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Kantate / 5. Sonntag der Osterzeit (15.05.22)

Kantate / 5. Sonntag der Osterzeit

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Kol 3,12-17 Apg 14, 21b-27 Offb 21, 1-5a Joh 13, 31-33a.34-35

 

Einige exegetische Anmerkungen zum Kol und zum Text 3, 12-17

Die Stadt Kolossä liegt in Kleinasien. Die Gute Nachricht von der Liebe Gottes für alle Menschen bleibt nicht auf Israel beschränkt, sondern breitet sich weltweit aus. Das geschieht für die damaligen Verhältnisse in einem hohen Tempo. Die Reisetätigkeit der „Missionare“ ist ganz erstaunlich. Menschen mit ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergründen bekennen sich zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Das hat dann auch Folgen für die Verkündigung, was man am Kolosserbrief gut sehen kann. Geschrieben wurde er von einem Paulus-Schüler, sehr wahrscheinlich nach dem Tod des Apostels. Der Brief sollte auch ausdrücklich an andere Gemeinden in der Gegend weitergegeben werden. Der Kolosser wendet sich gegen Irrlehren, die sich anscheinend in den Gemeinden in der Gegen breit machen (vor allem in den Kap. 1+2). Die Erwartung der Parusie, dass Jesus schnell wieder auf die Erde zurückkommen würde, bestimmte nicht mehr das Leben der Gemeinden. Diese Hoffnung war mittlerweile sehr gering. Darauf mussten Antworten gesucht und gefunden werden. Der Kolosser als ältester nach-paulinischer Brief macht ein kleine aber sehr entscheidende theologische Akzentverschiebung: Die Christ*innen sind bereits mit Christus auferweckt worden (z. B. 3,1; anders dagegen Röm 6,3f). Sie haben den alten Menschen mit der Taufe bereits abgelegt und den neuen Menschen angezogen (3,9f). Sie haben alle Voraussetzungen für das neue Leben in Christus und wissen, was Gott von ihnen will.

Predigtanregungen

Der Verfasser des Kolosser weiß aber auch, dass es ein perfektes Leben nach Gottes Willen auf dieser Erde nicht geben kann. Er ist nicht realitätsfremd. Deshalb erinnert er die Menschen in unserer Perikope daran, dass die Gläubigen von Gott geliebt und auserwählt sind (3,12). Gott hat ihnen mit dem Glauben und der Taufe ein Geschenk gemacht. Und er wählt noch einmal das Bild des Anziehens: „Darum zieht nun wie eine neue Bekleidung alles an, was den neuen Menschen ausmacht“ (3,12). Und zählt dann einen Tugend-Katalog auf, wie es in der Antike üblich gewesen ist. Denn die Liebe Gottes zeigt sich in der Liebe gegenüber den Mitmenschen (3,14).

Was den neuen Menschen in der Welt ausmacht, das wird in drei Sätzen entfaltet:

Erstens werden Tugenden genannt, die wichtig sind im Umgang mit den Mitmenschen, wie Freundlichkeit, Geduld und Vergebung (3,12f). Zweitens geht es darum Frieden zu halten, so wie Jesus ihn uns geschenkt hat (3,15). Und drittens soll alles Handeln und Reden der Welt zeigen, dass man sich zu Christus bekennt (3,17).

Es geht also um Frieden im Kleinen wie im Großen. Auch in meinen Beziehungen kann ich nachhaltig leben, wenn ich meinen Mitmenschen vergeben und mich mit ihnen versöhnen kann. Und es gibt noch sehr viel zu tun, damit wir weltweit eine friedliche Welt bekommen.

Im Schlusssatz schreibt der Verfasser zuerst vom Handeln, dann vom Reden. Beides ist wichtig. Aber nur vom nachhaltigen Leben zu reden, reicht einfach nicht. Wir Christ*innen sind aufgefordert, Zeugnis abzulegen – gerade in unserem Handeln. Wir müssen der Welt zeigen, dass wir als „neue Menschen“ daran mitarbeiten, diese Welt zu verändern – hin zu einer friedlichen und menschenwürdigen für alle.

Thema Klimawandel

Als ich diese Zeilen schreibe (Juli 2021), wurden Teile von NRW und Rheinland-Pfalz von großen Wassermassen heimgesucht. Nach tagelangem Starkregen stiegen viele Bäche und Flüsse über die Ufer. Dörfer und Städte wurden überschwemmt, Straßen und Bahnlinien stehen unter Wasser, Häuser sind eingestürzt, und Menschen gestorben. Die Folgen des Klimawandels sind nicht mehr wegzudiskutieren, sie werden immer schlimmer. Geredet wird darüber viel, gehandelt wird noch viel zu wenig. Die bisherigen Maßnahmen der Länder reichen einfach nicht aus, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Und auch, die Erwärmung der Erde auf höchstens 2 Grad zu begrenzen, wird sehr schwierig. Wenn wir unsere Erde lebenswert für alle Menschen erhalten wollen, dann müssen wir was tun. Und wir können was tun. Auch im Kleinen! Und wir müssen der Politik und der Wirtschaft Feuer unterm Hintern machen. Außerdem wird es viel teurer für unsere Gesellschaft, die Folgen des Klimawandels immer wieder zu beseitigen, als wenn wir Geld in die Hand nehmen, und die globalisierte Gesellschaft klimaschonend umbauen.

Am Schluss noch ein Wort zum Sonntag Kantate

Im Mittelpunkt des Sonntags steht die Musik und das Singen. Wir haben schmerzhaft während der Corona-Pandemie erleben müssen, wie sehr uns das gemeinsame Singen im Gottesdienst fehlt (und nicht nur da). Musik und Singen bringt so viel Emotionen ins Spiel. Das wussten auch schon die ersten Christ*innen. Nicht umsonst werden in V.16 alle zum Singen aufgefordert. Mit Musik und Liedern geht vieles besser. Auch der Anstoß für Veränderungen.

Gedanken zu Apg 14, 21b – 27

In diesem Abschnitt wird erzählt, welche Gemeinden Paulus und Barnabas auf ihrer Rückreise nach Antiochia besucht haben. Vorher haben sie in Derbe viele Menschen zum christlichen Glauben gebracht. Die Gute Nachricht von der Liebe Gottes für alle Menschen blieb nicht auf Israel beschränkt, sondern breitete sich weltweit aus. Das geschah für die damaligen Verhältnisse in einem hohen Tempo. Menschen mit ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergründen haben sich zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes bekannt. Der christliche Glaube ist in der Lage, die jeweiligen Bedürfnisse der Menschen ernst zu nehmen. Der christliche Glaube kann aufgrund seiner weltweiten Ausbreitung daran mitarbeiten, Gottes gute Schöpfung für alle Menschen lebenswert zu erhalten.

Klaus Göke, Bottrop

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