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9. Sonntag nach Trinitatis / 17. Sonntag im Jahreskreis (28.7.13)

9. Sonntag nach Trinitatis / 17. Sonntag im Jahreskreis

 

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Mt 13, 44-46 Gen 18, 20-32 Kol 2, 12-14 Lk 11, 1-13

 

Stellung im Kirchenjahr und im profanen Jahr

Die ‚grüne' Zeit im Jahreskreis zeigt seit gut einem Monat, dass die Normalität nach den großen Festen (Ostern, Pfingsten, Christi Himmelfahrt, Fronleichnam) wieder eingekehrt ist. Priester, Pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagierte Ehrenamtliche können sich etwas entspannen. Fast ganz Deutschland hat an diesem Sonntag Sommerferien, Bayern steht kurz davor. Viele werden Gottesdienste an ihren Urlaubsorten mitfeiern und sind möglicherweise auf Grund der Erholungssituation aufnahmefähiger für die Botschaft.

 

Evangelischer Lesungstext: Mt 13, 44 – 46
(ökumenischer Hinweis: befänden wir uns im Lesejahr A, würden auch die Katholiken an diesem Sonntag dieses Gleichnis hören)

Exegetische Überlegungen:
Die Gleichnisse vom Schatz, von der Perle und vom Fischernetz bilden zusammen mit einem kurzen Dialog Jesu mit seinen Jüngern den Abschluss der Gleichnis-Rede von Mt 13. Literarkritisch betrachtet handelt es sich bei dieser Perikope um Sondergut, mit dem Mt seine Vorlage Mk 4 ergänzt. Formgeschichtlich greifen sowohl das Gleichnis vom Schatz wie das von der Perle auf bekannte Motive volkstümlicher Erzählungen zurück. Die Gleichnisse vom Schatz und von der Perle finden sich auch im apokryphen Thomas-Evangelium.

Predigtimpulse:
Bei beiden Gleichnissen geht es um das Himmelreich
Beim Gleichnis vom Schatz ist im Urtext auffallend, dass das Finden des Schatzes in der Vergangenheit, das Handeln des Mannes, nämlich der Erwerb des Ackers in der Gegenwartsform. Das bringt eine Dynamik rein, die durch die beschriebene Freude noch unterstrichen wird.
Die Aussage des Gleichnisses von der Perle geht in eine ähnliche Richtung. Hier wird zwar alles in der Vergangenheit beschrieben, dafür ist bei dem Kaufmann, der bewusst sucht – im Gegensatz zu dem Mann der wohl eher zufällig, evtl. beim Pflügen, auf den Schatz gestoßen ist, eine gewisse Zielgerichtetheit, sogar Professionalität zu erkennen.
Beide reagieren mit großer Radikalität: das, was sie als wertvoll erkannt haben, nimmt fortan einen zentralen Platz in ihrem Leben ein.

Bezug zur Nachhaltigkeit:
Der Mann und der Kaufmann haben, teils zufällig, teils nach längerer Suche das gefunden,
was ihnen als das Wertvollste überhaupt erscheint. Ohne Furcht, sich lächerlich zu machen, einmal mittellos dazustehen oder zu kurz zu kommen, geben sie alles für diesen Schatz. Sie setzen alles auf eine Karte... um des Himmelreiches Willen... sie engagieren sich zu 100%.

 

1. Lesung: Gen 18, 20 – 32

Textzusammenhang:
Es geht um Abraham, der, kurz nachdem ihm die Verheißung zuteil geworden ist, dass er einen Sohn bekommen soll, von Gott in dessen Pläne eingeweiht wird, Sodom und Gomorrha zu zerstören und der mit ihm handelt und bittet von der Strafe wegen der in den Städten lebenden Gerechten (vielleicht 50, 30, oder aber nur zehn) abzusehen, worauf Gott eingeht.

Predigtimpuls:
Abraham wagt das scheinbar Unmögliche, nachdem er Gott bereits als den erfahren durfte, der die Grenzen der menschlichen Vorstellungskraft überwinden kann: er handelt mit ihm, wobei man schon merkt, dass er vor jedem neuen ‚Anlauf' etwas zögert, so, als wolle er es sich mit seinem Gesprächspartner nicht verderben, dann aber doch sein Anliegen ausspricht.

Bezug zur Nachhaltigkeit:
Abraham als Anwalt der Gerechten, der möglicherweise wenigen Gerechten, die es in einer ‚sündigen' (was immer das auch heißen mag, in biblischer Zeit und heute) Struktur gibt, um derentwillen es aber gilt, nicht aufzugeben. In allen Anliegen der Welt darauf vertrauen, dass Gott mit uns ist und das Heil des Menschen will.

 

2. Lesung: Kol 2, 12 – 14

Kurzer Hinweis: aufgrund der Dichte der Ersten Lesung und des Evangeliums und da ich einen Bezug zur Nachhaltigkeit nicht wirklich sehen kann, würde ich auf einen näheres Eingehen auf Kol 2, 12 – 14 verzichten.

 

Evangelium: Lk 11, 1 – 13

Exegetische Überlegungen:
Auf dem Weg nach Jerusalem bitten die Jünger Jesus, sie beten zu lehren (Lk 11, 1).Darauf folgt Jesu erste Rede zum Erzählkreis Beten und Bitten (VV 2 – 13) mit dem Herrengebet (VV 2 – 4), einer Gebetsunterweisung (VV 5 – 8) und –aufforderung (VV 9 – 13). In Lk 11,14 beginnt dann eine Heilungsgeschichte, die Erzählung einer Dämonenaustreibung.

Predigtimpuls:
Es geht um das Gebet, Jesus will uns zum Beten ermutigen, er gibt uns eine ‚Anleitung' im Vater unser, in der Bitten, die unser ganzes Leben umfassen, formuliert sind. In der gleichen Perikope schließt sich das Gleichnis vom bittenden Freund an, in dem die Güte Gottes hervorgehoben wird als Vergewisserung, dass die, die sich vertrauensvoll an ihn wenden, Gehör finden werden, wo doch schon wir (oft bösen) Menschen Bitten aufgrund ihrer Beharrlichkeit nachkommen. Letzteres wird in den VV 9 – 13 explizit betont.

Bezug zur Nachhaltigkeit:
Hier würde ich den Akzent auf die Vater unser-Bitte „Dein Reich komme" legen (Lk 11, 2b). der Begriff des Reiches Gottes bzw. des Himmelreiches, wie es bei Mt heißt, ist schwer zu definieren; jede und jeder versteht darunter etwas anderes, genauso wie manche es im Jenseits verorten, sich andere aber dessen bewusst sind, dass es schon unter uns angebrochen ist. Wenn wir um das Kommen des Reiches Gottes bitten, gilt es, im Blick zu haben, dass dieses Reich auch durch unser Handeln erfahrbar gemacht werden kann, indem wir mithelfen, für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung zu sorgen. In dieser Perikope treffen ‚Ora et Labora' oder wie der Gründer von Taizé, Roger Schütz, es nennt: Kampf und Kontemplation zusammen: vertrauensvoll beten und beherzt handeln.

 

K. Silano

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