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3. Sonntag nach Trinitatis / 14. Sonntag im Jahreskreis (03.07.22)

3. Sonntag nach Trinitatis / 14. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Hes 18,1-4.21-24.30-32 Jes 66, 10-14c Gal 6, 14-18 Lk 10, 1-12.17-20

 

Allgemeine Erwägungen

Der 3. Sonntag nach Trinitatis entspricht im Lesejahr C der röm.kath. Kirche dem 14. Sonntag im Jahreskreis. An diesem 03.07.2022 ist es kurz vor den Sommerferien und wir verbinden das Jahr mit der Hoffnung auf die Rückkehr eines normalen nicht mehr pandemieabhängigen Alltag.

Ebenso wurde politische Weichen gestellt, Klimaneutralität und damit ein bewusstes und nachhaltiges Zusammenleben zwischen Mensch und Natur zu ermöglichen.

Heute bedenken wir Worte aus den Prophetenbüchern Hesekiel (18, 1-4.21-24.30-32), Jesaja (66, 10-14c), aus dem Galaterbrief (6, 14-16) und dem Lukas-Evangelium (10, 1-12.17-20. Ich beziehe mich in der Übersetzung auf die Lutherbibel von 2017 und die Ausgabe von 1985 der Dt. Bibelgesellschaft.

In der Trinitatiszeit erinnert sich die Christenheit an die Dreieinigkeit Gottes in Vater, Sohn und Heiligem Geist. Das liturgische Grün dieser Sonntage steht für die aufgehende Saat mithin also für die Hoffnung, dass der Klimawandel gestoppt werden kann und die Klimaneutralität dazu führt, wir alle nachhaltiger leben und für ein gutes Leben für alle eintreten.

Wir schauen also an diesem Sonntag auf die Hoffnung, die sich im Leben einer (hoffentlich wieder) feiernden Gemeinde ausbreitet und Menschen verbindet. Und wir weiten unseren Blick auf den Glauben, das praktische Christsein auf dem Weg zu einem nachhaltigen Leben (in einer Welt, die allmählich lernt, mit der „Corona-Pandemie“ zu leben).

Gedanken zu den einzelnen Bibelworten

Hes. 18, 1-4.21-24.30-32

Da begegnet uns also gleich im ersten Vers ein Sprichwort. Es fasst eine alte Lebenserfahrung punktgenau zusammen und dient den folgenden Generationen als Erinnerung und lehrt den Umgang mit bestimmten Situationen.

Wird es in einigen Jahrzehnten ein Sprichwort zur „Corona-Pandemie“ geben oder viel eher für unsere Versuche nachhaltig zu leben?

Die Worte Hesekiels regen an, sich so etwas vorzustellen. Vielleicht eingepackt in eine Erzählung, die von Umkehr, von Reue spricht. Es könnten auch Töne angeschlagen werden, die wir Jahrhunderte später etwa bei Paulus hören, wenn er davon spricht, dass Reue zur Versöhnung mit Gott führt.

Die Worte von hesekiel könnten heute dazu anregen, nicht in der individuellen Schuld einzeln ohnmächtig zu versinken. Die Predigt könnte vielmehr dazu ermutigen, die angezeigten Schritte unserer Zeit mutig weiterzugehen. Ich denke da in der Pfalz an den ökumenischen Aufbruch im Anthropozän einen Klima-Beirat zu installieren. Aus der Besinnung auf die eigene Schuld entsteht hier ein gemeinsamer Weg zu einer nachhaltigen Kirchengemeinschaft mit gemeinsamen Zielen. Wir dürfen uns nicht in Allgemeinplätze flüchten. Im Bild von Hesekiel nicht den Geschmack saurer Trauben erinnern, sondern ein Erbe hinterlassen, mit dem kommende Generationen weiterhin ein gutes Leben für alle ermöglichen.

Jes. 66, 10-14c

In der Lesung aus dem Buch Jesaja, dem Schlussteil vom so genannten „Tritojesaja“ geht es um Menschen, die mutlos geworden sind. Lange Jahre waren sie im Exil. Zwar leben sie wieder in ihrer Heimat, trotzdem sind sie nicht glücklich und zufrieden. Nach wie vor gibt vieles im Land Anlass zur Klage. Wir werden sozusagen Zeuge, die Menschen aus ihrer Trostlosigkeit gerissen werden, wenn sie beginnen in einer guten Gemeinschaft, der Gott nahe ist, zu leben "Die Stadt Jerusalem" ist das Symbol für so eine Gemeinschaft. Die reichen Bilder dieser Zeilen stellen viele Fragen, die gerade auch in der Krisenzeit von 2020/21 nach neuen Konsequenzen rufen. Frieden wird ausgebreitet, der Reichtum der Völker wird sichtbar und die Gebeine sollen grünen wie Gras ... Wir müssen uns 2022 fragen, ob wir fähig waren, den berühmten „Schalter“ wirklich umzulegen. Die „Jungschar der Erzdiözese Wien“ schlägt in einem Modell für diesen Sonntag vor, dass dürre Gras der Trostlosigkeit den üppigen Gras der Hoffnung gegenüber zu stellen (www.wien.jungschar.at – zum 14.Sonntag im Jahreskreis). Mich inspiriert dieses Bild dazu, nach unserer spirituellen Dürre zu fragen. Ob sie ein Auslöser unserer Ohnmacht ist, in der Krise die Zeichen der zeit nicht zur Umkehr zu nutzen. Das bedeutet für mich tatsächlich wirtschaften für das Leben, gesundes Leben für alle zum zentralen Glaubensbekenntnis kirchlichen Handelns zu erheben. Der Impuls dieser Worte für die Predigt lautet: riskiere den Blick in die Zukunft mit Blick auf den neuen Himmel und die neue Erde, gestalte und stehe ihr nicht im Weg.

Gal. 6, 14-16

Ein beachtlicher Auszug aus dem Galaterbrief. Paulus versucht im die Beschneidung, die für ihn bislang das Identitätsmerkmal war in seine „Beziehung“ zu Jesus Christus sozusagen aufgehen zu lassen. Der ehemals nur Gesetzestreue erlebt durch die Begegnung mit Christus eine neue Identität. Im 2. Korintherbrief wird die sogar als neue Schöpfung bezeichnet. Und dabei weiß er sehr wohl um die Dramatik seiner Worte. Und deswegen bindet er alle seine Zuhörenden in den Frieden Gottes ein. Um das zu begreifen, fehlen die Verse ab 11 um hier einen polemischen Unterton zu vermeiden. (vgl. u.a. www.wp.bibelwerk.ch – Sonntagslesungen – 14. Sonntag des Jahreskreises). Denn sie würde den Blick dafür verstellen, dass mit der neuen Schöpfung, mit der Christusbeziehung alle Bedingungen und Zugehörigkeitsgründe zu Gott gefallen sind. Die Frage lautet also, in welcher Beziehung steht je unser Leben zu Gott. Bemerkenswert finde ich das hier die Schöpfung einbezogen ist. Zur Beziehung zu Gott gehört also auch die Beziehung zur Schöpfung. Haben etwa alle Beschränkungen der letzten beiden Jahre dazu geführt, durch weniger Reisen, weniger Verkehr ... unsere Beziehung zu Gott, zur Schöpfung neu zu ordnen? Anfang 2022 legte ein Symposium mit dem Titel „Radikale Umkehr im Anthropozän. Eine christliche Standortsuche in praktischer Absicht“ erste Spuren, wie sich kirchliches Handeln nachhaltig mit dem Blick des Menschen als Teil der Schöpfung verändern lässt. Heute im Mai 2021 bin ich gespannt auf dieses Symposium. Im Juli 2022 werden erste Ergebnisse erkennbar. Eine spannende Zeit in Bistum und Ev. Kirche der Pfalz.


Lk. 10, 1-12.17-20

In diesem Evangelium begegnet eine erstaunliche Kompromisslosigkeit der Liebe Gottes. Sie hängt an keinen Bedingungen. Das macht mehr als nur nachdenklich. Dieses 10. Kapitel liegt im Zusammenhang des Lukas-Evangelium auf dem Weg Jesu nach Jerusalem. Zunächst geht es um die wahre Jüngerschaft und ab Kapitel 13 um die neue Ordnung im reich Gottes. Ich ahne die Frage, ob die Jünger*innen dieser bedingungslosen Liebe etwas zu getraut haben. Und noch mehr spüre ich diese Frage an mich. Kann so eine Kompromisslosigkeit Sinn machen? Mitte des Jahres 2021 geht es um das Zurückgewinnen von Privilegien, die scheinbar verloren gingen, weil der Staat in der Krise vieles einfach so verboten hat. Für viele eine berechtigte Frage. Wer jedoch ist Anwält*in der Natur, der an den Rand der Gesellschaft Gedrängten bei ihrer Frage nach der Rückgewinnung des Privilegs, leben zu dürfen. Das Lukas-Evangelium wurde einmal als sozialkritisches Evangelium gehandelt, in dem es um die Frage der Gerechtigkeit geht. Im KAIROS der Krisenjahre 2020/21 stellet mich diese Kompromisslosigkeit mit der Gestaltung meines gesamten Lebenszusammenhangs total infrage. Gilt auch mir trotz allem diese bedingungslose Liebe Gottes. Die Jünger*innen sollten das lernen. Ich soll es auch lernen und dementsprechend mein Leben nachhaltig ändern. Ob ich das will/kann? Vielleicht ist das gerade jetzt der richtige Hinweis die Verse 17-20 zu verstehen lernen. Es kommt nicht darauf an, was ich alles kann, sondern was dieser liebende Gott trotzdem allen schenkt.

Zusammenfassend

Diese Bibelverse am 03.07.2022 weisen mich daraufhin, dass wir mit unserem Leben im Anthropozän als Christen tatsächlich eine radikale Umkehr benötigen. Erstaunlich für mich war es, zu entdecken, dass diese alten Worte diesen Weg schon beschreiben. Ich freue mich auf einen Gottesdienst an diesem Sonntag, der diese Verbindung aufnimmt. Es geht nicht um Moral oder Ethik. Es geht für mich eindeutig um eine radikal neue Einstellung zum Leben, damit gutes Leben für alle nicht mehr nur eine Vision ist.

Detlev Besier, Speyer

Literatur

Die Bibel, dt. Bibelgesellschaft Stuttgart, 1985

U.a. folgende Websides: eucharistie.de; stilkunst.de; erzabtei-beuron.de; katholisch.de; kirchenjahrevangelisch.de; stundenbuch-online.de; bibelkommentare.de/kommentare/galater

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