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1. Sonntag nach Weihnachten / Fest der Heiligen Familie (27.12.15)

1. Sonntag nach Weihnachten / Fest der Heiligen Familie


ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
1 Joh 1, 1-4 Sir 3, 2-6.12-14 (3-7.14-17a) oder
1 Sam 1, 20-22.24-28
Kol 3, 12-21 oder
1 Joh 3, 1-2.21-24
Lk 2, 41-52

Themen:  Fest der Heiligen Familie (kath) -  Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott (ev)

Im Kirchenjahr bilden die Texte den Übergang zwischen der Geburt des Menschen Jesu und seiner göttlichen Epiphanie. Was ist nachhaltiger als eine Geburt aus Liebe, die uns das eigene Leben schenkt und mit der wir Leben schenken. Nachhaltig ist die Art wie erzogen, der Weg in die Eigenständigkeit begleitet wird. Im  legendarischen Vorklang auf Jesu kerygmatisches Wirken findet sich der Nachhall der Erfahrungen der Christen mit IHM. Das sind keine kirchenchristlichen Nettigkeiten. Da werden so manche Schubladen der Weltsicht/Lebensweisen aus ihren Schienen gezogen, fallen, bekommen Dellen und passen nicht mehr. Eine neue Lebens-Be-Haus-ung wird gebaut, eine buntere, ungerade Grundsanierung findet statt, wie beim Hundertwasser Bahnhof in Uelzen, oder mit fast schmerzender Klarheit, wie im Dessauer Bauhaus (Bilder im Internet frei zugänglich).
Nachhall-tig sind auch die Anklänge an weitere religiöse und philosophische Vorstellungen.     

Exegetisch-homiletische Zusammenschau

Alle Texte haben ein gemeinsames weihnachtliches Ansinnen: Der/die Schaffende betrachtet ihre/seine eigene Kreation, stellt fest, dass sie sich nicht so entwickelt, wie das gedacht war. Merkt, dass sie/er von außen keinen Einfluss mehr darauf nehmen kann und entschließt sich, sich selbst in diese Welt hinein-zu- versetzen. Um sich Gehör zu verschaffen muss sie/er erst einmal die Eigendynamik verstehen, die „Sprachen“ lernen, also Teil dieser Welt werden, sich be-greif-bar machen. Der Schöpfer inkarniert sich selbst in seiner, aus dem Lot geratenen Schöpfung. Ist auf einen „Systemfehler“ tatsächlich von innen besser zu reagieren? Es braucht beides Die intensive Kenntnis des Inneren und den Schritt heraus, das Los-Lassen, den Abstand der Draufsicht. JC, Menschensohn und Gottessohn lebt uns nachhaltig vor, wie das Miteinander im Welthaus Gottes gelingen kann.

jemand setzt etwas in die Welt
haucht diesem ein Eigenleben ein
macht sich (keine) Vorstellungen über die Entwicklung
nimmt wahr: Es läuft anders
sieht die Vernebelung
leidet daran
kann sich kein Gehör verschaffen

entscheidet sich in die Eigendynamik dieser Welt einzutreten
Licht ins Dunkel zu bringen
nimmt dazu eine Gestalt in dieser Welt an
macht sich er-greif-bar, erfahrbar
wird als Gamemaster zugleich Mitspieler auf Augenhöhe
der Schöpfer macht sich selbst zu einem seiner Geschöpfe
sucht ein/e Wohnung/Zimmer in dieser Welt
doch die Seinen nehmen ihn nicht auf/verstehen nicht

er nimmt sich selbst eine Wohnstatt
in Maria, um als Kind in diese Welt geboren zu werden
vielleicht um die Menschen an ihr Urvertrauen und die liebende Urmutter zu erinnern
im Tempel von Jerusalem, als Weisheit in einem Buch (s.Sirach)
um ihnen in der Thora Wegweisung zu sein

doch zur Eigendynamik dieser Welt gehört das Scheitern
Werden und Vergehen
Leben geschenkt bekommen und es los-lassen
Hingabe für die, die wir lieben
sich auf den Anderen einstellen
sich verändern
Leben im Sinne göttlicher Weisheit
Im Sinne Jesu Christi gestalten


Einzelne exegetische Anmerkungen mit nachhaltigen Anregungen

1 Joh 1, 1-4

ist ein Glaubenszeugnis des 1.Jhdts. Der Schreiber setzt einen Gegenentwurf zur gnostisch-dualistischen Vorstellung vom Göttlichen das nur Rat-Schläge gibt, im praktischen Leben aber allein lässt. Die persönlichen Begegnung mit Jesus hat ihn mit allen Sinnen (sehen, hören, fühlen) er-griffen. Ein nachhaltiger Eindruck den er teilt. In, mit und durch ihn hat er wahres Leben, wahre Gemeinschaft, wahre Liebe er-/ge-lebt. Bei IHM ist Leben keine benutzbare Ware, sondern da-bei-Seiendes Mitgehen. Göttliches und Menschliches gehören zusammen, wie eine als Turnhalle und Bibliothek genutzte Martinskirche in Bernburg, ein temporärer Klettergarten in der Kirche in Zerbst (s. Internet, s.a. alternative Kirchennutzung). Doch die moderne Gnosis, die Wissenschaftshörigkeit oft statistischer Untersuchungen gilt auch in der Kirche oft mehr als die inneren Notwendigkeiten einer Gemeinde. Wir feiern die Geburt Jesu in den dunkelsten Tagen unserer Jahre, weil hier die Erfahrung des Lichts (schon vorchristlich) besonders not-wenig ist.

Sir 3, 2-6.12-14 (3.-7.14-17a)  

Ein Buch des 2.Jhdts v.u.Z., speziell für lernbegierige Männer, ihren guten Umgang mit verschiedenen Menschentypen/der Weisheit. Bildung soll nachhaltigen Nutzen für Andere haben, kompetenzorientiert sein. Im Hintergrund steht die Vorstellung der Schöpfung der Welt durch Frau Weisheit. Doch die Menschen sind nicht intelligent genug um die Welt zu begreifen. Die Weisheit verlässt den Himmel. Kein Volk nimmt sie auf. So lässt sie sich als Buch des Bundes/Thora, im Tempel von Jerusalem nieder. Diese Verse nehmen das Elterngebot auf: Respekt gegenüber dem Vater, Nachsicht bei mangelndem Grips (Demenz), sich stark machen für die Mutter, sie beruhigen, aber die eigene Stärke nicht für das eigene Ego benutzen. Das ist fürsorgliche Liebe, die zur Freude an den eigenen Kindern führt, weil sie sich als Vorbild (nachhaltig) fortpflanzt und auch vor Gott
gute Frucht bringt (vgl. Lk).

Kol 3, 12-21 

Auch hier geht es ums Elterngebot, aber mehr noch um klare hierachische Pflichten, auch zwischen Mann und Frau. Der Text ist Teil der „Haustafel“. Ein eratischer Block im Brief, der eigentlich die göttliche Weisheit Christi focusiert. Da ist kein Zuspruch nur Anspruch. Ab V.18 heißt es sogar, „…, weil sich das in einem Herrschaftsverhältnis so gehört.“ Im Kotext könnte das als indirektes Hinterfragen verstanden werden. Briefe aus dem Gefängnis werden zensiert. Herrschaftskritik wäre nicht gut angekommen. V.22ff machen deutlich: Der wahre Herr, selbst in der Versklavung bleibt Gott. Regiert aber der Friede Christi im Herzen, gibt das Band der vollkommenen Liebe Halt, trägt Nachhaltig bei Vorwürfen und in Zerreißproben,  schenkt Vergebung und vergeben können. Damit wird der eigene Friede und der in, mit unter der Mitwelt wieder hergestellt.

Lk 2, 41-52  

Eine Pubertätslegende in der sich auch KonfirmandInnen wiederfinden können. Die Feierlichkeiten zum Exodus markieren zugleich den beginnenden Exodus Jesu aus dem elterlichen Haus. Sie haben Vertrauen zu ihrem 12-jährigen, sind keine Helicoptereltern, keine Überbehüter. Offensichtlich kennt er die Regeln, auch für den Beginn der 100km Pilgerreise zurück und er ist verlässlich. Umso mehr sorgen sie sich nun. Was ist in dieses Kind gefahren? Nach seinen sozialen Eltern hat er nun sein geistliches Zuhause gefunden, seine ganz eigene Beziehung zum Da-Sein als Menschen- und Gottessohn. Hier im Tempel begann seine Geschichte mit der Ankündigung der Geburt seines Cousins Johannes, seines Täufers an Zacharias. Dessen Mutter löst in Maria das Magnificat aus, das Gottvertrauen mit dem sie ihren Sohn erziehen wird. Diese Eltern schimpfen ihn nicht. Sie hören, staunen, sind achtsam, respektvoll und sie sprechen offen mit ihm über ihre Angst. Er versteht und ordnet sich wieder ein. Sie werden verstehen und ihn loslassen. Der  Geist Gottes ist in ihn gefahren. Diese Erziehung ist nachhaltig, gibt Wurzeln und Flügel. Jesus legt das Buch der Frau Weisheit, die Thora aus. Er steht für/ersetzt sie. Hier klingen auch die Wunderkind-Legenden anderer Weltherrscher, wie Kyros und Alexander d. G. an.

Sam 1, 20-22.24-28   

Hannas Geduld und Gottvertrauen zeigen nachhaltige Wirkungen. Ein weiteres Wunder der Geburt geschieht und wird in GottesDienst gestellt. Samuel wird das Königtum auf den Weg bringen, das für uns Christen in JC seinen Nachhall findet. Vgl. Khalil Gibran: „Eure Kinder sind nicht eure Kinder“ (s. Internet)

1 Joh 3, 1-2.21-24

Liebe ist ein bedingungsloses Geschenk. Mit ihr treten wir in die Sphäre des Seins ein. Sie macht auch uns zu Gottes Kindern. Gott wohnt in den Menschen durch die Liebe, er hallt in uns wieder, wird in uns sicht-, spür- und hörbar. So sollen wir sie weitergeben, auf das die Welt unter dieser Herrschaft nachhaltigen Frieden findet.

Silvia Knoll

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