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Letzter Sonntag im Kirchenjahr / Christkönigssonntag (21.11.21)

Letzter Sonntag im Kirchenjahr / Christkönigssonntag

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Jes 65,17-19(20-22)23-25 Dan 7, 2a.13b-14 Offb 1, 5b-8 Joh 18, 33b-37

 

Jes 65, 17-19(20-22)23-25

Auf jeden Fall sollten die Verse 20-22 mit bedacht werden, denn sie bringen die konkreten Bilder dieser Vision einer neuen Erde und eines neuen Himmels. Es sind Visionen, die auch uns heute noch bewegen. Nachhaltigkeit ist auch visionsorientiert. Das, was motiviert, sind unsere Bilder von einem guten Leben in der Zukunft für alle und nicht die Bilder der Werbung und der Ideologien. Spannend wäre genau das in der Predigt auszubreiten. Wie sehen heute die Themen von Armut, Tod, Ungerechtigkeit und Umwelt aus? Was ist die Vision des/der Predigers/in für ein gutes Leben für alle? Bieten Sie an, nach dem Gottesdienst dazu beim Kirchencafe in die Diskussion zu kommen.

Vers 25a nimmt Bilder des Friedenreiches aus Jes 11 mit dem Wolf und dem Lamm auf. Schöpfung ist biblisch keine erklärende Lehre des Woher der Welt sondern sie ist Erzählung. Sie ist Gefühl (Ps 104,24). Gottes Schöpfertätigkeit – als einzigartiges Geschehen des Rufens ins Sein – wird kontinuierlich geglaubt (creatio continua) bis hin zur noch ausstehenden Erfüllung, die neue Schöpfung am Ende der Zeit (Jes 65,17ff). Gen beschreibt nicht die aktuell erlebbare Wirklichkeit, siehe Vegetarismus aller Geschöpfe. Die Schöpfungswirksamkeit Gottes ist mehr auf die Zukunft als auf die Vergangenheit gerichtet. „Nicht im Horizont des (einmaligen) rettenden Handeln, sondern auf der ihm gegenüber selbstständigen Linie des (stetigen, bleibend wiederkehrenden) Segenshandeln Gottes muss man die Aussage dieser Texte interpretieren.“ (Link, S. 37)

Werden die biblischen Schöpfungsgeschichten als Gerechtigkeitsvision(Benk) verstanden, bei der auch Genesis 1 im Sinne von Jesaja 11 und 65 als Weisheitstexte zu lesen wären, einer Heilsvision von einem friedlichem Beieinander aller Geschöpfe.[1] In dieser Vision wird allen Geschöpfen inklusive dem Menschen ein eigener Lebensbereich zugeordnet, so dass eine Konkurrenz um Nahrung ausgeschlossen ist. Gott setzt sich durch das „und siehe, es war sehr gut“ in ein kommunikatives Geschehen, das eine liebevolle Beziehung zu dieser Schöpfung ausdrückt. Schöpfung bleibt ein kontinuierlicher Akt. Jes 11 und 65 sind natürlich Utopien, aber sie entsprechen Gen 1 mit dem Vegetarismus allen Geschaffenen. Auch die Schöpfung ist eine Vision, eine „Ursprungsutopie“ (Ebach).

Dazu näheres bei Andreas Benk in Schöpfung eine Vision von Gerechtigkeit – Was niemals war doch möglich ist

Liturgisches Material ist aktuell zu finden in Jubeljahr für die Erde, 2020 Leitfaden, www.lutheranworld.org/sites/default/files/2020/documents/soc_2020_de.pdf

Dan 7, 2a.13b-14

Offb 1, 5b-8

Joh 18, 33b-37

Alle Lesungen weisen am Christkönigssontag auf die Königsherrschaft Christi hin.

In der Vision des Daniel wird die Ankunft des Messias beschrieben, der sein ewiges Reich auf Erden aufrichtet.

Die Vision des Johannes in der Offenbarung 1,8 spricht die Einheit Gottes an als der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige. Dies korrespondiert mit dem vision-orientierten Schöpfungsverständnis bei Jes 65, siehe oben EKD Reihe III. Der Schöpfergott rief ins Leben, begleitet uns heute und ist Garant für eine positive Zukunft. Bei all den menschlichen Gerechtigkeitskrisen und den Umweltkrisen kann dieser Gedanke Trost spenden für eine nachhaltige Schöpfung, in der gutes Leben für alle möglich ist.

Im Johannes-Evangelium steht Jesus vor Pilatus. Was meint Jesus mit: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ In der Tradition wird dies aufs Jenseits gedeutet. Es könnte aber auch bedeuten, dass Jesu Reich im Diesseits nicht den Regeln der herrschenden Ungerechtigkeiten gegenüber Mensch und Natur folgt, sondern den Visionen der Gerechtigkeit, der Nächstenliebe, der Achtung der Lilien auf dem Feld…

Jan Christensen, Hamburg
 

[1] Vgl. Jan Christensen, Good Governance in der Schöpfung, in: Hans-Christoph Goßmann [Hg.], Der Glaube an den Gott Israels. Festschrift für Joachim Liß-Walter, Nordhausen 2012 (Jerusalemer Texte; 11), S.97-115.

Siehe auch:
Christian Link, Schöpfung – ein theologischer Entwurf im Gegenüber von Naturwissenschaft und Ökologie, Neukirchener Verlag 2012, S.32ff
Jürgen Ebach, Ursprung und Ziel. Erinnerte Zukunft und erhoffte Vergangenheit, Neukirchen-Vluyn 1986
Andreas Benk, Schöpfung eine Vision von Gerechtigkeit – Was niemals war doch möglich ist, Ostfildern 2016

 

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