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Epiphanias / Erscheinung des Herrn (6.1.13)

Sonntag Epiphanias – Erscheinung des Herrn / Hl. drei Könige

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Jes 60,1-6 Jes 60, 1-6 Eph 3,2-3a.5-6 Mt 2, 1-12

Stichworte: Jes 60, 1-6, Eph 3,2-3.5-6 (Heiden als Miterben, gehören zum selben Leib, haben in Jesus Christus Anteil am Evangelium), ev. + kath. Evangelium Mt 2, 1-12 (die Weisen aus dem Morgenland)

Stellung im Kirchenjahr
Der 6. Januar ist einer der ältesten Feiertage der Kirche. Was man an diesem Tag allerdings als Epiphanie, als „Erscheinung des Herrn", feierte, hat sich durch die Jahrhunderte sehr gewandelt. Anfangs war es die Geburt Jesu: Gott erschien den Menschen, indem er als Mensch geboren wurde. Die Anbetung des göttlichen Kindes in der Krippe durch die Weisen steht im Evangelium Mt 2,1-12 im Mittelpunkt vieler Gottesdienste, in denen heute „Dreikönig" gefeiert wird. In der Orthodoxie wird Weihnachten bis heute am 6. Januar gefeiert.

Der „Dreikönigstag" thematisiert traditionell, dass die angereisten Weisen oder Magier Gottes Erscheinen für die ganze Welt in der Krippe vorfanden. Er wird daher oft verknüpft mit der Weltmission; Sternsinger bringen den Weihnachtsgruß in alle Häuser. Sie schreiben mit Kreide an die Türbalken zur Jahreszahl die Buchstaben „CMB" – bis ins 9. Jhd. ausschließlich die Abkürzung für den Segensspruch „Christus mansionem benedicat" („Christus segne dieses Haus"). Dann wurden die Anfangsbuchstaben der Namen Caspar, Melchior, Balthasar daraus, die Namen der – allerdings biblisch nirgends belegten – „drei Könige", die dem Licht des Sterns über Bethlehem gefolgt waren. Sie standen stellvertretend für die damals bekannten drei Erdteile Europa, Afrika und Asien.

Im Zentrum des Epiphaniasfestes stehen demnach eben nicht die „drei Könige", sondern der eine König, der für die ganze Welt, für alle Menschen und Völker erschienen ist – auch den nicht-jüdischen: Jesus Christus, das „wahre Licht". Daher stellen viele ev. Gemeinden, zumal um eine Doppelung zu Weihnachten zu vermeiden, die Lichtsymbolik ganz in den Mittelpunkt und feiern Lichtfest.

Exegetische Hinweise
In seltener und sehr erfreulicher Ökumene stimmen der ev Predigttext mit der rk AT-Lesung überein, ebenso wie Evangelium und Epistel!

 

Jes 60,1-6:

Die Lichtmetaphorik spielt darin eine besondere Rolle. Der Text findet sich zu Beginn der Zentralbotschaft von Jes 60-62, der traditionell als „Tritojesaja" („Dritter Jesaja") bezeichnet wurde (Jes 56-66). Doch handelt es sich dabei wohl eher um eine Textsammlung verschiedener Autoren, die die vorausgehenden Texte des Buches Jesaja auslegen, entstanden in nachexilischer Zeit (ca. 521-510 v.Chr). Mit dem prophetischen Ruf „mache dich auf, werde Licht" verspricht der Text den Heimkehrern und Gebliebenen im zerstörten Jerusalem: Die Heilszeit kommt gewiss!

Was macht diese Zeit des Heils aus? Alle materiellen Bedürfnisse werden jedenfalls erfüllt sein: Die Stadt wird wieder aufgebaut (Jes 58,12 u.ö.), voller Leben (Jes 62,12; Jes 66,7-9) und reich sein, sie wird wie ein Paradiesgarten aufblühen (Jes 58,11). Es gibt keine Nahrungsknappheit oder Hungersnöte, keine Raubzüge fremder Völker mehr (Jes 62,8-9; Jes 65,21-23). Vielmehr ziehen die Völker mitsamt ihren Königen los, um ihre Schätze nach Jerusalem zu bringen und dem Gott Israels zu huldigen (vgl. Ps 72,10f). Der „Reichtum des Meeres", den die Handelsvölker dabei mitbringen, ist gewaltig. Und wie zu Zeiten Salomos die Königin von Saba mit reichen Geschenken nach Jerusalem kam (vgl. 1 Kön 10), kommen große Karawanen aus dem nord- und südwestlichen Arabien und bringen Weihrauch und Gold mit. Die Universalität der Heilsbotschaft, ihre Gültigkeit für die ganze Welt, wird in diesem glanzvollen Bild der Völkerwallfahrt in die Tempelstadt bereits vorgedacht.

Das im „du" direkt angesprochene Jerusalem erstrahlt, so das prophetische Versprechen, im Licht der kommenden Herrlichkeit Gottes – ungeachtet der Finsternis, die noch über der Erde liegt: Denn Gott selbst erscheint, sein Licht durchbricht diese Finsternis.

In ihrer Begrifflichkeit knüpft die prophetische Botschaft an die priesterschriftliche Schöpfungsgeschichte an: Wie in Gen 1,1-3 begegnen uns Himmel und Erde, Finsternis, Meer, das von Gott geschaffene Licht – der 1. Tag der Schöpfung klingt an, wird dem Volk Israel noch einmal neu geschenkt. Die „Völkerwallfahrt" richtet sich auf dieses Licht aus; Die (Welt)Geschichte wird in eine neue Schöpfungsgeschichte verwandelt.

Nur unzureichend spiegeln dabei deutsche Übersetzungen das nach unserem Sprachgebrauch so fremde Zeitverständnis des Hebräischen wieder: Das „prophetische Perfekt" vergegenwärtigt Hebräischlesenden die Prophezeiung in einer Weise, dass vergangenes und künftiges Geschehen gleichermaßen in der Gegenwart nachzuvollziehen und gültig wird. So „vergegenwärtigen" auch wir uns bis heute an Epiphanias die Liebesgeschichte von Gott mit seiner Schöpfung und seinem Volk, die damit bis heute genauso wirksam wird wie damals: „Du wirst es sehen und wirst strahlen, dein Herz bebt vor Freude und öffnet sich weit".

 

Evangelium Mt 2,1-12 / Epistel Eph 3,2-3a.5-6:

Das ebenfalls ganz ökumenische Evangelium Mt 2,1-12 knüpft an die Verheißung von Jes 60,1-6 an, deutet sie aber um auf Jesus hin: Die Magier oder Weisen aus dem Morgenland bringen dem neugeborenen König ebenfalls Gold, Weihrauch (und zusätzlich Myrrhe). Die antike und mittelalterliche Auslegung machte aus den Weisen in Anlehnung an Jes Könige – die „drei Könige" korrespondieren dabei mit den drei mitgebrachten Gaben.

Das Evangelium nimmt in den Magiern das atl Motiv der Völkerwallfahrt auf; der Stern, der die Weisen leitet, verweist auch hier auf die Führung Gottes – Heiden, die aus der Fremde zu Christus kommen und somit Anteil haben am göttlichen Heil. Die Epistel Eph 3,2-3a.5-6 unterstreicht diesen Aspekt: Vor Gott besteht kein Unterschied zwischen dem auserwählten Volk und anderen Völkern – insofern sich diese zu Jesus Christus hinwenden. Die Heilszusage gilt ihnen allen „schon jetzt", selbst wenn sie in unserem Leben noch realisiert werden will.

Solche Züge von sternenkundigen Gelehrten gab es zu Zeiten des NT mehrfach. Unter anderem dienten sie dem Ziel, aus den Himmelsbeobachtungen Informationen über einen endzeitlichen Herrscher zu bekommen. Ein solcher Zug von Astrologen kam etwa ein Jahrzehnt vor der Entstehung des Mt-Textes auch am Hofe des römischen Kaisers Nero an und huldigte ihm. Mt 2 reizt daher auch zu der Frage: Wer ist angesichts konkurrierender Ansprüche der wahre Herr der Welt – und woran erkennt man ihn?

Aspekte der Nachhaltigkeit
Die Heilszusage der Texte des alten und neuen Testaments gilt allen Menschen aller Völker und lässt sich durchaus auf die klassischen drei Säulen der Nachhaltigkeit herunterbrechen:

• Ökonomisch ist sie eine Vision von materiellen Reichtum für alle – wir spüren ihn, wenn wir uns ernsthaft fragen und beantworten, wo wir wirklich „gut leben, statt viel haben" könnten.

• Sozial ist sie die Zusage der Liebe Gottes zu seiner Schöpfung und allen Menschen aller Völker und Religionen: Das kann uns befreien zur offenen, zugewandten Begegnung mit Menschen, die uns bisher (aus welchen Gründen auch immer!) anders oder fremd erscheinen. Denn wie wir haben sie Anteil am Heil; mit ihnen zusammen können wir es in unserem Leben aktiv gestalten.

• Ökologisch ist sie – im Blick auf die anklingenden Schöpfungsmotive – die Verheißung, dass wir die Erde in einer Weise bebauen und bewahren können, die achtsam und schöpfungsfreundlich ist: Dafür gibt es in unseren Kirchen zahllose, wahrhaft „kreative" und gut erprobte Ideen!


Homiletische Impulse
Lichtglanz, Reichtum, göttliches Heil für alle „schon jetzt": Eine Vision, eine Utopie, die angesichts begrenzter Ressourcen bei wachsender Bevölkerung auf der Erde unrealistisch, eben „utopisch" wirkt. Wo Licht ist, gibt es außerdem auch Schatten – und die Finsternis wirkt umso düsterer und raumgreifender, macht Angst und schreckt ab.
Gerade deshalb möchte ich fragen: Wo findet diese positive Vision und Heilszusage des alten wie neuen Testaments heute ihren Raum bei uns, in unseren Kirchen? Wo strahlt das göttliche Heil dort aus? Die angedeuteten Aspekte von Nachhaltigkeit kommen in Gemeinden ebenso wie bei uns persönlich in vielfältiger Weise ganz praktisch zum Tragen. Sie zu entfalten, trägt zu unserer Glaubwürdigkeit bei.
Wenn wir reden und danach handeln, strahlt das aus, damals wie heute. Und dieses Licht zieht auch Menschen an, denen Kirche sonst vielleicht fremd ist – oder auch fremd geworden ist: Der missionarische Effekt von Glaubwürdigkeit ist nicht zu überschätzen!

Christina Mertens

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