| ev. Predigttext | kath. 1. Lesung | kath. 2. Lesung | kath. Evangelium |
| 5 Mose 7,6-12 | Jes 55, 10-11 | Röm 8, 18-23 | Mt 13, 1-23 |
Kirchenjahreszeitliche Perspektive:
Der 6. Sonntag nach Trinitatis wird oft als Taufsonntag gefeiert. Er erinnert an die Taufe als Beginn eines neuen Lebens. Durch die Taufe werden die Gläubigen hineingenommen in die Gemeinschaft mit Gott und haben Anteil an Seinem Wirken. Das bleibt nicht ohne Konsequenzen.
Die Erinnerung an unsere Geschöpflichkeit und daran, dass wir Teil des Heilshandelns Gottes sind, weitet unseren Blick und gibt Mut zu klarer Haltung und Widerstandskraf
In allen Texten geht es um das Unspektakuläre, das Verborgene, das Wirken Gottes an den und durch die Kleinen und Unscheinbaren.Die zentrale Botschaft des 6. Sonntags nach Trinitatis “Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein” meint jede und jeden einzelnen und ist Zuspruch und Anspruch zugleich.
Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit lege ich daher den Schwerpunkt auf die “frohe Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt zu freiem, dankbarem Dienst an seinen Geschöpfen” (Barmen II), die uns allen in der Taufe widerfahren ist.
Predigttext (ev.), II. Reihe, 5. Mose 7,6-12
Bevor der Predigttext verlesen wird, sollten ein paar einleitende Sätze den Kontext umreißen: Das 5. Buch Mose, auch Deuteronomium, also zweites Gesetz, genannt, versteht sich als Abschiedsrede des Mose. Bevor das Volk Israel sich im verheißenen Land niederlässt, bekommt es Verhaltensregeln. Nach der Erinnerung an die Zehn Gebote (Kap.5) werden die Zuhörenden zur Liebe und zum Gehorsam gegenüber ihrem Gott ermahnt (Kap.6).In Kap. 7 wird vor “Gemeinschaft mit den Heiden” gewarnt, und es wird an den Bundesschluss, also an die Verheißung des göttlichen Segens erinnert.
In diesem Kontext steht der Predigttext, Dtn. 7,6-12. Seine zentrale Aussage ist die Liebe Gottes. Sie allein ist der Grund für die Erwählung des Volkes Israel. “Du bist das kleinste unter allen Völkern”, schreibt Mose seinen Zuhörer*innen ins Herz. Darin liegt das ganze Geheimnis der Erwählung. Nur weil Gott sein unbedeutendes Volk bedingungslos liebt, hat er es aus der Knechtschaft in Ägypten herausgeführt. Nur darum sind sie jetzt hier, an der Schwelle zum Gelobten Land.
Um die genaue Datierung der Entstehungszeit streiten sich die Gelehrten. Wahrscheinlich besteht das 5. Buch Mose aus verschiedenen Schichten, von denen einige vor- und andere nachexilisch sind. Die Gesamtkomposition legt nahe, dass Israel zu allen Zeiten der Erinnerung an seine Herkunft bedurfte. Es wird ihm hier ins Gewissen geredet. “So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust!”
Das ist für mich auch der Sitz im Leben der Predigthörenden im Juli 2026. Ich weiß jetzt, Anfang Januar, nicht, ob sich die Welt seit 2025 zum Positiven oder zum Negativen hin entwickelt hat. Wahrscheinlich gibt es für beides gute Beispiele. Gottes Liebe und Barmherzigkeit und der Zuspruch seines Segens aber sind unverbrüchlich. Seine Gnade gilt uns – und den Jüdinnen und Juden, die Gott lieben und Gottes Gebote halten.
Das gibt Mut zum aufrechten Gang, zu stiller Stärke, zu stets freundlichem Widerspruch und Widerstand. Gute Geschichten müssen wir erzählen, denn es gibt die Koalition der Willigen, die große Gruppe derjenigen, die wissen, was zu tun und was zu lassen ist, Heldinnen und Helden des Alltags.
Ich würde diese Predigt nutzen, von den “kleinsten unter allen Völkern” zu erzählen, von den Marginalisierten, von denen, die im Stillen Gutes tun.
Bischöfin Mariann Edgar Budde hat am 21. Januar 2025 in der Washington National Cathedral von der Würde, die jedem Menschen innewohnt, gesprochen, von Ehrlichkeit und von Demut. Und sie hat die anwesenden Kongressabgeordneten inclusive Präsident Donald Trump als gläubige Menschen angesprochen und sie an die Fundamente des christlichen Glaubens erinnert. Solche Erinnerung tut uns allen gut.
Kath. Lesejahr, 1. Lesung: Jes 55, 10-11
Der Wechsel der Jahreszeiten, Regen und Schnee, Fruchtbarkeit, Wachstum und Ernte sind trostreiche und beruhigende Bilder, in die wir uns fallen lassen können. Und immer, immer wieder geht die Sonne auf… Auch wenn durch den Klimawandel vieles aus dem Gleichgewicht gerät, ist doch immer noch einigermaßen Verlass auf die natürlichen Abläufe. Das Bild trägt (noch) und kann unseren Horizont weiten und das Vertrauen darin stärken, dass Gottes Schöpfungshandeln fortwährt.
Gottes Wort wird tun, wozu Gott es sendet. Es ist spannend, diesem Gedanken nachzugehen und Spuren göttlichen Wirkens in der Welt zu entdecken. – Vielleicht ja auch eine Aufgabe für den Urlaub!?
2. Lesung: Röm 8, 18-23
„Auch die Schöpfung wird frei von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.“ Dieser Paulustext kann nicht oft genug gelesen und gepredigt werden, denn er muss heute Standardsatz jeglicher Theologie sein! Die ganze Schöpfung, alle Kreatur ist eingebunden in das Erwählungs- und Erlösungshandeln Gottes. Viel zu lange haben wir zu christozentrisch und damit zu anthropozentrisch gedacht, gelehrt und gehandelt. Nein. Nicht der Mensch ist Dreh- und Angelpunkt des Weltgeschehens, jedenfalls nicht aus christlicher Perspektive.
Diese ganzheitliche Sicht auf die Welt befreit vom ängstlichen Starren auf die Mächtigen und ihr geopolitisches Gerangel. Es sind Menschen, einzelne Reiche und Mächtige, die viel Böses anrichten können. Die ganze Kreatur und wir mit ihr leiden darunter und seufzen. Aber ich weigere mich anzunehmen, dass Bedrohung und Zerstörung allein in ihrer Hand liegen. Ich weigere mich, vor ihnen Angst zu haben. Denn Gott, der den Himmel und die Erde geschaffen hat, hält die Welt in seiner Hand. Diese Zuversicht sind wir der Welt und den nachfolgenden Generationen schuldig.
Evangelium (kath.): Matthäus 13, 1-23
Mir erscheinen kirchliche Verlautbarungen und viele Gespräche in kirchlichen Kreisen zu den aktuellen gesellschaftlichen Themen oft wie unter die Dornen gesät. – „Die Sorge der Welt und der trügerische Reichtum ersticken das Wort, und es bringt keine Frucht.“ (Matth.13, 22)
Können wir etwas dazu tun, dass das Wort auf gutes Land gesät wird und Frucht bringt? Dem nachzugehen, ist eine spannende und lohnende Arbeitsaufgabe für Gemeinden und Gruppen. Eine Veröffentlichung von good practice – Beispielen könnte Mut machen und andere zum Nachahmen anstiften.
Anregung für den Gottesdienst:
Der Gottesdienst am 12. Juli findet an vielen Orten kurz vor der Sommerpause statt. Ich würde ihn als Ermutigungsfest feiern, auch wenn keine Taufe oder Tauferinnerung im Mittelpunkt stehen. Persönlicher Zuspruch, Einzelsegnung, Erinnerung an „was Gott dir Gutes getan hat“ helfen über Ängstlichkeit und Mutlosigkeit hinweg. Es könnte auch ein Reisesegen gesprochen werden, verbunden mit der Bitte, aus der Ferne Anregungen für glaubwürdiges Leben in der Heimatgemeinde mitzubringen. So werden Zuspruch und Anspruch (s.o.) konkret begreifbar.
Annette Muhr-Nelson, Fröndenberg/Ruhr