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9. Sonntag nach Trinitatis / 18. Sonntag im Jahreskreis (01.08.21)

9. Sonntag nach Trinitatis / 18. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Mt 7,24-27 Ex 16, 2-4.12-15 Eph 4, 17.20-24 Joh 6, 24-35

 

Leitgedanken

In der Verkündigung soll zum Ausdruck kommen, das wir Menschen oft nur vordergründig nach einem tragenden Lebenssinn streben, die Botschaft des Evangeliums uns aber einlädt grundlegender zu suchen. Bei dieser Suche ruft uns Jesus auf, unsere Sehnsüchte an ihm festzumachen und im Glauben an ihn unsere tiefste Erfüllung zu finden.

Matthäus 7, 24-27 Bau dein Leben auf den Fels

Die Aussage des Textes erscheint beim ersten Lesen wie eine Selbstverständigkeit, über die zu reden man nur wenige Sätze braucht. Hören und Tun sollen einander entsprechen – wer wäre nicht der gleiche Meinung? Christen sehen sich immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, sie hörten sich in kirchlichen Veranstaltungen anspruchsvolle Worte an, handeln jedoch nicht danach und würden deshalb unglaubwürdig für andere, die diesen Widerspruch bemerken. Die Pointe „Es kommt auf das Tun an“ kann sogar dazu benutzt werden, um das „bloße“ Hören herabzusetzen, was der Intention des Textes widerspricht, denn dieser zielt offensichtlich auf die Einheit von Hören und Tun. Auch das Bild des Gleichnisses gibt wenig Überraschendes her. Sein Haus auf felsigen Untergrund zu bauen, statt es einfach auf Sandboden zu setzen, ist auch für denjenigen einleuchtend, dem die Gegebenheiten im alten Palästina nicht vertraut sind. Die Darstellungen von Stürmen, Überschwemmungen und ihren Folgen ist plastisch genug, um klarzumachen, wie unvernünftig es ist, einen Hausbau ohne die notwendige Sorgfalt bei der Auswahl des Bauplatzes und der ordentliche Fundament durchzuführen. Die Konsequenz daraus kann nur sein: Wer sich auf eine Sache einlässt, muss alles, was dazugehört, mit Sorgfalt tun.

Jesu Gleichnis am Ende der Bergpredigt sagt: Ein Mensch, der sein Haus, seine Lebensexistenz auf Sand baut, ist dumm. In Palästina und an vielen anderen Orten dieser Erde wusste man das vor 2000 Jahren – und weiß es noch heute. In Griechenland, kann man Häuser sehen, deren Untergrund von den heftigen Regenfällen im Winter regelrecht unterspült waren – und mancher Hausbesitzer versucht dem Einsturz des Hauses entgegenzuwirken, indem er Fels- und Steinbrocken noch nachträglich unter das Fundament bringt. Überall auf der Welt kann man auch wirtschaftliche und politische Unwetter beobachten, die die Existenz Grundlage manches Staates zunichte machen und alles wegzuspülen drohen. Das kann jeden und jede überall treffen. Auch in Deutschland gibt es immer wieder schwere Unwetter, die ganze Landstriche überschwemmten. Und auch im persönlichen Alltag jedes Menschen kann es Krisen geben, die das Fundament des Lebens einstürzen lassen können. Wer sein Lebenshaus auf unsicherem Boden gebaut hat, kann schnell vor den Trümmern seiner Existenz stehen.

In alldem spricht uns Jesus Hoffnung und gibt uns Mut.

„Wer meine Rede hört und tut sie, der wird einem klugen Mann gleichen, der sein Haus auf Felsen baute.“

Exodus 16, 2-4. 12-15

Angesichts der tödlichen Bedrohung durch Hunger in der Wüste wenden sich die Israeliten mit einer gemeinsamen Klage gegen die Führer Mose und Aron. In ihrer Klage werden Gegensätze genannt: In Ägypten hätten sie zu essen gehabt. Sie hätten dort nicht einen vorzeitigen Tod, sondern einen natürlichen Tod durch Jahwes Hand sterben können. Jetzt droht ihnen durch den Hunger der frühe Tod, und zwar droht dieser Tod der gesamten „Gemeinde“. Damit steht Gottes Heilshandeln auf dem Spiel.

Ich finde es sehr faszinierend, aber auch tröstlich und überraschend, wie Gott in unserer Erzählung mit diesem murrenden und protestierenden Volk umgeht. Gott schimpft nicht und er straft nicht. Er geht aber auch nicht auf ihren Willen ein und lässt sie zurückkehren nach Ägypten, in die Gefangenschaft.

Jeden Morgen - im Frühtau lag „etwas feines, knuspriges, fein wie Reif“.

Die Kinder Israel fragten: „Man hu“? Das bedeutet: Was ist das? Daraus leitet sich der Name Man (= Manna) ab. Das Volk Israel hat dieses Manna 40 Jahre lang gegessen. Was immer in der Wüste passierte, ob sie unterwegs waren, lagerten oder kämpften, das Manna gab ihnen alles, was sie an Nährstoffen brauchten.

Wie sieht es heute zu unserer Zeit mit dem Hunger aus?

Nahrung ist in Deutschland jederzeit und in jeder Menge verfügbar, die Zeiten des Mangels sind hier lange vorbei. Das gilt aber nicht auf der ganzen Welt. Obwohl es mehr als genug Nahrungsmittel für die über sieben Milliarden Menschen auf der Erde gibt, leiden mehr als 800 Millionen Menschen Hunger. Das liegt in erster Linie am ungleichen Zugang zu Nahrungsmitteln. Vor allem Arme habe zu wenig Geld, um sich genügend Essen zu kaufen. Weitere Gründe sind Lebensmittelverschwendung und die Verwendung von Nahrungsmitteln für andere Zwecke, etwa zur Herstellung von Treibstoffen.

Arif Husain, Chefökonom und Direktor beim Welternährungsprogramm (World Food Programme) der Vereinten Nationen schreibt in der Zeitschrift „Zeit Online“: „Es quält mich, dass im 21. Jahrhundert noch immer Menschen verhungern. Wenn jemand keine Luft zum Atmen hat oder kein Wasser zum Trinken, dann finden wir das inakzeptabel. Warum nicht, wenn jemandem das Essen zum Leben fehlt? Bald werden wir in der Lage sein, Menschen zum Mars zu schicken. Aber wir sind außerstande, Millionen Menschen auf der Erde vor Hunger zu bewahren? Das kann einfach nicht wahr sein!...Jeden Tag gehen 815 Millionen Menschen hungrig ins Bett, obwohl wir auf der Erde mehr als genug Nahrung produzieren, um alle satt zu machen. Warum? Aufgrund von Kriegen und dem Klimawandel, die heute die Hauptursachen für Hunger und Vertreibung sind. Daten zeigen: 60 Prozent derer, die Hunger leiden (489 Millionen Menschen), und mehr als 75 Prozent der aufgrund von Mangelernährung unterentwickelten Kinder (also 122 von 155 Millionen) leben in Konfliktgebieten. Wenn wir nicht bald etwas tun, werden viele Menschen, die hungernd aufgewachsen sind, als Erwachsene weniger leisten und verdienen – mit weitreichenden Konsequenzen für viele Gesellschaften und Länder. Es ist untragbar und entwürdigend, dass noch immer Hunderte Millionen Menschen an Hunger leiden. Oft sind sie selbst daran nicht schuld. Wir müssen uns erheben und denen, die die Macht haben, Kriege zu beenden, sagen: "Es reicht!" Weil wir in einer vernetzten Welt leben, ist Hunger unser aller Problem. Und eben nicht nur das anderer Leute in weit entfernten Ländern“.[1]

Das Neue Testament nennt das Manna „das Brot Gottes“ (Joh 6,33), Gott gibt immer, was wir für einen Tag brauchen – nicht mehr. Die Anforderungen von morgen sind anders als die von heute. Wir sind in allem von Ihm abhängig. Der Herr Jesus sagt in der Bergpredigt: „So seid nun nicht besorgt für den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat an seinem Übel genug“ (Mt 6,34).

Johannes 6, 24-35

Das Volk fragte Jesus: „Was tust du für ein Zeichen“? Sie glauben nur, sofern sie etwas sehen. Und dabei haben sie schon ein Zeichen gesehen – ohne seine eigentliche Bedeutung erkannt zu haben. Ihre Vorstellung von „Zeichen“ beschränkte sich auf eine Wiederholung des Manna-Wunders aus der Zeit der Väter, d.h. auf die Sättigung materieller Bedürfnisse. Worum es ihnen geht, ist offenkundig. Ein einziges Mahl-Wunder kann es nicht mit der jahrelangen Nahrungsversorgung während der gesamten Wüstenwanderung Israels aufnehmen. Jesus müsste doch zeigen, dass er mehr kann als Mose. „Brot vom Himmel“: Ein Zitat aus Ps. 78,24. Jesus nimmt das Zitat auf und deutet es geistlich. Zunächst zeigt er, dass nicht Mose, sondern der himmlische Vater das Manna gab. Dann weist er darauf hin, dass das wirkliche himmlische Brot nicht das Manna, sondern Christus selbst ist.

Ich bin das Brot des Lebens: Jesus musste sofort das Missverständnis von natürlichen Brot ausräumen und die Rede auf sich selbst bringen. In Vers 35. spricht Jesus: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben“.

Nur derjenige der zu Jesus kommt und an ihn glaubt, kann geistlich satt werden.  

Branislav Tot, Ulm

 

[1]https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2017-12/hunger-welternaehrung-weihnachten-afrika-hungersnot-heiligabend

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