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Gründonnerstag (28.3.13)

Gründonnerstag

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
2. Mose 12, 1.3-4.5-7.11-14 Chrisam-M.:       Jes 61, 1-3a.6a.8b-9
Abendmahl-M.:  Ex 12, 1-8.11-14
Offb 1, 5-8
1 Kor 11, 23-26
Lk 4, 16-21
Joh 13, 1-15


Gründonnerstag ist kein Feiertag, sondern ein ganz normaler Werktag. Die meisten evangelischen Gottesdienste werden am Abend gehalten. In den katholischen Kirchen werden am Vormittag in den Bischofskirchen die heiligen Öle geweiht, der Chrisam für die Salbung nach der Taufe, für die Firmung, die Weihe des Bischofs und der Priester, auch für die Weihe von Kirchen und Altären, das Krankenöl für die Salbung von Kranken ( vgl. die Lesungstexte von Jes 61, 1-3a.6a.8b.-9; Off 1, 5-8; Lk 4, 16-21). . In den katholischen Kirchen werden einzelnen Gemeindeglieder die Füße gewaschen in Erinnerung an Jesu letztes Abendmahl, vgl.: Joh 13, 1-13. Tischabendmahle und Agapefeiern findet man in den evangelischen Kirchen als Alternative zu den traditionellen Gottesdiensten.

(Bild: Blick über die Sommerfelder bei Freimersheim, Foto: Privat)

Die Bedeutung des Wortes „Gründonnerstag" kennen immer weniger Menschen. Das Wort „Grün" wird aus dem mittelhochdeutschen „Greinen = Weinen" hergeleitet. Jesus weint im Garten Gethsemane und bittet Gott den Kelch des Leides an sich vorübergehen zu lassen. Über diesen Abschnitt aus den Evangelien wird an diesem Tag nicht zu predigen sein.
An diesem Tag haben manche Geschäfte sogar bis 22 Uhr geöffnet. Die Ostereinkäufe müssen erledigt werden. Bei einem Besuch dieser „Konsumtempel" offenbart sich Erstaunliches: Viele Familien sind spät abends unterwegs, nutzen die freie Zeit um gemeinsam einzukaufen. Die meisten Menschen unserer Zeit definieren sich über das „Haben" und weniger über das „Sein" (vgl. Erich Fromm: „Haben und Sein".) Der scheinbar sinnstiftende Konsum bestimmt die Existenz des Menschen im 21. Jahrhundert. Das Zauberwort heißt Wachstum. Wir müssen immer mehr konsumieren, damit die Wirtschaft floriert und damit wir Arbeitsplätze erhalten und der Euro stabilisiert wird. Wir produzieren in den armen Ländern billig, nehmen dabei anderen Menschen die Lebensqualität, wenn diese als „Billiglöhner" unter unmenschlichen Bedingungen, die Menschen und Umwelt zerstören, arbeiten. Wir leben auf Kosten anderer und merken gar nicht mehr wie abhängig wir vom materiellen Wohlstand geworden sind. Wer nicht mithalten kann, der muss seinen Platz am Tisch des Wohlstandes aufgeben. Dazu gehören Kranke, alte Menschen und Behinderte. Haben Alternativmodelle, die Nachhaltigkeit beinhalten, überhaupt eine Chance? Sind wir bereit dem lebensstiftenden Gott, dem Schöpfer unserer Welt, zu vertrauen?

In den Texten, die für diesen Tag vorgeschlagen sind, ist von einer gravierenden Veränderung die Rede. Der aus der evangelischen Predigtreihe stammende aus dem Buch Ex 12, 1.3-4.5-7 und dem in kath. Lesungsreihe Ex 11, 1-8.11-14 mit kleinen Veränderungen zu dem evangelischen Predigttext, ist von der Einsetzung des Passahmahls die Rede. In ihr wird der Vorabend der Befreiung aus der Sklaverei geschildert. Dieser Auszug des Volkes Israel ist nur mit Opfern zu haben, Tieropfer (die Tötung der Lämmer) und die Tötung der Erstgeborenen der Ägypter.


Das Notwendigste muss gepackt werden, anderes zurückgelassen und das Brot wird ohne Sauerteig gebacken werden. Es muss schnell gehen. Zum eigenen Schutz werden die Pfosten der Türen mit Blut bestrichen. Die Freiheit hat ihren Preis und ist anstrengend. In der Predigt möchte ich von folgenden Fragen ausgehen: Was sind wir bereit zu opfern, um ein Leben in wirklicher Freiheit zu führen und im Sinne der Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit? Gehören Kriege um Rohstoffe dazu? Was sind wir bereit zurückzulassen von unserem Wohlstand, um auszuziehen von unserer Bequemlichkeit, um gleichzeitig frei zu werden von unseren Anhängigkeiten? Wenn wir uns entschlossen haben, andere Wege zu gehen, nehmen wir dann auch die lange Strecke durch die Wüste in Kauf, die gleichbedeutend ist mit Durststrecken, Unbequemlichkeiten und Scheitern? Oder vertrauen wir dem, der uns in das gelobte Land führt? Wie viel Zeit haben wir noch, um uns zu verändern? Um unseren Enkel und Enkelinnen die Erde zurücklassen, als einen Planet, der bewohnbar ist? Wann ist der Kairos zum Auszug und zur Umkehr, oder haben wir ihn schon verpasst?
In diesen Tagen, als ich diese Predigtvorbereitung schreibe, ist der Gipfel von Rio zur Nachhaltigkeit zu Ende gegangen. Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel hat nicht teilgenommen, weil die Rettung des Euros ganz oben auf ihrer Agenda stand. Das Ergebnis dieser Konferenz in Rio sind Absichtserklärungen und keine Verbindlichkeiten von Seiten der Staatengemeinschaft.

(Bild: Kornfeld mit Roggenähren, Foto: Privat)

„Das eigentliche Ziel des Gipfels, die vor 20 Jahren verabschiedeten Prinzipien weiterzuentwickeln und umzusetzen, sei nicht erreicht worden, kritisierte Felmberg am heutigen Montag in Berlin." (aus: www.ekd.de, Pressemitteilung vom 25.6.2012)

„Im Scheitern von Rio, so Felmberg weiter, liege indessen auch eine Chance. Nun müsse man sich verstärkt dem „Handeln im eigenen Haus" zuwenden. „Unabhängig von globalen politischen Weichenstellungen haben wir als Christinnen und Christen die Verpflichtung, uns dafür einzusetzen, dass das Prinzip der Nachhaltigkeit in gesellschaftlichem Handeln und in unserem persönlichen Lebensstil fest verankert wird. Unsere Verantwortung für die Schöpfung und für unsere Nächsten ruft uns selbst zu einer Umkehr in unserem Denken und Handeln." (ebenda). Scheinbar ist es noch nicht zu spät, aufzubrechen in die Freiheit.

Gottes Handeln zu seinem Volk Israel ist konsequent: Gott verspricht ihnen die Freiheit und verpflichtet sich gleichzeitig sein Volk zu begleiten. Gott kennt in diesem Fall keine Absichtserklärungen. Am Ende schließt es verbindliche Verträge ab, die er konsequent einhält.

 

Texte für die Chrisam-Messe (kath.):

Jes 61, 1-3a.6a.8b-9 und Off 1, 5-8; Lk 4, 16-21

Wenn ich in den einleitenden Worten zu Gründonnerstag davon sprach, dass Menschen ihren Sinn in materiellen Dingen suchen, dann weisen die Texte zur Chrisam-Messe auf anderes hin. Der Geist Gottes bewirkt in Menschen ein anderes Handeln. In Jesaja 61 wird ausgeführt, dass die gute Botschaft immer einen zutiefst ethischen und politischen Aspekt beinhaltet: Es geht um die Gerechtigkeit, die „Dikaiosyne" im umfassenden Sinn. Diese Gerechtigkeit ist zutiefst demokratisch, alle können an ihr teilhaben; sie sind alle Priester und Priesterinnen des Herrn. Das wird im dritten Textabschnitt (Lk 4, 16-21) noch einmal aufgenommen, jetzt ist derjenige, der die frohe Botschaft verkündet, Jesus Christus selbst, mit ihm beginnt das neue Zeitalter der Hoffnung.
In dem zweiten Text, Off 1, 1-5, hat Jesus Christus durch sein Handeln, in diesem Fall seinen Tod und die Auferstehung, für uns alle das Königsrecht erkauft.
In allen drei Texten steht die Teilhabe der Menschen an der Gerechtigkeit Gottes im Vordergrund. Von diesem Begriff aus möchte ich in den Predigten nachfragen, was bedeutet das heute in unserer Zeit „Gerechtigkeit". Die Gerechtigkeit im biblischen Sinne, hat ihren Anfang in Gottes Handeln, und sie ist noch nicht zu Ende gebracht. Ganz im Gegenteil: Wir als Christen und Christinnen stehen in dieser Tradition der Priester und Priesterinnen, die durch Jesus Christus den Zugang zu Gottes Heilshandeln bekommen haben. Die entscheidende Frage ist: Wie handeln wir in unserer Zeit als vom Geist Gottes beschenkte Menschen? Das gleiche Thema möchte ich in den Abendmahlstexten aufnehmen.

 

Die Abendmahlstexte:

1.Kor 11, 23-26 und Joh 1, 1-15

Das Feiern des Mahles geschieht in drei Zeitebenen und vereinigt vier Aspekte der Theologie: Es verweist auf den Ursprung. Jesus Christus hat dieses Mahl eingesetzt (Christologie). Die Freiheit, die wir als Christenmenschen haben ist begrenzt und zugleich unendlich ( vgl. Martin Luther „Von der Freiheit eines Christenmenschen"), sie wird begrenzt von Gottes Handeln und gleichzeitig übersteigt sie weltliches Geschehen. Das Mahl stiftet Gemeinschaft über die Grenzen der Menschen hinweg, alle Getauften sind eingeladen teilzunehmen, auch wenn an dieser Stelle der Hinweis auf die schmerzlichen konfessionellen Trennungen sein muss. An diesem Tisch des Herrn ist ein Neuanfang möglich. Hier geht es um das ganze Leben der Gemeinde, das teuer durch den Tod Jesu erkauft wurde ( Ekklesiologie).
Die Freiheit ist nicht kostenlos zu haben, sie hat ihren Preis (vgl. Erläuterungen zu Ex 12).
Das Mahl verweist auf die Zukunft, es wird einmal alles anders sein. Herrschaftsverhältnisse werden umgedeutet werden vgl. dazu: Joh 13, 1-15: Jesus wäscht seinen Jüngern die Füße (Eschatologie).
Von dem theologischen und zeitlichen Aspekt gesehen ist das Feiern des Mahles ein dynamisches Geschehen: es nimmt seine Kraft aus der Vergangenheit, es stiftet jetzt die Gemeinschaft und wirkt dabei in die Zukunft. Der Geist Gottes ist diese Kraft, die das möglich macht.

(Bild: Weintrauben nach der Blüte, Foto: Privat)

Der Tisch des Herrn ist ein völlig anderes als der Tisch des Wohlstandes unserer Zeit. Hier werde ich nicht nach dem bewertet was ich habe, sondern wie ich bin. Ich bin angenommen mit meinen Fehlern und Schwächen. Die Frage, die ich in der Predigt nachgehen möchte: Wir sind Teil des Leibes Christi, wo können wir im Geiste Gottes handeln? Wo können wir Menschen einladen, die ausgegrenzt sind, wie können wir uns einsetzen für gerechtere Arbeitsbedingungen und damit für nachhaltiges Wirtschaften?
Wenn Jesus Christus sich selbst darreicht, ein für alle mal Opfer gewesen ist, wieso opfern wir so vieles unserem Wohlstand: Umwelt, Tiere und Menschen? Müssen wir nicht endlich sagen: es ist genug der Opfer - Basta?


Elke Wedler-Krüger

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