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10. Sonntag nach Trinitatis / 21. Sonntag im Jahreskreis (24.08.14)

10. Sonntag nach Trinitatis / 21. Sonntag im Jahreskreis

 

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Röm 11, 25-32 Jes 22, 19-23 Röm 11, 33-36 Mt 16, 13-20

 

Der Autor geht auf folgende Bibelstellen des Tages ein. Stichworte: Einheit von Schöpfer und Schöpfung (Röm 11, 33-36); Schlüsselgewalt besitzen – Verantwortung tragen (Jes 22, 19-23 und Mt 16, 13-20)

 

Predigtskizze: Schlüsselgewalt besitzen – Verantwortung tragen (Jes 22, 19-23 und Mt 16, 13-20)Stephan-Schluessel-400

Für was braucht man alles einen Schlüssel? Für die Haustür, das Auto, den Briefkasten, das Büro … und für noch so viel mehr.

Schlüssel besitzen heißt Macht haben. Im Auf- bzw. Abschließen werden Zugänge kontrolliert, wird Einlass gewährt oder verweigert. Nicht umsonst spricht man von Schlüsselgewalt.

Simon Petrus, der von Jesus den Beinamen „Fels“ (griech. = petra) bekommen hat, werden die „Schlüssel des Himmelreichs“ anvertraut, sie werden zu seinem „Markenzeichen“.

Wenn man nun die nicht unproblematische Wirkungsgeschichte dieses Textes außen vor lässt, die vom Kampf um Macht- und Führungsansprüche gekennzeichnet ist, kann man nüchtern festhalten, dass hierbei einem Menschen die Verantwortung für das Geschehen auf der Erde übertragen wird. An Petrus und im weiteren Sinn gedacht, am Menschen an sich ist es, zu binden oder zu lösen und über „Wohl oder Übel“ zu entscheiden.

Zugegebenermaßen in ein sehr großes paar Schuhe wurde der Mensch dadurch gesteckt, die ihm letztlich immer ein paar Nummern zu groß sein werden. Und dennoch besteht die Aufgabe des Menschen darin, sich dieser Mission zu stellen, zu der er berufen und bestimmt wurde. Dies soll jedoch keine Steilvorlage für den Hang des Menschen zum Größenwahn sein, sondern ist im Gegenteil zu allererst ein Aufruf zum Maßhalten. Jeder Mensch ist nämlich zunächst selbst gefordert, den Ansprüchen gerecht zu werden. Der Schlüsselträger muss daher immer der Demütige sein, der sich seiner Treue gegenüber seinem Auftraggeber, aber auch seiner Verantwortung den anderen gegenüber bewusst sein muss. Er sollte sich als Werkzeug zum Wohle aller verstehen, im Bewusstsein, dass auch er Rechenschaft für sein Getanes, aber auch Nichtgetanes, ablegen muss.

„Ich lege ihm die Schlüssel des Hauses David auf die Schulter“, heißt es bei Jesaja und darum geht es im Kern: die auferlegte Verantwortung zu tragen, für sich, für einander, für die Welt.

 

Bezüge zur Nachhaltigkeit, Beispiele zur Umsetzung und weitere Kontexte:

Einheit von Schöpfung und Schöpfer (Röm 11, 33-36)Stephan-Wiese-400

“I see trees of green, red roses too. I see them bloom for me and you,
And I think to myself, what a wonderful world.”
[1]

Louis Armstrong hat in seinem Welthit “What a wonderful world” eine Hymne geschaffen, deren Zauber sich wohl kaum jemand entziehen kann. Ein Stück voll Melancholie und Ausdruckskraft, voll farbenfroher und berauschender Bilder, voll Hoffnung und Zuversicht, kurz: ein Liebesbekenntnis an die ganze Schöpfung.Stephan-Butterblume-400

Ein Text nicht minder gearteter Qualität, von einem Dichter geistlicher Tiefe, der seines Gleichen sucht, ist der angegebene Abschnitt aus dem Römerbrief. Paulus zeigt sich hierbei als Verfasser einer Hymne auf den Schöpfer selbst: „O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege! (…) Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung.“

Stephan-BieneBluete-400Schöpfer und Schöpfung sind nicht voneinander zu trennen. Sie gehören zusammen, im einen spiegelt sich das andere. Dienst an der Schöpfung ist somit Dienst am Schöpfer und wer den Schöpfer ehrt, kann seine Hand nicht gegen die Schöpfung erheben. Umweltschutz ist somit vielschichtiger und tiefgründiger, als allein der Einsatz für Fauna und Flora.[2]

 

 Thomas Stephan, Speyer

 

Literatur:

Die Bibel. Einheitsübersetzung, Freiburg-Basel-Wien 1980.

[1] http://www.songtexte.com/zitat/louis-armstrong/i-see-trees-of-green-red-1bd6bd50.html

[2] Vgl. Michael Theobald, Römerbrief Kapitel 1-11, Stuttgarter Kleiner Kommentar – Neues Testament 6/1, Stuttgart 1992, Seite 316f.

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