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13. Sonntag nach Trinitatis / 21. Sonntag im Jahreskreis (25.8.13)

13. Sonntag nach Trinitats / 21. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Mt 6, 1-4 Jes 66, 18-21 Hebr 12, 5-7.11-13 Lk 13, 22-30



Leben ist nicht ein Problem, das gelöst, sondern ein Geheimnis das gelebt werden will." H.Pawlowski
Das Gleiche gilt für die Frage nach Gerechtigkeit und Rettung – sie wollen, mit Blick auf den Nach-Hall, schon im Jetzt aktiv umgesetzt werden.

In allen Texten ist, durch ihr Thematik des (neuen) Reiches Gottes, Nachhaltigkeit impliziert.
Mt 6, Jes 66 und Lk 13 setzen sich mit der Frage nach gerechtem Handeln und dem widerfahren von Gerechtigkeit auseinander. Dazu gehört die Ermunterung, trotz negativer Erfahrungswelten, durchzuhalten. Hier schließt Hebr 12 mit einer Reflexion von Erziehungserfahrungen („per aspera ad astra") an. Rettung/Hinein-Kommen des Reiches Gottes ist möglich, braucht allerdings aktives Handeln aus der inneren Verbindung mit Gott heraus.

Der 13. So n.Trinitatis ist auf Mt 6 focusiert. Die wahre Liebe zu Gott drückt sich nicht im eigenen „Zur-Schau-stellen" aus.
Der 21. So i. Jahreskreis stellt die Frage nach „Rettung" angesichts der Not der Welt in den
Mittelpunkt.

 

Mt 6,1-4  -  Vom richtigen Geben

Exegetische Hinweise:
Innerhalb der BP ist Mt 6,1-4 lukanisches Sondergut. V.1 legt die Grundsatzthese zum Thema des 6. Kapitels: „Werke der Liebe". Mt unterstellt dem Leser ganz zweifelsfrei, dass er Gerechtigkeit lebt.
V.2-4 ist eine Art frühjüdischer Spruch. Taten der Barmherzigkeit sind nicht in der Thora vorgeschrieben, doch gelten sie, als biblisch ausgewiesene verpflichtende Weisung und werden in der rabbinischen Tradition breit entfaltet. Das „Amen" stellt den eschatologischen Zusammenhang zum Weltgericht (Mt 25) her. Jesus, als Bote und Repräsentant des Reiches Gottes, identifiziert sich mit den Notleidenden und bringt ihnen in Wort und „in der Tat" die Barmherzigkeit Gottes (Herz-)nahe. Gerechtes Handeln ist Konkretion der Agape und Ausfluss dieser erfahrenen Nähe Gottes. Mt 6,1-4 profiliert dieses durch den Gegensatz zu Heuchelei und Scheinheiligkeit, der Versuchung der Frommen (Vater Unser Bitte). Jesus bringt eine neue Ethik der Freiheit (Losung: Goldene Regel), und grenzt sich gegen die äußerlich verwertbare jüdische Gesetzesfrömmigkeit ab. Die innere Haltung zählt, statt der Show des Gutmenschen. Der erhält seinen Lohn in gesellschaftlicher, medialer o.ä. Anerkennung (V.2). V.3f: „Almosen" sind uneigennützige Geschenke, ohne jegliche Erwartung an den Empfänger. Sogar vor mir selbst soll meine Unterstützung anderer unbekannt bleiben. Liebeshandeln ist selbstverständlich und nicht der Rede wert. Gott sieht das Herz. Ihm allein steht Vergeltung zu.

Nachhaltige Anregungen zur Predigt:
Der Text regt an sich selbst und/oder unser/mein egozentrisches Weltbild, zu reflektieren. Eine meditative Phase als Unterbrechung der Predigt, an geeigneter Stelle mag da hilfreich sein.
Wo stelle ich mich gerne dar, liebe „fishing for compliments", falle auf die Selbstdarstellung anderer herein, gehorche dem Gesetz des Marktes, den gesellschaftlichen Regeln, einem Rollenbild oder Vorurteilen? Wo lebe ich, lebt unsere Gesellschaft eigentlich nicht nach dem Prinzip: „Do, ut des."?
Wir stehen gut da in der Welt. Wir retten sie. Das ist Selbstbeweihräucherung. Statt des Nach-Halls bei Gott zählt die Verehrung unseres Ansehens und Wohlstandes. „Almosen" geben wir selten. Spender bekommen eine Bescheinigung für ihre Steuer, werden namentlich genannt. Wir schicken unsere Soldaten und Hilfskräfte zu den „Opfern". Beide Begriffe sind heute negativ konnotiert. Jugendliche beschimpfen sich gegenseitig als „Opfer". Empfänger zu sein (ALG II) ist peinlich, die tun ja nichts dafür. Meilenweit sind wir davon entfernt uneigennützig und aus reinem Herzen zu handeln.

Die BP fordert ein „auf den Kopf stellen" unseres Denkens und Handels, ein Um(kehr)denken. Nachhaltiger Ausfluss der Agape setzt Uneigennützigkeit voraus. Da „wäscht nicht mehr eine Hand die andere". Social sponsering geschieht ohne Hintergedanken. Die Eurorettung dient vor allem der gerechten Verteilung. Also auf zum Boykott im Sinne der global gedachten Goldenen Regel!? Ja. Mit Lebensstandard und Ansehen ist im Reich Gottes nicht zu punkten, ist Gerechtigkeit nicht zur segensreichen Wirkmächtigkeit zu verhelfen, eher schon durch „Occupy und „Greenpeace". Geld (ahd. Gelt) stand mal allgemeiner für Vergütung/Vergeltung. Mt 6 fordert uneigennützige Hin-Gabe an unsere Mitwelt, lohnfreies Dienen. Strauchelnd zwischen Wollen und Vollbringen „vergelt´s Gott." am Ende der Zeit (=> Jes 66, Lk 13).

 

Jes 66,18-21  -  Vom Weg zum globalen Frieden

Exegetische Hinweise:
Das Schlusskapitel des Tritojesaja beschäftigt sich mit einem möglichen Aussehen des „neuen Himmels und der neuen Erde". Mit dem Ende des Exils lässt Gott Gerechtigkeit, Trost und Heil walten. Eine Neuorganisation des Lebens im verheißenen Land, ein neuer Tempel und der Wiederaufbau der Stadt Jerusalem braucht auch eine neue Gesellschaftsordnung. Der „eved" wird berufen, die erlebte Gerechtigkeit Gottes darin zu verwirklichen.
V.18f stellt, das sichtbar Werden der „kawod" Gottes, in die universale Perspektive (vgl. Lk 13,30) der weltgeschichtlichen Berufung des Judentums zur Einigung der Völker am Heiligen Berg (vgl. Bergpredigt; Jes 40 „Völkerwallfahrt"). Die Namen verweisen auf die bekannte Welt des Mittelmeerraumes. Die Anwesenheit der Völker ist also von Gott gewollt, ein klarer Aufruf sie ins Boot des Glaubens zu holen und zu Toleranz und Einbindung.

V.20f Die „Geschwister" aus der Zerstreuung, Rückkehrer aus Babylon, z.T. dort assimiliert und Mitgenommene anderer Völker treffen auf im Land verbliebene Judäer, von denen viele (ohne Tempel kultunfähig) an Gottesdiensten benachbarter Völker teilgenommen hatten und auf Fremde, die sich in Jerusalem angesiedelt haben. Eine multikulturelle, –religiöse Gesellschaft die, bei aller Abgrenzung, doch aufeinander gewiesen wird. Wer reinen Herzens (vgl. Lk 13) geblieben ist wird Priesterschaft und Tempeldienst verstärken. Die Herkunft, auch die soziale (z.B. Levit) spielt dabei keine Rolle. Der Gottesdienst, die Religion wird die Vielfalt einen.

Nachhaltige Anregungen zur Predigt:
So ein kleines Volk, mit nur einem Tempel soll die Völker vereinen? Großes erwächst immer aus dem Kleinen. Ein typische Motiv der Bibel (z.B. David, Jesus) „Wenn viele kleine Menschen, an vielen kleinen Orten, viele kleine Dinge tun, wird sich das Angesicht der Welt verändern." Mit Higgs („Gottesteilchen") hat für die heutige Wissenschaft alles begonnen. Darin ist der Grund gemeinsamer Existenz gelegt. Mystiker sprechen vom „Urgrund des Nichts/Seins", Tillich vom „Unbedingten", Kafka vom „Unzerstörbaren". In vielen Religionen sprechen die Entstehungsmythen von einem ins Dasein „gerufen" sein durch das „Wort" oder Tonwellenteilchen. Auch das Liebesgebot und die Goldene Regel in verschiedensten Ausprägungen eint die Religionen dieser Welt, eint die Menschen, die „reine Gefäße" sind. Eine gute Basis für Küngs: Keine Weltfriede ohne Religionsfriede." Bis heute, historisch betrachtet, eine ungelöste Sache. Gilt doch zumindest für die monotheistischen Religionen Loisys Wort: „Jesus brachte das Evangelium, was kam war die Kirche."

Verantwortung für einander heißt Geworfensein aufeinander, sonst kann Friede, soziale, politische und ökologische Verteilungsgerechtigkeit nicht wachsen. Die Mitte der bekannten Welt braucht heute ein anderes Bild als „Jerusalem" oder „Berg". Die Welt ist ein Dorf – oder anders gesagt, der Zion, an dem sich Gottes Friede ausbreiten soll ist global zu denken. Globale Verantwortung ist gerechte Ressourcenverteilung, neue Wohnraumverteilung und Bodennutzung angesichts des Klimawandels, weltweite Strukturen des Willkommenseins und die Möglichkeiten Leben in eigener Verantwortung zu gestalten bringen ökonomischen, politischen, sozialen und wohl auch ökologischen Frieden. Es braucht keine restriktive Asylpolitik, Angst vor Überfremdung oder jahrzehntelange Nothilfe (manchmal nur um den Anbau von unsozialen „cash crops" oder Spekulationen mit Lebensmittel an der Börse aufrecht zu erhalten), wenn Menschen an ihren Orten, mit dem ihnen zustehenden Anteil an den Ressourcen vor Ort, selbstbestimmt leben können. Zur globalen Marktwirtschaft gehört das Prinzip der globalen Verantwortung.
Multikulti benutzt sich leicht im Urlaub am Mittelmeer, im Alltagsleben die „kawod" Gottes fühl- und sichtbar werden zu lassen bleibt eine Aufgabe, die im Vertrauen auf das Göttliche immer neu gelernt werden will (vgl. Hebr 12).

 

Hebr 12,5-7.22-30 - Erziehung ist Not

wurzelnfluegel 400Exegetische Hinweise:
Am Ende des Hebräerbriefes werden die Judenchristen, durch die Parusieverzögerung in Glaubenszweifeln, ermahnt. Sie sollen (V.5-7) in dieser Strafe/Prüfung („lasst nicht nach") Gottes Liebe und Zuwendung erkennen. Der Übungsweg (V.11) hat sein Ziel, friedvolle Früchte des gerechten Zusammenlebens, noch nicht erreicht. V.7-11findet sich par. im Midrasch rabbinischer Zeitgenossen (Gemeindeunterweisung: Sich und die anderen Mitmenschen („lahmen Glieder") hängen lassen bringt kein Heil werden.

Nachhaltige Anregungen zur Predigt:
Dieser Text dient der Geistlichen Begleitung und fordert zugleich „öffentliche Theologie" als Orientierungsquelle (V.13). Gelebter Glaube will gelernt, Urvertrauen reflektiert werden. Das ist ein Wachstumsprozess und wachsen bringt Schmerzen mit sich, körperlich, emotional und im finden sozialer Kompetenz. Da hilft kein Mitleid, keine Überbehütung oder ein „Ich will doch nur dein Bestes." Das ist unbewusst häufig an Bedingungen, wie gut funktionieren, Elternziele erfüllen o.ä. geknüpft. Der Text macht Mut in den Weg gelegte Steine zu Pflastersteinen (Eckstein Jeus) auf dem je ganz eigenen Weg zu machen. Elternliebe dient heute immer öfter sich selbst (vgl. Mt 6), statt der „dikaiosyne". Das führt zu warmer und kalter Verwahrlosung mit stetig wachsenden Raten an psychischen Erkrankungen, Kleinkriminalität und Suiziden bei Heranwachsenden, wie bei Alten. Nicht einmal in Maß-Regeln und Züchtigungen erhalten so manche Kinder Zuwendung. Oder diese sind so extrem, dass sie die Entwicklung des Kindes nachhaltig behindern. Was Kinder erleben lernen sie und geben es weiter. In jedem Erwachsenen schlummert das „innere Kind". Der Erziehungsnotstand betrifft alle. Eltern- und erziehernot braucht Ermutigung, Verständnis und vor allem öffentliche Unterstützung ohne erhobenen Zeigefinger. Entwicklungsbezogene Elterngesprächsabende könnte so manche Gemeinde organisieren, als erweiterte Kasualie Taufe, im Kindergarten oder in der Elternbegleitung bei Firmlingen und Konfirmanden. Welche Gesellschaft von morgen wollen wir?

 

Lk 13, 22-30  -  Wieviele werden gerettet werden?

Exegetische Hinweise:
Der Text steht im Kontext des lk Reiseberichtes, Ziel: Jerusalem, Ort der Epiphanie des Göttlichen (vgl. Jes 66, Hebr 12). In Lk 13 spiegelt sich die Naherwartung der Befreiungsbewegungen. Die Zerstörung des Tempels (religiöse Heimatlosigkeit) und die Zerschlagung des Widerstandes (nun Verfolgung) machte eine Korrektur der messianischen Naherwartung notwendig. Die Exilserfahrung des „Restes" kommt in Erinnerung. Wieviele werden diesmal gerettet werden? Jesu typische Antwort: kein „ja" oder „nein. Er fokusiert neu. Es braucht es ein neues Bild von Gemeinde, eine vor allem innerliche Beziehung zu Gott. Ihr seid Gottes Haus. In qualitativer Dimension des individuellen Handels im „Jetzt" mahnt Lk zu ausdauerndem „Kampf" im sittlichen Wettstreit Darin er-„kennt" Gott, der Hausherr die Seinen. Wie in Mt 6 zählt gewesene äußere Nähe, Gottesdienstbesuch, Gesetzestreue, Zugehörigkeit zum Juden(Christen-) tum nicht. Doch die Abweisungsformel (V.27) macht deutlich, Gott hört. Die Tür ist, bei aller Unberechenbarkeit Gottes, noch offen. Das Zitat Ps 6,9 weist auf die Bedrohung des Heils hin, die durch lebensvernichtendes Handeln entsteht. .Zu V.29 vgl. Jes 66. V.30 ist in der Umkehrung herkömmlicher Werte zugleich Ziel der Erzählung, als auch die Weisheit, dass erst vom Ende her klar werden wird, wer wirklich nachhaltig rettend gehandelt hat (vgl Mt 6).

Nachhaltige Anregungen zur Predigt:
Der Text gibt Raum für unsere Zweifel, für Mutlosigkeit angesichts der realen Welt. Verkämpfen wir uns umsonst? Hat Kirche noch Zukunft? Der Text ermutigt. Gottes Reich manifestiert sich im gerecht Leben, nicht in einer Institution oder in Gebäuden. Was bleibt? Die letzten Dinge entziehen sich unserer Kenntnis und unseren Einflusses. Wir müssen weder die die Kirche noch die Gesellschaft in der jetzigen Form retten. Luthers „Ecclesia semper reformanda." Was darin Unrecht ist, Leben zerstört, soll „weichen". Dazu gibt es keinen Kriterienkatalog, keine Entscheidung der Anderen, nichts mit dem ein Mensch sich entschuld(i)gen könnte, was als Feigenblatt dienen könnte. Elektroauto statt weniger Fahren, Filteranlagen statt geringerer und haltbarer Produktion, grüner Punkt statt Verpackungsreduktion, grüner Strom statt Strom sparen, Biosiegel im Discounter statt all das weder zu kaufen noch zu produzieren, was wir sowieso wieder wegschmeißen. Fair Trade Produkte als alleiniges Mittel politischer Beteiligung an der gerechten Verteilung in der Welt. „Besser als Nichts." Ein Habitus den ich mir jedenfalls angewöhnen sollte. Eine Umwertung ist angesagt. Da stehen Menschen an unserer Tür und bitten um Einlass. Menschen die keine Herberge haben, keine Krankenversicherung (trotz ALG II), keine Aufenthaltsgenehmigung. Menschen ohne Namen.

 

S. Knoll

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