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Epiphanias / Erscheinung des Herrn (06.01.14)

Epiphanias / Erscheinung des Herrn

 

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
2 Kor 4, 3-6 Jes 60, 1-6 Eph 3, 2-3a.5-6 Mt 2, 1-12

 

Am Epiphaniastag, dem altkirchlichen Termin des Christfestes, sprechen die Text der verschiedenen Lesungen von der universalen Bedeutung des göttlichen Heils. „Zionswallfahrt“ (Jes 60) oder die Geschichte von den drei Weisen/Magiern/Königen aus dem Osten (Mt 2) machen deutlich, dass Gottes Heilsgeschehen die ganze Welt betrifft. Die Reflexion der beiden Texte aus dem Corpus Paulinum auf die Rolle der „Heiden“ führt ebenfalls zu einem weltweiten Horizont.

Vor diesem Hintergrund bietet es sich an, in der Predigt die Frage nach dem zukunftsfähigen, nachhaltigen Miteinander der Weltgemeinschaft zu stellen und zu überlegen, welchen Beitrag zu dessen Gelingen christliche Gemeinden und Kirchen leisten können.

 

2. Kor 4, 3-6

In den Worten des Paulus klingt an, was später als die Lehre von der „doppelten Prädestination“ bezeichnet wird: Gott hat Menschen zum Glauben erwählt, aber Gott hat auch Menschen zur Verderbnis verblendet.

An einem Tag wie dem Epiphaniastag, der die universale Bedeutung des Heilsgeschehens betont, kann dieser dogmatische Topos ruhig kritisch hinterfragt werden: Können wir uns unser Heil wirklich auf Kosten der anderen vorstellen? Schon Karl Barth hat die Lehre von der Prädestination zum Verderben kritisch hinterfragt.

Die Worte des Apostels müssen jedoch nicht unbedingt als Lehraussage verstanden werden, man kann sie mit einer Verortung im Sitz des Lebens des Apostels auch als pädagogisch-seelsorgerlichen Rat lesen: Trotz aller Erfolge erfährt Paulus immer wieder, dass er mit seiner Predigt nicht bei allen Menschen „ankommt“. Paulus entlastet sich selbst – und alle, die ähnliche Erfahrungen kennen – mit dem Hinweis darauf, dass Gott selbst diesen Menschen das Herz verstockt hat.

Mit Scheitern und Ablehnung umgehen können – für alle, die sich engagieren (egal ob für das universale Heil oder eine bessere, lebenswerte Welt), ist dies immer wieder eine Herausforderung: sich nicht verhärmen, dialogbereit bleiben, die eigenen Erfolge nicht klein reden – und darauf hoffen, dass Gott selbst vielleicht doch noch Möglichkeiten hat, die Verstockung aufzuheben.

Diese entlastende Botschaft können am Epiphaniastag auch Menschen hören, die sich für eine gerechtere und nachhaltig lebensfähige Welt engagieren.

 

Jes 60,1-6

Die Herrlichkeit Gottes strahlt von Jerusalem und dem Zion aus in die ganze Welt. Alle Völker der Welt bringen ihre Schätze an den Ort dieser Herrlichkeit.

Ein großes Bild, das aber doch erschreckt, wenn man an die Geschichten der Kolonialzeit denkt: Die Schätze der Völker des Südens wurden in die Zentren der damaligen Welt gebracht – und noch immer leiden die Länder des Südens unter dieser Geschichte der Ausbeutung.

Natürlich gibt es Unterschiede zwischen der Kolonialgeschichte und der eschatologischen (!) Vision der Völkerwallfahrt: Die Völker des Südens brachten ihre Schätze nicht freiwillig, sondern wurden dazu gezwungen, das Ziel waren die Zentren der politischen Macht, nicht der Tempel – obwohl die Kirche(n) der Ausbeutung nur allzu selten Einhalt geboten haben.

Wer am Epiphaniastag über eine nachhaltige Weltordnung nachdenken will, kann aber diese Spannung zwischen Vision und Geschichte für weitere Überlegungen fruchtbar machen. Am Ende der Predigt sollte dann die Vision eines nachhaltigen Miteinanders der Völker zu stehen kommen.

 

Eph 3,2-3a.5-6

Welch’ epochale Wendung es bedeutet, dass auch die Heiden Anteil an dem Heil durch den Messias (Christus) haben, macht der Autor mit dem Hinweis deutlich, dass ihm diese Erkenntnis „durch Offenbarung“ zu Teil wurde. Hätten der Apostel Paulus und seine Gemeinden nicht diese Öffnung zur ganzen Welt vollzogen – und auch gegenüber dem judenchristlich orientierten Teil der jungen Kirche verteidigt -, dann wäre das Christentum wohl eine kleine jüdische Splittergruppe geblieben.

Die durch Offenbarung gegebene Einsicht aber ermöglicht eine weltweite Gemeinschaft von Gleichen, weil alle in gleicher Weise Schwestern und Brüder Jesu Christi sind.

Wie das Christentum als weltweite Gemeinschaft der Gleichen mit der schreienden Ungleichheit und Ungerechtigkeit weltweit umgeht, das kann zum Thema der Predigt werden. Sie sollte dann allerdings nicht bei allgemeinen politischen Forderungen stehen bleiben, sondern deutlich machen, wo die Gemeinde und jedeR einzelne sich für Veränderung engagieren kann (z.B. keine Grabsteine aus Kinderarbeit auf dem gemeindlichen Friedhof, Einkauf fair gehandelter Produkte).

 

Mt 2,1-12

In der altkirchlichen Tradition werden die drei Weisen/Magier/Könige gerne als Repräsentanten der drei damals bekannten Erdteile verstanden: Die ganze Welt kommt den Christus anzubeten! Im Bekenntnis unseres Glaubens sind wir heute als Christinnen und Christen tatsächlich weltweit miteinander verbunden. Insbesondere im Ökumenischen Rat der Kirchen hat diese weltweite Verbundenheit seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs immer wieder dazu geführt, dass Probleme und Herausforderungen, die für die Länder des Südens drängend waren, im Norden aber noch kaum wahrgenommen wurden, thematisiert und letztendlich auch auf die internationale politische Agenda gesetzt wurden. Dazu gehört nicht zuletzt das Thema „Bewahrung der Schöpfung“.

Die Predigt kann die Verantwortung benennen, die aus der weltweiten Verbundenheit der Christinnen und Christen entsteht. Sie kann die Erfolge der Ökumenischen Bewegung (oder auch des Konzils, hier hält sich der Protestant in der Bewertung zurück) benennen und ggf. mit der Geschichte anderer internationaler Organisationen vergleichen. Am Ende sollten Handlungsmöglichkeiten für die eigene Gemeinde und ihre Mitglieder zur Sprache kommen.

 

 

Wolfgang Schürger

 

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