelne und das Volk als Ganzes nur ein Teil der Schöpfung ist. Zugleich spüren sie, dass jeder Teil dieser Erde, jeder Mensch und das Volk für Gott kostbar sind, heilig, durchlässig für die Herrlichkeit und Lebendigkeit Gottes. Wer das lebt und in seinem Leben verkörpert, der dient Gott und den Menschen als priesterlicher Mensch. Die Enzyklika Laudato si mahnt uns deshalb, dass jede Sünde gegen die Natur eine Sünde gegen Gott sei, da sie sich gegen das Leben und die Lebendigkeit richtet, Gottes Schöpfung konterkariert und die Gotteserfahrung der lebendigen Schöpferkraft verdunkelt. Die technisierte Welt und ihre Güter taugen nur bedingt für Gotteserfahrungen, da sie unbelebt sind und uns von uns selbst zu entfremden drohen.

Röm 5,6-11

Bis zum heutigen Tag sterben Menschen im Einsatz für Menschenrechte und die Rechte der Natur – z.B. im Kampf um Landrechte in Amazonien, im Kongo und an anderen Orten.  Sie geben ihr Leben hin für andere, werden Opfer der Gewalt und Gier von Konzernen, Rohstoffjägern und Vierzüchtern. Ihre Martyrien bezeugen die Solidarität und Liebe Gottes zu den Schwachen, Armen, Entrechteten und Unterdrückten und zur in Geburtswehen liegenden, geschundenen Schöpfung.

Mt 9,36-10,8

Sehen und sich vom Mitgefühl bewegen lassen – compassion üben, Mitleidenschaft, darauf kommt es beim Glauben an. Wo sind wir müde und erschöpft, geängstigt und zerstreut wie Schafe ohne Hirten? Wo nehmen wir Angst, Ermüdung, Erschöpfung unserer Mitmenschen wahr? Jesus ermutigt uns in diesem Evangelium, den Hirtendienst zu übernehmen, das heißt die Herde zusammen zu halten, zu beschützen, zu hüten, notfalls mit dem eigenen Leben zu verteidigen. Oder uns aussenden zu lassen, mit Vollmacht ausgestattet, um dem Leben, der Lebenskraft, der Lebendigkeit, den Menschen zu dienen. Es geht darum, sich für die Gemeinschaft in Dienst nehmen zu lassen, dem Gemeinwohl zu dienen, nicht dem eigenen Profit oder Ansehen. Jesus verlangt nichts von seinen Jüngern: Er gibt ihnen umsonst, ebenso sollen sie aus der ihnen geschenkten Fülle und Vollmacht umsonst geben. Wer von uns ist dafür bereit? Wer von uns übt sich in der Dankbarkeit für das Viele, was uns geschenkt ist, was nicht gekauft werden kann an Talenten, an mit der Geburt erworbenen Privilegien?

 

Die Bibel ist reich an Bildern aus der Natur und bäuerlichen oder nomadischen Hirtenkultur. Vielen heutigen Menschen ist beides fremd geworden. Das Wissen um die Haltung von Nutztieren und was damit an Sorgearbeit verbunden ist, das Wissen und die Kenntnis von Ackerbau und Fruchtbarmachung von Land sichert das Überleben der Menschheit. Zugleich bewahrt es die Demut, dass nicht alles machbar und beherrschbar ist, die Sensibilität für Veränderungen z.B. durch den Klimawandel, und die Weisheit, dass die Dankbarkeit wesentlich zu einem erfüllten Leben gehört.

Barbara Schmidt, Niederalteich