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15. Sonntag nach Trinitatis / 26. Sonntag im Jahreskreis (28.09.14)

15. Sonntag nach Trinitatis / 26. Sonntag im Jahreskreis

 

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
1 Mose 2, 4b-9 (10-14) 15 Ez 18, 25-28 Phil 2, 1-11 Mt 21, 28-32

 

1 Mose 2, 4b-9 (10-14) 15

Exegetische Überlegungen

Die zweite Schöpfungserzählung der Bibel legt ihren Schwerpunkt auf die Erschaffung von Mann und Frau. Sie erzählt über ihr Mensch-sein, ihr Verhältnis zueinander und ihre Bestimmung innerhalb der Schöpfung.

Auch hier wird zu Beginn ein Chaos dargestellt, aber anders als im ersten Schöpfungsbericht, ist es jetzt die wüste Erde, die erst durch das lebensspendende Wasser des Regens und durch das Eingreifen des Menschen, fruchtbar werden kann. Ich möchte mich an dieser Stelle auf die Rolle des Menschen beschränken. Gott formt ihn ganz zu Anfang, denn seine Rolle innerhalb der Schöpfung ist eine zentrale. Wüst ist die Erde auch deshalb, weil „noch kein Mensch den Ackerboden bestellte (V. 5). Das Mittun, Mitsorgen des Menschen wird so gleich zu Beginn als eine der wesentlichen Bestimmungen für ihn und auch die Erde heraus gestellt. Dieser Auftrag Gottes an den Menschen wird dann auch in V.15 noch einmal explizit wiederholt und verstärkt.

Schon der Name „Adam“= Erdwesen deutet auf die enge Verbindung des Menschen mit der Erde hin. Aus der Erde des Ackerbodens wird er denn auch so wie die Tiere „geformt“. Für dieses Verb steht im Urtext ein Wort, das vor allem auf die Arbeit des Töpfers bezogen ist. Eine Besonderheit des Menschen ist, dass Gott ihm durch seinen Atem Leben einhaucht. Durch diese besondere göttliche Kraft unterscheidet sich der Mensch von allen anderen Lebewesen. Dieser Odem Gottes ist die Grundlage seiner Sonderstellung und seines Auftrags.

Gott sorgt für seine Schöpfung. Er erschafft einen Garten und setzt dorthin den Menschen (V.8). In Vers 9 wird dann der Garten näher beschrieben. Es ist ein paradiesischer Garten, in dem eine Fülle von Früchten wachsen, die den Menschen nähren und sättigen. Doch nicht nur der Magen wird hier satt, auch das Auge wird zufriedengestellt: „die Bäume sind verlockend anzusehen“ (V. 9). In der Mitte des Gartens stehen die wichtigsten Bäume: der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Was damit konkret gemeint ist, wird nicht näher erläutert. Jedoch wird deutlich, dass damit ein umfassendes, nur Gott vorbehaltenes Wissen gemeint ist. Dahinter steht die Erkenntnis, dass der Mensch in seiner Aufnahmefähigkeit begrenzt ist, dass mehr Wissen auch mehr Verantwortung bedeutet und damit die Gefahr entsteht, dieser Verantwortung nicht gerecht werden zu können. So werden diese Bäume im Zentrum des Gartens auch zur Versuchung. Der Versuchung nach mehr Wissen, der Versuchung wie Gott sein zu wollen, der Versuchung Verantwortung zu missbrauchen.

In V.15 wird der neu geschaffene und dem Menschen zugewiesene Lebensraum der Fürsorge des Menschen anvertraut. Der Mensch bekommt hier ausdrücklich den Auftrag, das Schöpfungswerk Gottes fortzusetzen, indem er die Schöpfung in seine Obhut nimmt.

Gedankenanstöße für eine Predigt

Es ist gut, sich ab und zu Selbstverständliches bewusst zu machen. Die Erde ist Lebensgrundlage von uns Menschen. Auf ihr können wir fest und sicher stehen, auf ihr haben wir einen Platz und eine Heimat. Sie beschenkt uns aber auch mit allem, was unseren Leib satt macht: mit süßen und sauren Früchten, mit Gemüse und Kräutern und immer wieder dürfen wir auch mit unseren Augen die Schönheit der Natur bewundern: das frische Grün zu Beginn des Sommers, die Farbenpracht der Blumen und Blüten, den prallen roten Apfel.

So ist der Auftrag die Erde zu bebauen und zu hüten, den die zweite biblische Schöpfungserzählung, für uns Menschen formuliert weder willkürlich und sinnlos, sondern dient unserem eigenen Nutzen. Doch nicht nur diesen sollten wir Menschen im Sinn haben, wenn wir unsere Erde schützen und beackern. Wir können dies auch aus einer Haltung der Dankbarkeit gegenüber unserem Schöpfer tun, der uns geschaffen hat und der für uns sorgt.

Die enge Beziehung, die der Text zwischen Mensch und Erde herstellt, erscheint ganz logisch. Aus der Erde des Ackerbodens wird Adam geformt, so wie der Töpfer etwas aus Ton formt. Auch schon der Name Adam = Erdwesen verweist auf seinen Ursprung und schließlich kommt der Auftrag des Menschen, der ihm nicht nur in V.15 mitgegeben wird, sondern auch schon zu Beginn der Erzählung als Voraussetzung für das Wachsen und Gedeihen.

Diese enge Verbindung wird nochmal am Ende eines Lebens im Rahmen einer christlichen Beerdigung deutlich, bei der Grablegung und Verabschiedung am Grab heißt es: „Von der Erde bist du genommen zur Erde kehrst Du zurück, Gott der Herr aber wird dich auferwecken.“ – noch einmal aus der Erde, dem Tod, dem Chaos, diesmal zu einem ewigen Leben in seiner Nähe, in seinem Reich, in seinem Paradies.

Ez 18, 25-28

Exegetische Überlegungen

In diesem Textabschnitt geht es um das richtige Verhalten.

Dabei halten die Gesprächspartner das Verhalten Gottes für nicht richtig (V.25). Das hebräische Wort, das an dieser Stelle für „nicht richtig“ gewählt wurde, hat dabei allerdings nicht den Beiklang von „ungerecht“, sondern von „nicht der Regel entsprechend“. Offenbar wird Gott vorgeworfen, die von ihm geschaffene Ordnung nicht eingehalten zu haben und in diesem Sinn nicht den Regeln entsprechend gehandelt zu haben. Der Prophet Ezechiel schreibt diesen Text in einer Zeit der tiefen Krise – in der Zeit des babylonischen Exils. Lässt Gott die Kinder für die Vergehen ihrer Eltern büßen? Das ist ungerecht, nicht richtig. Ezechiel stellt richtig: Jeder trägt Verantwortung für seine eigene Schuld, und „wenn sich der Schuldige von dem Unrecht abwendet, das er begangen hat“ (V. 27) und umkehrt zu Gott, darf er neu anfangen und sein Leben neu ausrichten (V. 28)

Gedankenanstöße für eine Predigt

Was ist richtiges Verhalten? Auch wir kennen die Anfragen an Gottes Verhalten und verstehen nicht warum, er dies oder das getan hat oder ob das immer so gerecht ist und auch wir handeln nicht immer richtig – weder immer den Regeln entsprechend noch gerecht. Dabei geht es nicht nur um reines Ordnungsdenken, denn Gott ist nicht in erster Linie der Hüter über die Einhaltung von Regeln und die strikte Einhaltung von Geboten. Es geht vor allem um die Fragen: was dient dem Leben; was führt zum Tod/was verhindert Leben - also darum, was der Sinn und Inhalt von der göttlichen Ordnung ist. Der Text beantwortet die Fragen: Recht und Gerechtigkeit führen zum Leben, Sünde zum Tod. Wir selbst tragen die Verantwortung für unser Handeln – nicht Gott.

Wie also können wir heute dem Leben dienen/gerecht handeln? Einige konkrete Beispiele dazu fallen sicher jedem ein: z.B. Fair gehandelte Kleidung, Nahrung kaufen; biologisch und ökologisch verträglicher Anbau und Konsum; auf Strom-/Benzinverbrauch achten; Müll reduzieren….

Der Prophet Ezechiel will darüber hinaus sensibel machen für die Möglichkeit einer totalen Wende. Durch so eine Umkehr zu Gott und zur Gerechtigkeit kann jede Vergangenheit samt ihren lebensverhindernden Folgen aufgehoben werden. Das kann Mut machen: „Wenn er alle Vergehen, deren er sich schuldig gemacht hat, einsieht und umkehrt, wird er bestimmt am Leben bleiben.“ (V.28) Gottes Gerechtigkeit rechnet nicht unser falsches Verhalten gegenüber dem richtigen auf – wir dürfen umkehren und neu dem Leben und damit Gott dienen!

Phil 2, 1-11

Exegetische Überlegungen

Paulus beschreibt in seinem Brief an die Philipper ein ideales Bild einer christlichen Gemeinde und der Umgangsformen untereinander. Er sah in Zwietracht und Selbstsucht eine Gefährdung der Philipper.  Nicht nur nach außen, sondern auch innerhalb der Gemeinde soll sich ihre Einigkeit erproben. Dazu beruft er sich auf vier verschiedene Punkte: die Ermahnung im Geist Christi, den Zuspruch aus Liebe, die durch den Heiligen Geist gestiftete Gemeinschaft, Zuneigung und Erbarmen (V.1) und versucht damit die Gemeinde zu ermutigen und zu motivieren, ein Herz füreinander zu haben. Schließlich zählt er ganz konkret auf, was förderlich und was hinderlich im Umgang miteinander ist.

Seine Forderung leitet Paulus her von einem uralten Christushymnus (V.6-11), der Weg Jesu beschreibt, der als himmlischer Gottessohn, Mensch wurde und sich freiwillig erniedrigte bis zum schändlichen, schmerzhaften Tod am Kreuz.

Auf diesen Herrn, der wahrhaft berechtigt aus der Tiefe des Todes von Gott zum Herrscher des Alls erhöht wurde, beruft sich Paulus. Was Gott durch seinen Sohn getan hat, gilt für alle Christen. Ihm sollen sie auf ihrem Weg nachfolgen, sich an seinem Weg ein Beispiel nehmen, durch ihn Kraft schöpfen. Doch nicht nur für sich selbst sollen sie dies tun, auch für andere.

Gedankenanstöße für eine Predigt

Zwietracht und Selbstsucht auch unter Christen, christlichen Gemeinden oder Gemeinschaften sind heute wie damals aktuell. Wenn es darum geht, den eigenen Vorteil zu finden, einen Fehler eingestehen zu müssen, etwas Liebgewonnenes hergeben zu müssen ist es oft heute noch schwierig Eintracht zu bewahren und auf den Frieden hinzuarbeiten.

Dabei meint Paulus keinen faulen Frieden, „Ermahnung des Geistes“, das deutet auch auf berechtigte Konfrontation hin. „Erbarmen“ haben, das heißt auch, um die Fehler des anderen wissen und mit ihnen umgehen können und zwar auf der Grundlage des „In Christus“ Seins, der Gemeinschaft des Geistes und der gegenseitigen Zuneigung. Wir können uns fragen, wie ist das in unseren Gemeinden, schaffen wir es mit so einer Haltung Konflikte anzugehen und die Einheit zu bewahren? Wie ist das unter den Gemeinden, wenn es nur noch einen Pfarrer gibt, aus mehreren Pfarreien eine Großpfarrei entsteht? „Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen!“ Arbeiten wir am Frieden unter uns Christen? Und sind wir uns unseres gemeinsamen Herrn Jesus Christus bewusst?

Auch heute noch ist ER der Herr „zur Ehre Gottes des Vaters“ und sein Weg der Erniedrigung von ganz oben nach ganz unten, der nicht ohne Antwort Gottes geblieben ist, gehört nach wie vor zu den Kernaussagen unseres christliche Glaubens. Jesus Christus, unserem Herrn, sollen wir nachfolgen und in dieser Nachfolge wird nicht immer unser Ehrgeiz gestillt. Der Weg der Nachfolge geht nicht nur bergauf und das Wohl der anderen steht immer noch auf gleicher Stufe wie unser eigenes. Es ist nicht der einfachste Weg, den wir uns als Christen ausgesucht haben, aber es ist ein Weg, der wahren Frieden, wirkliche Liebe und Leben in Fülle verheißt.

Mt 21, 28-32

Exegetische Überlegungen

Das Gleichnis ist aus dem alltäglichen Leben gegriffen und entspricht somit Jesu anschaulicher Art seinen Zuhörer etwas näher zu bringen.

Der erste Sohn willigt scheinbar in den Willen des Vaters ein. Dieses Ja-sagen entspricht seiner Gehorsamspflicht gegenüber dem Vater, das spätere Nichtgehorchen wird zur Schuld. Gleich mehrere Gebote, nämlich „Du sollst Vater und Mutter ehren.“ sowie „Du sollst nicht lügen“ werden durch das Nicht-Befolgen übertreten. Umgekehrt wird die anfängliche Weigerung und Nicht-Ehrerbietung des zweiten Sohnes gegenüber dem Vater durch seine Umkehr und den dann doch befolgten Auftrag aufgewogen.

Um die Sinnesänderung, die Umkehr geht es Jesus auch bei seinen Zuhörern. „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ so predigt Johannes, auf den Jesus in diesem Evangelium verweist (V. 32a). Bei den Sündern, den Zöllnern und Dirnen wird diese von Jesus vorausgesetzt (V.31b), obwohl sie nicht konkret ausgesprochen wird. Von den Hohepriestern und Ältesten, die Jesus zuhören, wird sie deutlich angefordert.

Durch das Gleichnis von den beiden Söhnen und den anschließenden Bogen zu Johannes dem Täufer in V 31b.32 macht Jesus seinen Zuhörern bewusst, in welche Richtung sie ihr  Schicksal durch das Nichternstnehmen des Täufers und seiner Botschaft ausgerichtet haben. Er will für die Umkehr und das Tun des göttlichen Willens werben, um seine Zuhörer wieder auf den „Weg der Gerechtigkeit“ (V. 32) zu führen. Dabei wird nicht die frühere ablehnende Haltung der Zöllner und Dirnen gegenüber Gottes Willen dargestellt, sondern ihr Glaube an die Verkündigung des Täufers und ihre Umkehr zu Gott wird hervorgehoben. Glaube heißt in diesem Gleichnis die vertrauensvolle und gehorsame Annahme des Wortes Gottes und die Umkehr auf den richtigen Weg.

Johannes der Täufer hat radikal den Willen Gottes erfüllt, verkündet und zu tun gefordert. Er ist gekommen, „um den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen“. Gerechtigkeit meint dabei die umfassende Heilsordnung, die Gott aufrichten wird, sowie das dieser Ordnung entsprechende Verhalten. Wer den Täufer ablehnt, widerstrebt somit erst recht der Botschaft Jesu. Die Chance auf diesen Weg und damit zum verheißenen Heil Gottes zu gelangen ist die Umkehr zu Gott und zur Gerechtigkeit.

Gedankenanstöße für eine Predigt

Was ist die Antriebskraft unseres Handelns: der Nächste, Profit, Weiterkommen, Pflichterfüllung, Ehre von Vater und Mutter, Bewahrung der Schöpfung, der „liebe“ Frieden in der Familie, Spaß? Das alles ist nachvollziehbar. Jesus fordert uns – wie auch Johannes der Täufer – trotzdem auf: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“. Diese Forderung ist für ihn Voraussetzung für den „Weg der Gerechtigkeit“. In dem Gleichnis hat dieser Weg etwas mit dem Tun zu tun. Auch wenn die Entscheidung, die Worte zunächst andere sind, eine Umkehr durch das richtige Handeln ist möglich – immer, selbst bei denen, die offensichtlich auf dem falschen Weg weg von Gott waren: bei den Zöllnern und Dirnen.

Die Bereitschaft umzukehren war bei den Pharisäern nicht vorhanden. Und auch bei uns überwiegt oft das Gefühl im Recht zu sein. Schuldbewusstsein oder auch Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen, nehmen in unserer Gesellschaft immer mehr ab. Doch als Christen sollte es uns nicht um unseren eigenen Vorteil gehen, nicht um das Verurteilen anderer oder die reine Pflichterfüllung, sondern um Gottes Willen, der immer auch auf den Menschen schaut. Umkehren dürfen wir deshalb, weil wir glauben, dass Gott das Heil für uns will, weil seine Gerechtigkeit uns Menschen Gutes will, weil das Evangelium wirklich „Frohe Botschaft“ Gottes ist. Mit diesem Hintergrund können wir uns fragen, wo und wie sollten wir umkehren zu Gott und seiner frohmachenden Botschaft. Wir dürfen dies tun, in dem Vertrauen, dass ein Neuanfang möglich ist – auch für die, die schwere Schuld auf sich geladen haben oder eine lange Zeit vom richtigen Weg abgekommen sind (wie die Zöllner und Dirnen des Evangeliums). Für Jesu Forderung der Umkehr zu einem gerechten Handeln ist es noch nicht zu spät.

 

I. Sieper

Literatur:

Stuttgarter Altes Testament, Einheitsübersetzung mit Kommentar und Lexikon; Hrsg. E. Zenger, 4. Auflage 2010

Stuttgarter Neues Testament, Einheitsübersetzung mit Kommentar und Erklärungen; 5. Auflage 2010

Die neue Echter Bibel, Kommentare zum Neuen und Alten Testament

 

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