wieviel

Sexagesimae / 4. Sonntag im Jahreskreis (3.2.13)

Sexagesimae / 4. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Jes 55, (6-9) 10-12a Jer 1, 4-5.17-19 1 Kor 12, 31 - 13, 13
oder 1 Kor 13, 4-13
Lk 4, 21-30

Ev. Predigttext: Jesaja 55, (6-9)+10-12a

Exegetisches:

Die Perikope bildet (zzgl. Vers 13) den Abschluss des 2. Jesaja (Deuterojesaja), die Kapitel 40-55 des Jesaja-Buches. Dieser Deuterojesaja stammt aus der Zeit des babylonischen Exils. Unter dem Perserkönig Kyrus entsteht eine neue Freiheit der jüdischen Bevölkerung in Babylon, eine neue Hoffnung auf Rückkehr ins verheißene Land.

Gedanken zur Nachhaltigkeit:

Ein Text, der die Wirksamkeit (und die Nachhaltigkeit) von Gottes Wort mit der Zuverlässigkeit von Regen und Schnee vergleicht, die die Erde tränken und so den Kreislauf von Säen und Ernten stabilisieren. Dieser Kreislauf ist ja kein Automatismus, sondern erfordert menschliche Arbeit „im Schweiße deines Angesichtes" (Genesis 3, 17-19). Der Regen wird fallen und die Erde tränken. Aber nur, wenn der Mensch sät und erntet, gibt es Nahrung.

Der Frage könnte nachgegangen werden, in wie weit der Mensch heute in der Lage ist, diese Zuverlässigkeit von Regen und Schnee in Gefahr zu bringen. Durch Erderwärmung, Luftverschmutzung etc. verändert sich das Klima der Erde. Regionen, in denen bis vor kurzem noch Ackerbau möglich war, vertrocknen und werden zu Wüstenregionen. Ganze Lebensbereiche werden durch die Erderwärmung zerstört, ganze Tierarten dadurch ausgelöscht.

Der Mensch ist also in der Lage, durch sein Handeln die Zuverlässigkeit von Regen und Schnee in Gefahr zu bringen. Kann der Mensch durch sein Handeln auch die Wirkkraft von Gottes Wort in Gefahr bringen?

Diese Verse sollen eine Verheißung sein! Das ist in den Versen 12+13 gut zu erkennen: „Ihr sollt mit Freude ausziehen und mit Frieden geleitet werden..."

Entlassen wir die Predigthörer nicht mit moralisierenden Aufrufen oder mit dem Klagen über den verhängnisvollen Zustand unserer Umwelt. Erinnern wir sie an die Verheißung! Motivieren wir sie, unseren Teil dazu beizutragen, dass Regen und Schnee auch zukünftig vom Himmel fallen, und dass Gottes Wort gelingen wird, wozu es gesandt ist! Denn wenn wir zu Gott umkehren, „so wird Gott sich liebevoll zeigen" (Vers 7b).

 

Katholische 2. Lesung: 1. Korinther 12, 31 – 13, 13 oder 1. Korinther 13, 4-13

Exegetisches:

Geschrieben hat Paulus diesen Brief ca. 54 n. Chr. an die Gemeinde in Korinth, in der er 5 Jahre zuvor für etwa 1,5 Jahre gelebt und gewirkt hat. Neben anderen Konflikten in der Gemeinde behandelt Paulus in den Kapiteln 12-14 die unterschiedlichen Begabungen in der Gemeinde und zeigt die Liebe als einen anderen „wunderbaren Weg"  auf. (nach der Bibel in gerechter Sprache)

Gedanken zur Nachhaltigkeit:

Da dieser Text oftmals bei kirchlichen Trauungen gewünscht und gelesen wird, bleibt bei meinem ersten Eindruck ein leichtes Gefühl des Kitsches nicht aus. Dabei ist der Text sehr tiefgründig – und tatsächlich ja gar nicht so kitschig, wie er oft gemacht wird. Manches lässt sich auch aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit lesen.

So etwa die Feststellung in den ersten beiden Versen des 13. Kapitels, dass alle Erkenntnis, alles Wissen, jede Form des Fortschritts ohne Liebe nutzlos – ja, möglicherweise gefährlich ist: „so wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke". Die technischen Fortschritte der Menschheit in den letzten 30-40 Jahren sind enorm. Das bietet – zumindest einem Teil der Weltbevölkerung – Lebensqualität, Luxus, Mobilität, ... Die Beweggründe für Entwicklung, Forschung und Fortschritt sind ja nicht nur Egoismus und Profitgier, sondern durchaus humane, optimistische und weitblickende. Dennoch erkennen wir heute – wenn wir nicht die Augen verschließen, dass unsere Lebensweise auch Schattenseiten hat.

Ja, Paulus sieht das ganz richtig: „Denn Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser prophetisches Reden". Dennoch sind wir herausgefordert, unser Bestes aus diesem Stückwerk zu machen: Wo kann ich mich mit meinen Gaben für den Erhalt der Schöpfung einbringen? Welche Möglichkeiten habe ich, um mit den wertvollen Ressourcen wie Energie, Wasser und Lebensmittel sorgsam und sparsam umzugehen?

In welchen Zusammenhängen, bei welchen Menschen ist mein prophetisches Reden gefragt, das auf die Konsequenzen von gedankenlosem oder rücksichtslosem Handeln hinweist?

„Liebe" durchzieht den gesamten Text. Sie ist der „andere Weg, der alles übersteigt". So läuft der Texte auf die Begriffe Glaube (Vertrauen), Hoffnung und Liebe hinaus (Vers 13). Sie bleiben uns!

Dieser Textbewegung könnte auch die Predigt nachgehen: Nach einem Eingeständnis unserer menschlichen Begrenztheit, unseres lückenhaften, bruchstückhaften Erkennens, und ethischen Überlegungen, welchen konkreten Beitrag wir dennoch mit unserem Erkennen und unserem prophetischen Reden leisten können, reden wir von dem Vertrauen, das wir auf Gott setzen, reden wir von der Hoffnung, die wir für uns und unsere Welt haben, und reden wir von der Liebe, die die größte Kraft ist. Diese Liebe ist unser Motor, die innere Motivation, die auch unser Verhältnis zur Schöpfung bestimmt.

„Was heißt Umweltschutz? Umweltschutz ist nichts, wenn er nicht Liebe zur Erde ist. (...) Wenn wir zärtlich zueinander sind, weil wir uns lieben, so können wir zur Erde nicht grob sein. Umweltschutz ist Zärtlichkeit gegenüber der Erde."[1]

[1]      Ostermeyer, Helmut: Zärtlichkeit, der sexuellen Revolution wahrer Kern, Frankfurt a.M. 1982, S.36.

Rainer Gertzen, Düsseldorf

Nach oben