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17. Sonntag nach Trinitatis / 28. Sonntag im Jahreskreis (12.10.14)

17. Sonntag nach Trinitatis / 28. Sonntag im Jahreskreis

 

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Eph 4, 1-6 Jes 25, 6-10a Phil 4, 12-14.19-20 Mt 22, 1-14

 

Epheser 4,1-6

Einer der schönsten ökumenischen Friedenstexte des NT. Der Verfasser beschreibt, welche Haltung in der Gemeinde Jesu Christi der Berufung entspricht: Eine Haltung der Demut und Milde, der Geduld und der Liebe. Die Menschen in der Gemeinde in Ephesus werden aufgefordert, in Frieden und Einigkeit zusammenzuleben, da sowohl die mit jüdischer wie die mit nicht-jüdischer Herkunft in die Eine Kirche berufen sind (Epheser 2,11-22). Gerade der starke Appell zur Einheit lässt darauf schließen, dass diese keineswegs selbstverständlich war, und Spannungen oder gar Spaltungstendenzen in der Gemeinde zumindest vorkamen. Der Text erinnert mit starken theologischen Argumenten daran, wie essentiell die Einheit der Gemeinde ist: Ein Herr, Ein Glaube, Eine Taufe! Deutlich wird, dass Einheit und Vielfalt keine Gegensätze bilden, sondern gerade ein spezifisches Einheitsverständnis markieren: Einheit in Vielfalt (Ökumenischer Rat der Kirchen) und Versöhnte Verschiedenenheit (GEKE) stehen dafür.

Die christliche Gemeinde wird nur dann Friedensstifterin in der Welt sein, wenn sie es schafft, nach innen Frieden zu leben und eine Friedenshaltung zu entwickeln, die nach außen strahlt.

 

Jesaja 25,6-10a

Das große eschatologische Freudenmahl wird hier beschrieben – leider gibt die Perikope ausschließlich den Freudentext wieder, nicht aber die Unheils- und Zerstörungsankündigungen in den Versen davor und danach. Diese sollten aber in der Predigt berücksichtigt werden: Den Reichen und Gewalttätigen wird ihr Untergang vor Augen gehalten (Jes. 25,2), Gottes Schutz und Obhut richtet sich auf die Armen: „Denn du bist der Geringen Schutz gewesen, der Armen Schutz in der Trübsal, eine Zuflucht vor dem Ungewitter, ein Schatten vor der Hitze, wenn die Tyrannen wüten wie ein Unwetter im Winter.“ (Jes. 25,4). Soziale Ungleichheit und Gewaltherrschaft setzt dieser Text als Erfahrung voraus. Diese ist erst der Hintergrund, vor dem dann die Schilderung des Festessens für alle Völker ihre Strahlkraft gewinnt – ein Gegenbild zur erfahrenen Realität von Gewalt und Tod.

Für eine deutsche Gemeinde wird zu fragen sein, wo sie sich in den Texten selbst verortet – nicht immer wie selbstverständlich auf der „richtigen“ Seite.

 

Philipper 4,12-14.19-20

Im Schluss des Briefes an die Gemeinde in Philippi hebt der Apostel Paulus seine eigenen Erfahrungen mit Mangel und Hunger, aber auch mit Überfluss und Freude hervor, lobt die Gemeinde für ihre Unterstützung und Solidarität und betont, dass Gott es ist, der den Mangel beseitigt und Leben in Fülle schenkt.

 

Matthäus 22,1-14

Das königliche Gastmahl vervollständigt den Reigen der Texte – das Thema der Gastfreundschaft zieht sich wie ein roter Faden durch alle vorliegenden Texte der katholischen Leseordnung.

 

Nachhaltigkeitsbezüge

Die Überwindung sozialer, kultureller und religiöser Gegensätze in der Gemeinde Jesu Christi ist das Thema in allen vier Texten. Jesus Christus hat diese Gegensätze überwunden, und die Gemeinde ist in seiner Nachfolge dazu berufen, es ihm nachzutun. Die Taufe begründet die christliche Einheit theologisch. Die Einheit in Vielfalt drückt sich beispielhaft in der Gastfreundschaft und im gemeinsamen Mahl aus. Dabei sollten die Texte nicht auf das Abendmahl bzw. die Eucharistie hin spiritualisiert werden – nicht um das Sakrament geht es hier (das ja faktisch derzeit als Sakrament der Trennung der Kirchen erlebt wird), sondern um ein gemeinsames Essen und Feiern.

Aktuell denke ich an die Gemeinden anderer Sprache und Herkunft in Deutschland und an die Frage, wie es gelingen kann, gemeinsam Kirche zu sein. Auch mit diesen Gemeinden von Christinnen und Christen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa wird Gemeinschaft nicht in erster Linie in dogmatischen Debatten erreicht, sondern im gemeinsamen Gebet, Essen und Feiern – und so als Gemeinschaft Jesu Christi über alle Grenzen hinweg.

Dazu: http://www.ekir.de/www/ueber-uns/gemeinden-anderer-sprache-und-herkunft-16423.php

und: http://www.ekir.de/www/ueber-uns/internationaler-kirchenkonvent-16916.php

 

 

Bild: Artoklasie beim 2. Ökumenischen Kirchentag 2010 in München (aus: http://www.sonntagsblatt-bayern.de/img03/grossbild/2010_oekt_04_01_01_01.jpg)

 

 

 

 

Bild: Vollversammlung des Internationalen Kirchenkonventes in Bochum am 13. April 2013 (aus: http://www.ekir.de/www/ueber-uns/gemeinden-anderer-sprache-und-herkunft-16423.php#)

 

 Heike Koch

 

 

 

 

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