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Rogate / 6. Sonntag der Osterzeit (5.5.13)

Rogate

 

ev. Predigttext kath. 1.Lesung kath. 2.Lesung kath. Evangelium
Mt 6,(5-6) 7-13 (14-15) Apg 15, 1-2.22-29 Offb 21, 10-14.22-23 Joh 14, 23-29

 

Der Verfasser betrachtet alle vorgesehen Predigktperikopen. Stichworte zur Nachhaltigkeit:

Die Liebe des Schöpfers zu seinen Geschöpfen führt Menschen zu Haltungen, die nicht im Selbstzweck begründet sind, sondern die Liebe des Schöpfers zur Schöpfung durchscheinen lassen (Mt). Diese wird dann sichtbar vollendet sein im Reich Gottes, dem himmlischen Jerusalem (Offb).Formale Gesetze und Vorschriften, um deren Einhaltung dann womöglich Streit ausbricht, hindern und belasten das Schöpfungswerk. Gottes Geist legt keine Lasten auf, er befreit (Apg). Das wird dann auch im Evangelium deutlich, denn aus dem Geist Gottes kommen Menschen zu einer neuen Haltung: Leben aus dem Wort Gottes, Vertrauen auf den Beistand, der zum Frieden Gottes führt, zur tiefsten Nachhaltigkeit überhaupt (Joh).

 

Stellung im Kirchenjahr

Dieser Sonntag liegt in der Zeit der Flur – und Bittprozessionen, in denen um Segen für die Natur, die Ernte, die Früchte der Erde gebetet wird, somit besteht ein intensiver Zusammenhang zum Thema Nachhaltigkeit. In städtischen Regionen wird der Segen für die Ernte oft und mit Recht auf die menschliche Arbeit überhaupt bezogen und Prozessionen zu den Arbeitsplätzen der Menschen könnten den alten Brauch der Bittprozessionen in einen neuen Rahmen stellen. Der Name Rogate – Bittet - bringt dies zum Ausdruck. Die Predigttexte beider Kirchen können darauf Bezug nehmen und unsere Verantwortung für Gottes Schöpfung verdeutlichen.

 

Mt 6,(5-6) 7-13 (14-15):

Exegetische Hinweise
Der Predigttext steht im Rahmen der Bergpredigt. Es geht hier um Almosen, Beten und Fasten und es geht um die richtigen Grundhaltung bei diesen Frömmigkeitsformen. Diese Grundhaltung wird abgesetzt von der der Heuchler, die reden aber nicht handeln, die eher „Schauspieler" sind. Die Beziehung zu Gott im „Vater unser" bildet den Höhepunkt der Bergpredigt.

Assoziationen
Die Oberflächlichkeit im Gebet, beim Spenden und Fasten wird von Jesus deutlich kritisiert. Die innere Gottesbeziehung, das Vertrauen auf Gott scheint den so Betenden und Fastenden abhanden gekommen zu sein, sie sind auf sich selber fixiert, tun das alles um sich selber Willen und nicht um Gottes Willen. Eine solche Haltung ist egozentrisch und nicht hilfreich im Blick auf Schöpfung und Nachhaltigkeit. Ich denke an mich, an mein Gut – Dastehen, habe aber nicht den Blick auf das Gesamte. Leonardo Boff schreibt dazu in seiner Betrachtung des Vater Unsers: „Die materielle Infrastruktur ist so wichtig, dass...Gott Heil und Verderben daran geknüpft hat, ob wir gerecht und brüderlich gestalten oder nicht...Im Brot, im Wasser, in der Kleidung und in der Solidarität steht am Ende das ewige Schicksal des Menschen auf dem Spiel"1) Es sei erinnert an die Weltgerichtsrede Mt 25.
In dieser Bitte nimmt Jesus die leibliche Dimension des Menschen ernst, warnt aber ebenso vor falscher Zukunftsgläubigkeit aus Mangel an Vertrauen in Gottes tiefe Liebe zu uns und seiner Schöpfung. Gott gibt uns, was wir zum täglichen Leben brauchen. Was brauchen wir eigentlich nicht? Was ist überflüssig zum Leben und was davon belastet Gottes Schöpfung?

 

Offb 21,10-14.22-23:

Exegetische Hinweise
Die Offenbarung wird von Johannes in einer Vision auf der Insel Patmos empfangen und niedergeschrieben. Es sind in ihr Zusagen Gottes an verschiedene Gemeinden gesammelt. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Gleichgültigkeit gegenüber der Liebe Gottes wird hier ein himmlischer Liebesraum eröffnet: Das himmlische Jerusalem, ein Ort voller Glauben, der in das Hier und Jetzt hineinwirkt. Gott wohnt mitten unter uns.

Assoziationen
Das Reich Gottes, das himmlische Jersualem, die Stadt auf dem Berg braucht keinen Tempel mehr, denn Gott ist der Tempel. Durch die Menschwerdung Gottes in Christus, ist diese Stadt anfanghaft unter uns. Sie ist für uns erbaut, aber nicht durch uns. Wir können uns letztlich nicht an die Stelle des Schöpfers stellen, auch wenn wir Vieles machen können und auch sollen, denn es heißt im Buch Genesis macht euch die Schöpfung untertan. Gott baut mit uns an seiner Schöpfung, Gott will dieses Reich, diese Stadt nicht ohne uns. Dazu braucht es die Haltung des Zulassens, Gott an und in uns wirken zu lassen und nicht selber die Macher zu sein. Gottes Liebe wandelt uns.

 

Apg 15, 1-2.22-29:

Exegetische Hinweise
In diesem Textabschnitt aus der Apostelgeschichte des Lukas steht das Apostelkonzil und seine Diskussionen im Vordergrund. Die Ergebnisse der Beratungen sprengen den judenchristlichen Raum und die Botschaft kann sich in alle Richtungen verbreiten. Gottes Geist handelt nicht nach einem gesetzeskonformen Verteilungsschlüssel, er schenkt Weite, Befreiung, Erleichterung.

Assoziationen
Auch hier wird deutlich, dass formales gesetzeskonformes Handeln oberflächlich ist und nicht in der Liebe Gottes wurzelt. In einer multikulturellen Welt, damals wie heute, ist Rücksichtnahme auf andere Lebensformen - in der Sprache „Materialisten" gesprochen - gewinnbringend. Gewinnbringend für alle, denn aus dieser Liebe zu Gott wächst die Haltung des Respekts. Der Gewinn besteht darin, dass alle beteiligt sind und es allen um Werte geht, die zu schützen zu bewahren sind.

 

Joh 14,23-29:

Exegetische Hinweise
Nach Johannes ist Gemeinde nicht Struktur und Hierarchie sondern Freundeskreis. Seinen Jüngern sagt er in dieser Abschiedsrede eine Wohnung beim Vater zu (s. Offb). Diese Wohnung ist eine innerliche, geistliche Wohnung. Der Auferstandene Christus nimmt Wohnung im Glaubenden, bestärkt durch den Geist Gottes. So wird die tiefe innere Beziehung zu Gott im Christsein durch das Johannesevangelium verdeutlicht.

Assoziationen
Die Liebe zu Jesus, den Auferstanden, lässt uns am Wort der Liebe Gottes festhalten, schenkt uns die Kraft dazu. Der Beistand, der Heilige Geist schenkt uns das Vertrauen in diese Liebe, bestärkt uns und führt uns zum Frieden, den die Welt nicht geben kann. Dieser Friede eröffnet eine neue Wirklichkeit, das himmlische Jerusalem, eröffnet die Möglichkeit schon hier aus diesem Frieden heraus nachhaltig zu handeln und sein Leben und die Welt zu gestalten. In diesem Evangelium finden die vorangegangenen Texte ihren Höhepunkt und ihre Sinnspitze.

Godehard König

Fußnote:
1) Vater unser. Das Gebet umfassender Befreiung, Düsseldorf, 1986

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