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1. Sonntag nach Epiphanias / Taufe des Herrn (12.01.14)

1. Sonntag nach Epiphanias – Taufe des Herrn

 

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Jes 42, 1-4 (5-9) Jes 42, 5a.1-4.6-7 Apg 10, 34-38 Mt 3, 13-17

 

Das fängt ja gut an: auf Weihnachten und Epiphanias, die Erscheinung des Herrn und orthodoxes Christfest folgt die Taufe Jesu zur Gerechtigkeit (!) und seine Proklamation zum Gottessohn. Doch das geschieht nicht grundlos, sondern gründet in der Erwählung des Gottesknechtes zum Rechtsbringer und Licht der Völker. Erst recht bleibt die Taufe Jesu nicht folgenlos: Heil und Heilung gehen von ihm aus, er ist Gottes Friede für die Welt! Seiner Spur folgen die Getauften und bleiben als Kirche unterwegs - auf dem Weg des Friedens zu Recht und Gerechtigkeit. Das Jahr fängt wirklich gut an!

 

Jesaja 42, 1-9: Das erste Lied vom Knecht Gottes

Anmerkungen zum Text

Einmütig ordnen evangelische und katholische Leseordnung das erste Ebed-Jahwe-Lied aus Deuterojesaja dem 1. Epiphanias-Sonntag zu - und akzentuieren durch die ebenfalls übereinstimmende Evangelienlesung diesen Sonntag zum Tauffest Jesu. Was die einen als christologische Deutung des Gottesknechtes schätzen, werten die anderen als theologische Engführung. Daher ist es wichtig, zunächst nur die Botschaft des Jesaja wahrzunehmen: in ihr stellt sich Gott in wunderbar poetischen Worten als universaler Schöpfer von Himmel und Erde vor, der aller Kreatur Lebensraum und Lebenszeit gegeben hat, dazu allen Menschen Lebensatem, allen Erdbewohnern Lebensgeist einhaucht - wobei das hebräische ruach Geist und Atem in einem Wort vereint! Diese Selbstbezeugung Gottes in V. 5 rückt die katholische Leseordnung demonstrativ als Vorzeichen an den Anfang der Lesung, während sie nach der Bibel und evangelischen Perikopenfassung den Höhe- und Mittelpunkt des Abschnittes markiert. Ob so oder so, der besondere Akzent dieser Gottesvorstellung lautet: einzig und allein Jahwe ist die Quelle des Lebens und Grund allen Seins - und dieser Gott teilt seine Größe und Ehre nicht mit anderen!

 In deutlicher Absetzung zu diesem himmlischen Herrschergott erscheint der ganz und gar menschliche, namenlose Gottesknecht, der im Auftrag des Höchsten das Recht Gottes zu den Völkern trägt. Er ist kein Lautsprecher oder Wortführer, aber ein Heiler und Befreier: das schon geknickte Rohr wird er nicht nur nicht zertrampeln, sondern aufrichten und stärken; den nur noch kokelnden Docht nicht nur nicht ausdrücken, sondern zu lodernder Flamme anfachen. Damit ist er ganz nahe bei den Menschen ganz unten und tut, was das Recht und der Geist Gottes ihm sagen: den Blinden schenkt er das Augenlicht, den Gefangenen die Freiheit und die im Schatten sitzen, holt er ins Helle. Das waren die Menschen damals und sind sie auch heute von den Großen der Erde nicht gewohnt! Im Gegenteil: wer stark sein und bleiben will, muss seine Stärke auch zeigen und verteidigen - notfalls mit Gewalt! Hier aber kann jemand seine Größe loslassen und in die Knie gehen, das haltlose Rohr im Wind aufrichten und stark machen, dem verlöschenden Feuer frische Luft und neue Nahrung geben. Oder auch Menschen ohne Einsicht und Durchblick die Augen für die Wirklichkeit öffnen; be- und gefangene Menschen aus dem Käfig ihrer Meinungen und Bindungen lösen; Menschen auf der Schattenseite des Lebens beistehen und sie behutsam, aber zielstrebig auf ihrem Weg ins Licht begleiten.

 Dieser Weg des Gottesknechtes wird wahrlich kein leichter sein, aber ein lohnender: weil er auf Erbarmen und Menschlichkeit setzt, weil er auf Recht und Gerechtigkeit aus ist und aus dem Herzen Gottes kommt. Nicht nur die Inseln, d.h. die fernsten Gestade der Erde warten ungeduldig auf sein Gebot, nicht nur die Völker der Welt sehnen sich nach diesem Hoffnungsschimmer und Lebenslicht, sondern dieser Knecht, sein Leben und Handeln, finden auch Gottes volles Ja und Wohlgefallen. Was kann uns und unseren Nächsten, was kann dieser Welt Besseres geschehen als dieser Knecht Gottes?

 

Bezüge zur Nachhaltigkeit

In der ökumenischen Einheitsübersetzung ist viermal in neun Versen von Recht und Gerechtigkeit die Rede: das geschieht selbst in der Bibel nicht allzu oft! Dieses Recht ist weit mehr als eine Paragraphensammlung, sondern bezeichnet die grundlegende Lebensform und leitende Daseinsordnung als Gabe und Aufgabe Gottes für sein Volk. Wie ein roter Faden durchzieht die Rede vom Recht Gottes das Erste Testament: ER will, dass es gerecht zugeht unter den Menschen und Völkern der Erde. Gerechtigkeit ist konstitutiv für das Miteinander unterschiedlicher Individuen und orientiert sich durchgehend am Wohlergehen der Schwachen, Armen und Fremden, der Witwen und Waisen. Erst wenn es denen gut geht, die unter die Räder kommen, im Regen stehen, im Abseits leben, geht es allen gut! Auf Ausgleich und Solidarität zielt das Recht Gottes ab und nimmt die Gebeugten und Gebeutelten in Schutz. Im Dekalog wie in vielen weiteren Weisungen zum nachhaltigen Leben wird Gottes Recht konkret: in Geboten, die das Leben schützen und Frieden stiften, die dem Menschen Freiraum gewähren und die Freiheit des Nächsten achten.

 

Anregungen zur Predigt

Zugang 1:        
Wie viel Mühe macht es, von Sturm oder Menschenhand geknickte Blumen wieder aufzurichten, die traurig herabhängenden Stängel behutsam hoch zu heben und an einen Stab zu binden? Wie viel Geduld und Puste braucht es, ein fast schon erloschenes Feuer neu anzufachen, kleines Holz nachzulegen und auf Knien frische Luft in die glimmende Asche zu blasen? Diese Bildworte für das achtsame und zugleich zielstrebige Handeln des Gottesknechtes - übrigens im krassen Widerspruch zu der Wegwerf-Mentalität unserer Zeit - lassen sich im Gottesdienst nicht nur sprachlich auf ihre Bedeutung für damals und heute befragen, sondern auch real darstellen: mit den Blumen am Altar und den letzten Christbaumkerzen!

 

Zugang 2:        
Der Predigttext ist ein Lied! Und Lieder sind zum Singen geboren, sprechen Leib und Seele, Gefühl und Verstand an. Lieder sind mehr als vertonte Sprache und erreichen die Menschen mit Wort und Melodie, erzählen singend das Leben aus Freude und Glück, Streit und Elend. Das alte Lied vom Gottesknecht kontrastiere ich mit dem neuen Kantus vom Menschensohn und befrage die Nachdichtung „Jesu, meine Freude“ von Gerhard Schöne (www.gerhardschoene.de) auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede:

 

Jesu, meine Freude, meines Herzens Weide, Jesu, wahrer Gott.

Wer will dich schon hören? Deine Worte stören den gewohnten Trott.

Du gefährdest Sicherheit. Du bist Sand im Weltgetriebe. Du, mit Deiner Liebe.

Du warst eingemauert. Du hast überdauert Lager, Bann und Haft.

Bist nicht totzukriegen; niemand kann besiegen deiner Liebe Kraft.

Wer dich foltert und erschlägt, hofft auf deinen Tod vergebens, Samenkorn des Lebens.

Jesus, Freund der Armen, groß ist dein Erbarmen mit der kranken Welt.

Herrscher gehen unter. Träumer werden munter, die dein Licht erhellt.

Und wenn ich ganz unten bin, weiß ich dich an meiner Seite, Jesu, meine Freude.

 

Matthäus 3, 13-17: Die Taufe Jesu

Anmerkungen zum Text

In ökumenischer Eintracht folgen die kirchlichen Lesungen den Lebenslinien von Johannes und Jesus und schildern nach Geburt und Familie zu Christfest und Epiphanias nun die erste Begegnung der inzwischen erwachsenen Männer - und die ist nach Matthäus nicht frei von erheblichen Spannungen! Der synoptische Vergleich zeigt die deutliche Erweiterung des knappen markinischen Taufberichts und seine Umgestaltung zu einer Offenbarungsgeschichte: der ebenso spontanen wie heftigen Verweigerung der Taufe zur Umkehr durch den Bußprediger antwortet Jesus mit dem Gebot zum Gehorsam gegenüber der Gerechtigkeit Gottes. Das ist neu und stellt dem Verständnis von Gerechtigkeit als Ausdruck der unbedingten und exklusiven Bundestreue Gottes nun die notwendige Entsprechung auf Seiten der Menschen gegenüber: Recht und Gnade, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sind nicht mehr allein Gaben und Vorgaben Gottes, sondern werden auch zu Aufgaben der Menschen. Wie im Gottesknechtslied von Jesaja 42 vorgezeichnet ist auch bei Matthäus ein klarer Dreischritt zu erkennen: der Mensch, vom Geist des Höchsten begabt und der Gerechtigkeit ergeben, findet Gottes volles Wohlgefallen, ein Leben nach dem Herzen Gottes!

 

Bezüge zur Nachhaltigkeit

Ein Leben nach dem Herzen Gottes, ausgerichtet an den „Geboten der Freiheit“ und der „Gerechtigkeit, die Gott will“, wird nicht nur das eigene Wohlergehen im Blick haben, sondern auch das Geschick der Nächsten, die Bewahrung und Stärkung des Friedens, den politischen und sozialen Ausgleich, die Freude und Erhaltung der von Gott geschenkten und anvertrauten Schöpfung. Mit Wasser und Geist wird Jesus getauft, Gaben des Lebens, die mehr und mehr bedroht sind. Weltweit dürsten Millionen von Menschen nach frischem, sauberem Trinkwasser als elementarem Lebensmittel; gleichzeitig werden weltweit Wasservorkommen privatisiert, Nutzungsrechte eingeschränkt und der öffentlichen Kontrolle entzogen. Ebenfalls weltweit werden geistige und geistliche Freiheiten eingegrenzt, Glaubens- und Religionsfreiheit beschnitten, das Recht des freien Denkens und Redens beschränkt. Das kann nicht im Sinne Jesu und Geiste Gottes sein und fordert auch und gerade von den zur Gerechtigkeit Getauften deutliche Worte und eindeutiges Handeln.

 

Anregungen zur Predigt

Ein weißer Waschlappen, darauf ein rotes Kreuz gestickt und eine Schleife als Geschenkband: das war ein Gottesgeschenk, das „Jahr der Taufe“ in 2011! Wer erinnert sich noch daran und wer der eigenen Taufe? Taufe geschieht nur einmal, ist aber keine Tat für einen Tag. Taufe will ins Leben hinein, erleben und verändern, will bewegen und erneuern, ist langfristig und nachhaltig! Taufe ist und bleibt Geschenk, von Gott gegeben, von Jesus erlebt, von Christus geboten - einmalig wie das Leben selbst und schnell vorbei wie der Tauftag oder das Taufjahr. Aber Taufe ist ein Geschenk mit Langzeitwirkung: das Wasser perlt ab, aber der Geist bleibt; das Haar ist wieder trocken, doch das Herz bleibt bei Gott. So hat Jesus seine Taufe erlebt: …

 

Apostelgeschichte 10, 34-38: Die Rede des Petrus vor Kornelius

Anmerkungen zum Text

Der Abschnitt ist ein kurzer Auszug aus einer längeren heilsgeschichtlichen Rede des Petrus vor dem römischen Hauptmann Kornelius in Cäsarea, eine kleine Begebenheit in der großen Missionsgeschichte der ersten Christenheit. Angebahnt wird die Begegnung des gottesfürchtigen (proselytischen) Befehlshabers mit dem jüdischen Jesus-Jünger durch zwei merk-würdige Visionen, die die engen Grenzen von drinnen und draußen, rein und unrein in Frage stellen. Doch für sich betrachtet machen sie den einen nur erschrocken und den anderen ratlos. Erst als die zwei grundverschiedenen Männer einander gegenüber stehen und auf Augenhöhe (V. 25-26!) ihre Erfahrungen mit der Geistesgegenwart Gottes erzählen, lösen sich Rätsel und Spannung gleichermaßen, verstehen die Beiden im Rückblick das Erlebte als Führung und Fügung Gottes. Nun fallen die ethnischen Mauern, kulturellen Schranken und religiösen Grenzen. Jetzt gilt nicht mehr du oder ich, Besatzer oder Besetzter, Jude oder Heide, vielmehr ist „in jedem Volk bei Gott willkommen, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist“ (V. 35). Wen wundert’s, dass das Ganze in einem großen Tauffest mündet?

 

Bezüge zur Nachhaltigkeit

Begegnung auf Augenhöhe: das ist seit einigen Jahren zu Recht das Credo ökumenischer Kirchenpartnerschaften. Einander wahrnehmen in aller Unterschiedlichkeit und Individualität und einander annehmen als Kinder Gottes und Jesu Geschwister trotz aller Differenzen in Herkunft, Hautfarbe und Habitus. Über allen Trennungen in Kontinente und Kirchen nicht das Verbindende übersehen und Gemeinschaft erleben im gemeinsamen Glauben, Reden und Handeln als weltweite Kirche Christi. Dazu zählen auch die Ehrlichkeit, das ungerechte Armutsgefälle von Nord nach Süd nicht schön zu reden - der Mut, entschieden gegen Hunger dort und Lebensmittelverschwendung hier vorzugehen - die Offenheit, auch unterschiedliche Interessen und Meinungen an- und auszusprechen. Bemerkenswert weitherzig fragt Petrus am Ende: Kann denn jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben?

 

Anregungen zur Predigt

Von Fremdheit und Freundschaft: der Titel des Partnerschaftshandbuches der Vereinten Evangelischen Mission VEM (www.vemission.org) weist auf das spannende und manchmal spannungsreiche Miteinander unterschiedlicher Kirchen hin. Mission und Entwicklung sind nicht frei von Brüchen und Verwerfungen. Nähe und Distanz wollen ausgehalten werden; Fremdes und Vertrautes gilt es miteinander zu teilen; Vielfalt ist schön, aber auch anstrengend. „Nenne du nicht unrein, was Gott für rein erklärt!“ (V. 15) Denn über allem Fremd- oder Freundsein, jenseits von Sympathie oder Ablehnung verbindet Christus die Christen mit- und untereinander: ER ist unser aller Friede!

 

Martin Ahlhaus

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