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Invokavit / 1. Fastensonntag (09.03.14)

Invokavit / 1. Fastensonntag

 

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Jak 1, 12-18 Gen 2, 7-9; 3,1-7 Röm 5, 12-19 Mt 4, 1-11

 

Der Autor geht in Stichworten auf alle Perikopen ein.

 

Stichworte zur Nachhaltigkeit:


Erkennen der paradiesische
n Zustände, der Mensch als Partner Gottes, Achtung der von Gott gesetzten Grenzen (Gen 2/3), lernen, Gottes Gnade anzunehmen, in Gottes Gnade einüben, gnädig werden (Röm 5), sich auf das Wesentliche reduzieren (Wüste, Fasten), Widerstehen können gegenüber eigenen materiellen Bedürfnissen wie Nahrung, Geltungsdrang und Macht (Mt,4), Versuchung widerstehen bedeutet ein „mehr“ an Leben (Jak 1)

 

Allgemeine Gedanken zum Beginn der Passions-/Fastenzeit:

In allen Texten zum ersten Sonntag der Passions- bzw. Fastenzeit spielt die „Versuchung“ eine wichtige Rolle. Was ist Versuchung? Welche Rolle spielt sie in meinem eigenen, aber auch im heutigen gesellschaftlichen Leben?

Eine Versuchung könnte sein, dass ich mich und meine Bedürfnisse über die von Anderen stelle (z.B. gegenüber meiner Familie, meinen BerufskollegInnen, meinen Nachbarn). Dies gilt auch für den nationalen Maßstab: z.B. will Deutschland sich im Wettbewerb gegenüber anderen Staaten einen Vorteil verschaffen, auch wenn dies ökologisch und/oder sozial negative globale Auswirkungen hat: z.B. will Deutschland niedrige CO²-Steuern auf Autos, damit die heimische Produktion gefördert wird; Deutschland will das „Dublin II“-Abkommen beibehalten, damit nicht so viele Flüchtlinge zu uns kommen; Großbritannien will keine Finanztransaktionssteuer, weil sonst der Börsenplatz London gefährdet werden könnte etc.

Diese und viele andere Versuchungen wirken täglich auf uns ein. Die nun begonnene 40-tägige Bußzeit will uns befreien von all diesen Versuchungen. Sie regt uns an, los zu lassen, mich und uns nicht wichtiger zu nehmen als die Menschen, die uns umgeben. Eine so verstandene Umkehr kann uns helfen beim abwägen, was ich und was wir wirklich in unserem Leben brauchen: gute, erfüllende Beziehungen zu unseren Mitmenschen und zu Gott, Mitmenschlichkeit, Nahrung -  und was wir als Ballst abwerfen können und in Zukunft auch nicht mehr „anhäufen“ brauchen, weil es uns am guten Leben nur hindert (z.B. übermäßigen Konsum etc.)

 

Gen 2,7-9; 3,1-7

Gedanken:

-          Gott erschafft Adam (und Eva) ein „Paradies“: ALLES ist da, was Menschen zu einem guten Leben brauchen: Beziehung zu Gott, Beziehung zu anderen Menschen, unberührte Natur, essbare Früchte

-          Dennoch reicht Eva (und Adam) dies nicht, sie wollen (noch) mehr! Sie überschreiten die einzige (zu ihrem Schutz!) gezogene Grenze

-          Gott hat die Erde/die Welt geschaffen; Gott setzt die Menschen als seine PartnerInnen in die Welt; als Ebenbilder Gottes haben die Menschen den Auftrag, verantwortungsvoll mit der Schöpfung um zu gehen

-          Heutige Grenzüberschreitungen? Grüne Gentechnik? Fracking? Immer mehr Konsum in immer kürzeren Abständen?

-          Alternativen: Ausstieg aus dem Überfluss – Konzentration auf das Wesentliche; versuchen, in guten Beziehungen zu meinen Schwestern und Brüdern, zu all meinen Mitmenschen (in Nah und Fern) und zu Gott zu leben; versuchen, möglichst naturnahe Nahrung zu konsumieren – im besten Fall sogar selbst her zu stellen (z.B. im eigenen Garten bzw. beim „urban gardening“)

 

Röm 5,12-19

Gedanken:

-          Paulus betont gerade im Gegensatz zur „Sünde“ des Adam (des „alten Menschen“) die Gnade, die in und durch Jesu Christi (des „neuen Menschen“) alle Menschen geschenkt bekommen

-          Nimmt das nicht viel Last von uns? Wir dürfen Fehler machen, müssen nicht perfekt sein – Gott wird uns dennoch seine Gnade schenken

-          Kann uns das, die wir manchmal das Gefühl haben, vor einem riesigen Berg mit nahezu unlösbaren Problemen (z.B. Klimawandel) zu stehen, nicht auch ein wenig Gelassenheit vermitteln? Gelassenheit in der auf Gott stützenden Hoffnung, dass letztlich doch alles gut werden wird?

-          Aber das heißt nicht, dass es egal wäre, was wir tun – ganz im Gegenteil! Denn: Gott gibt uns alle benötigte Gnade, weil er will, dass alles gut wird, dass alle Geschöpfe auf dieser Welt gut leben können; als Geschöpfe Gottes dürfen wir mitwirken an dem Prozess der „Begnadigung“!

-          Gnade möge v.a. dort hinkommen, wo sie noch zu wenig da ist: bei den Entrechteten, den Unterdrückten, den arm Gemachten, bei den Wehr- und Hilflosen. Konkret bei der Textilarbeiterin in Bangladesch, bei dem indischen Kind, das im Steinbruch unsere späteren „preiswerten“ Grabsteine bearbeitet, bei den Kleinbauern in Burkina Faso, die unter dem bereits eingesetzten Klimawandel leiten etc.

-          Alternativen: auf Gott und die Gnade, die Gott uns schenken will, schauen; „gnädig“ zu all meinen Mitmenschen sein, sie nicht ausbeuten. Mich stattdessen um ethisch vertretbaren Konsum kümmern und mich gleichzeitig politisch für andere, bessere, „gnädigere“ Strukturen einsetzen

 

Mt 4,1-11

Gedanken:

-          Jesus ist in der Wüste: ein unwirtlicher, ein oft lebensfeindlicher Ort; hier ist keine Ablenkung möglich, dafür Konzentration auf das Wesentliche: auf mich selbst, auf meine Bezüge zu Gott, den Menschen und die mich umgebende Welt

-          Jesus fastet lange: 40 Tage ohne Nahrung, dann bekommt er Hunger

-          Optimale Voraussetzung für seinen Gegner, den „Teufel“, der ihn mit allen Mitteln der Verführungskunst in Versuchung führt:

  1. beim ersten Mal soll Jesus Steine in Brot verwandeln (wie angenehm wäre das doch für ihn nach 40 Tagen endlich mal wieder etwas zu essen zu bekommen!); Jesus aber lehnt es ab, seine göttliche Macht zu „missbrauchen“, nur um an „tägliches Brot“ zu gelangen
  2. bei der zweiten Versuchung soll Jesus vom Dach des Tempels springen und damit erneut zeigen, dass er Gottes Sohn ist; Jesus aber hat kein Bedürfnis, dies zu tun, nur um dem Teufel zu zeigen, dass Gott auf Jesu Seite steht
  3. die dritte Versuchung ist die stärkste: Jesus bekommt alle Macht und Pracht der Welt versprochen, wenn er nur den Teufel anbetet; aber auch dieser Versuchung widersteht Jesus; er will eine andere Lebensordnung: in Gottes Reich soll es keine Unterdrückung, kein „oben“ und „unten“, keinen Herrscher und keine Beherrschten geben. Im Gegenteil: alle Menschen sollen ein „Leben in Fülle“ haben und geschwisterlich sowie fürsorgend miteinander umgehen und sich der Schöpfung Gottes annehmen

-          meine/unsere Versuchungen heute? Dass ich zuerst an mich denke? An mehr Gehalt und Aufstiegeschancen im Beruf, dass ich billig anstatt fair einkaufe, dass ich noch das (Smartphone?) oder jenes (neues Auto oder eine bestimmte Urlaubsreise?) haben möchte;                                                    auf unsere Gesellschaft in Deutschland hin gesehen: dass wir nur unser Land im Blick haben und unsere Lebenssituation immer weiter – materiell gesehen - verbessern wollen, selbst wenn das auf Kosten Anderer (in fernen Ländern) und nur durch ökologische Übernutzung unseres Planeten geht?

 

Alternativen: erst einmal der vielen Versuchungen, denen wir täglich ausgesetzt sind, bewusst machen; in einem zweiten Schritt versuchen, den Versuchungen zu widerstehen (weil sie einem Leben in Fülle zu wider laufen); bewusst immer mal wieder in die „Wüste“/in die Einsamkeit gehen, ebenso immer wieder Zeiten des Fastens einlegen

 

Jak 1,12-18

Gedanken:

-          Versuchungen kommen nie von Gott, sondern aus mir selbst

-          Klarer Zusammenhang (auch in der Abfolge) von Begierde, Sünde bis hin zum Tod

-          Darum ist es – auch moralisch – wichtig, den Versuchungen stand zu halten

-          Welche Versuchungen könnten für uns heute damit gemeint sein? Unter anderem die Begierde, von allem immer mehr haben zu wollen: schon Kinder wollen immer neue Spielsachen, selbst wenn das Kinderzimmer keinerlei Platz mehr für Neues hat; bei Erwachsenen setzt sich das oft fort bzw. steigert sich noch: der durchschnittliche Haushalt in Deutschland weist 10.000 Gegenstände auf; wie viele (bzw. wenige) davon werden wirklich gebraucht bzw. überhaupt genutzt? Wie viele Ungerechtigkeiten, wie viel Ressourcenverschwendung sind aber mit den vielleicht 9000 nutzlos umher stehenden, ungebrauchten Gegenständen verbunden?

-          Alternativen: weniger konsumieren; teilen und gemeinschaftlich nutzen (z.B. Gegenstände des Alltags wie Rasenmäher und Auto mit den Nachbarn teilen) anstatt besitzen

 

Christoph Fuhrbach

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