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Quasimodogeniti / 2. Sonntag der Osterzeit (7.4.13)

Quasimodogeniti

 

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Mk 16, 9-14 (15-20) Apg 5, 12-16 Offb 1, 9-11a.12-13.17-19 Joh 20, 19-31

 

Die Autorin geht zunächst auf die beiden Lesungstexte des katholischen Gottesdienstes ein: Apg 5 und Offb 1. Gemeinsames Stichwort, auch für die „Nachhaltigkeit", ist hier: die Vision von einer besseren Welt, an der der Mensch mitwirkt. Die Evangelientexte des Sonntag aus Mk 16 (ev.) und Joh 20 (kath.) erzählen beide von Menschen, die der Auferstehungsbotschaft erst einmal nicht glauben – weil sie den Menschen nicht glauben, die davon erzählen. „Anderen und ihrem Zeugnis glauben" kann daraus als Botschaft werden, auch in puncto „Nachhaltigkeit".

 

Apg 5,12-16 und Offb 1,9-11a.12-13.17-19: Visionen von einer besseren Welt

Neue Gemeinde, neue Erde

So unterschiedlich sich die Schriftstellen aus der Apostelgeschichte und der Offenbarung des Johan-nes erst einmal anhören, für mich haben sie eine starke Gemeinsamkeit: Sie malen eine Vision, eine Utopie. So könnte sie aussehen, so soll sie sein, die neue Gemeinde: Alle kommen „einmütig" zu-sammen, „ein Herz und eine Seele" sind sie, heißt es ein paar Verse vorher (Apg 4,32). Selbst die, die nicht dazu gehören, „schätzten sie hoch". Und es geschehen „viele Zeichen und Wunder." Friede, Heilung und Heil herrschen in dieser neuen Welt der Urgemeinde. Und auch der Seher Johannes in der Apokalypse beginnt hier die Vision „eines neuen Himmels und einer neuen Erde" (vgl. Apg 21,1). In ihr werden die Bedrängnisse der alten Welt überwunden, der Auferstandene ist „der Lebendige", der auch den verfolgten Gemeinden und der Welt Leben in Fülle bringen will.

Apostelgeschichten und Offenbarung entwerfen Visionen einer besseren Welt. Die ist teils auch schon angebrochen: In Apg 5 wird das „Gesamtbild" einer Gemeinde gezeichnet, die so sogar schon existiert – auch, wenn im selben Atemzug durchaus noch von Lüge und Betrug die Rede ist (vgl. Apg 5,1-11) Und auch die Vision des Johannes erzählt vom „Tag des Herrn", aber sie beginnt mitten in der Ge-genwart, mit der Auferstehung des Herrn: „Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit" (Offb 1,18).

Mitwirkende an der neuen Welt

Beide Visionen machen deutlich: Die neue Welt kommt von Gott – aber sie kommt auch durch die Menschen. Sie wirken mit an der Verwirklichung der Vision. Johannes, der Seher, wird vom Geist ergriffen und soll den Gemeinden das verkünden, was ihm von Gott gezeigt wurde – durch ihn erfah-ren und erleben die Menschen die Botschaft vom „neuen Himmel und der neuen Erde". Noch stärker und konkreter wird die Mitwirkung der Menschen an der neuen Welt in Apg 5 geschildert: „Durch die Hände der Apostel" geschehen die Zeichen und Wunder. Nicht nur Gott und der Gottessohn können heilen und retten – ganz ausdrücklich können und sollen das auch die Menschen in seiner Nachfolge. „Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, den ich gehe zum Vater," heißt es im Johannes-Evangelium (Joh 14,12)

Für die Vision von einer nachhaltigen Welt heißt das für mich: Ich darf darauf hoffen und vertrauen, dass Gott diese neue Schöpfung, den neuen Himmel und die neue Erde ohne Schmerz und Tränen, bringen will und wird. Zugleich darf ich die Hände dabei nicht wartend in den Schoß legen, denn: „Durch die Hände der Apostel" geschehen Werke und Wunder. Ich soll – mit der Kraft, die Gott verleiht - mitwirken an der neuen Welt. Ich soll sie den Menschen verkünden und vor Augen führen, wie der Seher Johannes. Und ich soll - wie die Apostel der Urgemeinde - Krankheit und „böse Geister" mit aus der Welt schaffen und mich dafür einsetzen, dass diese Welt friedlicher und vom „guten Geist" beseelt wird.

 

Mk 16,9-14 und Joh 20,19-31: Zweifeln und Glauben

„Sie glaubten es nicht"

Am Ende stehen die Geschichten, in denen der Auferstandene seinen Jüngerinnen und Jüngern er-scheint: In allen vier Evangelien ist das so. Ostern ist nicht nur einfach das leere Grab – es sind auch die Begegnungen der Menschen mit Jesus, der lebt und mit ihnen redet und isst.

Die Verse aus dem Schluss des Markus-Evangeliums allerdings, die heute in den evangelischen Got-tesdiensten gelesen werden, sind nicht in allen frühen Handschriften vertreten; warum der „Markus-schluss" manchmal fehlt in der Überlieferung, ist nicht letztgültig geklärt. Vielleicht hat es ja damit zu tun, dass diese Verse etwas benennen, was auch Thema in weiteren Ostergeschichten und besonders breit in Johannes 20 ist: den Zweifel. „Als sie hörten, er lebe und sei von ihr (Maria Magdalena) gesehen worden, glaubten sie es nicht", heißt es da bei Markus (Mk 16,11, vgl. auch Mk 16,13).

Von Thomas, dem Zwilling, wird am Schluss des Johannes-Evangeliums erzählt (und diese Verse werden heute in den katholischen Gottesdiensten gelesen): „Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht." (Joh 20, 25) Thomas, der Ungläubige, wird dieser Apostel deswegen auch genannt und bekommt dadurch eine prominente Position, die fast etwas unfair ist, denn: Auch andere zweifeln eben erst einmal an der Botschaft von der Auferstehung. Vor allem, wenn diese Botschaft als erstes von Maria Magdalena und den Frauen verkündet wird, halten die übrigen Jünger sie „für Geschwätz" (Lk 24,11).

Verständnis und Tadel für den Unglauben

Die Zweifel an der Auferstehung werden unterschiedlich bewertet in den Evangelien. Thomas, der Ungläubige im Johannes-Evangelium, kommt dabei noch ganz gut weg. Jesus tadelt ihn nicht für sein Zweifeln, als er das nächste Mal den Jüngern und diesmal auch dem Thomas erscheint, zumindest nicht ausdrücklich. Ja, er zeigt, so scheint es, sogar Verständnis dafür und geht auf seine Forderun-gen nach „handfesten" Beweisen ein: „Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite." Allerdings fordert er ihn damit auch sogleich auf: „Und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!" Und als Thomas daraufhin davon überzeugt ist, gibt es zum Schluss doch noch eine versteckte Kritik und ein Lobpreis für andere: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben."

Viel schärfer allerdings werden die ungläubigen Jünger im „Markusschluss" kritisiert. Da heißt es: „Später erschien Jesus auch den Elf, als sie bei Tisch waren; er tadelte ihren Unglauben und ihre Verstocktheit, weil sie denen nicht glaubten, die ihn nach seiner Auferstehung gesehen hatten." (Mk 16,14) Vielleicht hatten nachfolgende Generationen auch mit diesen Zeilen ihre Probleme – nicht mit den Zweifeln, sondern der so scharfen Kritik daran? Immerhin geht hier Jesus auch hart mit der (männlichen) Gruppe der Elf ins Gericht, die den (weiblichen) ersten Zeuginnen der Auferstehung nicht geglaubt hatte.

Anderen und ihrem Zeugnis glauben

Vor allem diese kritischen Worte Jesu am Ende des Markus-Evangeliums machen deutlich: Es geht beim Glauben - oder Unglauben – an die Auferstehung nicht nur darum, dass man selbst etwas nicht erlebt oder gesehen hat. Es geht auch darum, dass man den anderen nicht glaubt und vertraut, die etwas erlebt und gesehen haben. Der Osterglaube ist ein Beziehungsgeschehen, nicht nur zwischen dem Auferstandenen und dem Jünger/der Jüngerin, sondern auch zwischen den Jüngerinnen und Jüngern. In den Ostergeschichten und ihn Jesu Worten steckt nicht nur die Botschaft: „Glaubt, auch wenn ihr nicht seht!", sondern auch: „Glaubt einander! Nehmt die Verkündigung des/der anderen ernst! Vertraut dem anderen und seinem/ihren Zeugnis! Auch, wenn das womöglich euer Leben ändert und umkrempelt!"

Zweifeln und Glauben in Bezug auf die Nachhaltigkeit

Der Vergleich ist zwar ein wenig gewagt, aber: Dieses Beziehungsgeschehen von „Zweifeln und Glauben" erinnert mich auch an Diskussionen rund um Klimawandel und Nachhaltigkeit, nicht zuletzt in der Kirche. Ich kenne viele Menschen, die sich – aus tiefem Glauben heraus und sehr gut informiert – für die Bewahrung der Schöpfung einsetzen. Sie treten als Zeuginnen und als Propheten auf, sie geben Zeugnis von dem, was in ihnen brennt. Und sie müssen doch immer wieder hören: Geschwätz! Oder: Wir können davon doch gar nichts sehen! Oder aber auch: Das kann ja schon sein, aber ändern können oder wollen wir in unserem Leben und an unserem Lebensstil trotzdem nichts.

Wie viel könnte sich ändern - nicht nur, aber auch in puncto Nachhaltigkeit - wenn wir im Sinne Jesu dem Zeugnis des anderen stärker trauen und ihm Gewicht geben würden? Natürlich: Zweifel und Hin-terfragen sind erlaubt – selbst in den Ostergeschichten haben sie ihren Platz. Ich muss nicht allem gleich glauben, was mir ein anderer erzählt. Aber ich soll ihm zuhören und seine Botschaft ernst neh-men – egal, wie glaubwürdig und sympathisch seine Botschaft oder auch seine Person mir auf den ersten Blick erscheinen mögen (die Frauen waren es wohl für die Elf erst einmal gar nicht). Es kann (heute am „Weißen Sonntag", an dem in der katholischen Kirche viele Kinder zur Erstkommunion ge-hen) auch heißen: Ich höre erst recht die Botschaft derer, denen allzu oft nicht zugehört und etwas zugetraut wird. Die Botschaft der Kinder zum Beispiel. Oder auch die Botschaft der armen Länder dieser Erde. Beide – die Menschen, die nach uns kommen, und die Menschen, die weit weg von uns leben – haben ja an der „Nachhaltigkeit" ein besonderes Interesse. Die Bewahrung der Schöpfung gehört für sie zu einer „guten Nachricht" vom Leben dazu – und sie verkünden sie immer wieder.

Wie stark lasse ich mich auf das ein, was andere mir erzählen von ihrem Osterglauben und von ihren Sorgen und Visionen für diese Welt? Für mich steckt in den biblischen Geschichten von der Auferste-hung auch die Ermutigung: Höre hin auf das, was andere dir mit übervollem Herzen erzählen! Höre genau hin, ob darin eine göttliche und österliche Botschaft steckt! Und wenn ja: dann trau dich, dem zu glauben und danach zu leben!

 

Beate Hirt

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