wieviel

1. Sonntag nach Trinitatis / 10. Sonntag im Jahreskreis (06.06.21)

1. Sonntag nach Trinitatis / 10. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Jona 1,1-2,2(3-10)11 Gen 3, 9-15 2 Kor 4, 13 - 5, 1 Mk 3, 20-35

Jona 1,1- 2,2 (3-10) 11

Vorbemerkung: Das Jonabuch ist kein Buch mit den Texten eines Propheten, sondern eine Lehrerzählung. Der Hauptstrang der Erzählung schildert die vorbildliche Umkehr der Leute von Ninive. Deshalb wird das Jonabuch im Judentum am Jom Kippur, dem Versöhnungstag, gelesen.

Das erste Kapitel beschreibt jedoch zuerst die Weigerung des Jona, Gottes Auftrag zu erfüllen: Entgegen seinem (nur angelernten?) Glaubensbekenntnis: „Ich verehre den HERRN, den Gott des Himmels, der das Meer und das Festland gemacht hat“ (Jona 1,9), versucht Jona, vor Gott in den fernen Westen, nach Tarschisch in Spanien, zu fliehen - und landet in der ausweglosen Tiefe des Meeres (Jona 2, 4.6).

Anregung: Was könnte heute Jona bewegen, vor Gott zu fliehen?

Vielleicht lebt er heute als Meteorologe in Quito, der Hauptstadt von Ecuador, und arbeitet für das Wirtschaftsministerium. Er wird frühzeitig auf den menschlich beeinflussten Klimawandel aufmerksam. Als im Amazonasgebiet von Ecuador Erdöl gefunden wird, setzt er sich mit vielen anderen dafür ein, dass aus Umweltschutzgründen das Erdöl nicht gefördert wird.

Sein Gewissen sagt ihm: „Du musst nach Washington und Brüssel reisen und dort versuchen, diese Katastrophe für das Amazonasgebiet und für das Klima abzuwenden.“

Aber dann kommen ihm Bedenken. „Warum sollten die Erdölbosse und ihre Freunde in der Politik auf mich hören? Auf andere Meteorologen hörten sie nicht, auf den Club of Rome hörten sie nicht, auf Papst Franziskus hörten sie nicht – weshalb dann auf mich? Außerdem leben Umweltschützer, wenn sie laut werden, gefährlich!“

Und Jona verkauft alles, was er besitzt, geht hinunter in die Hafenstadt Guayaquil und fährt mit dem Postschiff weit nach Südwesten zur Osterinsel, um dort zurückgezogen und abgeschieden in der Südsee zu leben.

Wo landet er? Vielleicht doch in Brüssel (dank Greta, die auch mit dem Postschiff fährt und Jona umstimmt zur Weltrettung in Brüssel)? Und hören ihn in Brüssel die Präsidenten und die Europaabgeordneten und die Völker Europas?

Genesis 3,  9–15

Vorschlag: Variation von Genesis 3, 9–13 (Verse 14 und 15, „die Verfluchung der Schlange“, lasse ich weg)

V 9 Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, lustwandelte durch seine Schöpfung. Die Menschen hatten sich versteckt. Da rief Gott: „Adam, wo bist du?“

V 10 Er antwortete: „Ich habe dich kommen hören, da geriet ich in Furcht, weil ich etwas Schreckliches sah, und versteckte mich.“

V 11 Darauf fragte er: „Was hast du Schreckliches gesehen? Hast du gemacht, was ich dir verboten habe?“

V 12 Der Mensch antwortete: „Die Frau, die du mir gabst, hat mir gezeigt, wie man Menschen, Tiere und Pflanzen verändern und ausbeuten kann. Das habe ich getan, jetzt sehe ich die schrecklichen Folgen.“

V 13 Gott sprach zu der Frau: „Was hast du getan?“ Die Frau antwortete: „Ich wollte, dass meine Kinder in Freiheit und ohne Einschränkungen leben können. Deshalb habe ich Menschen, Tiere und Pflanzen genau beobachtet, wie sie den Kindern, Adam und mir nützen können. Meine Beobachtungen habe ich dann Adam gesagt.“

Es sind natürlich noch viele weitere Variationen möglich, etwa bezüglich anderer Dinge, welche Menschen manipulieren (Erde, Kunststoffe, …) oder andere Gründe, die zuerst Eva verführen, und wie Adam mit Evas Verführung umgeht.

Ausblick der Predigt könnte sein, dass Gott die Menschen nicht vernichtet, sondern sie leben lässt und ihnen zuerst einmal den Schutz von Kleidern schenkt, sowie ein Blick auf die Noah-Erzählung mit den verschiedenen Segnungen in Genesis Kap. 8 und 9.

Markus 3, 20 – 35

Wenn der 30-jährige Sohn und Bruder, immer noch unverheiratet, seinem Beruf nicht mehr nachgeht; wenn er stattdessen von einer religiösen Berufung spricht und überall predigt: „Es ist so weit: Jetzt will Gott seine Herrschaft aufrichten und sein Werk vollenden. Ändert euer Leben und glaubt diese gute Nachricht!“ (Mk 1,15 in der Übertragung der Bibel in heutigem Deutsch, 1982); wenn sich Schüler - erwachsene Männer! - um ihn sammeln, die auch ihren Beruf aufgeben und mit ihm durch die Dörfer ziehen; wenn er, der Sohn und Bruder, sich als Geistheiler und Dämonenaustreiber betätigt - dann ist es wohl Zeit, dass der Familienrat zusammen tritt und eine klare Entscheidung trifft: „So geht es nicht weiter! Er wird sich ins Unglück stürzen und uns, seine Familie, mitreißen. Vielleicht schon bald wird die Obrigkeit eingreifen. Wir kennen ihn doch schon sein Leben lang. Jetzt scheint er verrückt geworden zu sein! Holen wir ihn zu seinem eigenen Schutz nach Haus. Notfalls mit Gewalt!“.

Wenn dann auch noch die kirchliche Obrigkeit aufmerksam wird und theologische Gutachter von der Hauptstadt in die Provinz schickt, um zu untersuchen, ob das ein religiös Wahnsinniger ist oder ob er mit Gott oder dem Teufel im Bund ist, dann wird es sehr brenzlig. Die Gutachter urteilen: „Er steht mit dem Teufel im Bund! Der oberste aller bösen Geister gibt ihm die Macht, die Geister auszutreiben.“ (Mk 3,22 in der Übertragung der Bibel in heutigem Deutsch).

Ähnlich brenzlig ergeht es sicher heute etlichen Umweltaktivisten: Die Familie versteht ihr Verhalten nicht mehr, vor allem, wenn es sich nicht mehr an den üblichen bürgerlichen Normen orientiert; es wird versucht, mit materiellem und psychischen Druck („Denk doch an die Familie!“) die verlorenen Söhne oder Töchter zurückzuholen in den sicheren Familienhort. Und Gutachter der Mächtigen sprechen schlecht begründete Verdächtigungen aus.

Wie reagiert Jesus? Dank seiner vielen Anhänger können die Verwandten gar keine Gewalt anwenden, sondern sie müssen „draußen stehen bleiben und lassen ihn herausrufen.“ Und Jesus erklärt, dass diejenigen seine nächsten Verwandten sind, „die den Willen Gottes tun.“ Es gibt für ihn also noch Wichtigeres als den Schutz der Familie.

Dem vernichtenden Urteil der theologischen Gutachter begegnet er, indem er die Widersprüchlichkeit ihrer Argumentation aufspießt. Außerdem wirft er ihnen vor, dass sie den Geist Gottes, der in ihm wirkt, absichtlich missdeuten („lästern“) als einen unreinen Geist.

Umweltaktivisten können zumindest daraus lernen, dass in brenzligen Situationen nur eine klare eigene Position weiter hilft, die fest im eigenen Glauben(!) verankert ist.

Michael Strake, Hütschenhausen

Nach oben