11.10.2026 – 19. Sonntag nach Trinitatis / 28. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Eph 4,22-32 Jes 25, 6-10a Phil 4, 12-14.19-20 Mt 22, 1-14

Epheser 4, 22-32 (Ev. Predigttext)

Entfaltung statt Verkleidung

Wie kann ein Mensch neu werden? Den alten Menschen ablegen und sich innerlich und äußerlich so verändern, dass das Gute und Schöne hervortritt?

Hier im Textabschnitt ist von einem „Ankleiden“ die Rede. Ein sprechendes Bild. Doch in einem Punkt hinkt das Bild aus heutiger Sicht, nämlich dort, wo es um die Veränderung des inneren Menschen geht. Kleidung wird heute mit „Äußerlichkeiten“ assoziiert.

Gemeint ist aber ein „Neuwerden“ des ganzen Menschen. Ein Bild, das der Natur entlehnt ist und das das Neuwerden, das „Anziehen des neuen Menschen“ verdeutlicht, ist das Wachsen einer Blume.

Eine Zwiebel, die unscheinbar in die dunkle Erde gelegt wird, entfaltet mit dem Wachsen der Blume eine strahlende Schönheit.

Auf eine wunderbare Weise geschieht das, nicht in allen Vorgängen sichtbar und die Blüte, die sich der Sonne entgegenstreckt, taugt als Bild für das Neuwerden eines Menschen.

Als Leitbild für die Predigt zu Epheser 4, 22-32 kann dieses Bild die Natur in unseren Gottesdienstraum hineinholen und eine Pflanzenbetrachtung zu einer geistlichen Übung werden.

Mögliche Stichpunkte können dabei sein: ein Mensch bekommt Kraft und Energie von außen (von Gott/bzw. Wasser, Erde), um sich verändern zu können. Er entfaltet seine Schönheit im Tun des Guten, er wächst aus dem Schlechten wie aus einem Sumpf heraus („Bitterkeit und Zorn und Grimm und Geschrei und Lästerei sei fern von euch“), bzw. wächst über sich hinaus.

So wie in der Zwiebel genetisch festgelegt ist, dass eine Blume entsteht, so ist tief im Menschen seine Identität als Kind Gottes angelegt. Im hier beschriebenen Wandel bleibt man man selbst, und verändert sich doch fundamental.

In Vers 26 wird die Sonne erwähnt. Die Pflanze wendet sich zur Sonne wie der neue Mensch sich Gottes Liebe entgegen wendet.

Neu werden ist kein einmaliges Geschehen, sondern eine ständige Haltung. So wie die Pflanze Tag für Tag wächst und ihre Blätter dabei entfaltet, so entfaltet sich der neue Mensch in Christus. Ein Wachstumsprozess. Ein „Aufgehen“ in Christus.

Nicht zuletzt ist die Neuwerdung der Natur ein Beispiel für die Auferstehung in Christus.
Wenn man vom Wachsen spricht, bestimmt nicht der Dualismus die Vorstellung, sondern der Gedanke einer Entwicklung steht im Vordergrund. Dies ist sicher lebensnäher als der Tugendkatalog des Verfassers des Epheserbriefes.

Liedvorschlag zu dieser Predigtidee ist Strophe 4 von dem Lied „Gott ist gegenwärtig“ von Gerhard Teerstegen (EG 165).

Du durchdringest alles;
lass Dein schönstes Lichte,
Herr, berühren mein Gesichte!
Wie die zarten Blumen
willig sich entfalten
und der Sonne stille halten,
lass mich so, still und froh,
Deine Strahlen fassen
und Dich wirken lassen!

Alternative Idee  

Alternativ kann man die ab Vers 25 aufgeführten Mahnungen auf die sündhaften Handlungen beziehen, die die Schöpfung betreffen. Jede Mahnung ist positiv und negativ formuliert (legt die Lüge ab/redet die Wahrheit etc.), das bewahrt bei Beachten des zweiten Halbsatzes die Predigt vor zu viel negativer Formulierung.

Kath. Leseordung – Impulse:

Jesaja 25, 6-10a: Das große Freudenmahl

Beim ersten Satz dieses Textabschnittes bleibt einem der Bissen im Halse stecken: So deutlich ist der Unterschied zur gegenwärtigen Zeit:

Wir erleben eine große Ungerechtigkeit der Nahrungsverteilung. Schon in einem reichen Land wie Deutschland haben nicht alle Menschen Zugriff auf gesunde und gute Lebensmittel. Weltweit gesehen ist die Ungerechtigkeit noch viel größer. Durch Ausbeutung, Kriege und den fortschreitenden Klimawandel leiden Menschen an Hunger, Hungersnöte führen zum Verlust der Heimat und zum Tod.

Der Bibeltext ist ein Gegenentwurf. Eine Friedensvision, die ganz elementar zeigt, was Frieden bedeutet: satt werden.

Der Abschnitt Jesaja 24-27 wird als „Jesaja-Apokalypse“ bezeichnet, hier wird das Gericht Gottes über die Feinde Israels beschrieben. Anders als im Kontext ist diesem Abschnitt Vers 6-10a davon die Rede, dass „alle Völker“ zum Mahl Gottes kommen und nebeneinander am Tisch sitzen. Diese Zukunftsvision ist von Frieden geprägt, nicht vom Kampf. (Siehe Dr. Anne Rademacher, Sonntagslesungen, 28. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A, hrsg. Katholisches Bibelwerk e.V., Österreichisches Katholisches Bibelwerk, Schweizerisches Katholisches Bibelwerk.)

In der Beschreibung dieses paradisischen Zustandes bedeutet Frieden nicht die Herrschaft eines Volkes über andere und Satt sein nicht der Überfluss, der auf dem Mangel der anderen ruht, sondern eine Gemeinschaft aller Menschen, eine Gerechtigkeit für alle Völker.

Ein Bild, das unsere Hoffnung trägt und Antrieb unseres Handelns ist.

Philipper 4, 12-14.19-20

Auch im Philipper-Brief klingt das Mahl an. Sattsein, Überfluss und Hunger und Mangel werden thematisiert. Gleichzeitig geht die Aussage des Textes über ein konkretes „Sattsein“ hinaus, dieser Spur ist unbedingt zu folgen. Ohne dass eine Vertröstung stattfindet („Sattsein ist gar nicht so wichtig, Hauptsache geistlich genährt“) kann man fragen, was Paulus in den beschriebenen verschiedenen Situationen stark macht.

Matthäus 22, 1-14

Die Erzählung von der königlichen Hochzeit nimmt die Bilder eines Festmahles aus Jesaja 25 auf. Hier richtet der Vater seinem Sohn die Hochzeit aus. Die Eingeladen missachten die Einladung und gehen lieber ihren Geschäften nach. Allein diese Notiz lässt an das Verhalten der Menschheit Gottes Schöpfungsgeschenken gegenüber denken. Der biblische Text ist allerdings vielschichtiger, als dass man hier einfach die Situation übertragen könnte.

Anna Walpuski, Hildesheim