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Kantate / 5. Sonntag der Osterzeit / 4. Sonntag nach Ostern (18.05.14)

Kantate / 5. Sonntag der Osterzeit

 

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Offb 15, 2-4 Apg 6, 1-7 1 Petr 2, 4-9 Joh 14, 1-12

 

Offb 15,2-4

Ein anderer ist der Größte

Gott ist derjenige, über den hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, so formulierte Anselm von Canterbury.

Ein Gottesbeweis ist damit nicht erbracht, auch wenn der große Heilige das versuchte. Aber etwas anderes ist damit gesagt: Es gibt immer eine größere Gerechtigkeit als die der Menschen. Es gibt immer einen größeren Herrscher über die ganze Welt als den Menschen. Es gibt immer eine größere Heiligkeit als unter den Menschen. Dann aber ist alles Menschliche vorläufig und begrenzt und muss sich auch so verstehen und verhalten. Wir sind nicht die, die Gerechtigkeit definieren, wir sind nicht die, die als letztes diese Erde bewohnen, wir sind nicht die, die sich an die erste und letzte Stelle setzen dürfen. Das darf nur Gott.

Wenn ein anderer als der Mensch der Größte ist, dann ist das die Einladung an den Menschen zur Demut. Demut und Nachhaltigkeit sind Geschwister.

Das Lamm

Ein Tier ist Bild für Jesus Christus. Haben wir das schon realisiert? Für Christus, der die Welt vollendet und sie unter seiner Herrschaft vereint, sieht der Seher Johannes das Bild eines Tieres, das Lamm. Ein kleines zerbrechliches Tier, das Gott auf den Arm nimmt, wenn er Israel heimführt. Kein triumphalistisches Bild, kein Imperator, Herrscher, König. Das Lamm herrscht in seiner Zerbrechlichkeit, in seiner Bedürftigkeit und seiner Schönheit.

Nur wer Gott im Lamm sehen kann, wird am Ende auf dem gläsernen Meer stehen und mit den Harfen Gottes ihn preisen, so die Vision des Johannes.

Entdecke das Lamm in dir und entdecke die Schönheit der zerbrechlichen Schöpfung.

 

Apg 6,1-7

Arbeit teilen

Man könnte meinen, die Bibel hätte doch schon etwas von moderner Arbeitsteilung gewusst. Die einen machen dies, die anderen machen das, nur so scheint gewährleistet, dass die unterschiedlichen Aufgaben erfüllt werden. Wenn einer alles macht, dann besteht die Gefahr, dass er nur manches „richtig“ machen kann und anderes vernachlässigt.

Doch wie das eine seine Schattenseiten hat, hat es das andere auch. Wenn die Arbeit geteilt wird, so wie es in der Moderne geschehen ist, wenn jeder einen Baustein beiträgt, aber niemand mehr das ganze im Blick hat, dann geschieht genau das, was wir heute beklagen müssen. Jeder setzt ein „Schräubchen“ ein und übersieht nicht, welchen Schaden das gesamte Produkt, der gesamte Herstellungsprozess anrichtet. Wer Arbeit teilt, muss gleichzeitig für die Vernetzung sorgen, dass die, die sich Aufgaben teilen, im Kontakt bleiben und miteinander das Ganze im Blick haben und das Ganze verantworten.

 

1 Petr 2,4-9

Auf Worte müssen Taten folgen

Wieder so eine Weisheit aus dem Leben: Worte allein genügen nicht, es müssen Taten folgen. Etwas salopper gesagt: Jeder, der große Reden schwingt, muss durch Taten beweisen, dass er es ernst meint. Glaubwürdigkeit mit einem Wort.

Gerade die Religiösen werden diesbezüglich besonders beäugt. Warum eigentlich? Weil sie besonders groß und klug daherkommen? Weil sie sich gern über andere überheben, als wüssten sie es besser? Weil sie immer nur reden, während andere handeln? Weil ihr eigener Anspruch so hoch ist?

Vielleicht stimmt von allem ein bisschen. Aber vielleicht sind es auch nur Menschen und auch ihnen gelingt oft nicht mit der Hand, was sie im Munde führen.

Dennoch: der Anspruch muss bleiben, dass auf Worte nachhaltige Taten folgen. Und einen Vorteil haben die Religiösen: Sie können Gott permanent bitten, dass er ihnen helfe, sie unterstütze und ihnen Mut mache, dass auf Worte tatsächlich Taten folgen.

 

Joh 14,1-12

Viele Wohnungen

„Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen“. Da ist viel Platz für die, die jetzt leben, und für die, die leben werden. Alle, die gegenwärtigen und die kommenden Generationen haben bei Gott einen Platz – im Himmel, und ich denke auch auf der Erde. Für die Himmelswohnungen kann nur Gott sorgen, aber für die Wohnungen auf Erden müssen wir mitsorgen. Was wäre, wenn Gott viele Wohnungen für kommende Generationen im Himmel bereit hält, auf der Erde aber keine mehr leben werden, weil sie nicht mehr bewohnbar ist?

Das „Konzept“ Gottes, was seine Wohnungen betrifft, ist auf länger angelegt, im Himmel und auf der Erde. Hoffentlich machen wir Menschen ihm dieses Konzept nicht kaputt.

 

 

Christiane Bundschuh-Schramm

 

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