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Letzter Sonntag nach Epiphanias / 5. Sonntag im Jahreskreis (09.02.14)

Letzter Sonntag nach Epiphanias / 5. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
2 Petr 1, 16-19 (20-21) Jes 58, 7-10 1 Kor 2, 1-5 Mt 5, 13-16

Die Autorin bearbeitet alle Texte und stellt deren Gegenpole heraus: Richtige Erinnerung – falsche Traditionen; Menschenweisheit – Gottesgeist und Gottesweisheit;– tägliches Salz und universelles, göttliches Licht. Sie verknüpft die Texte mit dem ökumenischen Prozess „Umkehr zum Leben – den Wandel gestalten“.

 

Stellung im KirchenjahrKaeser201314-Neues waechst-400

Der Letzte Sonntag nach Epiphanias lässt die „Freudenzeit“ ausklingen. Das Kirchenjahr geht in die Vor- und Passionszeit über, in der wir bedenken, wie Jesus die Zuwendung, die Passion, Gottes zu allem Geschaffenen gelebt hat und wie er konsequent seinen Weg ging.

"Alles wächst" (Foto: S. Käser)

2 Petr 1, 16 – 19 (20 – 21)

Exegetische Hinweise:

Der 2. Petrusbrief richtet sich an Menschen, die auf Gott vertrauen und an Gottes Gerechtigkeit festhalten (2. Petr. 1,1). Eine wichtige Rolle spielt die Tradition der Verklärung Jesu, die Petrus als Zeugen auf dem Berg erwähnt (2. Petr. 1,18). Diese Perikope hat die Absicht, die richtige Erinnerung zu sichern und gegenüber falschen Traditionen abzugrenzen (2. Petr. 1, 12-15; 2,1; 3,1)“. – Siehe Bibel in gerechter Sprache, Einleitung zum 2. Petr.-Brief.

Predigtimpulse:

Die Predigt könnte, dem Text über die positive Tradition der ‚Verklärung‘ Jesu folgend, ganz konkrete positive Beispiele erzählen, an denen heute die Größe des kyrios deutlich wird und die keine zusammengereimten Geschichten (2. Petr. 1,16) sind, sondern Erfahrungswerte. Augenzeugen sein, Augen und Ohren öffnen als Menschen, die von Gott her leben, getragen von der heiligen Geistkraft (2. Petr. 1,21).

Bezug zur Nachhaltigkeit:

Lichter setzen an unseren finsteren Orten (V. 19) durch nachhaltiges Denken und Handeln. Erfahrungen weitergeben, die wir der Kraft und Macht des kyrios zuschreiben.

Der ökumenische Prozess „Umkehr zum Leben – den Wandel gestalten“ braucht Menschen, die dranbleiben am Geschehen, die Mitgestalten und öffentlich machen, warum und wie sie die „Große Transformation“ mitgestalten. Wir müssen nicht das Große-Ganze stemmen, sondern uns an einer Stelle einklinken und konsequent dranbleiben. In der Passionszeit wird wieder die Aktion „Autofasten, Schritte zur Beweglichkeit“ (www.autofasten.de) angeboten, um einen alternativen und nachhaltigen Umgang mit dem PKW einzuüben.

 

Jes 58, 7 - 10

Exegetische Hinweise:

V. 1 und 2 sind wichtig als Hintergrund für die Verse 7-10. Jesaja wendet sich an das „alte“ Gottesvolk, das beschrieben wird als eine Gesellschaft, die das von Gott gesetzte Recht nicht einhält.

Predigtimpulse:

Diese Verse sollten nicht allein im Blick auf diakonisches und individuelles Helfen interpretiert werden. Einer Gemeinde kann auch die globalisierte Situation unserer Zeit zugemutet werden. Die Predigt muss deshalb nicht im Aufzählen von Missständen stecken bleiben. Sie kann aufzeigen wie unsere kleinen Schritte für Gerechtigkeit sich nachhaltig auswirken. Vielleicht ist der Hinweis auf Initiativen hilfreich, die sich für Veränderung einsetzen und an denen sich Christ_innen beteiligen können, weil sie noch immer auf Gottes Gerechtigkeit für alle und alles vertrauen.

Bezug zur Nachhaltigkeit:

Beispiele in unserer globalisierten Welt: Aus dem 4. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundes-regierung „Leben in Deutschland“ wurden entscheidende Passagen herausgestrichen, die das Auseinandertriften unserer sog. Wohlstandsgesellschaft konkret benannten. Der Bericht wurde geschönt (siehe z.B. Süddeutsche Zeitung vom 28.11.2012) und geht an der Realität vorbei. Aus dem Bericht der Deutschen Zentralbank dagegen geht hervor, dass in Deutschland die Schere zwischen Reich und Arm immer weiter auseinanderklafft. Gerade als Christ_innen dürfen wir nicht länger so tun als wären wir ein Volk, das Gerechtigkeit schon getan hat (V. 2).

 

1 Kor 2, 1 - 5

Exegetische Hinweise:

Die Perikope ist Teil der paulinischen Weisheitstheologie. Paulus arbeitet auch hier mit Antithesen: Menschenweisheit - Kraft Gottes (V. 5). Durch dieses rhetorische Stilmittel entsteht, besonders in Kap. 1, das Bild einer paulinischen Kreuzestheologie, die gegen eine korinthische Weisheitstheologie steht. Doch aus der Begabung mit Gottes Geist und Weisheit soll nach Paulus niemand besondere Qualitäten ableiten, die andere Getaufte nicht haben. Die Erwählung der Erniedrigten ist auch das theologische Deutungsmuster, mit dem Paulus seine eigene Existenz als christlicher Wanderprediger deutet (2,1-5; 4,6-13). Siehe  Bibel in gerechter Sprache, Einleitung zum 1. Brief an die Gemeinde in Korinth.

Predigtimpulse:

Am Beispiel des Projekts „Umkehr zum Leben – den Wandel gestalten“ kann von positiven und negativen Erfahrungen erzählt werden, die Menschen machen, wenn sie versuchen, sich von der Weisheit Gottes in ihrem Leben, ihrem Denken und Handeln leiten zu lassen (V. 4b).Sie vertrauen dabei auf Gottes Geist und Kraft.

Bezug zur Nachhaltigkeit:

Bei Seminaren oder Diskussionen nach Fachvorträgen z.B. über Klimaerwärmung, alternative Energien oder die sog. Finanzkrise wird manchmal der Vorwurf laut, christlich orientierte Menschen sollten sich besser nicht überall einmischen, denn ihnen fehle es an fachlicher Kompetenz.

Wie der ökumenische Prozess „Umkehr zum Leben – den Wandel gestalten (Große Transformation)“ zeigt, kann durchaus über Fachliches, auch kontrovers, diskutiert werden. Christi_innen können gemeinsam einen Umgestaltungsprozess in Gang bringen, der Lebens-Werte von der Weisheit Gottes her interpretiert.

 

Mt 5, 13 - 16

Exegetische Hinweise:

Mit Nachdruck verbindet das Matthäus-Evangelium Gebetsfrömmigkeit (6, 9ff; 7, 7ff) und Lebenspraxis, deren Grundsätze in den Antithesen 5, 1-12 dargelegt ist. An einem besonderen Ort, auf dem Berg, setzt sich Jesus im Kreis seiner Jüngerinnen und Jünger und beginnt „feierlich zu reden und zu lehren“ (BigS). Jesu programmatische Lehrrede wird weitergeführt in zwei Bildworten.

V. 13 b: Salz kann nicht salzlos werden; das ist physikalisch unmöglich. V. 15 a beschreibt ein unsinniges Vorhaben, denn alle wissen, das Licht wird an Sauerstoffmangel erlöschen. Die Nachfolge-gemeinschaft Jesu bekommt den Auftrag, wie Salz und wie Licht zu SEIN.

Predigtimpulse:

Die Predigt könnte Beispiele erzählen von „guten Taten“, mit dem Ziel, nicht herauszustellen wie großartig wir Christ_innen sind, sondern um auf Gottes Zuwendung, Kraft und Liebe hinzuweisen. Meistens sind es keine weltbewegenden Ereignisse, sondern das geduldige und hartnäckige Dranbleiben von Menschen an Missständen und Herausforderungen. Es sind auch nicht die Taten sog. großer Männer und Frauen, sondern das Einstehen der „normalen“ Gemeindeglieder für Gottes „Programm“ mit dieser Welt, den Seligpreisungen.

Gedankensplitter aus der Zeitung: In Berchtesgaden verspricht der einzige Salzheilstollen Westeuropas klangvolle Tiefenentspannung (www.obersalzberg.de). Auf dem Obersalzberg führen kilometerlange Gänge durch Hitlers Regierungsbunker.

Bezug zur Nachhaltigkeit:

Salz macht die tägliche Nahrung haltbar und schmackhaft. Christ_innen, mit ihrer Hoffnung und ihrem Eintreten für das Leben, sind das Salz in der Weltsuppe. Sie machen das Leben schmackhaft.

Licht ist erneuerbare Energie – im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinn, denn es kommt nicht aus uns, sondern von dem Lehrer auf dem Berg. Er ist das Licht der Welt.

Wir können Zeichen setzen, z.B. bei der WWF earthhour: an einem Tag im März gehen eine Stunde lang die Lichter in den Metropolen der Welt, in den Straßen und Wohnungen aus; Kritiker fordern jetzt eine Stunde AUS für Computer und smartphones. Wie wäre es mit einer Einladung an die Gemeindeglieder dabei mitzumachen?

Susanne Käser

 

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