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12. Sonntag nach Trinitatis / 21. Sonntag im Jahreskreis (23.08.15)

Vorschläge der Perikopenrevision (EKD/VELKD/UEK): Jes 29,17-24; Lk 13,10-17; Apg 3,1-10; 1Kor 3,9-17; Mk 7,31-37; Apg 9,1-9(10- 20) [www.stichwortp.de]

 

12. Sonntag nach Trinitatis / 21. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Mk 7, 31-37 Jos 24, 1-2a.15-17.18b Eph 5, 21-32 Joh 6, 60-69

Der Autor betrachtet den Predigttext der ev. Perikopenordnung.

Mk 7, 31 – 37

Stellung im Kirchenjahr und liturgische Hinweise:

Der 12. Sonntag n. Trinitatis liegt in Rheinland-Pfalz 2015 im letzten Drittel der Sommerferien. Die Gottesdienste im Grünen, Gemeinde- und Sängerfeste etc. sind vorbei. Die Gemeinde erwartet ein „normaler“ Predigtgottesdienst. Das Leitbild in der Evangelischen Kirche für diesen Sonntag ist „Heilung und Heil“. Dies kommt im Wochenspruch (Jesaja 42, 3), dem Wochenpsalm (ich entscheide mich für Psalm 113, EG 766) und im Wochenlied EG 289 („Nun lob, mein Seel, den Herren) zum Tragen. Passend zu Psalm 113 (Vers 3) könnte man den Kanon „Vom Aufgang der Sonne“ (EG 456) als Lobvers mit der Gemeinde singen.

Die liturgische Farbe ist „Grün“.

Liedvorschläge zum Predigttext Mk 7: EG 236 (Ohren gabst du mir), EG 272 (Ich lobe meinen Gott), 383 (Herr, du hast mich angerührt), EG 432 (Gott gab uns Atem), EG 395 (Vertraut den neuen Wegen) – je nach inhaltlicher Ausrichtung der Predigt.

Zum Text:

Der Form nach haben wir es in dieser Perikope mit einer klassischen Wundergeschichte zu tun. Jesus bedient sich der klassischen Heilpraktiken eines hellenistischen Wundertäters (Berühren des kranken Organs, Speichel, Aufblick zum Himmel, um übermenschliche Kraft einzuholen). Die Geschichte ist vermutlich dem hellenistischen Judenchristentum zuzuordnen (Gnilka 296), so dass Jesu Handeln keiner großen Erläuterung bedarf. Unter Umständen bildeten die Wundergeschichte Mk 8, 22 – 26 (Heilung eines Blinden) und der Predigttext ursprünglich eine Einheit, mit Vers 7, 37 als gemeinsamem Abschluss. Hier wird deutlich auf alttestamentliche Texte Bezug genommen (vgl. Jes 35, 5f und Gen 1, 31).

Durch die Erläuterung des wunderwirkenden Wortes „Hefata“ (in der „klassischen“ Wundergeschichte bleibt der Sinn des Wortes geheim) wird der Rahmen der hellenistischen Analogie durchbrochen und auf Jesus hin interpretiert. Deutlich zeigt dieser seine Macht. Die direkte Anrede an den Kranken (nicht an das kranke Organ [Gnilka 298]) „Tu dich auf!“ rückt die personale Beziehung des Kranken zu Jesus in den Vordergrund. Im abschließenden Lobpreis wird das Wunder theologisch interpretiert: Durch Jesu Handeln wird die gefallene Schöpfung erneuert. In ihr wird die vom Propheten (vgl. Jes 35, 6f.) angekündigte messianische Erlösung schon jetzt präsent. (Gnilka 298)

Im größeren Kontext betrachtet (vgl. Mk 7, 18 und 8, 17 – 21), zieht Gnilka folgenden Schluss (298 f.): Jesus kann das Verständnis, das zum Glauben notwendig ist schenken. Ohne diese Gnade bleibt der Mensch dem Evangelium gegenüber in Tauber. Damit wird die Heilung, die dem kranken widerfahren ist, nicht relativiert. Sie wird vielmehr auch zum realen Symbol für das Wunder des Glaubens. In Jesus bricht die verheißene neue Schöpfung an.

Zur Predigt:

Diese Geschichte kann auch für uns heute zum Symbol werden. Auch wenn wir nicht taub, blind oder stumm sind: Wieviel hören und sehen wir Tag für Tag, das Leben gefährdet und zerstört. Zwischen Menschen (man bedenke nur die vielen momentanen Kriegs- und Krisenherde wie Syrien, Irak usw. usw.) oder gegenüber der Schöpfung.

Wir hören und sehen das Alles und verhalten uns doch oft so, als seien wir blind und taub und stumm. Dass wir Zeugen des Evangeliums, Zeugen und Mitarbeiter/ -innen des anbrechenden Gottesreiches sind, bleibt da des Öfteren auf der Strecke. So könnte man den Taubstummen als Identifikationsfigur für die heutige Christenheit, Kirchen wie Einzelne, heranziehen und deutlich machen, dass auch wir immer wieder neu solch eines Wunders bedürfen, so dass wir wirklich sehen und hören lernen und unseren Mund auftun, wo es not-wendig ist, um Heil und Heilung im Sinne des Evangeliums zu bewirken.

Es besteht die Gefahr, dabei moralisierend zu werden und so die Ohren eher zu verschließen als zu öffnen. Vielleicht könnte die Predigerin/ der Prediger dem entgegenwirken, indem man an einem Beispiel erläutert, wo und warum man selbst wegsieht, nicht wirklich hinhört, stumm bleibt. Wir alle sind immer wieder der Gnade der Heilung bedürftig, damit wir ein tätiges Zeugnis für heilvolles Leben geben können. Praktische Beispiele aus dem direkten Umfeld der jeweiligen Gemeinde sollten zu finden sein. Vielleicht könnte man die Predigt mit einer symbolischen Aktion verbinden, bei der die Gemeinde (oder Teile der Gemeinde z.B. Konfirmandinnen/ Konfirmanden, Jugendgruppen etc.) ein Stück heilere Welt und neue Schöpfung sichtbar werden lässt.

Ebenso könnte ein gemütliches Zusammensein am Ende des Gottesdienstes ein Zeichen für gelingendes heilvolles Leben sein.

Andreas Gutting, Albersweiler

Literatur:

Gnilka, Joachim, Das Evangelium nach Markus, Teilband 1, 1. Auflage dervStudienausgabe 2010, in: EKK - Evangelisch-Katholischer-Kommentar

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