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Jubilate / 4. Sonntag der Osterzeit / 3. Sonntag nach Ostern (17.04.16)

Jubilate / 4. Sonntag der Osterzeit / 3. Sonntag nach Ostern


ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
1 Joh 5, 1-4 Apg 13, 14.43b-52 Offb 7, 9.14b-17 Joh 10, 27-30

Stellung im Kirchenjahr

Der Sonntag des Guten Hirten, der als solcher in den Leseordnungen von anglikanischer und römisch-katholischer Kirche begegnet, trägt seinen Namen nach dem Evangelium. Ähnlich den anderen Sonntagen der Osterzeit legt er den Akzent auf Jesus als den Offenbarer Gottes, der sich als Brot des Lebens, Licht der Welt oder Tür erklärt. Im Umfeld des Sonntages jährt sich am 14. April zum 40. Mal die Verhaltung von Andrej Sacharow und seiner Frau und am 19. April zum 75. Mal die Theaterpremiere von Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“. Am 20. April 2006 trat die UNESCO-Konvention zum Schutz des immateriellen Kulturerbes in Kraft.

Exegetische Anmerkungen

1 Joh 5,1-4

Kurz vor Ende des Briefes thematisiert Joh die Situation der Glaubenden im Kontext von Widerspruch und Prüfung. Ähnlich wie in 4,1-5 und Joh 16,33 steht für den Autor fest, dass wer in Gott verwurzelt ist, nicht nur standhalten, sondern das Böse überwinden wird. In diesem Sinn wird die christliche Gemeinde über gegenüber Gott verschlossene und in sich selbst gefangene Welt siegen und diese auf Gottes Herrschaft hin aufbrechen.

Apg 13,14.43b-52

Es zeigt sich eine aufschlussreiche Parallele zwischen der Situation der Apostel in Antiochia und der des Gottesknechtes in Jes 49,1-6. Denn wie dieser nach dem Scheitern seiner Mission an Israel aufgefordert wird, seine Berufung als „Licht der Heiden“ wahrzunehmen, fühlen sich Paulus und Barnabas nach ihrem vergeblichen Mühen um die antiochenischen Juden dazu autorisiert, sich den Heiden zuzuwenden.

Offb 7,9.14b-17

Die Augen des Sehers machen eine Himmelfahrt, die ihn glauben macht, dass unsere Welt eben nicht unaufhaltsam auf die Katastrophe zustürzt. Noch sind es nur Bilder, aber sie geben Kraft und Mut, sich dafür einzusetzen, dass Menschen aus unterschiedlichen Nationen nicht erst im Himmel, sondern schon jetzt im Frieden zusammenstehen, damit schon hier niemand mehr in Leid und Trauer allein bleiben muss.

Joh 10,27-30

Während des winterlichen Chanukkafestes führt Jesus in der Halle Salomos eine Art Rechtsstreit mit den Juden, wobei Joh besonders in V. 29 seine Gesandten-Theologie zum Ausdruck bringt. Auf dem Hintergrund der Tatsache, dass zur Zeit des Joh der Tempel längst zerstört ist, erinnert Jesus an die unzerstörbare Liebesbeziehung des Hirten zu seinen Schafen, an die behütenden Macht des Vaters, der größer ist als alle Bedrohung. „Kennen“ bedeutet hier über theologisch-rationale Erkenntnis hinaus intimste personale Verbundenheit, die in eine Lebensgemeinschaft mündet.

Predigtskizze

In unterschiedlicher Weise artikulieren alle vier Texte Erfahrungen von Not und Leid, Prüfung, Scheitern, Widerstand und Verfolgung aufgrund des Glaubens. Zugleich steht für die Autoren fest, dass Gott all dem gegenüber nicht gleichgültig oder untätig bleibt, denn sein Ziel ist die Überwindung des Leidens und der Bedrohung, letztlich die Zusammenführung der Schöpfung mit dem Schöpfer und der Menschen zu einer einzigen großen und heilen Familie, die ganz auf Gott ihn ausgerichtet ist.

Deshalb beruft er Menschen, die ihre Hoffnung mit den Menschen teilen wollen, standhalten, Licht bringen. Sie vermögen all das, weil sie in Gott verwurzelt sind, d.h. sie Gott im ganz umfassenden und zugleich intimsten Sinn erkannt haben und er mit ihnen eine Lebensgemeinschaft eingegangen ist. Aus dem Glauben heraus gewinnen sie eine weite Sicht, die sie teilen und mit-teilen wollen, dass nämlich Gott uns hört und zu sich führen will. Wer sich bei ihm verwurzelt, der ist in aller Bedrohung, die er erlebt, doch geborgen und geschützt.

Bezüge zur Nachhaltigkeit, Beispiele zur Umsetzung und weitere Kontexte

1. Scheitern und Hoffnung (1 Joh, Apg, Offb)

Die Frage nach dem Scheitern und seiner Bewältigung konfrontiert uns mit dem Problem, ob und wie wir unsere Grenzen akzeptieren, die Grenzen des Wachstums und der Geschichte, die Endlichkeit und den Tod. Es ist die Frage, welchen Entwurf vom wahren Menschen wir haben. Wie sieht das Hoffnungsbild des geglückten Menschen aus?

Gotthard Fuchs/Jürgen Werbick: Scheitern und Glauben. Von christlichen Umgang mit Niederlagen, 1991, Freiburg: Herder, 21f.

2. Christsein in Armut und Solidarität (1 Joh, Apg, Joh)

Der Weg in die Nachfolge führt immer auch in eine andere Gestalt der Armut und Freiheit: in die Armut und Freiheit der Liebe, in der Jesus am Ende selbst den Tod „überlistete“, da er nichts mehr besaß, was dieser ihm hätte rauben können. Er hatte alles gegeben, für alle. In solche Armut und Freiheit der Liebe, die sich zu allen gesandt weiß, ruft die Nachfolge.

Sie ruft uns dabei immer neu in ein solidarisches Verhältnis zu den Armen und Schwachen unserer Lebenswelt überhaupt. Eine kirchliche Gemeinschaft in der Nachfolge Jesu hat es hinzunehmen, wenn sie von den „Klugen und Mächtigen“ (1 Kor 1, 19-31) verachtet wird. Aber sie kann es sich - um dieser Nachfolge willen - nicht leisten, von den „Armen und Kleinen“ verachtet zu werden, von denen, die „keinen Menschen haben“ (vgl. Joh 5,7). Sie nämlich sind die Privilegierten bei Jesus, sie müssen auch die Privilegierten in seiner Kirche sein. Sie vor allem müssen sich von uns vertreten wissen.

Unsere Hoffnung. Ein Beschluß der Bistümer der Bundesrepublik Deutschland = Heftreihe: Synodenbeschlüsse 18 (1975), Bonn: Sekretariat der Gemeinsamen Synode,19.

3. Engagement für Neuanfänge (1 Joh, Apg, Joh)

Der kongolesische Frauenarzt Denis Mukwege erhielt 2014 den Sacharow-Preis des Europaparlaments. Mukwege hatte in seiner von mehreren Bürgerkriegen zerrissenen Heimat Tausenden Frauen und Mädchen geholfen. 1989 hatte der 59-Jährige im Panzi-Hospital von Bukavu (Provinz Süd-Kivu) mit dem Aufbau einer Station für Gynäkologie und Frauenheilkunde begonnen. Längst gilt Mukwege als weltweit führender Experte für die Behandlung von Verletzungen, die durch Gruppenvergewaltigungen sowie durch gezielte physische Unterleibsschändungen verursacht wurden.

Nähere Infos unter: http://www.europarl.europa.eu/sakharovprize/de/laureates.html

Joachim Feldes

Literatur:

Lichtenberger, Hermann: Die Apokalypse = Theologischer Kommentar zum Neuen Testament 23 (2014), Stuttgart: Kohlhammer.
Klauck, Hans-Josef: Der erste Johannesbrief = Evangelisch-Katholischer Kommentar 23,1 (1991), Zürich: Benziger.
Pesch, Rudolf: Die Apostelgeschichte (Apg 13-28) = Evangelisch-Katholischer Kommentar 5,2 (1986), Zürich: Benziger.
Thyen, Hartwig: Das Johannesevangelium = Handbuch zum Neuen Testament 6 (20152), Tübingen: Mohr.

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