01.11.2026 – Allerheiligen / 22. Sonntag nach Trinitatis / 31. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Allerheiligen: Dan 7,1-3.13-18.27
22. So. n. T.: Röm 7, 14-25a
Allerheiligen: Offb 7, 2-4.9-14
31. So. im J.: Mal 1, 14b - 2, 2b.8-10
1 Joh 3, 1-3
1 Thess 2, 7b-9.13
Mt 5, 1-12a
Mt 23, 1-12

Einordnung

Der Feiertag Allerheiligen ist ein Hochfest im römisch-katholischen Kirchenjahr zu Ehren aller Heiligen. Die liturgische Farbe ist weiß. An diesem Tag gedenkt die katholische Kirche allen Heiligen – sowohl den bekannten und heiliggesprochenen als auch all den Frauen und Männern, die im Verborgenen ihren Glauben gelebt und die christliche Botschaft verkündet haben und nicht offiziell in den Kreis der Heiligen aufgenommen wurden.

Nur einen Tag nach Allerheiligen, am 2. November, feiern katholische Christen den Gedenktag Allerseelen zum Gedächtnis aller verstorbener Gläubigen. Allerheiligen und Allerseelen sind aufgrund ihres Charakters als Totengedenktage eng miteinander verbunden. Im Kalender der Gedenk- und Aktionstage 2026 ist für den 5.11. der Tsunami-Tag vermerkt. Am 6.11. ist der Tag für die Verhinderung von Umweltschäden in bewaffneten Konflikten.

Dan 7,1-3.13-18.27

Das Buch Daniel gehört zu den Prophetenbüchern. Gott offenbart Daniel in Träumen Wahrheiten, die anderen Menschen verschlossen bleiben. Das Buch Daniel betont die Verbindung der vergangenen und zukünftigen Weltgeschichte zu Gott.

Der Abschnitt aus dem Buch Daniel stellt eine Vision vom Untergang der weltlichen Macht in den Mittelpunkt. Wenn der Menschensohn erscheint, werden auch die schrecklichsten irdischen Machthaber entmachtet.

Die Vision vom Menschensohn, der kommt und dessen Herrschaft die Weltreiche der Geschichte endgültig ablöst, spielt im Neuen Testament eine sehr wichtige Rolle. (Vgl. zahlreiche Menschensohn-Worte, Gerichtsankündigungen). Für das Volk Israel nach der Zerstörung des Tempels und auch für das Christentum in den ersten Jahrhunderten der Verfolgung war das Buch Daniel eine besondere Quelle der Kraft und des Verstrauens.

Die alten, apokalyptischen Bilder erinnern an Fantasy-Romane oder -filme der Gegenwart. Sie können gedeutet werden auf die gegenwärtige Sprachlosigkeit angesichts von Krieg und Krise: die „Bestien“ als Symbole für Krieg, Diktatur, Machtmissbrauch, Technologie ohne Ethik.

In diesem Chaos erscheint „einer wie eines Menschen Sohn“ – ein Bild der Hoffnung, Gerechtigkeit und Menschlichkeit. Dieser Menschensohn Jesus Christus, steht für das, was den Menschen wahrhaft menschlich macht: Liebe, Frieden, Barmherzigkeit.

Am Fest Allerheiligen gedenken die Gläubigen derjenigen, die unerschrocken ihren Glauben bekannt haben. Sie können auch in diesen oft schwierigen Zeiten Vorbild sein mit der Überzeugung: Gott bleibt Herr der Geschichte. Christen haben Hoffnung, dass das Gute siegt.

Offb 7,2-4.9.14

Mitten unter den vielen Visionen der Offenbarung, die von den Katastrophen und Erschütterungen der Weltgeschichte erzählen, steht das Bild einer strahlenden Gemeinschaft der Geretteten vor dem Thron Gottes. Dieses Bild kann daran erinnern: Die Welt ist nicht so finster, wie sie manchmal erscheint. Rettung und Heil kommen „von unserem Gott … und von dem Lamm“ (V 10). Und die Hoffnung darauf bringt Licht ins Dunkel.

Zwar bleibt der Tod noch eine Realität, doch für alle, die „ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht haben“ (V 14), hat er seinen Schrecken verloren. Für sie ist der Tod ein Übergang: hinaus aus Leid und Verfolgung, hinein in Gottes Welt, in der es weder Not noch Tod mehr gibt.

Auch hier liegt ein Hinweis auf die uns im Glauben vorbildlich vorausgegangenen Heiligen nahe. (s.o.)

1 Joh 3,1-3

Der Verfasser des Johannesbriefs richtet sein Schreiben gegen Irrlehrer und sieht es als seinen Auftrag an, den authentischen Inhalt der Verkündigung zu bewahren.

Die Gotteskindschaft gehört zu den zentralen Elementen des Briefs. Dabei geht es einerseits um die bedingungslose Liebe Gottes zu seinen Kindern. Umgekehrt, als Reaktion, geht es darum, sein Leben von dieser Liebe prägen zu lassen.

Dieser Glaube und die daraus resultierende Haltung treffen in der damaligen Welt auf Ablehnung. Dieser Aspekt ist für viele Christen gut nachvollziehbar, da auch heute christliche Werte immer häufiger auf Unverständnis oder sogar Ablehnung in der Gesellschaft stoßen.

Mt 5, 1-12

Zur Einordnung der Seligpreisungen ist an anderer Stelle schon viel gesagt worden. Auch zur theologischen Bedeutung und Aussagekraft gibt es zahlreiche Veröffentlichungen, deshalb wird hier nicht weiter darauf eingegangen.

In Hinblick auf die Auswahl als Evangelium für das Fest Allerheiligen scheinen folgende Gedanken bedeutsam:

Alle Gläubigen sind dazu berufen, heilig zu werden. Wie ein solches Leben gelingen kann, stellt Jesus in den Seligpreisungen vor. Jesus nennt Menschen glücklich, die äußerlich schwach oder gescheitert wirken: die Armen, Trauernden, Sanftmütigen, die nach Gerechtigkeit hungern. Dabei geht es nicht um ein fernes Glück im Himmel. Vielmehr ruft Jesus dazu auf, das neue Leben in Gott schon hier und heute zu beginnen.

Der Heilige Augustinus meint: Unsere Seligkeit liegt in uns selbst – sie wächst aus der Geduld, Leid, Ungerechtigkeit oder Trauer zu (er)tragen und dabei auf Gottes Nähe zu vertrauen.

Thomas Keating OCSO sieht in den Seligpreisungen Wegmarken innerer Freiheit. Sie stellen gewohnte Lebensprogramme in Frage –  das Streben nach Sicherheit, Anerkennung und Kontrolle. Jesus lenkt den Blick auf Erfahrungen, die demütig machen: Armut, Trauer, Gewaltlosigkeit, Hunger nach Gerechtigkeit. Er fordert nicht auf, Leid zu suchen, sondern sich von ihm verwandeln zu lassen. Die wahre Umkehr besteht darin, das Unangenehme nicht zu verdrängen, sondern darin Gottes Nähe zu entdecken.

Die weiteren Seligpreisungen sprechen von Haltungen: Barmherzigkeit, Lauterkeit, Friedensstiftung und Standhaftigkeit. Wer so lebt, spürt etwas von Gottes Wirklichkeit – mitten in dieser Welt. Gleichzeitig ermöglicht diese Haltung, die Welt nach Möglichkeit ein bisschen besser zu machen und so auch andere das Reich Gottes spüren zu lassen – trotz aller Weltuntergangsszenarien.

Eva Reuter, Bistum Mainz