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18. Sonntag nach Trinitatis / 29. Sonntag im Jahreskreis (16.10.22)

18. Sonntag nach Trinitatis / 29. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Eph 5,15-20 Ex 17, 8-13 2 Tim 3, 14 - 4, 2 Lk 18, 1-8

 

Eph. 5, 15 -20

Nachhaltige Lebensführung?!

Der Apostel Paulus schrieb zuerst an die Gemeinde in Ephesus, in eine damalige konkrete Situation.
Jedoch hat der Text bleibenden Wert auch für uns, denn die Mahnung „Achtet also sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt“, gilt auch dem Hörer im 21. Jahrhundert.
Paulus zählt eigentlich nur beispielhaft auf, was besser zu lassen wäre (übermäßiger Alkoholgenuss) und zu tun wäre (Lobpreis).
Ziehen wir die Linie aus ins Heute:
Wer, der heute in der Kaufhalle Spargel kauft, denkt darüber nach, unter welchen Bedingungen dieser gestochen wird?
Früher wurden diese Arbeiter (polnische) „Wanderarbeiter“ genannt, heute hat sich zwar die Bezeichnung geändert, aber nicht die Sache: Arbeiter*innen aus osteuropäischen Ländern dürfen unter mehr als prekären Arbeitsbedingungen auf den deutschen Spargelfeldern arbeiten.
Und unsere chicke Kleidung?
Genäht in Bangladesh oder China – dort für Hungerlöhne.

Was können wir tun?
Achtsamer werden und schauen, ob wir nicht faire Alternativen finden, regionale Anbaubetriebe oder fair gehandelte Waren, Hinterfragen, woher die Waren stammen und welche Standards hinsichtlich Arbeitsbedingungen, Lohnzahlungen usw. eingehalten werden.
Sicher auch eine Anwendung des Wortes: Achtet sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt“.

Ex 17, 8 – 13

Kampf und Kontemplation

Gerade ist das Volk Israel der ägyptischen Knechtschaft entronnen und auf dem Weg zum Berg Sinai, als es völlig überraschend und heimtückisch (Dtn 25,18) von einem fremden Volk, den Amalekitern, angegriffen wird.
Die Motivation Amaleks für diesen Angriff bleibt dunkel und unklar, Israel hatte ihnen doch nichts getan.
Ich denke, jede/r hat in seinem persönlichen Leben (scheinbar) völlig unmotivierte Angriffe erlebt, die plötzlich aus heiterem Himmel hereinbrachen.
Aber auch der Einsatz für eine gerechte, friedliche, solidarische Welt ist immer wieder zum Teil gehässigen und kleinlichen Angriffen ausgesetzt, es sei nur an die zum Teil böswilligen Unterstellungen gegen die Aktivisten auf „Friday for Future“ erinnert („Schulschwänzer“).

Was treibt die Angreifenden an?
Besser gefragt: Was sollte ihnen entgegengesetzt werden?
Zum Einen: Kein Zurückweichen, die Auseinandersetzung nicht scheuen.
Zum Anderen: Die spirituellen Kraftquellen, die wir als Christen zur Genüge haben, ausschöpfen, so wie Mose, der die Hilfe Gottes im Gebet suchte.
In der Befreiungstheologie wurde der Begriff „Kampf und Kontemplation“ geprägt.
Sehr richtig: Ein Geschwisterpaar, das unauflöslich zusammengehört!

2 Tim 3, 14 – 4,2

Die Bibel: Fundamentalistisch oder Fundamental – Fundament, Kraftquelle, Inspiration

Die Stelle aus dem 2. Timotheusbrief - ein „Klassiker“ für Fundamentalisten.
Oder nennen wir sie Theologen, die die Auslegung der Bibel engführen und am Ende immer wieder bei sexualethischen „Problemen“ stecken bleiben.
Die Bibel ist selbstredend für Christ*innen fundamental, den aus ihr gewinnt er/sie Erkenntnis über Gott und die Welt, findet die Motivation für sein/ihr Handeln und lernt, sich immer wieder am Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe abzuarbeiten.
Aber die „von Gott eingegebenen Schriften“ enthalten jede Menge Sprengstoff:
Denken wir an die Geschichte der Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Knechtschaft oder an die Botschaft der Propheten, die kein Blatt vor den Mund nehmen wenn es um Anprangerung von Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Wucher und Rechtsbruch geht, genaus wie Johannes der Täufer und letztlich auch Jesus selbst.
Wenn sich christliche Gemeinde auf die heiligen Schriften als fundamental beruft, so ist sie berufen als Keimzelle einer seit Pfingsten neuen Gemeinschaft auch die sprengende Botschaft dieser Schriften zur Sprache zu bringen – und nicht nur kleinliche fundamentalistische Karikaturen!
Gottes Wort will uns in die Weite und in die Freiheit führen - „alle von Gott eingegebenen Schriften“.

Lk 18. 1-8

Hartnäckigkeit führt zum Ziel

Der ungerechte Richter, der nicht und niemanden fürchtet – er wird durch die Hartnäckigkeit einer Witwe besiegt.
Es erhebt sich die Frage, wie ein solcher Mann solange ungeschoren Richter bleiben konnte, hat sich keine übergeordnete Instanz gefunden, die ihn abgesetzt hätte?
Wie auch immer: er konnte sich im Amt halten und alle juristischen Kniffe und Mittel konnten seine Haltung nicht ändern.
Nur die Hartnäckigkeit dieser Witwe!
An dieser Stelle darf gefragt werden, mit welcher „Hartnäckigkeit“ wir den Prozess von „Frieden – Gerechtigkeit – Bewahrung der Schöpfung“ verfolgen.
Angesichts der Größe der Aufgabe und in Anbetracht, dass mächtige, kapitalkräftige Gruppen weder an Gerechtigkeit noch Frieden verdienen, könnte einem bei solchen Gegnern schon die Puste ausgehen.

Aber nutzen wir auch alle Möglichkeiten?
In dem Lukastext werden juristische Termini verwandt, vielleicht sollten wir die juristischen Mittel verstärkt nutzen.
Zum Beispiel das Einreichen sogenannter „Umweltklagen“, eine Sammelbezeichnung für die Möglichkeit, gegen Umweltschädigungen und gegen die Nichteinhaltung der im Pariser Klimaschutzabkommen verbindlich festgelegten Klimaziele juristisch vorzugehen (siehe die Seite der Heinrich Böll Stiftung > Stichwort: Umweltklagen).
Klagen können zwar nicht das Klima retten, wohl aber öffentlichen und medialen Druck auf die politisch Verantwortlichen aufbauen.
Hartnäckigkeit im Nutzen dieser Mittel könnte auf die Dauer auch etwas bewegen!

Gregor Janik, Zittau

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