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20. Sonntag nach Trinitatis / 29. Sonntag im Jahreskreis (18.10.15)

Vorschläge der Perikopenrevision (EKD/VELKD/UEK): Mk 10,(2- 12)13-16; 2Kor 3,3-6(7-9); 1Mose 8,18- 22; 9,12-17; Mk 2,23-28; Pred 12,1-7; Hld 8,6b-7 [www.stichwortp.de]

 

20. Sonntag nach Trinitatis / 29. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Mk 10, 2-9 (10-16) Jes 53, 10-11 Hebr 4, 14-16 Mk 10, 35-45


Die Sonntage in der Trinitatiszeit führen das Thema des Doppelgebotes der Liebe aus, die sich in dem Dreieck Gott- Nächster - die eigene Person erfüllt. In diesem Rahmen bewähren wir uns als Christen/ Christinnen in der Nachfolge Jesu Christi.

Matthäus 10, 1-16 beschreibt die Aussendung der Jünger, nennt sie mit Namen und umreißt ihre Tätigkeit. Wahrscheinlich spiegeln sich in diesem Abschnitt die Erfahrungen der ersten Reisenden in Sachen Mission wieder.   Die Jünger sind im Auftrag Gottes unterwegs, sie predigen vom Himmelreich, das nahe herbeigekommen ist. Sie heilen und treiben Dämonen aus. Sie besitzen wenig. Klug sollen wir sein wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben. Keineswegs ist der Erfolg der Jünger vorprogrammiert. Sondern, wenn sie nicht erfolgreich sind, sollen sie weiterziehen und den Staub von den Füßen schütteln.

Meinen Predigtüberlegungen möchte ich eine Reihe von Fragen zugrunde legen. Was ist der Preis des Engagement? Mit welchen Zielen sind wir unterwegs, wenn die ökologische Weltuhr 5 nach 12 zeigt und keiner mehr den Klimawandel leugnen kann angesichts der Häufung von Naturkatastrophen? WieSommerhimmel definieren wir unsere Ziele heute als Nachfolger/innen Jesu Christi? Haben wir eine Gebetspraxis, die das beinhaltet? Predigen eine neue Innerlichkeit oder nehmen wir den Auftrag ernst als Christen/ Christinnen Verantwortung für die Welt zu übernehmen? Kommt vor dem Reich der Himmel die Apokalypse und mit ihr die große Katastrophe? Können wir sie abwenden oder wenigstens hinausziehen, wenn andere Ziele dem entgehen stehen wie ökonomischer Fortschritt und Profitdenken? Muss unsere Botschaft wieder radikaler werden und damit unangenehmer? Schaffen wir die Gradwanderung zwischen Fundamentalismus und rationalem Denken? Haben wir in den letzten Jahrzehnten zu brav gepredigt und haben die Häuser der Widersacher gemieden? Oder versuchen wir es auf diplomatischen Weg, in dem wir klug wie die Schlangen sind und einfältig wie die Tauben? Sind wir bereit neue Wege einzuschlagen und gehen wir auf dem „Weg der Nationen“ die ausgetretenen Pfade, wo wir uns wohlfühlen und Sicherheiten haben? Sind wir Vorbilder in unserem Handeln? Zu Mk 10, 35-45: Wie wirkt die Kirchenhierachie auf die Menschen angesichts von Jesus Forderung, dass bei seinen Nachfolgern weltliche Ordnungen wie Machtausüben über andere nicht gelten? Leben wir tatsächlich eine Dienstgemeinschaft? Brauchen wir mehr zeichenhaftes Handeln, wie es im Moment Papst Franziskus mit Erfolg vorlebt? Sind wir es tatsächlich: Salz der Welt und damit Vorbilder?

Es kommt auf uns an, dies ist das Fazit der oben genannten Fragen. Nur wenn wir selbst so handeln wie wir predigen, hat unsere Botschaft eine Chance.

ApfelbaumEs fällt anderen dann leichter zum Überdenken des eigenen Lebens: der Metanoia oder anders gesprochen einer wahrhaftigen Buße. (vgl. Jes 53, 10-11) Bleibt zuletzt die Frage: Woher nehmen wir die Kraft mit den Niederlagen umzugehen, damit wir nicht zu dem fatalen Entschluss kommen, alles ist umsonst. Es gibt keinen unchristlicheren Satz als: „Da kann man nichts mehr machen!“

Luther wehrte diesen Gedanken mit dem Ausspruch: „ Und wenn ich wüsste dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch mein Apfelbäumchen pflanzen.“ Und verwies damit auf den Dreh- und Angelpunkt unseres Glaubens: „Gottvertrauen“. Die allerletzte provokante Frage, die sich an Luthers Satz anschließt, heißt: Ist es nun soweit? Und die Antwort: Ja! Lasst uns Hoffnung pflanzen!

Dazu ergänzen sich gut die Gedanken zu der kath. Textstelle für diesen Sonntag (Hebr: 4, 14-18): Niemand kann mit dem bisher erreichten zufrieden sein. Es gilt immer zu handeln und gleichzeitig, um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, um das Erbarmen Gottes zu bitten.

Elke Wedler-Krüger, Freimersheim

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