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Exaudi / 7. Sonntag der Osterzeit (16.05.21)

Exaudi / 7. Sonntag der Osterzeit

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Joh 7,37-39 Apg 1, 15-17.20a.c-26 1 Joh 4, 11-16 Joh 17, 6a.11b-19

 

Wahrheit, Liebe, glaubwürdiges Christsein (Heiligung) – das sind die Themen am Sonntag Exaudi. Die Texte am Sonntag vor Pfingsten lenken bereits den Blick auf das, was nach Jesus Christus kommt: im Geist der Einheit, aber auch der Klarheit und Wahrheit werden die Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung in der Welt die Liebe Gottes verkörpern. Es sind die großen Themen der ökumenischen Bewegung. Die Frage der Apostolizität, die Frage der Einheit der Kirche(n) und die Frage nach glaubwürdigem Handeln in der Welt sind miteinander verknüpft. Der 16.Mai 2021 ist Kirchentagssonntag. Der 3. Ökumenische Kirchentagwird mit einem ökumenischen Gottesdienst zu Ende gehen und hoffentlich den weiten Horizont einer Ökumene der Zukunft für das 21. Jh. eröffnen. Anknüpfungspunkte für Themen der Nachhaltigkeit sind sowohl das Wasser in Joh.7 als auch die Liebe in 1.Joh.4, aber auch das Zeugnis in Apg.1 lässt Bezüge zu (Respekt, Dialog). Joh. 17 stellt die Frage nach den (spirituellen) Ressourcen für ein glaubwürdiges – an Nachhaltigkeitskriterien orientiertes – Leben. Für meine Predigtanregungen entscheide ich mich für Joh.7,37-39.

Johannes 7, 37-39

„Am letzten Tag des Festes“ beginnt der kurze Predigtabschnitt. Es handelt sich um das Laubhüttenfest, das wichtigste Erntefest, eines der drei israelitischen Hauptfeste. Es wurde mit einer Wallfahrt nach Jerusalem wahrscheinlich im Oktober gefeiert und dauerte etwa eine Woche. Wasser und Licht spielten dabei eine große Rolle.

Johannes 7 beschreibt wie Jesus während des Laubhüttenfests im Tempel auftritt und durch seine Reden für Unruhe und Unmut sorgt. Das Ganze kulminiert in der Szene, die der Predigttext beschreibt: Jesus ruft „Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“

Dieser Anspruch polarisiert und führt zu Auseinandersetzungen im Volk. Doch niemand traut sich, Jesus direkt anzugreifen. Er muss wohl großen Eindruck gemacht haben.

Wie in Johannes 4 (Jesus und die Samariterin) vergleicht Jesus sich bzw. das, was er zu sagen, mit „Strömen lebendigen Wassers“. Gleichzeitig wird die Botschaft, das Wort Gottes, das Lebenselixier mit dem Geist in Verbindung gesetzt: „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ (Joh.4,24) – „Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.“ (Joh.7,39).

Apg. 1, 15-17.20a.c-26

Es geht um die Nachwahl eines Apostels für Judas, der sich ja nach seinem Verrat das Leben genommen hat. Interessant ist zum einen, dass jemand gewählt wird – es müssen also mehrere Personen zur Auswahl gestanden haben – und zweitens dass gefragt wird, wer Zeuge der Auferstehung werden kann. Der Zeugnisbegriff ist also ein dynamischer, prozesshafter. Es geht um ein aktives Bezeugen dessen, was ich für mich als richtig und wegweisend erkannt habe. Wir würden heute von einem dialogischen Missionsbegriff sprechen.

(Das Dokument „Mission Respekt – christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt“ gibt Auskunft darüber, was christliche Kirchen weltweit darunter verstehen. Das Video auf der Startseite www.missionrespekt.de eignet sich hervorragend dazu, es im Rahmen eines Gottesdienstes einzuspielen und sich in der Predigt darauf zu beziehen.)

1. Joh. 4, 11-16

„Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (V.16) Gern als Trauspruch genommen, bietet der Text einen guten Ausgangspunkt, um über die weltumspannende Liebe Gottes nachzudenken. Der 1Joh nennt weder Absender noch Adressaten. Er ist abgefasst worden, um den Einfluss von Irrlehrern einzudämmen, die in der Gemeinde aufgetreten sind, zu der auch der Verfasser gehört. Diese Irrlehrer haben allem Anschein nach eine Christologie vertreten, in der die Fleischwerdung (vgl. 4,2f.) und der Heilstod am Kreuz (vgl. 5,6f.) keine Rolle spielen. Für sie hatte Jesus Christus mit seinem Kommen in die Welt ein für allemal das Heil gebracht, das ihnen aufgrund ihres pneumatischen Selbstbewusstseins als unverzichtbarer Besitz galt (vgl. 1,8-10). Sie haben daraus möglicherweise den Schluss gezogen, dass aus dem Heilszuspruch Gottes keine Forderung nach entsprechendem irdischen Wandel ableitbar sei (vgl. 3,11-18).

Das Motto der Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen, die – wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben – im Herbst 2022 in Karlsruhe stattfinden wird, lautet: „Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt.“ Es entspricht dem Anliegen des 1 Joh, über Versöhnung und Überwindung von Hass und Gewalt nachzudenken.

Joh. 17, 6a.11b-19

Unmittelbar vor dem Bericht von seiner Gefangennahme lässt Johannes Jesus ein inniges Gebet sprechen, in dem er als Sohn seinen Vater für seine Freunde bittet. Den Tod vor Augen weiß er, dass auch sie Anfechtungen ausgesetzt werden und leiden müssen. Jesus bittet um „Bewahrung vor dem Bösen“. „Heilige sie in der Wahrheit“, „dein Wort ist die Wahrheit“ – so beschwört Jesus förmlich das Leben seiner Nachfolger*innen. Er sendet sie „in die Welt“, um die Wahrheit, die „nicht von der Welt“ ist, in sie hineinzutragen. Der Auftrag an die Christenheit lautet also: sich nicht der Welt gleich machen, den scheinbar alternativlosen Narrativen vom Heil der Wachstumsgesellschaft eine andere Wahrheit entgegen setzen: die biblischen Heilsgeschichten, das Zeugnis von der befreienden Liebe Gottes, den Glauben an die Überwindung der lebensfeindlichen Mächte am Kreuz Christi, die Narrative von der Genügsamkeit, die Hoffnung auf ein gutes Leben, auf Gerechtigkeit und Frieden, auf Zeichen des Reiches Gottes im Hier und Jetzt.

Predigtanregungen

Joh. 7, 36-38

Der 3. Ökumenische Kirchentag geht heute zu Ende. Sein Motto lautete: Schaut hin! Das Plakat: unscharf – vielsagend oder eher verwirrend und daher nichts sagend? (Das Plakatmotiv austeilen oder auf eine Leinwand projizieren, evtl. Murmelgruppen, Assoziationen einsammeln, …)

Was seht Ihr? Was sehen wir, wenn wir hinschauen? Wie sieht die Welt aus im Mai 2021? (Was hat Corona mit uns gemacht? Wie steht es um unsere bürgerlichen Freiheiten? Hat der Rechtspopulismus einen Schub bekommen? Wo befinden wir uns in der Rassismusdebatte? Was ist mit den Nachhaltigkeitszielen? Klimagerechtigkeit? Kohleausstieg? …)

Vieles von dem war auf dem ÖKT Thema. Die christlichen Kirchen Deutschlands haben zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern aus der internationalen Ökumene versucht, gemeinsam hinzuschauen und ihre Stimme zu erheben.

So wie Jesus. Am letzten Tag des Laubhüttenfestes trat er auf und rief: „Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!“

Wen da dürstet…

Da denke ich an ausgetrocknete Kehlen - und dürre Böden. Wie lange hat es nicht mehr geregnet?

Ich danke an Bilder von Dürregebieten in Somalia und Südafrika, an abgeholzte Wälder im Amazonasgebiet. ..

Menschen, Tiere, Pflanzen - die ganze Schöpfung ist auf Wasser angewiesen. Wasser des Lebens. Ohne Wasser kein Leben. Alles Leben kommt aus dem Wasser. Eins der vier Elemente, ohne die es kein Leben auf unserem Planeten gäbe…

Jesus vergleicht sich mit dem Wasser.

Und dann geht er noch einen Schritt weiter und verspricht denen, die an ihn glauben, dass auch sie zum Wasser werden. „Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“

Das ist ein ungeheuer kraftvolles und inspirierendes Bild! In einem ökumenischen Gottesdienst mit vielen Partnerinnen und Partnern aus aller Welt haben wir das einmal richtig zelebriert. Mit der Einladung hatten unsere Gäste die Bitte übermittelt bekommen, etwas Wasser aus ihrer Heimat mitzubringen. Zu Beginn des Gottesdienstes kamen sie nach vorn und schütteten es in ein großes Gefäß. Das Wasser aus dem Brunnen in Namibia, aus dem Michigansee bei Chicago und aus der Favela in Buenos Aires mischte sich mit dem Wasser von den Stränden Lampedusas und aus Rhein und Ruhr. Und die Geschichten mischten sich: die Geschichten von den Flüchtlingen, die übers Wasser nach Italien kommen, mischten sich mit den Geschichten von den riesigen Staudammprojekten Argentiniens, durch die Indigene vertrieben werden und die Böden erodieren.

Und alle Anwesenden spürten eine intensive Verbundenheit miteinander. Wir gehören zusammen. Wenn ein Glied leidet, leiden alle mit. Gemeinsam hörten wir dann auf die Worte Jesu: „Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!“ Wir erinnerten uns daran, dass wir durch das Wasser der Taufe alle miteinander verbunden sind, und erzählten uns Hoffnungsgeschichten, Geschichten von Solidarität und Widerstand, von Aufrichtigkeit und Liebe, ermutigende Geschichten, Geschichten, die den Durst nach Leben stillten.

Da haben wir so etwas wie Pfingsten erlebt. Der Geist Gottes hat uns vereinigt und wir fühlten: als weltweite Christenheit, so verschieden wir auch sind, sind wir doch vereint und können etwas bewegen in dieser Welt.

Anregungen zur Gottesdienstgestaltung:

Im Gottesdienst mit dem Element Wasser spielen. Verschiedene Behälter mit Wasser füllen und ins Taufbecken gießen. Dabei an Partner, Partnerinnen in der Ökumene, in der Zivilgesellschaft o.ä. denken. – Das geht im Eingangsteil, verbunden mit dem Kyriegebet oder auch als Fürbittgebet.

Tauferinnerung: Wasser in Bechern durch die Reihen geben mit der Aufforderung, sich gegenseitig mit einem benetzten Finger ein Kreuzzeichen auf die Stirn zu zeichnen.

Eine Projektidee zum Thema Wasser genauer vorstellen, z.B. von Brot für die Welt oder Misereor. Dort gibt es eine Fülle von Material zum Thema Wasser.

Auch Vorbereitungsmaterial zum ÖKT dürfte ab März/April 2021 zur Verfügung stehen. Mit Sicherheit ist dort auch ein Bezug zum Thema Wasser/Taufe herstellbar.

Annette Muhr-Nelson, Dortmund

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