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4. Sonntag vor d. Passionszeit / 5. Sonntag im Jahreskreis (06.02.22)

3. Sonntag nach Epiphanias / 3. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Mt 14,22-33 Jes 6, 1-2a.3-8 1 Kor 15, 1-11 oder:
1 Kor 15, 3-8.11
Lk 5, 1-11


Die Autorin bearbeitet alle vier Texte unter dem Gesichtspunkt:

Berufen Sein zu einem Engagement für Nachhaltigkeit, eine ständige Herausforderung unseres Glaubens.

Matth. 14, 22-33

Exegetische Hinweise

In den Mt-Gemeinden werden, neben der Lehre der Tora, schon seit zwei Jahrzehnten die „Erinnerungen“ der Apostel erzählt. Diese Überlieferung ermutigt zu befreiendem Handeln und setzt Maßstäbe für Gerechtigkeit im Zusammenleben. Das Mt-Evangelium versteht sich, wie die Tora, als Weisung und Freudenbotschaft vom Kommen Gottes.(Siehe dazu: BigS 2006, Einleitung zum Mt-Ev., Luise Schottroff).

Predigtimpulse

Ich möchte die Zuhörenden ermutigen Jesus herauszufordern wie Petrus: „Sag zu mir....“ und dann das Wagnis eingehen. Petrus exponiert sich vor den Menschen, die dabei sind. Im Voraus wird ihm nicht gesagt, wenn Du nicht mehr weiter kannst helfe ich Dir. Doch als er unter zu gehen droht ist die helfende Hand da. Es gibt Menschen, die wahrnehmen was da auf den tobenden Wassern geschieht.

Sie sprechen ein Bekenntnis, nicht der gerettete Petrus.

Ich möchte aktuelle Beispiele erzählen von „Alltags“-Menschen (nicht von Berühmtheiten), die trotz aller möglichen Hindernisse, trotz Zweifel und Ängsten, in schwierigen oder gar bedrohlichen Situationen, wissen von wem sie gerufen sind und das Wagnis eingehen.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit einmal anders gedacht: Christlicher Glaube erscheint mir auch 2022 als ein nachhaltiges Ereignis. Sich auf Christus und seine herausfordernde Art einzulassen kann bedeuten sich zu exponieren, übers Wasser zu gehen, vor aller Augen. Dabei stoßen wir an eigene Grenzen. Jedes Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung ist eine Herausforderung unseres Glaubens.

Jes. 6, 1-2a, 3-8

Exegetische Hinweise

Die Gottesbegegnung und Berufung des Jesaja zum Propheten steht in einem inhaltlichen Spannungsbogen zwischen dem sog. Weinberglied 5, 1-7 (...gepflanzt „in Hoffnung auf Rechtsspruch, sieh da: Rechtsbruch, in Erwartung von Gemeinschaftstreue, sieh da: Trauergemeinschaft“, V 7), einem Gerichtswort mit dichterischer Kraft, und dem Heilswort 9, 1-7 („Das Volk, das im Finstern wandert, sieht ein großes Licht“; V 1).

Predigtimpuls

Diese Berufung ist einzigartig. Jesaja hört Gottes Stimme und ist bereit den Auftrag anzunehmen. Geht es uns nicht eher so wie es in dem Lied EG 277 heißt „Täglich umgeben mich Worte und Stimmen, ...deine Stimme höre ich gar nicht mehr heraus...“? - Ich möchte auf die Erkenntnis des Jesaja eingehen: „Ein Mensch mit unreinen Lippen bin ich und inmitten eines Volkes mit unreinen Lippen wohne ich“ (6,5). Auf das eigen Reden achten und aggressives oder diskriminierendes Reden nicht dulden, scheint mir eine wichtige Aufgabe von Christinnen und Christen. Es erfordert manchmal einiges an Mut und Zivilcourage. Es muss daran erinnert werden, dass jede Person ihre Würde von Gott hat.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Der sprachliche Umgang in unserer Gesellschaft verändert sich drastisch und zwar negativ. Beispiele gibt es viele, besonders aus den sog. Sozialen Medien. Das Einschreiten dagegen ist nicht immer einfach. Doch es ist in jedem Fall ein positiver und wichtiger Baustein für ein gutes Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft.

1. Kor. 15, 1-11 oder 1. Kor. 15, 3-8.11

Exegetische Hinweise

Die korinthische Gemeinde lebt in einer Hafen- und Handelsstadt. Ihre Mitglieder zählen, wie Paulus (1. Kor. 3,12), zur überwiegend armen, unausgebildeten und politisch einflusslosen Bevölkerung.

Heiligkeit der Gemeinde als des Körpers Christi bedeutet in dieser Welt eine alternative Gemeinschaft in Liebe und Gerechtigkeit zu leben, gebunden an Israels Gott. Die Auferstehung der zerstörten und leidenden Körper konnte in dieser Gemeinschaft schon erfahren werden (1. Kor.15). (Siehe dazu BigS, Einleitung An die Gemeinde in Korinth; Erster Brief, Luise Schottroff).

Ich beachte den ganzen Abschnitt V. 1-11, weil Paulus darin von seiner Erfahrung mit Gottes Freundlichkeit berichtet.

Predigtimpulse

Paulus macht die Erfahrung der Freundlichkeit Gottes, die ihn anspornt und befähigt, mit seinem ganzen Leben den gekreuzigten und auferstanden Christus zu bezeugen. Die Freundlichkeit Gottes wirkt verändernd und mutmachend. Ich möchte die Zuhörenden anregen, gerade in Zeiten dieser Pandemie, sensibel zu sein für die Freundlichkeit Gottes. Ich möchte nicht “zurück” in die sog. Normalität, sondern mit anderen eine neue Normalität erproben. Menschliche Zuwendung, Achtsamkeit auf Bedürfnisse und schöpfungsgemäßes Wirtschaften sollten die Basis des gesellschaftlichen und weltweiten Zusammenlebens bilden. So könnten Menschen die Freundlichkeit Gottes neu erfahren.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Die täglichen Informationen mit Zahlen und Statistiken über die Corona-Pandemie verunsichern m. E. viele Menschen, machen Angst. Doch das Virus beeinflusst unser Leben und Zusammenleben nicht nur negativ. Wir brauchen nicht wie das Kaninchen auf die Schlange zu starren und in Schockstarre zu verfallen, oder, im anderen Extrem, nur noch aufzubegehren gegen alle Maßnahmen. Weiterleben als wäre nichts gewesen erscheint auch nicht zukunftsweisend.

Das Covid19 Virus und seine Varianten bleiben vermutlich noch lange auf unserem Planeten virulent. Als Christ*innen leben wir auch in diesen Zeiten von und mit der Freundlichkeit Gottes.

Luk 5, 1-11

Exegetische Hinweise

Lk 5 gehört in die Reihe der lukanischen Berufungsgeschichten (5, 27ff Levi; 6,12ff die zwölf Jünger).

Mit der Erzählung des erstaunlich reichen Fischfangs wo Nichts zu erwarten war, setzt Lukas im Vergleich mit den anderen Evangelien (Mt. 4,18ff; Mk 1,16ff; Joh. 21,1ff) einen besonderen Akzent.

Predigtimpulse

Unsere Kirchengemeinden werden kleiner und die Mitglieder älter. Die steigende Zahl der Kirchenaustritte wird beklagt. Dieser Negativtrend lässt manche Gemeindeglieder ziemlich hoffnungslos zurück, manche resignieren. In Lk 5,1ff setzt Jesus knapp und eindeutig sein Wort gegen (5,4) die Negativerfahrung der Fischer. Seine Aufforderung, noch einmal die Netze auszuwerfen, ist eine enorme Zumutung. Das Ergebnis widerspricht allen bisherigen Erfahrungen und Erwartungen.

In dem Auftrag „Menschenfischer“ zu werden sehe ich die Aufforderung zum Dialog mit Menschen, die „Kirche“ abgeschrieben haben. In Gesprächen wird immer wieder deutlich, dass die Sehnsucht nach Gott durchaus da ist.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Die 12. Synode der EKD fasste am 9.11.2020 einen Beschluss mit dem Titel: „Hinaus ins Weite – Kirche auf gutem Grund“ Zwölf Leitsätze zur Zukunft einer aufgeschlossenen Kirche.

Auszug von Seite 4:

Die biblischen Bilder von Salz und Licht (vgl. Mt. 5,13ff) bestärken ein Handeln, das die Wirksamkeit der Kirche in einer Öffentlichkeit in den Blick nimmt, in der Aufmerksamkeit ein begrenztes Gut ist und Polarisierungen zunehmen. Der Anspruch des Evangeliums ist öffentlich. Die Kirche muss daher in der Gesellschaft präsent, spürbar, wahrnehmbar bleiben. Aber das, was wir tun und sagen, muss sich noch klarer und deutlicher auf die Botschaft des Glaubens beziehen lassen. Diese Botschaft soll erkennbar sein, und unser Handeln muss sich daran messen. In dieser Konzentration liegt die Chance, gehört zu werden mit dem, was nur wir sagen können. Wir wollen das Leben in der christlichen Gemeinschaft so gestalten, dass wir Gelingendes erhalten oder stärken und zugleich Neues ermöglichen. Wenn das gelingt, können wir als Zeuginnen und Zeugen der ‚freien Gnade Gottes‘ (Barmen VI) auf andere und in die Öffentlichkeit unserer Gesellschaft hinein ausstrahlen.

Susanne Käser, Landau

Alle Bibelzitate nach Bibel in gerechter Sprache (BigS), 2006

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