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Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr / 33. Sonntag im Jahreskreis (13.11.22)

Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr / 33. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Lk 18,1-8 Mal 3, 19-20b 2 Thess 3, 7-12 Lk 21, 5-19

Lukas 18, 1-8

Impulse

  • Ausdauer als Motor für Veränderung

Das Beispiel der Witwe zeigt anschaulich, was es braucht, um Not zu wenden, was not-wendig ist, um Veränderungen zu erzielen im Verhalten nicht nur bei einzelnen Menschen, sondern im Verhalten von Regierungen. Die Demonstrationen beim UN-Klimagipfel COP26 in Glasgow, der sich 10 000-de Umweltaktivist:innen, der friday-for-future-Bewegung und v.a.m. aus vielen Ländern angeschlossen haben, zeugen von dieser Ausdauer und Beharrlichkeit, nicht nachzulassen und mit aller Dringlichkeit auf Entscheidungen zu drängen, die unseren Planeten vor einer Klimakatastrophe retten können.

vgl. Zitat aus der Tagespresse vom 6.11.2021:

….Drinnen in den Konferenzgebäuden sind die Proteste nur auf den Bildschirmen zu sehen. Alok Sharma, der Präsident der Klimakonferenz, versichert aber, dass der Druck ankommt: "Ich verstehe Frust und Ärger der jungen Leute völlig. Sie verlangen, dass geliefert wird. Und ich sage: Paris hat versprochen, Glasgow muss liefern."...

  • die richtigen Adressaten

Die Witwe jammert nicht bei Nachbarinnen oder im Geheimen, sie wendet sich zielsicher an die richtige Adresse, an den Menschen, der mächtig und einflussreich ist, um ihr Schicksal zu wenden. Genauso zielsicher wenden sich Demonstrierende ob friday-for-future, ob extinction rebellion oder andere, ob in Glasgow oder in anderen Städten und Ländern dieser Erde an die Verantwortlichen in Regierung, Industrie und Wirtschaft. Die Proteste sind laut, bunt und mit klaren Forderungen verbunden sowie mit konkreten Vorschlägen, wie Veränderungen aussehen müssen.

Ein weiteres gutes Beispiel für gezieltes und ausdauerndes Einfordern von Gerechtigkeit und Frieden stellt die Initiative der alljährlich stattfindenden Ökumenischen Friedensdekade dar, in 2022 unter dem Motto: ZUSAMMEN:HALT

Zitat vgl.: https://www.friedensdekade.de/grafisches-jahresmotiv-steht-fest-2-2-2-2-3/

Die Ökumenische FriedensDekade will auch Anstöße geben, wie die Kirchen, Christinnen und Christen dem biblischen Friedensauftrag angesichts der Herausforderungen gerecht werden können. Ob durch Beiträge für den gesellschaftspolitischen Zusammenhalt oder durch die kritische Begleitung friedenspolitischer Entwicklungen wie Rüstungsexporte, nukleare Teilhabe in der NATO, Erhöhung des bundesdeutschen Verteidigungsetats oder in Fragen autonomer Waffensysteme. Hier fordert die Ökumenische FriedensDekade eine alternative Friedenspolitik ein und ruft zu einem neuen Denken auf, dass das etablierte Sicherheitsverständnis hinterfragt.

Maleachi 3,19-20 b

Impulse

  • Menschliche Überheblichkeit als Sackgasse

Menschliche Überheblichkeit zeigt sich in einer Geringschätzung sowohl anderer Menschen als auch der Tier- und Pflanzenwelt gegenüber sowie in einer ausbeuterischen Haltung gegenüber der Erde, die als Selbstbedienungsladen missbraucht wird. So hat die auf Gewinnmaximierung ausgerichtete kapitalistische Einstellung in eine Sackgasse geführt. Der Vers 19 scheint wie eine Vorwegnahme der drohenden Klimakatastrophe zu klingen, die Hitzetage und Dürrekatastrophen prognostiziert von ungeahntem Ausmaß. Bedauerlich ist nur, dass nicht die Verursacher diejenigen sein werden, die darunter leiden, sondern vorwiegend die Menschen in den ärmeren Ländern Afrikas, wie Äthiopien, Kenia, Eritrea…

  • Gottes-Furcht führt zur Achtung allen Lebens

Vers 20a, der leider in der Leseordnung übersprungen wird, zeigt den Weg, der aus der Sackgasse führt. Es ist der Glaube an Gott, an den Ursprung allen Seins und das Ziel allen Seins. Seinen Namen zu ehren, öffnet die Augen , verändert das Bewusstsein und führt zur Erkenntnis, dass alles mit allem verwoben ist - und die Menschheit umdenken und anders handeln lernt, z.B. statt fossiler Energie, regenerative Energien wie Solar- und Windenergie zu nutzen (Vers 20 a - bildhafter Ausdruck für diesen Wechsel)

  • WandteppichFotoKMBWandteppich von Jean Lurcat, elsässischer Künstler (1892-1966), ausgestellt im Jean-Lurcat-Museum in Eppelborn/Saarland (Foto: © Karin Müller-Bauer)

Der 14 m lange und gut 3 m hohe Wandteppich zeigt die vier Elemente und einen Menschen, der einen Feuerball in Händen hält. L’homme manie le feu. Der Künstler, der sich als nicht religiös bezeichnet hat und keiner Konfession angehörte, zeigte in seinen unterschiedlichen Werken die Verbundenheit von allem mit allem auf. Dabei nutzte er Sterne als Botinnen des Kosmos, als Zeichen spiritueller Energie, mit denen auch der Mensch auf diesem Bildausschnitt übersät ist. Wenn der Mensch sich seiner Verbundenheit mit allem, was lebt, bewusst ist, dann gelingt es ihm, das Feuer sorgsam zu händeln, dann wird er selber zu einem Geschöpf, aus dem Leben wächst, der seine Wurzeln in der Erde erkennt.

2 Thessalonicher 3,7-12

Impulse

  • vgl. Verse 8-9 und Bedingungsloses Grundeinkommen - eine Utopie?

Seit Mitte 2021 erhalten 122 Menschen in Deutschland, die an einem Experiment teilnehmen, monatlich 1200€ drei Jahre lang, ohne dass eine Bedingung daran geknüpft wird. Lediglich alle 6 Monate müssen sie Fragen zu ihrem sozialen Umfeld, Wohlbefinden/Gesundheit und zu ihrer Arbeit beantworten. Am Ende erhoffen sich die Forscher:innen antworten auf die Fragen, ob Menschen mit dem Grundeinkommen weniger arbeiten als die Vergleichsgruppe von 1378 Menschen, die kein Geld geschenkt bekommen? Ob sie seltener unter Stress leiden und ob sie gesünder sind? Als Teilnehmer:innen wurden nur Personen ausgewählt, die als Alleinstehende über ein Nettoeinkommen zwischen 1200 und 2600 Euro im Monat verfügen, was in etwa einem Drittel der Bevölkerung entspricht.

Wozu wird dieses geschenkte Geld die Menschen ermutigen? Werden sie die Beine hochlegen oder wird sie der Gedanke beflügeln, das geschenkte Geld sinnvoll einzusetzen, Neues zu wagen? Ein spannendes Experiment, das Aufschluss darüber geben kann, wie motivierend eine geschenkte Grundsicherung wirkt für die Gestaltung der persönlichen Arbeits- und Lebenswelt oder für soziales Engagement.

Lukas 21,5-19

Impulse

  • Verführbarkeit- Verschwörungsmythen

Vers 8 lässt sich hochaktuell auf gesellschaftliche Entwicklungen übertragen angesichts der Corona-Pandemie, wie z.B. die Radikalisierung und der Aufruf zu Gewalt in sozialen Netzwerken (Telegram). Wie ist dem zu begegnen, wie kann das Standhaft-bleiben (siehe Vers 19) gelebt werden, damit Leben für alle möglich ist?

Dr. Michael Blume beschreibt in seinem Buch “Verschwörungsmythen, woher sie kommen, was sie anrichten, wie wir ihnen begegnen können” (Patmos, 2020, S.150) die Genese und Wirkungsgeschichte von Verschwörungsmythen. Des weiteren zeigt er auf, warum manche Menschen anfälliger dafür sind, welche Disposition dafür grundlegend ist sowie Wege zu einem “reichen Menschen”, der sich aus den Verstrickungen von Hass und Verschwörungsmythen befreien kann. Sein Vier-Stufen-Modell zum Umgang mit Verschwörungsgläubigen bietet konkrete Handlungsempfehlungen.

  • Weltbund Religions for peace(RfP)

https://religionsforpeace-deutschland.de/

Die weltweit größte interreligiöse Organisation hat sich auf der 10.Weltkonferenz in Lindau auf einen Strategieplan 2020-2025 verständigt, der als der umfassendste und partizipativste der Geschichte der Religionen für den Frieden angesehen wird. Die Förderung friedlicher, gerechter und integrativer Gesellschaften ist eines der sechs großen Ziele, die sich die RfP gesetzt hat. Die Initiativen dieser Organisation machen deutlich, wie es gelingen kann, im wertschätzenden Dialog dem Endzeitszenario des Evangeliums ein Pendant zu bieten.

Karin Müller-Bauer, Trier

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