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Christvesper / Christnacht bzw. Hl. Abend / Hl. Nacht (24.12.15)

Heiliger Abend und Heilige Nacht / Christvesper und Christnacht

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Chr.-Vesper: Tit 2, 11-14
Chr.-Nacht: Röm 1, 1-7
Hl. Abend: Jes 62, 1-5
Hl. Nacht: Jes 9, 1-6
A.: Apg 13, 16-17.22-25
Nacht: Tit 2, 11-14
Abend: Mt 1, 1-25
Nacht: Lk 2, 1-14

Vorbemerkung

Predigten an Weihnachten haben besondere Aspekte in den Blick zu nehmen, die sich von einer „gewöhnlichen" Sonntagspredigt unterscheiden:

  1. Wahrscheinlich kommen an keinem Tag im Jahr mehr Menschen zum Gottesdienst als am Heiligen Abend => es gilt sich vor Augen zu führen, wer zu diesem Gottesdienst kommt und wen man für die Liturgie und Predigt vor sich hat (ADRESSATENORIENTIERUNG)
  2. Die Gottesdienstbesucher/innen kommen in einer bestimmten Stimmung und mit besonderen Erwartungen zum Gottesdienst: sie wollen sie ihre Stimmung (Familienfest, Freude, Wunsch nach Frieden und Gerechtigkeit, ...) nicht durch moralisierende Predigten „vermiesen" lassen. Hier gilt es, eine Abwägung zwischen den Erwartungen der Gottesdienstbesuchenden und unserem (kirchlich-theologischen) Auftrag vorzunehmen (LEBENSSITUATIONSORIENTIERUNG)
  3. Unsere Kirche (Gebäude) steht nicht in einem luftleeren Raum. Wir sind eingebettet in die Umgebung, sind Teil unseres Dorfes bzw. unseres Stadtteils. Predigtgedanken sollten sich auch damit auseinandersetzen, wer in diesem Umkreis wie lebt (LEBENSRAUMORIENTIERUNG)
  4. Mit der Art der Gestaltung der Liturgie in Wort, Musik und Dekoration des Kirchenraumes, bedienen wir eine bestimmte Ästhetik. Dabei sollten nicht nur die Vorlieben der Vorbereitenden wichtig sein, sondern auch die Lebens- und Wertehaltung der Gottesdienstbesuchenden (MILIEUORIENTIERUNG)
  5. Auch wenn die Punkte 1. bis 4. in jedem Gottesdienst eine Rolle spielen sollten, gilt dies in besonderem Mass an Weihnachten. Das bedeutet, dass an Thema »Nachhaltigkeit« behutsam herangegangen werden muss. Wir sollten die Menschen, die zum Gottesdienst gekommen sind, mitnehmen mit ihren eigenen Gedanken (siehe 2.)


Gedanken zu den Nachhaltigkeitsaspekten in den Texten

Jesaja 9, 1-6

  • DRÜCKENDES JOCH (9,3): Dabei können wir denken, an die prekäre Arbeitsverhältnisse in vielen Ländern, die Produkte für den Verkauf bei uns produzieren. Diese Arbeitsverhältnisse sind oft Grundlage für die niedrigen Preise im Verkauf der Produkte bei uns. Wieviel sind wir bereit, für unsere Produkte zu bezahlen? – Ist uns bewusst, was das für diese Menschen bedeutet? – Wäre im Sinne der Nachhaltigkeit eine gerechtere Verteilung der Gewinne für die Produkte sinnvoll?
  • JEDER STIEFEL, MANTEL, DER MIT BLUT BEFLECKT IST (9,4): Die dröhnenden Stiefel und die blutverschmierten Mänteln lösen bei mir eine Assoziation mit Krieg, Verfolgung und Flucht aus. Zerstörung der wirtschaftlichen Grundlagen der Betroffenen und die immensen Kosten für einen allfälligen Wiederaufbau widersprechen einer nachhaltigen Entwicklung.
  • UNS IST EIN KIND GEBOREN (9,5): Kinder sind Zukunft. Es gilt, ihnen zu ermöglichen, dass sie gesund und ungefährdet heranwachsen können und dass sie die nötigen Bildungsmöglichkeiten haben, um ihre eigenen Zukunft selber nachhaltig zu gestalten.
  • FÜRST DES FRIEDENS (9,5); RECHT UND GERECHTIGKEIT (9,6): Gerechtigkeit und Frieden sind wichtige Bausteine nachhaltiger Entwicklung
  • LEIDENSCHAFTLICHER EIFER (9,6): Einsatz für Nachhaltigkeit braucht leidenschaftlichen Eifer: nicht nur den Einsatz für den Energiewandel, sondern auch Energieverbrauch senken; nicht nur nachhaltig produzierte Kleidung und Schuhe kaufen, sondern auch nur dann, wenn sie gebraucht wird; nicht nur Kauf von biologisch produzierten Lebensmitteln, sondern auch darauf achten, diese nicht zu vergeuden, ...

Titus 2, 11-14

  • ALLE MENSCHEN RETTEN (2,11): Wirtschaftskreislauf ist so umzugestalten, dass er nicht nur in Europa und Nordamerika nachhaltiger wird, sondern so, dass ALLE Menschen davon profitieren können => zu beachten: ungleiche Verteilung der Güter, Hunger als Verteilungsproblem
  • IRDISCHE BEGIERDEN (2,12): unsere Konsumhaltung und der »Sport« der Schnäppchenjagd. Wie müssen solche Produkte produziert worden sein, damit sie zu diesen Preisen verkauft werden können? Unter welchen Bedingungen? Mit welchen Nebenkosten für Mensch und Umwelt? (Siehe auch Jesaja 9,3)
  • VOLL EIFER DANACH STREBEN, DAS GUTE ZU TUN (2,4): siehe Jesaja 9,6

Lukas 2, 1-14

  • DA GING JEDER IN SEINE STADT (2,3): Mobilität.
    Aspekte:
    Ferien: Wohin wollen wir fahren? – Wie weit weg muss es sein? Welche Verkehrsmittel nutzen wir?
    Einerseits der Wunsch nach dem Haus im Grünen und gleichzeitig in der Stadt arbeiten
    Festtagsbesuche: mit welchem Verkehrsmittel bewegen wir uns?
  • SIE GEBAR IHREN SOHN (2,7): siehe Jesaja 9,5
  • SIE WICKELTE IHN IN WINDELN (2,7): »Hallo Kind, Adieu Umweltschutz«. Stichworte: Wegwerfwindeln, Autogebrauch, ...?
  • HIRTEN AUF FREIEM FELD (2,8): Wen würden die Engel heute antreffen? Hirten auf freiem Feld gibt es immer weniger. Wie halten wir es mit ökologischen Freiflächen in der Landwirtschaft, mit extensiver Landwirtschaft und Viehzucht? Was sind wir bereit, für unsere Lebensmittel auszugeben?
  • FRIEDE AUF ERDEN BEI DEN MENSCHEN (2,14): siehe Jesaja 9,5

Thomas Münch, Zürich

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