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Ostermontag (05.04.21)

Ostermontag

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Offb 5,6-14 Apg 2, 14.22-33 1 Kor 15, 1-8.11 Lk 24, 13-35 oder:
Mt 28, 8-15

 

Gedanken zum Ostermontag

Der Ostermontag ist einer von 3 zweiten Feiertagen (neben dem 2. Weihnachtsfeiertag und dem Pfingstmontag) und unterstreicht die Bedeutung des Osterfestes als eines der höchsten christlichen Feste. Als zweiter Feiertag beinhaltet der Ostermontag keine eigene, vom ersten Feiertag unabhängige Botschaft, sondern vertieft die Botschaft des Ostersonntags, erzählt die Geschichte auf neue Weise und erschließt so die Osterbotschaft der Auferstehung, also der Überwindung des Todes, weiter. Die Feier des Hochfestes Ostern an zwei aufeinanderfolgenden Tagen trägt in sich bereits eine Art Nachhaltigkeit: Die Botschaft der Auferstehung darf nicht nur – am Ostersonntag – wahr-, auf- und angenommen werden, sie begleitet weiter in den Montag, den traditionell ersten Arbeitstag der Woche und transzendiert den Alltag damit zum Festtag. Die Botschaft der Auferstehung begegnet der menschlichen Urangst vor der eigenen Sterblichkeit und gibt Hoffnung auf versöhntes Leben, jetzt, hier und in Ewigkeit. Die im Osterfest aufleuchtende Heilung der Welt durchdringt als Versöhnungs-hoffnung den Alltag.    

Allgemeine Erwägungen

Die oben genannten Bibeltexte teilen einen gemeinsamen Fokus: die Erkenntnis des Jesus von Nazareth als den Christus, den Gesalbten, den von Gott auferweckten und den im Alten Testament angesagten Messias und Heilsbringer. Geschildert werden verschiedene Erkenntnisprozesse oder –tiefen. Im Kontext biblischer Betrachtung handelt es sich bei „Erkenntnis“ jedoch nicht/nicht nur um einen kognitiven Ablauf, ein Gedankenspiel oder eine logisch schlussfolgernde Einordnung. Erkenntnis umfasst in biblischer Tradition das ganze Menschsein, also Kopf, Herz und Hand. Eine solche Sichtweise von Erkenntnis ist in sich nachhaltig und wirkt lebensverändernd.

Gedanken zu den einzelnen Texten

Offenbarung 5,6-14 – Die Vision des Lammes

Der Seher Johannes nimmt uns in dieser Vision hinein in den Thronsaal Gottes. Voraus geht der himmlische Lobgesang (Offb. 4,11) und der Anblick des Buches mit den sieben Siegeln, welches keiner zu öffnen vermag (Offb. 5,3) was den Seher zu Tränen rührt (Offb. 5,4). Dann taucht das geschächtete Lamm (Offb. 5, 6) auf und nimmt das Buch im feierlichen Zeremoniell aus der Hand dessen, der auf dem Thron sitzt und die ganze Welt sinkt auf die Knie und weitet den himmlischen Lobgesang auf das Lamm aus (Offb. 5, 8.13 und 14). Die Vision des geschächteten Lammes (Offb. 5,6), des Löwen aus Juda (Offb.5,5), stellt den Gekreuzigten in der nachfolgenden Vision der apokalyptischen Reiter (Offb. 6,1-8) als Heilshandelnden vor, der die Siegel bricht und damit das Gericht Gottes über die Welt, das der Aufrichtung der Herrschaft Gottes im Unrechtregime des Bösen dient, einleitet. Das Lamm erweist sich als der Christus, als Gottes Handelnder, der nachhaltig für Gerechtigkeit im Unrecht sorgt und die Erde erbeben lässt (Off.6,12ff).

Der apokalyptische Text stellt den machtvollen auferstandenen Christus vor, der nachhaltig für Gerechtigkeit sorgen wird. Im Text selbst ist der Aspekt der Nachhaltigkeit vor allem insofern vorfindlich, dass das Heilshandeln Gottes in Christus einen endgültigen Charakter besitzt. Dass dieses Heilshandeln nicht nur die Menschheit, sondern den gesamten Kosmos beinhaltet, ist an anderer Stelle zu vermuten (z.B. Röm.8,22). Geschieht unser (kirchliches) Engagement für Nachhaltigkeit im Vertrauen darauf, dass Christus letztendlich für Gerechtigkeit und Heilung sorgen wird?

Apostelgeschichte 2, 14.22-33 – Das Petrusbekenntnis

Wir finden uns mitten im Pfingstwunder wieder. Petrus steht auf und richtet seine Worte an alle Anwesenden (Verse 14 & 22). Sein Bekenntnis ist schlicht und klar: Jesus, der von Gott durch Zeichen, Wunder und Taten unter den Menschen seiner Zeit erwiesen als von Gott erwiesen wurde, ist der gekreuzigte und auferstandene (Verse 23 & 24).

In diesen wenigen Versen ist Nachhaltigkeit erkennbar, indem Jesus nicht nur als der Bezeugte oder Gepredigte, der Angekündigte oder Erklärte vorgestellt wird. Nein, ein wesentliches Augenmerk richtet sich darauf, dass er von Gott auch durch Zeichen, Wunder und Taten erwiesen wird (Vers 22). Das Heilshandeln Gottes – durch Ratschluss und Vorsehung (Vers 23) – ist Wirklichkeit, weil es sich auch genau so zeigt. Bei Jesus blieb es nie bei Worten. Wort und Tat gingen immer Hand in Hand. Darauf spielt Petrus hier an.

Ist unser (kirchliches) Engagement für Nachhaltigkeit in gleicher Weise nachhaltig? Sind bei uns Wort und Tat in gleicher Weise miteinander verbunden? 

1. Korinther 15, 1-8.11 – Erinnerung an den Auferstandenen

Der Fokus des Abschnittes aus dem ersten Brief des Apostel Paulus an die Gemeinde in Korinth liegt auf Erinnerung. Erinnerung an die Botschaft, wie sie Paulus den ersten Gläubigen in Korinth mitgeteilt hat. Der Anlass dieser Erinnerung (die in den Versen 3-8 kurz als Auferstehungsbotschaft bezeugt wird) wird in den nachfolgenden Versen (12ff) ersichtlich. Innerhalb der Gemeinde stellen sich verschiedene Positionen zur „Wirklichkeit“ der Auferstehung ein, welche Paulus nachfolgend in den Blick nimmt.

Beim in Vers 2 angedeuteten Glauben handelt es sich um mehr als das bloße „für wahr halten“ des Evangeliums. Es handelt sich vielmehr – so wird es in den vorausgehenden Kapiteln deutlich – um eine Übereinstimmung zwischen Denken, Fühlen und Handeln, zwischen Glauben und praktischem Leben (vgl. die Ausführungen zur Liebe und dem daraus resultierenden Miteinander in der Gemeinde in den Kapiteln 13 und 14). Damit diese Übereinstimmung möglich ist, bedarf es der (kontinuierlichen) Erinnerung an den Kern des Evangeliums.

Erinnern wir uns in unserem (kirchlichen) Engagement für Nachhaltigkeit noch an den Kern des Evangeliums? Wie findet sich das Auferstehungsevangelium in unserem Engagement für eine gerechte Welt wieder? 

Lukas 24, 13-35 - Die Emmausjünger

Die Geschichte der Emmausjünger kennt drei maßgebliche Orte der Erkenntnis: Das Gespräch, die Mahlzeit und die Begegnung mit den Jerusalemer Jüngern. Der Austausch, die Erklärung, die Begegnung auf der Straße erfolgt zu Beginn. Dabei sind die Jünger zuerst ganz unter sich. Im Gespräch verarbeiten sie die Geschehnisse der Tage und sind dabei ganz in sich gekehrt. Ihre Augen sind so gehalten wie ihre Gedanken. Der unerkannte Jesus fragt und erklärt, bis sie gemeinsam am gedeckten Tisch Platz nehmen. Interessant in dieser Erzählung ist vor allem, dass sich erst in der Gemeinschaft des Brotbrechens (Verse 30-32) die Augen der Jünger öffnen und sie Jesus als Auferstandenen Wiedererkennen. Dies setzt sie zugleich in Bewegung hin zu den Jesusnachfolgern in Jerusalem. Gegenseitig bestätigen sich die Jünger ihre Auferstehungsgeschichten.

Die Geschichte der Emmausjünger erzählt die Transformation von der Resignation zum Aufbruch. Resigniert verlassen die Jünger Jerusalem, um in ihr altes Leben zurückzukehren und werden dann von Jesus in ein Gespräch verwickelt. Die gedankliche Arbeit, die Reflexion, die Einordnung der Geschehnisse ist notwendig und wichtig, führt aber noch nicht zur Veränderung und Erkenntnis. Diese folgt erst in der Erfahrung der Gemeinschaft am gedeckten Tisch. Aus der Erkenntnis des Auferstanden führt der Weg der beiden anfangs Resignierten zurück in die Gemeinschaft der Jünger. Ein nachhaltiger Weg der Veränderung.

Wo haben wir Räume der Reflexion und Auseinandersetzung für unser nachhaltiges Engagement?

Wo erfahren wir Gemeinschaft, die uns die Augen für ein nachhaltiges Leben öffnen kann?

In welcher Gemeinschaf teilen wir unsere Überzeugungen und engagieren uns gemeinsam?

Gregor Rehm, Weyher i. d. Pfalz

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